1.      Philosophischer Monotheismus im Neuen Testament beweist Wort/Vernunft als Wesen Jesus

Wer sich allein schon vor Augen führt, wie die heutige Theologie in den Texten des Neuen Testamentes philosophische Inhalte nachblättert, gar den im Monismus antiker Wissenschaft begründeten Monotheismus, der braucht eigentlich gar nicht nach den Anfängen des Monotheismus in Vernunftlehren zu fragen oder sonstige Begründungen vorzubringen, dass es  bei dem das alttestamentliche Schöpfungsbewusstsein mit neuem Inhalt füllenden Jesus nicht um einen vergötterten bzw. als Gott gesehene Zweibeiner ging.

1.1.            Neutestamentlicher Monotheismus wurde in Vernunft begründet

Auch die Bezugnahme auf die außerbiblischen oder von den Vätern des Kanon als gnostisch aussortierten, aber inzwischen als urchristlich geltenden Lehren, in deren Vielfalt sich die Philosophie der Zeit noch deutlicher spiegelt (wenn auch recht verwirrend und damit zurecht als untauglich für den Volksverstand verworfen), braucht eigentlich nicht ausgerollt zu werden. Gleichwohl dort, wie auch bei Marcion erkennbar ist, dass ihnen kein jüdischer Heilsprediger, sondern die zeitgemäße Vernunftlehre/Welterklärung zugrunde liegt. Denn wenn heute auch die Texte des Kanon, in denen Jesus in bekannt-klarer Gestalt die Hauptrolle spielt,  jetzt mit den Vernunftlehren der Zeit mehr als nur in zufälliger Verbindung gebracht werden, dann ist damit doch alles gesagt.

Allein den Nachweis zu erbringen, wie Platon bei Paulus oder Johannes nachzulesen ist, wie dies Friedemann Richert in „Christus und Platon“ tut, ist zu wenig. Auch wenn der von Platon und dessen Suche nach Wahrheit begeisterte Dekan davon ausgeht, dass es im Neuen Testament um die philosophisch begründeten Wahrheits- bzw. Vernunft geht, wie sie in Sokrates diskutiert, in Paulus zur philosophischen Lehre und in Jesus zur Welt gebracht wurden. Die Teilnehmer an der kath. Akademie, die beim Vortrag des gegen den Strom schwimmenden evangelischen Denkers ihre Griechisch-Kenntnisse wieder aufpolierten, haben dann im Ostern-Seminar darüber diskutiert, wie die Wiedererweckung eines hingerichteten Wanderpredigers zu verstehen ist.  Wer davon ausgeht, wie einem angeblich guten Jungen, der aufgrund göttlicher Eingebung alles etwas besser wusste als seine Lehrer und später als wiedererweckter Gott gesehen und als Logos hingestellt wurde. Für den scheint es selbstverständlich, dass ein Reformprediger nicht nur als neuer Moses, Jesaja oder Elia hingestellt wurde, sondern ihm zur Verherrlichung auch griechische Vernunftlehren in den Mund gelegt wurden. Dass dies weder auf hebräischer, noch hellenistischer Seite denkbar gewesen wäre, wird in heutiger Hypothese zur Seite geschoben.

Auch wenn Richert in seinem Buch auf jedem Blatt bestens belegt, wie nicht nur Paulus Platon aus der Perspektive eines Reformjudentums wiedergibt, sondern die griechische Philosophie aus dem gesamten Neuen Testament, nicht nur bei Johannes spricht. Lieber erweitert man dann die bisher meist auf Paulus oder Johannes angewandte Hellenisierungs-, Christologisierungs-Hypothese auch auf die Synoptiker, statt das liebgewonnene Bild vom Gutmenschen Jesus aufzugeben. Gleichwohl das banale kindliche Jesusbild nur in den inzwischen als gleichgeschichtlich wie Johannes gelesenen Synoptiker zu begründen ist.

1.2.            Ein banaler Mensch war nicht Grund des neuen Bundes/Monotheismus

Nicht nur Platon oder philosophische Lehren, sondern der philosophisch begründete Monotheismus wird im Neuen Testament nachgeblättert wird. Daher hat ein junger charismatischer Rebell als Gott oder dessen göttliche Offenbarung und Begründung des prophetischen Monotheismus (damit auch eines Bundes, aus dem sich auch die Verhaltenslehre ergibt) seine Rolle (Person/Aufgabe) verloren. Auch wenn diese Konsequenz keiner der Theologen, die im Rahmen der aktuellen Monotheismusdebatte im Neuen Testament die griechische Vernunftlehre nachblättern, zieht: Der nach den Reformjuden/Christen bzw. Verfassern der Texte des Neuen Testamentes und seines Umfeldes in Jesus geschehene neue Bund gründet sich im bildlosen, aus griechischen Monismus abgeleitete Monotheismus, von dem nun die über die Traditionsgesetzlichkeit hinausgehenden Verhaltensgebote ausgehen: „Ich aber sage Euch“. So sagt ein kreativer=schöpferischer Vernunftsinn/Logos, der heute in wissenschaftlichen Begriffen wieder erklärt wird. Der so selbstverständlich ist bzw. der Wissenschaft vorausgesetzt wird, dass wir ihn kaum mehr wahrnehmen und noch weniger über die Bedeutung nachdenken, die er am Anfang des somit universal-neubegründeten jüdischen Glaubens hatte.

Sicher ist der philosophische, meist pantheistische Gottesbegriff oder eine Vernunftvergottung vom Verständnis der  Christen zu unterscheiden. Dort offenbart sich ein Unsagbarer (Grund allen Seins) in Jesus bzw. dem lebendigen Wort/der Vernunft. Er geht darin auf, ohne geheimnisvoll selbst Gott zu sein bzw. pantheistisch in der Naturerklärung  unterzugehen. Doch wer bereits bei Lukas den Bezug zu philosophisch begründeten Lokalgottheiten herstellt, die Philosophie als Magd der Theologie bzw. Maria bedenkt, die Wunderberichte, gar die Auferstehung im Licht der philosophischen Lehre deutet oder eine Auseinandersetzung mit heidnischer Philosophie bereits bei den Synoptikern nachliest. Wie kann der weiter den Synoptikern einen Heilsprediger unterstellen wollen, der dann später nur hellenisiert, christianisiert oder gar von Anfang an als Christus-Gott gesehen wurde?

Und wenn dann der in Jesus begründete Monotheismus, ob der Evangelien, bei Paulus oder der Apostelgeschichte mit Philo von Alexandrien in Verbindung gebracht wird, der seine jüdische Reformtheologie in zeitgemäßer Vernunftphilosophie begründet. Dann kann es bei der christlichen Mission nicht weiter um den Glaube an einen gutherzigen Prediger als Gottmenschen gegangen sein, wie gegen besseres Wissen aufgrund des liebgewonnenen Jeususbildes der Paulustheologie unterstellt wird.  Dass eine Auseinandersetzung mit philosophischer Lehre war, diese nicht einfach übernommen bzw. abgeschrieben wurde, ist klar. Doch wenn dies bzw. der Kontext des hellenistischen Reformdenkens in Auseinandersetzung zwischen Neu und Alt der aufeinandertreffenden, jeweils nach Reform rufende verschiedenen nach Versöhnung suchenden Kulturen immer klarer wird. Dann kann es im Neuen Testament bzw. christologischer Lehre, die lt. ihrer frühen Lehrer das erreicht haben soll, nicht um die Innenansichten eines jungen Reformjuden gegangen sein, der als Gott galt. Oder was im Rahmen seiner Verherrlichung halluziniert, als „Auferstehung“ erhofft wurde.

1.3.            Griechen einen Guru als neuen Glaubensgrund zu unterstellen ist Wahnsinn

Die sogenannten „Gottesfürchtigen“: Vom jüdischen Glaubensverständnis begeisterte Griechen, die wie inzwischen nachgewiesen, nicht nur Platon, sondern den philosophisch begründeten Monotheis ins Neue Testament überführten, sind unmöglich von einem jungen Guru ausgegangen. Diesen Denkern, die im bildlosen Kult die bessere Lösung bzw. Umsetzung ihres Vernunftglaubens sahen und die inzwischen an den Anfang des christlichen Glaubens gestellt werden zu unterstellen, sie hätten an den geglaubt, der heute als historisch-hoheitlich gilt, das grenzt schon an Bösartigkeit.

Auch wer den Monotheismus des Neuen Testamentes im Namen Jesus auf die jüdische Weisheit bezieht, der kann die heutige Verherrlichungs- oder Herrlichkeitshypothese von einem jungen Heilspredigers unmöglich weiter gelten lassen.  Wie kann man die griechischen Vernunft-/Weisheitslehre mit der jüdischen verbinden und darin den Monotheismus des Neuen Testamentes in Jesus begründen. Es dann aber als Wissenschaft bezeichnen, weiter nach einem aufgrund seiner Wiedererweckung als göttlich geltenden Gutmenschen zu suchen. (Lt. der aktuellen „Welt und Umwelt der Bibel zum Thema „Streit um Jesus – Gott und Mensch“ waren es nur es nur die Hoffnungen am leeren Grab, die zur Gottheit führten. Gleichwohl klar gemacht wird, dass für die Verfasser von Anfang „Auferstehung“ war:  Die gesamten Texte von einem schöpferischen Wesen ausgingen.) Wie kann man bei all dem Wissen einen zum Messias gewordenen Wanderprediger suchen wollen?

Wer die am Anfang unserer Wissenschaft (auch wenn die noch recht metaphysisch klang) in Weltrealität begründete Vernunftlehre mit dem Monotheismus des Neuen Testamentes verbindet, der kann unmöglich weiter einen egal wie göttlichen bzw. offenbarenden Wanderprediger an den Anfang stellen. Dem wird dann auch klar, warum für die Denker die damals realisierte Vernunfterklärung allen Werdens als Wort des Unsagbaren verstanden wurde. Und warum nicht die mit Jesus in Verbindung gebrachten, heute als solches bekannten heidnischen Vernunft-Personifikationen (Herakles bei Seneca) die Lösung waren. Ebenso wenig, wie die heute als urchristlich geltenden philosophisch-abstrakten und verworren-vielfältigen gnostischen  Vernunftlehren. Wie erst die in Josua, griechisch Jesus, wie er von Mutter Kirche (mit Unterstützung der „legendären“ Kaisermutter, was die Begreifbarkeit im Volksglaube betrifft) in klarer Sprache des Kanon volksverständlich und Einheit stiftend zur Welt gebracht wurde. So die-wendige Er-Lösung bzw. wahre  schöpferische Vernunft in damaliger Kult  und damit das war, was im Neuen Testament an

Bedeutungsinhalten nachzulesen ist. Mit einem Gut- oder Gottmenschen hat das alles nichts zu tun, sondern mit kreativer Vernunft und ihrer Umsetzung in Kultur-Wirklichkeit.

1.4.            Vernunft allen kausalen Werdens war das Thema der Zeit: Jesus

Wer allein die philosophischen Lehren eines Marc Aurel oder Diogenes mit dem in Jesus begründenden Monotheismus des Epheserbriefes zusammendenkt, braucht nicht dem mystischen Ziel der Evolution bzw. kosmischen Christus des Teilhard de Chardin nachzutrauern. Die kreative Vernunft allen Werdens, wie man sie heute wissenschaftlich erklärt, wird zur historischen Tatsache, die Jesus hieß.

An vielen Stellen stellt das Neue Testament Jesus als schöpferisches Wesen vor. Doch wer jetzt auch den philosophischen Monotheismus im Neuen Testament nachblättert, der kann unmöglich weiter davon ausgehen, dabei wäre es um die Verherrlichung oder Hellenisierung eines Heilspredigers gegangen, der damit als Offenbarung hingestellt werden sollte oder gar Gott sei.

Die Wege, wie heute im Neuen Testament ein schöpferisches Wesen nachgeblättert wird, sind vielfältig. Würde z.B. der brasilianische Bischof Leonardo Boff seinen Wiedersacher Benedikt XVI. beim Wort nehmen, wenn der sich zur schöpferischen Vernunft als Wesen des christlichen Glaubens bisher leider nur dogmatisch bekennt, sie jedoch jetzt in ökologischer Welterklärung zu bedenken gab. Er könnte dann erklären, warum nicht ein auferstandenes Phantomwesen oder überholter Mythos, sondern der historische Jesus für die ersten Christen das „Haupt der Schöpfung“ war. Das Bekenntnis zum kosmischen Christus des Teilhard de Chardin „In ihm hat alles Bestand“ bräuchte kein Christus“mythos“, angeblich auf den Spuren – in Wirklichkeit aber doch völlig neben - moderner Naturwissenschaft - zu bleiben. Statt sich auf Gajia zu berufen, wie in einem Concilium zum Thema „Ökologie“, könnte er sich zu dem Jesus bekennen, in dem er dogmatischer noch wie Benedikt XI. die Trinität begründet.

Wo jedoch das heutige Verständnis von Glaube auf die Anfangszeit übertragen wird, da ist die wissenschaftliche Begründung des Monotheismus im Neuen Testament völlig nebensächlich. Es scheint sich dann allenfalls um eine spätere Einfärbung gehandelt zu haben, die dann mit dem Wesen des Glaubens, den dann nur ein junger gutherziger Wunderheiler verkündete, nicht zu tun hat.

Wo es als Glaube gilt, wenn man glaubt, weil der Prediger (egal ob auf der Kanzel oder der amerikanischen Glaubensshow) so gut von Gott spricht, Glaube dem Buch oder Bauch folgt und es dann nebensächlich ist, ob der geglaubte Gott auch der Schöpfer sei.  Da stellt sich die Frage gar nicht, um die es den Denkern der Zeitenwende ging, die philosophisch-wissenschaftlich den jüdisch-monotheistischen Glauben im Neuen Testament in Jesus neu begründeten. Wen interessiert das dann, wenn vom Glaube gesprochen wird, den angeblich ein junger Wanderprediger seinen Anhängern verkündete oder zu dem später der Sektenverfolger nach seiner Halluzinations-Wende die damalige Welt überredet hätte?

1.5.            Wachsendes Wissen zwingt nach  Wortes/Vernunft zu fragen

Tag für Tag wird das Wissen um das Denken an der Wurzel unseres Glaubens deutlicher. In jeder wissenschaftlichen Dissertation belegen die Doktoranten, auch wenn sie getreu ihrer Lehrer einen jungen Juden und dessen Verherrlichung als Logos/Vernunft oder alttestamentliche Gründergestalten voraussetzen, dass es darum nicht  gegangen sein kann. Weder die in allen neu erscheinenden Werken immer deutlicher dargelegten hochtheologischen Inhalte, noch das Denken der damaligen Zeit lassen dies zu

Es ist unmöglich, all die Bücher bzw. unzähligen wissenschaftlichen Werken aufzählen zu wollen, die heute auf dem Markt sind und die Entstehung des Monotheismus, sowie seine Begründung im Denken bzw. Weltbild der Zeitenwende (damit in Vernunft) auf wissenschaftliche Weise beschreiben. Gerade der Gewaltvorwurf gegenüber dem Monotheismus hat eine Menge von Theologen herausgefordert, sich Gedanken über dessen Begründung im Denken der Zeiten, dem sich wandelnden Weltverständnis in verschiedenen Kulturen zu machen. Und dabei werden oft auch die ins Neue Testament eingeflossenen griechischen Philosophie/Vernunftlehren dargestellt. Doch was soll das dann mit einem möglicherweise erst nach seiner geistigen oder gar körperlichen Wiedererweckung als Gott gesehenen Wanderprediger zu tun haben, in dem man sonst dort den Monotheismus bzw. neuen Bund begründet?

Auch wenn deutlich wird, wie z.B. Aschera – die damals garantiert nicht als „alte Frau“ verstanden wurde - als dem Neuen Testament vorausgegangenes Mittlerwesen, Personifikation einer der Schöpfung zugrunde liegenden Vernunft/Weisheit in der Entwicklung des sich auf die Propheten berufenden Monotheismus war.  Wie sich der biblische Monotheismus aus dem Kosmotheismus weiterentwickelt hat, sich nicht göttlichen Eingebungen irgendwelcher Gründer-/Einzelgestalten verdankt. Oder wenn in allen Aufsätzen der ständig neu erscheinenden Werke Seite für Seite mehr als deutlich wird, wie ein philosophischer Monotheismus mit dem prophetischen zusammengedacht wurde und in Auflösung der kulturellen Auseinandersetzungen, ob zwischen Juden und Griechen (römisch-hellenistischem Kult) oder alten und neuen Welterklärungen, ins neue Testament eingeflossen ist. Getreu dem, was im 1. Semester beigebracht wurde, bleibt – somit gegen besseres Wissen - Jesus ein „junger Mann“, dem zur Verherrlichung (bei Altkatholischen: um die Göttlichkeit des weisen Meisters) prophetische Worte in den Mund gelegt wurden. Und der dann absurderweise so für die Neubegründung des Monotheismus der Väter stehen soll, der vorher in Vernunft bzw. damaligem Weltverständnis durchdacht  war. Auch wenn von Mittlergestalten gesprochen wurde.

1.6.            Ein Lehrer ist war kein Glaubensgrund, sondern Logos

Selbst wenn der heute als Jesus geltenden wundertätige Heilsprediger in jungen Jahren heimlich die Akademie in Athen besucht und die Stoa auswendig gelernt hätte. Worin sich dann der Neuplatonismus, wie die in den bald täglich erscheinenden wissenschaftlichen Werken nachzulesenden philosophischen Aussagen des Neuen Testamentes in den Worten Jesus belegen ließ. Der Grund des neuen Glaubens, der laut kirchlicher Lehre Jesus selbst (als das Wort in Person) war, ging auch bei Griechen nicht von den Lehrern aus, sondern vom Logos/der allen Werden zugrunde liegenden Vernunft. Nur die kann daher als Wort in Person Jesus (kulturvernünftigem/-versöhnenden Ausdruck und damit historische Wirklichkeit) betrachtet werden. Mit einem mehr oder weniger göttlichen Wanderprediger, auch wenn er noch so weise gewesen wäre, ist all das, was heute an Wissen gegeben ist und für dessen Publikation ganze Wälder sterben mussten, nicht zu machen.

Wer wissenschaftlich deutlich macht, wie die gesamte Welt, alles Werden bereits in früher mythologischer  Zeit und dann von Israel bzw. den Propheten in Vernunftbegründung als Stimme (Bestimmung/Wort) Gottes verstanden wurde, mehr als ein Naturgesetz war und auch ins Neue Testament einfloss, der kann doch nicht weiter machen wie bisher:  Einen junger Juden um den See jagen, der dann geheimnisvoll die Neubegründung des aus Vernunft hergeleiteten Monotheismus der Väter gewesen sein soll.

1.7.            Die Christologie hatte einen schöpferischen Grund

Der Irrsinn, der bereits vor Jahren in einer „Zeitschrift für Neues Testament“ deutlich wurde, ist heute tägliche theologische Tagesordnung. Die neutestamentlichen Wissenschaftler spekulierten in der ZNT eine Seite nach einem Beitrag über Philo als frühe „Christologie“ (an die bekanntlich die Kirche anknüpfte), über einen jüdischen Zimmermann. Wie der evtl. doch der Vater dessen gewesen sei, der den Verfassern des Neuen Testamentes als Christus und Vernunft/lebendiges Wort galt. Das ist das ähnlich, wie wenn der Schöpfungsglaube des Neuen Testamentes mit der neuplatonischen Philosophie Alexandriens zusammen genannt wird, ohne die damals in Weltrealität definierte Vernunft als Wesen Jesus bedenken zu wollen.  (Wobei diese m.E. ohne die Jesusgestalt zu abstrakt blieb, so noch keine messianische Wirklichkeit in der Weltgeschichte erzielen konnte und darum im Grunde Philo noch keine „Christologie“ war.) Doch wer den Weg des Monotheismus von Eschnaton und Moses über jüdische Weisheitslehren, polytheistisches Götterpantheon bzw. dessen gemeinsamem Nenner, wie der in Vernunft begründeten Philosophie der Zeitenwende, gar als frühe Christologie jüdischer Bildung und Reformbewegung nachblättert und auch die jeweiligen Gegenbewegungen der Traditionslehren erklärt. Und dann dies alles auf theologische Weise im Neuen Testament im Namen Jesus deutlich macht. Wie kann der allen Ernstes weiter einen egal wie göttlichen Menschen dafür verantwortlich machen wollen?

Man kann doch nicht Philo als Abgrenzung gegenüber den Fehlformen des religiöser Bewegungen der Zeit und des Monotheismus, von menschlichen Vergötzungen und einer so zum Weisenkind geworden jüdischen Lehre sehen wollen.  Und dann weiter von einem göttlichen Wanderprediger schwärmen, der alles etwas besser wusste, als die Pharisäer, gar lebendiges Wort/Logos, Neubegründung des alten Bundes war. Damit genau das, was Philo in Weltrealität begründete und daher, wie die Propheten, alle menschlichen Götter, Gottmenschen verwarf. Und wenn dann auch der Anti-Kosmotheismus, Verwerfen der Weltvergötzung als die Vertauschung von Wahrheit und Lüge im Römerbrief oder sonstiger Paulusliteratur mit Philo und der gesamten monotheistischen Entwicklung in Verbindung gebracht wird. Dann steht fest: Paulus ist weder von einem jungen Juden, noch einem freien christologischen Konstrukt ausgegangen.  Die Offenbarung war nicht die Welt, sondern das in deren Werden wahrgenommene Wort. Mit einem göttlichen Wanderprediger geht das nicht. Denn dann kommt genau der mystisch-esoterische Glaube heraus, der damals verurteilt wurde. Der einer universalen (für Griechen und Juden geltenden) Erkenntnis aufgrund der sichtbaren Werke, dem lebendigen Wort das Jesus für die sich dabei auf Platon oder den Göttervater Zeus berufende theologische Denker des hellenistischen Judentums war, entgegenstand.

Wie sich das Wissen weiterentwickelt hat und zu einen Perspektiven herausfordert, wird gerade bei Philo deutlich. Der refomjüdische Platonismus antiker Bildung, der sich in Philo ausdrückt und im Duden unter „Allegorie“ genannt wird, wurde noch von den Übersetzern seiner Werke in Nachkriegszeit aufgrund einer allegorischen Deutung des Alten Testamentes, wie sie heute längst selbstverständlich ist, leicht belächelt. Für die Männer, die vor wenigen Jahrzehnten seine Werke in Deutsche Sprache brachten, damit bereits seine Theologie ernst nahmen, hat der gute Philo scheinbar nicht gewusst, dass Moses das Meer in historisch-buchstäblicher Wirklichkeit geteilt, sonstige Wunder vollbracht und dies anschließend selbst aufgeschrieben hat. Und auch die Theologin, die mich mit ihrer Dissertation „Wie man Gott nicht denken darf“ für dieses Denken begeisterte, mich in unserer Landesbibliothek bei den oben erwähnten Übersetzern nachblättern und anschließend schreiben ließ, dass nur so Monotheismus machbar ist, gehört zur alten Vorstellung. (www.theologie-der-vernunft.de: alte Texte) Denn heute wird Philo – und damit der das Reformjudentum prägende Neuplatonismus – ganz selbstverständlich nicht nur mit Paulus zusammen genannt, sondern dem gesamten Neuen Testament, das doch von Jesus berichtet.

1.8.            Damaliges Denken macht deutlich: Vernunft muss menschliche Person haben

 Mit kosmologischen Beweisen von vorgesetzten oder persönlichen Gottesbildern, wie sie heute vergeblich versucht werden, hatte Philo – bzw. der Platonismus - nichts am Hut. Es war ein Weltverständnis in der Kinderstube heutiger Wissenschaft, aus dem sich im allegorischen Verständnis des Alten Testamentes der bildlose Monotheismus der Väter neu begründete und dabei auch auf die ägyptische und heidnische Traditionen bezog. Allein sich das alles vor Augen zu führen, müsste eigentlich reichen, um das banale Verständnis Jesus als mehr oder weniger göttlichem Heilsprediger, durch den universaler Verstand geschehen ist, Heil war, hinter sich zu lassen.  Denn selbst die Sehnsucht der Menschen nach menschlichen Götterbildern, die Notwendigkeit Vernunft so volksverständlich zu machen, wenn schon nicht mehr Königen verkörpert, in kulturgerechter Gestalt begreifbar zu machen, wird bereits bei den alten Denkern nachgeblättert.  Und in diesem kann auch der Titel der theologischen Doktorarbeit bestätigt werden: Wie bei Philo lässt sich Gott nicht denken bzw. kein monotheistischer Kult begründen. Noch bis in die sich auf kosmische Vernunft berufende, philosophisch begründete Kaiserzeit, deren menschliche Gottesbilder wie Mithras & Co. weiter mit dem frühen Christentum als angeblichem Atheismus in Konkurrenz stand, war die christliche Vielfalt zu abstrakt, konnte keinen Kult begründen.  Menschen benötigen bekannte menschliche Bilder. So wie Mutter Kirche Jesus in klarer Gestalt des Kanon, kreativ an die jüdische Kultur, wie hellenistische Götterbilder anknüpfend, volksverständlich zur Welt brachte, war er messianische Wirklichkeit.

Doch wer all dies bedenken kann, deutlich macht, wie bei Paulus und im gesamten Neuen Testament eine hohe philosophisch begründete Theologie spricht, die zwar andere Weg als die abstrakte Lehre geht, alte Bilder/Geschichten aufgreift und daher auf Jesus setzt, ihn als lebendiges Wort/Vernunft in Person zum Grund hat bzw. so das ewige Wort zur Sprache bringt. Wie hier eine eine theologische Denkweise zum Ausdruck kommt, der es aber im Traum nicht in den Sinn gekommen wäre, einen wundertätigen Wanderburschen als Gottessohn zu sehen, sondern die Göttersöhne im Logos/im Werden der Welt nach antiker Wissenschaft philosophisch begründete. Wie kann der dabei weiter an einen Junghandwerker denken wollen, der arbeits- und ehescheu große Töne spuckend mit seinen Freunden durch die Lande zog und doch irgendwie als Gott galt?