1.       Wissen um Inhalte des Neuen Testamentes zwingen zum neuen Verständnis

Jede Auslegung von Texten des Neuen Testamentes, bei der nicht nur heutiger Humanismus hineingelesen, sondern der theologische Inhalt im Kontext des damaligen Denkens beleuchtet wird, fordert auf, nach einem historischen Wesen Jesus zu fragen, das über das heute für historisch gehaltene hinausgeht.

Man braucht nicht nur die hoheitliche Jesusdogmatik, die universale Bedeutung Jesus und Predigten Benedikts XVI. zu lesen, um zu wissen, dass dies alles nicht von einem noch so göttlichen Wanderprediger ausgehen kann. Letztlich ist allein die Kritik an seinen Jesusbücher, dass er sich bei seiner hoheitlichen Beschreibung an den biblischen gehalten habe, ein aktueller Belegt, dass der heute für historisch gehaltene dort nicht steht. Gleichwohl sonderbarerweise die banale Gestalt, die selbst bei Berger dann als Gott gilt, dort herausgelesen wird.

 Auch wenn der unter lectiobrevior.de bloggende Prof. Häfner nicht darüber nachdenken will. Mit jedem seiner Sonntagsevangelien legt er einen Beleg vor, dass es beim Jesus, den die Verfasser der Texte im Blick hatten, nicht um den ging, den er seinen Studenten als historischen Jesus beibringt. Dabei sind es nicht allein die Bedeutungsinhalte und hoheitlichen Aussagen etwa beim Logos-Evangelisten Johannes, die mehr als deutlich machen, dass es hier nicht um die Worte und Handlungen eines Heilspredigers ging, wie er heute als historisch gilt.

Selbst die ethischen Verkündigungen, die Aussagen über die richtige Lebensweise und den Wandel lassen sich zwar in den Mund eines Wanderpredigers legen. Sie verweisen aber auf den Logos/die Vernunft, von der damals alle Weisheitslehren, Wanderphilosophien und vielfältige Lehren ausgingen. 

„Was hat Jesus gewollt“ Das gefährliche und gefährdete Erbe des Mannes aus Nazareth, stand auf dem Programm des Studientages am Herz-Jesus-Kloster Neustadt, bei dem es um die Lehren Jesus ging. Bei seiner Begrüßung betonte der Jesuitenpater H.U. Vivell, wie wichtig es sei, die vielen Traditionsschichten und menschlichen Verhüllungen abzutragen, um auf den Ursprung zu kommen. Nur so könne es bewahrt und auf die heutige Zeit bezogen werden. Einer der Forscher, die in kriminalistischer Kleinarbeit Spuren des frühen Christentums freilegten, sei Prof. Paul Hoffmann.

Der Wissenschaftler beginnt dann mit der Vorbemerkung, dass es sich im „Schocking“ handeln würde, wenn er von der „peinlichen Geschichte des historischen Jesus“ darstellt. Doch gleichwohl der Neutestamentler ein völlig banal-vermenschlichtes Jesusbild zeichnet, wie es tiefer kaum geht, zeigten sich die ergrauten katholischen Bildungsbürger kaum geschockt. Ist es doch das Bild eines historischen Jesus, wie es heute überall vermittelt wird. Und es sollte, so der Dozent ja nicht die theologische Ebene, sondern die historische das Thema sein, frei von späteren Deutungen eines präexistenten Wesens, wie es ja letztlich nur bei Johannes und Paulus zu lesen sei. Auch wenn die von der Jungfrauengeburt nichts gewusst hätten. Wie ein junge Heilsprediger, den der Hochschullehrer aus den Synoptikern herausliest, auf jungfräuliche Weise geboren sein soll, bleibt verborgen. Schon hier zeigt sich, wie wenig ernst die Aussagen genommen, nur als Verherrlichungsliteratur auf einen historischen Heilsprediger mit zufälligem Namen Jesus gelesen werden, um den es jedoch an keiner Stelle ging. Die Bemerkung, dass Ratzinger, der nicht auf das heutige Wissen, dass da nur ein halluzinierender Junghandwerker gewesen sei einging,  in der Spätantike stehen geblieben wäre, mag stimmen. Doch wer die Wahrheit über die nicht mit menschlichen Vorstellungen überfrachtete Wurzel des christlichen Glaubens hinterfragen will,  der muss auch fragen, was Grund aller antiken Weisheitslehren war. Denn das kann nicht der Handwerksbursche gewesen sein, der bei Johannes im Jordan in apokalyptischer Zeit zu heiß gebadet hat.  

Der Wissenschaftler, der berichtet, dass erwiesen wäre, wie Jesus in Nazareth geboren, Bethlehem nur ein theologischer Topos sei, die Wirkung des mit 30 Jahren hingerichteten Jesus evtl. nur ein oder zwei Jahre war und es sich um einen herumziehenden Bauhandwerker handelte, drückt das hier polemisch als heißes Bad auf den Punkt gebrachte Geschehen, wesentlich wissenschaftlicher aus. Er spricht nicht von der Halluzination eines anschließenden Rattenfängers der Armen, gleichwohl das, hinten herauskommt: Ein Junghandwerker, der nicht lesen und schreiben konnte,  sei auf seiner Wanderschaft zufällig am Jordan, wo Johannes taufte vorbeigekommen. Diese Begegnung und die Faszination dessen Botschaft hätten seinen Wandel bewirkt. So dass er anschließend nicht zu seiner Familie zurückgekehrt sei, sondern zum Aussteiger, der für „spinnert“ gehalten wurde. Die Fremdherrschaft Israels durch Ägypter, Perser und jetzt als Spielball der Römer sowie hellenisierenden Griechen hätte zu Katastrophensituationen, apokalyptischen Krisen geführt. Hiervon scheint der Junghandwerker infiziert worden und so eine Heilshoffnung entwickelt, sich dann wie Hennoch als der in den Himmel entrückte Mensch gesehen zu haben. Selbst mit der messianischen Hoffnung, die eine gewalttätige Königsherrschaft in der Priester- und Davidstraditon erwartete, wie sie heute in Qumran nachzublättern ist, hätte der gutherzige junge Handwerker nichts am Hut gehabt.

Was es mit der Fremherrschaft der Hörer des allem Werden zugrunde liegenden Wortes/hebräisch Vernunft, der Entstehung des bildlosen prophetischen Monotheismus in den antiken Hochkulturen bzw. dem Aufeinandertreffen der Kulturen in einer sich in antiker Aufklärung weiterentwickelnden Welt auf sich hat, braucht nicht bedacht zu werden. Auch nicht der neue Bund, über den das Judentum lt. Qumran damals nachdachte und dabei die alte Tradition nicht nur in Alexandrien allegorisch neu verstand. Johannes, der eindeutig von einem einschlagenden Wandel in der Erkenntnis, der neuen theologischen Begründung des alten Bundes spricht, den die nicht umkehrbereite Schlangenbrut verhindert, bleibt nur ein Wahnsinniger in apokalyptischer Zeit.   Denn jetzt kommt das heiße Bad bzw. die merkwürdige Wende zu den visionären Vorstellungen des Wanderburschen: Über „intrapsychische Erlebnisformen, traumatisierenden Krisenerfahrungen“, die bekannterweise zu Halluzinationen führen, wird spekuliert. Der von Jesus ausgehende „Satanssturz“ als eine echte Austreibung des falschen Boten bzw. der unzeitgemäß gewordeen schöpferischen Vermittlung zu sehen, bleibt aus. Denn scheinbar wurden die im Manuskript nachzulesenden sybellinischen Weissagungen und sonstige theologisch begründete Hoffnungen nur auf einen analphabetischen Handwerker übertragen.

Doch der zum Wanderguru mutierte Bauhandwerker sei nicht in der Wüste geblieben, sondern wieder als sozialreformender Landprediger zu den kleinen Leuten nach Galiläa zurückgekommen, um unterdrückten Kleinbauern zu helfen.

Alles andere sei das Produkt späterer Christologie, die einem der damals vielzählig umherziehenden Prediger aufgesetzt worden sei. Und selbst wenn zutreffen würde, dass sich Jesus dabei nicht als neuer David bzw. messianisch, sondern im Sinne des von Jesaja angekündigten Boten verstanden habe. Den in persischer Philosophie erwachsenen Propheten, die im Werden nach damals rational-wissenschaftlichen Weltbild das ewigen Wort verstanden, jetzt einen Junghandwerker unterschieben zu wollen, das grenzt an Wahnsinn.

Aber das Bad wird immer heißer, wenn jetzt auch noch Q (antike Weisheitstexte, die nicht nur das Judentum kannte, sondern die auch östliche Weisheit) als wörtliche Rede des wundertätigen Wandgesellen ausgelegt werden, wonach sich Jesus als der „Gemachte“ des Jesaja, Erfüllung eschatologischer Heilszeit verstanden habe. Aber auch hier hat die Halbaufklärung die Lösung: Als er merkte, dass er heilende Hände hatte, hätte sich der Handwerksgeselle aufgrund seiner Gottesfinger für den Heiland gehalten.

Mit den Menschen der Unterschicht sei der junge Fresser und Säufer umhergezogen, hätte sich dem Gesindel geöffnet. Das ihn (ganz wie im amerikanischen Film vom Guru und seinen Groupies) für den Himmel auf Erden hielt: Der „Rattenfänger“ für geistig Minderbemittelte ist so perfekt. Auch wenn sich der Theologieprofessor mit Sicherheit gegen diese Bezeichnung wenden würde. Und nicht Lust am Saufen, sondern die Hoffnung auf ein Heilsmahl, das jetzt schon gefeiert wurde, sei gewesen. Und wo dann ein punktuelle Revolte um eine bessere Welt für die Armen begründet wird, braucht auch kein Gedanke an eine kulturelle Versöhnung verschwendet zu werden, ohne die kein gemeinsames Kultmahl für Griechen und Juden denkbar gewesen wäre. Also doch nur Sauferei am See. Auch was es mit dem „Fresser und Säufer“ Herkules auf sich hat, in dem Seneca die in Weltrealität definierte Vernunft in ähnlicher Weise über das Wasser gehend wie Jesus beschreibt und von dessen Verherrlichung Statuetten rund um den See Genezareth berichten, braucht nicht bedacht zu werden. Denn es wurde ja nur ein Wanderbursche in ähnlicher Weise ähnlich wie römische Könige als zweibeiniger Gottessohn gesehen worden. (Auch wenn das völlig absurd wäre, sich für Juden völlig ausschloss.)

Und normalerweise hätte man hier in der Halbzeit des Studientages schon abbrechen müssen. Wäre es nicht dem lieben Gott den sonnigen Samstag gestohlen, sich weiter nun anzuhören, was dieser inzwischen heilspredigende und handauflegende Hallodri wollte, als ethische Weisung und Forderung  vom Stapel ließ? Von „verarmten, wirtschaftlich benachteiligten Tagelöhnern und der Landbevölkerung“ wurde berichtet. Und der mitgereiste Prof. Eid, der schon oft über die Kulturen der Antike und deren in kosmisch-kultureller Realität begründeter Weisheit berichtete und es allein schon daher besser wissen müsste, lässt dabei ein Buch über die Weisheits-/Logienquelle durch die Reihen gehen. Wie wenn es um die mitstenografierten Worte eines wundertätigen Wanderburschen ging, der massiver Vorwürfe gegenüber der Führungselite erhob.

Doch allein hier wird klar: Von einem analphabetischen Wandergesellen, wie er vorgestellt wurde, können die Vorwürfe gegenüber der taub gewordenen Gesetzlichkeit der geistigen Führung bzw. Schriftgelehrtheit so wenig ausgegangen sein können, wie die sozialen Forderungen oder Lebensweisheiten. Nicht, dass es undenkbar wäre, dass ein Wanderkyniker war, wie einige Wochen vorher an einer anderen kath. Bildungseinrichtung „Jesus der Hund“ vorgestellt wurde. Doch auch die damaligen Heilsprediger, die Wanderphilosophen der verschieden Lehren, ob Kyniker, Anhänger des Neuplatonismus, der Stoa oder Epikuräer, hatten ihre Weisheit nicht aus dem zu heißen Wasserbad bzw. der Halluzination heilender Hände.  Sie dachten über die Stellung des Menschen im Weltganzen nach, das Glück in der Verwirklichung schöpferischer Ideale. Wenn auch auf unterschiedliche Weise bzw. Interpretation, so wurde auf vernünftige Weise eine aller Schöpfung zugrunde liegende Vernunft definiert, daraus noch ganz verschiedene Schlüsse gezogen. In dem, der als historischer Grund vorgestellt wurde, lässt sich keine der Weisheiten zu Glauben und Leben, Rechten, Pflichten des Menschen und Treue in der Lebensbeziehung, den Verschärfungen oder Neudefinitionen der Traditionslehren begründen, wie sie in den verteilten Manuskripten gelesen wurden.  „Ich aber sage Euch“: Das hat kein wild gewordenen Wandergeselle gesagt. Hier hat die Weisheit gesprochen, die wie in allen antiken Lehren, von Schöpfung ausging.

Die Probleme des Reichtums, des richtigen Lebens, wie der tauben Riten und Regeln waren Thema der verschiedenen Philosophien der Zeit, nicht die Worte eines jüdischen Junggottes. (Der eh so nicht geht oder für wahre Juden jetzt Grund des lebendigen Gesetzes sein konnte, das nun auch für die Griechen galt.)

Selbst wenn in den biblischen Texten wahrscheinlich weniger der materielle Reichtum im Blick war, als die theologische Besserwisserei einer sich aufgrund ihres Besitzes  dem Wandel verschließenden Tradition. Auch was bei den Kynikern dazu führte, sich dem Besitz zünisch zu verschließen oder Sokrates als wahres Selbst ausdiskutierte, waren keine nächtlichen Eingebungen, sondern Denken in den Kategorien der Vernunft bzw. universaler Weisheit. Mit dem, dem heute die Weisheitstexte in dem Mund gelegt werden, hatte das nicht so wenig zu tun, wie die Weisheit, die in Salomo und David verkörpert war. Der Vater, der die Lilie auf dem Felde schöner geschaffen hat, als alle menschliche Weisheit, war kein gesetzter Gott, sondern wurde als Ursache, Zeuge aller Vernunft verstanden, die philosophisch neu begründet war, in Jesus zum Ausdruck gebracht wurde.

Es ging weder in einer der Bußreden und der Bergpredig, dem menschlichen Herrschaftsverzicht oder z.B. dem neuen Eherecht bzw. der Interpretation des Verhältnisses von Frau und Mann, um Meinungen eines jungen Menschengottes oder einem Heilsprediger, dem das alles nur angedichtet wurde.  Auch die ganze Vergebensregelung, die der Prof. am Schaubild verdeutlichte, macht mehr als klar: Hier hat Vernunft gewirkt, in deren Wiederverstand als ewiges Wort - jetzt Jesus - das Heil für Juden und Heiden gleichermaßen erkannt wurde.

Die abschließende Frage und die Antwort lieferten zwei weitere Beweise, wer der historische Jesus war, der zur Sprache gebracht wurde: Die Lehren Jesus erinnerten Sie an buddhistische Weisheiten, bemerkte meine Nachbarin. Und der Wissenschaftler bestätigte, dass Platon nicht vom Himmel gefallen, sondern seine Weisheit, die auch im Neuen Testament nachzulesen wäre, eine universale sei. Wie kann man besser deutlich machen, dass es am Grund unseres Glaubens nicht um einen heiß gebadeten Heilsprediger ging, sondern eine von Schöpfung ausgehende Vernunft. Eine universal begründbare Weisheit, die auch im Osten nicht aus der Hosentasche eines zum Religionsgründer hochstilisierten Buddhas kommt. Es geht auch dort um eine Weisheit, die durch Meditation verwirklicht werden soll.

Auch wenn die alten Forderungen –ob bei Jesus, Platon oder in fernöstlicher Weisheit - im heutigen Sinne menschlich klingen, antiken Humanismus spiegeln. Der gesamten antiken Weisheit und Verhaltenslehre liegt eine auf die Gesamtheit/die Genesis begründete Vernunft-Lehre zugrunde. Es waren allessamt mehr als menschliche Meinungen bzw. nur in kommunikativer Vernunft rein menschlich zu vereinbarende humanistische Lebensregeln, die hier bedacht wurden. Doch so wenig wie sich heutiger Humanismus oder aufs Weltganze bezogene, beispielsweise ökologische Verhaltenslehren aus der Hosentasche zaubern lassen, ist den anfänglichen Denkern  weiter ein zu heiß gebadeten Handwerksgesellen zu unterstellen.  Wer ernsthaft bedenken will, wer die menschliche Person Jesus war, der muss fragen, warum sich in die Forderungen antiker Weisheit nicht in abstrakten Lehren verwirklichen ließen, der Logos ein Gesicht brauchte, wie es in Kultur bekannt war. Und wie auch heute die humanistischen, ökologischen oder auf Weltfriede bezogenen Forderungen wesentlich bedeutender werden, wenn wir sie nicht nur als Zweckmäßigkeiten verstehen,  sondern als ewiges Wort, das bei Christen Jesus war. Wenn sich unserer Kultur in Gemeinschaft vernünftig entwickelte, dann waren es nicht die griechischen Vernunftlehren, die das Leben bestimmten. Wesentlich bedeutender war die Lehre vom schöpferischen Wort Jesus, an die sich noch viele unserer Großväter hielten.

Die Uhr der Zeit/Evolution dreht sich weiter und nicht zurück. Die Welt wird sich mehr an die Buchstaben bzw. die Worte eines als Offenbarung göttlichen Willens gesehen Wanderpredigers halten: „Dem Schöpfer sei Dank“: Wir können auf mündige Weise verstehen, dass es dabei um eine Vernunft-/Weisheit geht, die in kulturaufgeklärter Weise wesentlich bedeutender ist, als in politischer Vernunft, die auch mit noch so vielen Gesetzen nicht zu machen ist.

Alle weltpolitischen Zweckmäßigkeiten greifen zu kurz, wenn die erkannte Vernunft nicht auch kulturgerecht begründet werden kann. Doch dass dazu heute die Zeit reif, der Verstand gegeben ist, wir auch hier wieder gezeigt: Wurde allein an den einen wesentlichen Teil des Neuen Testamentes ausmachenden Weisheits-Lehren Jesus deutlich. Denn so wenig wie heutiger Humanismus oder ökologische Vernunft und ganzheitlich-natürliche Lehren in den Innenansichten eines gutherzigen Heilspredigers begründet werden können, kann in Q ein solcher gesprochen haben bzw. wurden diesem untergeschoben. An der Quelle stand kein apokalyptisch heißt gebadeter Armenprediger, wie es heute hingestellt wird, sondern die von natürlicher/logischer Schöpfung ausgehende Vernunfterklärung der Welt, allen Werdens.

Doch hinter dem historischen Jesus „Ich aber sage Euch“ des Neuen Testamentes stehen nicht menschliche Weisheiten, die jetzt als Wort Gottes einem jungen jüdischen Guru oder nur einer frei erfundenen mythologischen Jesusfigur in den Mund gelegt wurden. Es ging um eine theologische Wende in Vernunft, die geschichtliche Wirklichkeit war und bei der die griechischen Vernunftlehren im allegorischen Wiederverstand des Alten als ewiges Wort verstanden wesentlich bedeutender wurden, als in abstrakte Lehren und mystischen Göttergestalten.

Die schöpferische Weisheit selbst hat gesprochen. Denn wer heute über Weisheiten spricht: Die Vernunft ganzheitlicher Lebenslehren, ökologischer oder weltökonomischer Vernünftigkeit. All das geht nicht von Menschen aus. Selbst die Weisheiten bzw. Verhaltensrezepte, die teuer bezahlte Unternehmensberater und Erfolgstrainer aus der kreativen Kulturentwicklung ableiten und uns in bildhafter Sprache/modernen Gleichnissen beibringen, sind nur dem Schöpfer aus Maul geschaut. Erfolg ist nicht menschlich-humanistisch zu bestimmen.

Doch alle gutgemeinten Weisheiten, die Forderungen, wie sie täglich die Seiten der Tageszeitungen und Magazine füllen und Thema der Talkrunden oder von Monitorsendungen, auch von der Kanzel zu hören sind, können wesentlich an Bedeutung gewinnen, wenn sie in Kultur verankert werden. Wir brauchen nur zu begreifen, wer Jesus war.

So wenig wie die „Goldene Regel“ nur dem Kopf von Kant entspringt, sondern kultureller Vernunft, die bereits vorher in vielfältiger Weise definiert und formuliert wurde, ist auch das Jesus-Gebot der Nächstenliebe nur der Wille, die Meinung eines Wandergrus oder diesem von Anhängern in den Mund gelegt.  Im Neuen Testament wurde die vormals in „Auge um Auge“ als schöpferisch bestimmte Regel für kulturelles Zusammenleben verneint und durch zeitgemäße Vernunft/Weisheit ersetzt. Es waren daher nicht nur philosophisch-zeitgemäße Weisheitslehren, die auch von jüdischen Lehrern wie Hillel gepredigt und jetzt einer Jesusgestalt in den Mund gelegt wurden.  Die goldene Regel für Leben in menschlicher Kulturgemeinschaft geist-begabter Wesen wurde als kreativ=schöpferische Vernunftbestimmung erkannt: Sie war das Wort, wie es vormals Josua war. Erst so wurde die Weisheit zur kulturell bedeutenden Bestimmung. Allein an philosophisch-politische Weisheiten haben sich menschliche Kulturwesen nie gehalten. Das war die geschichtliche Wirk-lichkeit Jesus, nicht nur was Lehre, sondern Leben betrifft. Nicht die Vernunftlehren der Griechen waren bestimmend, sondern wie noch für viele unserer Großväter war es das in Jesus unhinterfragte offenbare Wort Gottes. Den egal wie gearteten Mann aus Galiläa, den hat es nie gegeben. Zumindest ist er nicht das Thema des Neuen Testamentes.

Christen brauchen sich daher nicht in buddhistische Meditation oder fernöstliche Lehren zu flüchten,   wenn sie einer universale Weisheit gerecht werden  und glücklich oder gesund leben wollen. Sie brauchen sich nicht zu versehenken. Sondern können sich nach kultureller Aufklärung entsprechend ihrer geistigen Wurzel auf mündige Weise in schöpferischer Logik/Weisheit verantwortlich verhalten.

Auch wenn die beiden Theologen, die ihr Buch über „Q“, das sie zum Abschluss des Akademie-Samstages bei den Besuchern suchen als wörtliche Rede eines den Armen predigenden Junghandwerkers ausgeben. Sie haben erneut gezeigt, dass sich die Aufklärung über das wahre Wesen Jesus als Weisheit/Vernunft/schöpferisches Wort in menschlicher Rolle auch aufgrund des Wissens um die Inhalte des Neuen Testamentes nicht aufhalten lässt. Auch wenn sie von Vernunft nichts wissen wollen: Eine schöpferische Wirklichkeit, das sei ein vergeblicher Gottesbeweis! Und wie sollte eine Logoslehre geerdet werden? Mit Vernunft hätte die christliche Offenbarung nichts zu tun, wird mir gesagt. Doch die Aufklärung lässt sich nicht aufhalten.

Denn wer sich auf das natürliche Werden bezieht, das Jesus als Offenbarung des Unsagbaren war, der bracht keine Beweise für vorgesetzte Gottesbilder mehr. Und was das dringend notwendige „Erden“ betrifft: Die Weisheit, Vernunft, von der wir wissen, dass sie für das Wohl unseres Körpers wie, der Kultur und gesamten Kosmos, die ökologische Zukunft der Erde geboten ist, die ist weit irdischer, als alle heutige Sonntagsreden. Und was die christliche Offenbarung betrifft. Selbst hier zeigt sich, dass am Anfang nicht der gestanden haben kann, der den Theologen von heute als historisch gilt. Auch wenn sich Jesus nicht selbst als Offenbarung bezeichnet oder dieser Begriff eigentlich nicht biblisch ist, so wurde nachweislich von den anfänglichen Denkern/Verfassern im historischen Jesus das gesehen, was als Offenbarung gilt: Neu Klarheit schaffend über eine universale schöpferische Wirklichkeit und die davon ausgehende Weisheit. Daher wäre allein das Wissen über das Offenbarungswesen Jesus ein Beweis, dass es beim historischen Jesus der Bibel unmöglich um den ging, der heute als historisch gilt und für antike Denker so wenig wie für heutige Wissenschaftler eine schöpferische Wirklichkeit, Sinngebung oder Wegweisung sein konnte.

Im Mittelalter mag die Weisheitslehre, die von einem als göttlich gehaltenen Wanderprediger ausging, taugliche Offenbarung gewesen: In Zeiten remythologischer Welterklärung Klarheit über den göttlich/schöpferischen Wille gebracht haben und so schöpferisch vernünftig gewesen sein. Doch so wenig wie heute die Lehren, die ein als Armenprediger vorgestellter Jesus Offenbarung einer universal geltenden schöpferischen Weisheit/göttlichen Wille gelten können, kann den philosophischen und prophetisch/theologischen Denkern der Antike unterstellt werden, sie hätten in einem wundertätigen Wandergesellen oder sonst wie gearteten Zweibeiner und dessen Lehre die Klarscheit schaffende, bisher verborgenes offenlegende Offenbarung verstanden. Einzig die damals definierte Vernunfterklärung der Welt/allen Werdens kann als echte Offenbarung bedacht werden und wäre als diese auch heute zu bedenken. Doch die Wende im Verständnis des historischen Wesens Jesus, wie sie sich auch durch das Wissen um die Inhalte des Neuen Testamentes aufzwingt, die steht noch aus.

Man könnte ganze Bücherberge als Belege anführen, nicht nur kath. Dogmatiker oder Berger und Benedikt XVI. Alle ernstzunehmende Exegese, die die theologischen Inhalte verdeutlicht belegt, dass es beim biblisch beschriebenen Jesus um ein hoheitliches Wesen, den Christus geht. Jede Auslegung und Predigt, die die biblischen Aussagen ernst und nicht nur sich hineinliest, könnte als Beleg angeführt werden, dass der, der heute als historisch gilt, nicht das Thema des Neuen Testamentes war. Doch diese Arbeit können wir uns sparen. Denn dass das Neue Testament nicht von dem handelt, der in der Hochschullehre als historisch gilt, haben die Kritiker des ehemaligen Kirchenoberhauptes bereits bestens belegt. Wenn sich Benedikt XVI. in seinen Jesus-Büchern über ein hoheitlich-heilsbringendes, universal offenbarendes Wesen, dem Christus, Logos bzw. schöpferischer Vernunft an den „biblischen“ Jesus gehalten habe, ist im Hinblick auf das, um was es nicht nur dort als historisch geht, alles gesagt.


Hier der bisher vergebliche Versuch Prof. Gerd Häfner, der am Maximilianeum Neues Testament lehrt, kath. Theologen ausbildet und Woche für Woche in seinem Block "Lectiobrevior" Texte bespricht, zum Nachdenken über die Vernunft anzuregen, die in Jesus spricht. 

Denn jeder Text der Woche für Woche besprochen wird macht deutlich, dass er nicht von dem handlet, den der heute als hisotorischer Jesus gilt.