Vorwort: Benedikt XVI.,

wie seiner naturalistisch-atheistische Kritiker 



Benedikt XVI. hat hier kein Vorwort geschrieben. Und eigentlich ist er ein Beispiel, wie sich die christliche Lehre völlig aushöhlt, wenn sie sich zwar auf Vernunft beruft, aber weiter nur einen jungen Juden an den Anfang stellt und wie Benedikt XVI. an den biblischen Bedeutungsaussagen festhält. Denn genau die sind mit einem jungen Mann nicht mehr zu machen. Wovor bereits theologische Denker im 18. Jahrhundert warnten und den Jesus der Schrift als die dem anfänglichen Denken geltende Vernunft (Logos) nachwiesen, nach der man Kosmos und Kultur nun natürlich erklärte. Sein Sekretariat hat auch auf die verschiedenen Briefe mit der Bitte, die Vernunft des christlichen Glaubens als den historischen Jesus in heutiger Welterkärung wissenschaftlich bedenken zu lassen, nur freundlich geantwortet. Doch auch wenn Benedikt XVI. noch weit davon entfernt ist, die Hypothese vom jungen Heilsprediger Jesus aufzugeben oder die schöpferische Vernunft, auf die er sich ständig als Wesen des christlichen Glaubens beruft, in der Logik/Vernunft bedenken zu lassen, die heutigen Atheisten heilig ist. Der als "Anwalt schöpferischer Vernunft" geltende Kirchengeschichtskenner hat zu diesen Projekt nicht nur herausgeforder und es bestärkt.

Er hat mit seiner Bundestags-Rechtsrede über einer in der Natur zu begründenden Vernunft, die die griechische Philosophie definierte und die auch christlichen Verhaltenslehren zugrunde liegen würde, aber auch in seiner umstritten Regensburger, wie in vielen weiteren intellektuellen Reden das "Vor-wort" geliefert: Auf eine kreative Vernunft hingewiesen, die allem menschlichen Recht und aller Religiösität vorausgeheht. Eine Vernunft, die nach den Worten des alten Papstes verfallene Glaubensvorstellungen von Pathologie reinigt. Die von den Vätern unseres Glaubens als ewiges Wort verstanden wurde, als Weisheit galt und gilt. Und die das der Kultur des Westen zugrunde liegendes "Wesen des christlichen Glaubens" und mit Verstand einsehbar sei. Die Verkürzung, die den historischen Grund des christlichen Glaubens als als einen inzwischen meist nicht mehr göttlichen jungen Guru sieht. Was dann ja unser gesamtes Glaubens- und Weltbild bestimmt. Die erweist sich gerade mit Blick auf Benedikt XI. als Kirchengeschichts- und Bibelkenner als ein Kurz-schluss. Ebenso wie nur konservativ auf ein hoheitliches, aber inzwischen "ungaubwürdiges" Wesen zu bestehen, wie es leider auch bei Benedikt XVI. noch selbst zu beobachten.

Letztlich liefert auch sein Nachfolger ein Vor-wort. Denn wenn Papst Franziskus unter dem Beifall aller zeitkritisch Denkenden in seiner neuen Enzyklika die heutigen Weltprobleme, wie Korruption oder konsum- und kapitalegoisitsche Kurzsicht des Westens anspricht, für den Hunger und die ökologische Zukunftszerstörung der Welt verantwortlich macht, einen ideologiefreien Weltethos und eine ganzheitliche Ökologie einfordert. Dann hat er heimlich die Geschäftsgrundlage gewechselt. Er geht nicht mehr von einem Konstrukt des traditionellen Glaubens, den Worten eines Wandpredigers oder biblischen Buchstaben aus. Er bringt die kreative Vernunft, die sein Vorgänger als Wesen des christlichen Glaubens im Weiterdenken der Philosophie bezeichnete, zur Sprache. Er beruft sich und ruft auf seinen Reisen durch die Welt nach dem, das den Alten als lebendiges Wort galt, den Griechen als Logos und was dann als Jesus Geschichte machte. Er fordert unter dem Beifall der aufgeklärten Welt eine kreative Vernünftigkeit. Die jedoch ohne Auferstehung bzw. den aufgeklärten Verstand der kulturellen Vor-bilder und Lehren kaum zu machen ist. Auch Bendedikts Jesusbücher, in denen er sich laut seiner Kritiker nur an den "biblischen Jesus" gehalten, ein schöpferisches Wesen, gar seine Vernunft beschrieben hätte, sind Vor-worte. Denn so bestätigen die Kritiker selbst, um was es nicht nur in der Bibel, sondern der historischen Wirklichkeit ging. Selbst wenn viele Theologen gleichzeitig nur ihr banales Bild vom mehr oder weniger wundertätig-göttlichen Wanderprediger bestätigt sahen. Weil der Papst ja auch selbst nicht nur am hoheitlichen, sondern leider noch am kindlichen Jesusbild kirchlicher Vermittlung festhält. Wonach ihm dann vorgeworfen wurde, er hätte in seinen Büchern auf die historische Kritik nicht geantwortet. Doch wie sich erweist, wäre dies eine Antwort auf ein Hirngespinst von Halbaufklärung gewesen, das nicht der historische Grund des christlichen Kultes sein kann. Um das es ja auch, wie die Papstkritiker in ihren unzähligen durch die Papstbücher ausgelösten Werde selbst bestätigen, in der Bibel nicht geht. Weil im Neuen Testament ein schöpferisches Wesen spricht, an das sich der Papst (wie ihm bestätigt wurde) konsequent hielt. Und weil auch bei den Propheten des Alten Testament das Wort/die Vernunft allen Werdens der Grund des Monotheismus bzw. die davon ausgehende Weisheit der wahre König war, an dem die konservative Lehre feshält. Ein junger Mann war nie das Thema. Vor-worte sind auch viele päpstliche Predigten, die die Heilsbedeutung des "Dominus Jesus" (wenn leider nur dogmatisch) als historisches Geschehen hochhalten. Denn hier wird deutlich, dass die für die Verfasser der Texte bzw. die frühen Denker geltende und damit historische Wirklichkeit kein Wanderkyniker oder sonstiger Religionsrebell war. Sondern die Vernunft/Weisheit in Person (kulturgerechter Rolle/Aufgabe), von der aus sich dies Bedeutungsaussagen, selbst das "Dominus" begründen lassen. Um den heute allgemein für historisch gehaltenen galiläischen Wanderguru kann es logischerweise weder den Verfassern der Kultlesetexte, noch denen, die für die Entstehung der Kirche und den Kanon verantwortlich waren, gegangen sein. Das Thema aller christlichen Theologie und ihrer Texte war der Logos/die Vernunft, nach der die Welt, wie der monotheistische Glaube der Väter oder das Verhalten in Weisheit erklärt wurde. (Bereits beim ersten Deutschlandbesuch mit Abstecher beim Schleiertuch mit Jesusbild des Auferstandenen in Manopello und der Kritik daran, hatte ich Benedikt XVI. vergeblich gebeten, den deutschen Intellekt nachdenken zu lassen, warum auch die Bilder in menschlicher Kultur notwendig sind, um die Weisheit, auf die Kirchet gründet, lebendig werden zu lassen .) Die historische Kritik, die jeden Schritt und Tritt Jesus als theologisch-literarisches Werk erkennen lässt, liefert ebenso wie die Dogmatik bzw. konservative Theologie, die auf ein schöpferisches Wesen besteht, den Beweis: Der junge Jude, der heute im rationalen aufgeklärten Denken seiner schöpferischen Funktion entmächtigt wird, ist ein Kurz-schluss, der unhaltbar geworden ist. Der, den heute die im Streit liegende historisch-kritische, wie die dogmatische Theologen an den Anfang stellen will, der war nicht. Um einen jungen Juden, an dem Benedikt, wie z.B. auch der ins konservative Lager gewechselte Klaus Berger festhält (unzählig auf der alten Homepage zu findende Briefe baten diesen, wenigsten durch einen seiner Heidelberger Studenten die Vernunft bedenken zu lassen.) und der seine heutigen historisch-kritischen Kollegen als "Bibelfälscher" bezeichnet, kann es am Anfang nicht gegangen sein. Dies weiter zu behaupten, führt nicht nur in die falsche Richtung, lässt den gesamten christlichen Glauben als Fälschung erscheinen, sondern ist wissenschaftlich "falsch".
Den verschiednen Bitten, die von ihm als Wesen des christlichen Glaubens bestätigte Vernunft nun auch als den historischen Jesus in der heute erklärten Logik allen Lebensfluss bedenken zu lassen, konnte das Kirchenoberhaupt allerding unmöglich entsprechen. Benedikt XVI. oder Berger (nur Beispiele) können sich aufgrund ihrer Prägung und Lebenslehre nicht von einem jungen Juden lösen. So müssen auch ihre Schüler die Welt in dessen Glauben lassen und liefern so nur das "Vor"wort". Daher wird hier (auch in Bezug auf ihre Werke) nun selbst nachgewiesen: Beim historischen Jesus ging es um das in antiker Kutlurwende in Vernunft/Logik erklärte Werden und was danach als weise bzw. als weltvernünftig bedacht wurde. Ebenso warum diese Vernunft nur in der bekannten Gestalt Geschichte machen konnte bzw. so die westliche Gesellschaft bis zur Aufklärung führte.

So ist auch "Die Ökologie des Menschen" in Wirklichkeit ein zeitgemäßes Jesusbuch bzw. eine Darstellung dessen, was Jesus historisch war. Dort wird in vielen berühmten Reden Benediks XVI. die Grundlage der menschlichen Gesellschaftsordnung, Gesetze, wie des Glaubens - all das, was von Alters her in Jesus begründet war - in einer von natürlicher Schöpfung vorgegebenen Vernunftordnung bedacht. Eine kreative Vernunft, die in kulturgerechter Umsetzung als "Ökologie des Menschen" nicht nur für dessen ökoloigsiches Verhalten, sondern für dessen gesamtes Leben maßgebend sein muss. Damit wird nicht nur klar, wer Jesus von Alters her/historisch war, sondern wo er heute wahrzunehmen wäre. Denn währen bisher nur im Buch geblättert wird, selbst der protestestantische Pfarrer, der meist seine humane Meinung predigt, die Hörer im Glauben lässt, es ginge um die Worte/den Wille eines Wandergurus, wird im päpstlichen Buch in der Weltrealität begründet.

Besonders in seiner Bundestagsrede hat Benedikt XVI. bereits den Weg gewiesen. Er hat sich in Bezug auf das „hörenden Herz“ Salomos, wonach das Gute vom und Bösen zu unterscheiden wäre auf die Natur bezogen. Er hat in ökologischer/rationaler Welterklärung eine Vernunft als schöpferisches Wort zu bedenken gegeben. Eine Vernunftordung, die nicht menschlich zu bestimmen ist, sondern menschliche Bestimmung und Wegweisung ist. So hat er nicht nur den antiken Vernunft-/Logosbegriff aus metaphysischer Vernebelung ans Licht geholt. Er hat klar gemacht, dass das heute zu hörende "Wort", das menschlichem Sein vorausgeht, nicht mehr in Büchern zu lesen ist, nicht von der Kirche oder religiöser Tradition vorgegeben wird. Vielmehr dieses Wort nun aufgeklärt dort zu verstehen ist, wo heute auf natürliche Weise die Welt erkärt wird.

Doch leider hat er sich nur dogmatisch auf einen Vernunftgrund bezogen, der „menschlichem Recht“ vorausgeht. In Berlin hat er nicht der Bitte entsprochen (www.theologie-der-vernunft.de) und die theologische Wissenschaft aufgefordert, auf aufgeklärte Weise diese Vernunft und ihre menschliche Ausdrucksweise als das historische Wesen der christlichen Religion zu bedenken. Ich hätte mir alle Mühe sparen können, wenn er angestoßen hätte, in Konsequenz des gegebenen Wissens auch den angeblichen Heilsprediger dort zu bedenken, wo er mit Verweis auf das "Hören Saomos" eine mit Verstand einsehbaren schöpferischen Vernunft zu bedenken gab. Was er sonst als Wesen des christlichen Glaubens beschreibt.

Aber alles hat seine Zeit. Es ist zu verstehen, dass das Oberhaupt einer Kirche, für die ein als Christus verkündeter junger Heilsprediger ganz selbstverständlich der Grund des Glaubens ist und der auf dessen Hoheitlichkeit unzählige Bücher bzw. die gesamte theologischen Lehren seines Lebens gegründete, diese Vorstellung nicht einfach in Frage stellen kann. Wenn selbst die weltoffen moderene protestantische Pfarrerin am Ostermorgen den Glaube gegen alle Vernunft verteidigt, wie soll das Oberhaupt der kath. Kirche in der von Kreativität ausgehenden Vernunft nun gar den Grund der Kirche zu bedenken geben. Wenn er wie andere als konservativ geltende Theologen (nicht nur der die historische-kritische Theologie inzwischen wegen ihrem entgöttlichten Junghandwerker als "Bibelfälscher" bezeichnende Klaus Berger) einen Wunderheiler als hoheitliches Wesen, ewiges Wort oder schöpferische Vernunft predigt, so hält man das für selbstverständlich. Die Kritiker werfen ihm allenfalls die Vereinnahmung der Vernunft für kirchliche Dogmatik oder die Nichtbeachtung der heutigen Jesusforschung vor. Glaubt man ja genau zu wissen, dass mit dem biblischen Jesus nur ein Weisheitslehrer gemeint war, der mit Titeln geschmückt als göttlich gesehen bzw. als Vernunft hingestellt wurde. Daher kann auch die Vernunftrede des Papstes nur deren kirchliche Vereinnahmung sein. Wenn er jetzt den historischen Jesus in rationaler Welterklärung zu bedenken gegeben hätte, wäre ihm der „freiwillige“ Rücktritt erspart geblieben.



Vor-wort der atheistischen Monisten

"Gott sein Dank" hat sich Benedikt XVI. in seinen Jesusüchern, wie auch sonst, an das Neue Testament, wie die Kirchengeschichte gehalten. Die heutige Hochschullehre, die ihn kritisierte, weil er sich nicht mit ihrem völlig verkürzten Jesusbild auseinandersetzte, sondern sich auf das biblische/anfängliche und damit hoheitliche Verständnis bezogen hätte, hat damit selbst bestätigt, um was es in historischer Wirklichkeit ging. Auch wenn Benedikt XVI. leider beim menschlichen Bild seiner Kindheit, wie der gesamten Kirche blieb. In dem ihm polemisch vorgehaltenen "Abschreiben der Bibel" bzw. seinem Beharren auf die Bedeutungsinhalte des biblischen Jesus, hat er in diesem die philosophisch definierte schöpferische Vernunft/kreative Logik hochgehalten, die geschichlich ein Gesicht mit Bart bekam.

Auch der neue naturalistische Atheismus gehört zum Vorwort. Denn die traditionellen Aberglaube und Gottesvorstellungen vertreibende Funktion, die in der jüdischen Geschichte Josua, lat. Jesus hatte, wird heute nicht zuletzt von engagierten Denkern wahrgenommen, die Gott nicht einfach einen guten Mann sein lassen, sondern in ihrer Kritik die Stimmer erheben. Und gleichzeitig ermöglicht die nun im natürlichen Werden auf aufgeklärte Weise begründete Sinnhaftigkeit unseres Seins und der evolutionswissenschaftlich erklärte Sinn/Logos von gemeinsamem Kult, wie Phantasiebildern einen aufgeklärte Verstand dessen, was historisch als Jesus galt.

Es war genau die Vernunft, auf die sich die berufen, die in ihrer atheistischen Polemik nach dem päpstlichen Rücktritt sein Bild mit dem Jesusbuch bei der Giordanobruno-Stifung publizierten. Nicht nur, dass den dort vertretenen Denkern der in Vernunft erkärte natürliche Lebensfluss, für den sie sich hell auf begeistern, heilig ist. Und sie genau aus dieser Vernunft ihren Humanismus bzw. menschliche Verhaltensweisheit herleiten. Wenn beispielsweise deren Beiratsmitglied Thomas Junker in der Natur einen vernünftigen Sinn (Logos) deutlich macht und als Evolutionswissenschafter auch den Sinn des Kultes bedenkt ("Der Darwincode" oder neu: "Die Evolution der Phantasie", wo der menschliche Kult im Wandel der Zeit als ebenso sinnvoll, wie der aufrechte Gang und Voraussetzung für die Vergangenheit, wie Zukunft unserer Kultur bedacht wird)
, dann schließt sich der Kreis. Der evolutionswissenschaftliche Nachweis über den vernünftig zu erklärenden Sinn im natürlichen kreativen Geschehen, wie des Kultes und der Kultwerkzeuge, incl. menschlicher Phantasiebilder im evolutionären Wandel, sind daher ebenso als Vor-wort zu verstehen.

Auch der Vorstandssprecher der atheistischen Giordobruno-Stiftung, der von einem wissenschaftlichen Ratioalisierungsprozess schwärmt, der den Zauber der Natur bzw. des Universums "offenbarer" gemacht hätte, als alle Religionsstifter zusammen, liefert ein Vor-wort. Denn die rationale Einheitsdeutung des moderne Monismus, die das menschliche Individium als Teil des Ganzen deutlich macht, den Dualismus zwischen Geist und Körper, Subjekt und Objekt, Gott und der Welt auf wissenschaftliche Weise aufhebt, hat wirklich mehr zu bieten, als derzeitige Religionen, die sich meist buchstäblich auf "groooße" Geheimnisse um Gründergestalten oder Buchstaben berufen. Hier ist Michael Schmitt-Salomon zuzustimmen. Doch wie hier nachgewiesen, war genau die nun rationalistisch (im Logos) offenbare Vernunft des kreativen Ganzen der Grund des christlichen Kultes.

Dessen Aufgabe es dann war, die Vernunft des antiken Monismus im jüdischen Monotheismus auf kulturvernünftige Weise - als Josua/gr. Jesus - zur Welt zu bringen. (Benedikt XVI. spricht vom Weitdenken anitker Philosophie als Wesen des chr. Glaubens.) Denn um den nach heutiger Theologielehre auch von den Atheisten angenommenen wundertätigen Religionsgründer mit geheimnisvollen Eingebungen ist es nie gegangen. Der Grund des Glaubens war eine Vernunftbestimmung, wie sie erst heute wieder im wissenschaftlichen Weltbild verständlich gemacht wird und sich im kulturellen Weiterdenken ergibt.

Nicht das Vertreiben der Mythen, Götterbilder, des Buchstabenglaubens bzw. der Traditionshörigkeit, wie es hier auch als Anfang des christlichen Glaubens nachgewiesen wird, ist daher das Hauptverdienst der aufklärenden Wissenschaft. Allein die rationale Deutung der Welt ist noch zu wenig. So ist noch nicht die in der Remythologiesierung des Christentums durch dass Mittelalter und der daher damals notwendige Glaube an neue Götterbilder und Buchstaben bzw. Glaubensmythen überwunden. Was derzeit die Welt spaltet, den Fortschritt hemmt kann so noch keine gemeinsame geistige Grundlage sein.

Doch wenn heute der wissenschaftliche Nachweis über den ewigen Staffellauf des Lebens erbracht wird, wie alles zusammenhängt, jeder mit jedem verwandt ist und nur ein sinnvolles Teil des Ganzen zu sein hat, wie sich das ja auch in der Ökologielehre zeigt, "das Ich in Wirklichkeit keinen Inhalt hat" und der Zauber und Sinn allen natürlichen Werdens rational offenbart ist, damit auch noch der evolutionäre Sinn menschlicher Kultvorstellungen zusammengedacht wird. Dann ist das die Voraussetzng, in aufgeklärter Weise über das nachzudenken, was den Alten Bestimmung war, Juden als Wort (hebr. Vernunft) verstanden und der Welt kulturvernünftigerweise in Jesus vorgestellt und vermittelt wurde. Denn wenn nun auch noch die Kunst bzw. Phantasie, damit die Mythen und Geschichten bzw. Personifikationen der Kult(ur)wesen sowie des Kultes als Voraussetzung für die Gemeinschaft nachgewiesen wird. dann ist das der Ruf nach dem, was Religion ausmacht.

Vom Vor-wort zur Vernunft

Auch wenn sich Benedikt XVI. ständig auf eine kreative Vernunft als „Grundprinzip des Universums“ bezieht, die im Weiterdenken der griechischen Philosophie das mit Verstand einsehbare Wesen der christlichen Religion sei. Es ist vor dem Bundestag bei einer Rechtsrede geblieben. Es wurde nicht über den mit Verstand einsehbaren Grund christlicher Religion nachgedacht. "Verfassung ohne Grund" so der Titel eines der Bücher über die Bundestagsrede, nach der das Kirchenoberhaupt hier auch das Problem der heutigen Relativität des Rechtes beklagt hätte. Doch wie soll eine politische Verfassung den fehlenden Grund erhalten, wenn heutige Philosophie in natürlicher Kreativität keine Begründung mehr bedenken kann? Weil ja auch bei der kirchlichen Theologie nur noch persönlich-buchstäbliche Glaubenswahrheiten zählen: Theologie bisher im Buch begründet wird, religöse Schriftlehre bleibt. Bisher nicht in Weltrealität zu hören war. Und auch Benedikt XVI. den zum Thema gemachten Grund des Rechts, den er nun aus einer ökologisch-schöpferischen Vernunft herleiten will, nicht theologisch als den der christlichen Religion bedenken lässt. Selbst wenn er sich vor dem Bundestag auf das „hörende Herz Salomos“ (jüdische Weisheit) und die Stoa als Universalphilosophie der Zeit Jesus bezog, so wurde daher nach der Rede Benedikt XVI. von den Kritikern meist nur ein nicht mehr zeitgemäßes kath. Naturrecht bemüht.

Der Grund des Rechts wurde in Berlin nicht mit dem Grund des christlichen Glaubens in Verbindung gebracht. Und eigentlich wäre die Bundestagsrede schon Grund gewesen, Benedikt XVI. beim „Wort“ zu nehmen. Müsste doch christliches Verhalten nach Lehre der Kirche auf dem gründen, was Jesus sagte/wollte bzw. biblisch begründet wird. Wer daher den Grund des Rechts jetzt in ökologischer Welterklärung bedenken lässt, der verweist letztlich darauf, dass dort bzw. in rationaler Welterklärung auch der Vernunft-Grund dessen liegt, was Maria zur Welt gebracht hat, d.h. in Jesus durch Mutter Kirche Gestalt wurde. Und was dann dem Kanon der Kirche bzw. den biblischen Geschichte zugrunde liegt.

Zumindest babylonische Sprachverwirrung oder das Fehlen des „Heiligen Geistes“ hätten die Kritiker dem Kirchenoberhaupt vorwerfen müssen, wenn er  üblicherweise die Verhaltenslehre in einem wiedererweckten  Heilsprediger als universal gültigem „Dominus Jesus“  oder rein biblisch begründet und jetzt von ökologischer Welterklärung spricht. (Ohne dabei den Wiederverstand des ewigen Wortes in Vernunft bedenken zu lassen. Der anfangs in Formeln und hoheitlichen Titeln, als unser Herr bzw. Pantokrator umschrieben wurde, seit Luther in Bezug auf jüdische Weisheit einheitlich Jesus heißt.)

Doch es ist bei einer reinen Rechtsrede geblieben. Auch die Kritik hat das Kirchenoberhaupt nicht beim "Wort" genommen. Daher soll hier auf neue Weise die Realität dessen nachgewiesen werden, von das christliche Wesen war und bewirkte.

Vernunft als historischen Jesus  vergegenwärtigen

Eigentlich ist es unerheblich, was Benedikt XVI. über das Wesen des christlichen Glaubens sagt. Allein die Dogmatik eines Theologen, auch wenn der die Kirchengeschichte kennt, ist noch kein Beleg. Gleichwohl sie zeigt, was am Anfang der christlichen Geschichte gedacht wurde. Sein großer Verdienst ist es aber, die kreative=schöpferische Vernunft als Grund des christlichen Glaubens zum Thema gemacht zu haben. Und damit das aufgeklärte Hören des Wortes/Verständnis Jesus im Hier und Heute herauzufordern. Denn fest steht, dass die in antiker Wissenschaft begründete Vernunft allen Werdens zur Zeit Jesus den Ton angab. Sie war Grundlage menschlicher Weisheit und schöpferische Weisung auch dort, wo damals die griechische Philosophie diese Vernunft in Verhaltensweisheit umsetzte oder in Gestalt des Herakles über das Wasser laufen ließ. (Von dem Verherrlichungs-Statuetten unlängst bei der vergeblichen Suche nach dem Jesusboot rund um den See Genezareth ausgegraben wurden). Allein das müsste die Hypothese, die weiter nur einen jüdischen Guru mit seinen Anhängern um den See Genezareth jagen will. kippen.Es stimmt, dass damals viele Wanderphilosophen oder sonstige Lehrer unterwegs waren. Doch der Grund dieser sehr vielfältigen theologisch-philosophischen (z.B. auch der kynischen "zurück zur Natur") wie teilweise absonderlich wirkenden gnostischen Lehren, die dann zum Großteil in eine Neubegründung des jüdischen Monotheismus bzw. ins anfängliche Christentum mündeten, war der Logos. Auch für Seneca und andere Denker, die in Anknüpfung an den Hellenismus die Vernunft in Herakles zum Kultobjekt/zur Mittlergestalt machten, galt das, was jüdisch als Wort verstanden, in Jesus zur Welt gebracht wurde. Egal ob der Begriff "Logos" verwendet wurde oder nicht. Die Autorität der Lehren war die schöpferische Logik/Vernunft. Im jüdischen Sinne ging diese von einem unsagbaren Autor aus. Keiner der Neuplatoniker, Kyniker, Epikuräer, Vertreter der Stoa oder sonstiger Denkweisen hätte im Entferntesten selbst die Rolle eingenommen, die von Jesus geschildert ist und die er nachweislich für die Verfasser der Texte bzw. das anfängliche christliche Denken hatte. Ein noch so weiser und charisamtischer Wanderlerhrer wäre nie selbst zum Heilsgegenstand geworden, was der heute Logos genannte Jesus für die vielfältigen anfänglichen Strömungen war, die ins Christentum mündeten.

Man kann nicht eine in kosmischer Realität begründete Vernunft als Maß über alle menschlichen Meinungen und politischen Mehrheiten stellen und dann fragen wollen, was ein charismatischer Jude gesagt hat. Um spirituelle Eingebungen, die aus dem Mund eines jungen Zimmermannes kamen oder diesem nur angehängt wurden, kann es dem anfänglichen Denken nicht gegangen sein. Selbst wenn ein junger Reformer, wie ihn die heutige Lehre voraussetzt gewesen wäre. Angesichts dessen was wir über die Antike wissen, wären dessen Worte so wenig bedeutend gewesen, wie das, was heute ein spirituell begnadeter Mensch auf dem Marktplatz schreit, als ökologisches Maß gilt.

Sicher kann und muss man über den richtigen Weg bzw. was vernünftig ist streiten. Doch was der gemeinsamen Zukunft gerecht wird, die auch unter Wiki definierte Weisheit wäre, um die es im christlichen Kult und im Neuen Testament ging, entspringt nicht der Meinung eines Guru oder einer traditionellen Glaubenslehre. So ging nachweislich auch in der Antike um eine Vernunft, die sich aus den ganz natürlichen Gegebenheiten (Natur- und Kulturgeschichte) ableitete. Angesichts des Wissens um die Begründung antiker Weisheitstexte zum richtigen Verhalten, Reichtum, Besitz oder dem Miteinander der Menschen, wie sie dann auch im Neuen Testament nachgeblättert werden, ist es geradezu absurd, die Autorität in der wörtlichen Rede eines Wanderpredigers zu sehen oder was diesem durch die Kirche in den Mund gelegt wurde.

Auch die These dogmatischer Theologie, dass auf geheimnisvolle Weise in in einem jungen Juden mit Namen Jesus die schöpferische Weisheit bzw. das Wortes inkarniert sei, wird mehr als absurd. Eine Vernunft, die heute in ökologischer Welterklärung zu bedenken ist, die kann nicht in einem zweibeinigen Wesen inkarnieren oder von diesem bestimmt worden sein. Benedikt XVI. hat mit dem Bezug zur heutigen Welterklärung die Hypothese konserativer Christus-Dogmatik selbst ausgehebelt.

Im Anschluss an den (von mir schon oft vergeblich zur Aufklärung aufgeforderten) SPIEGEL, der zu Ostern die heutige Lehrhypothese und damit einen Robin Hood der Levante spiegelte, fragte „Die Welt“ Walter Brandmeier im März 2008 „Wer war Jesus wirklich“. Die Menschwerdung des Logos in Jesus sei eine Provokation, die in irdischen Kategorien nicht zu erklären sei. So der damalige Chefhistoriker des Vatikan. Wenn auch zurecht (leider nur dogmatisch, weltfremd gegen alle Vernunft), versuchte der Theologe so vergeblich zu verhindern, den historischen Jesus mit einem Christus auseinanderfallen zu lassen. Doch wer Christus nicht zum Produkt eines gestrigen Glaubens verkommen lassen, sondern dessen geschichtliche Realität nachweisen will, der muss andere Wege gehen. Der kann nicht die Vernunft umgehen oder den Gegen-satz stellen. Der  muss deutlich machen, wie im natürlichen Werden was verstanden wurde, was als Wort/Weisheit galt. Und warum die menschliche Ausdrucksweise dieser Vernunft/Weisheit, die Benedikt XVI. nun in ökologischer Welterkärung zu bedenken gab, einer Kreativität in Kulturentwicklung enspricht. Eine kultur- bzw. zeitgemäße Ausdrucksweise, die damals nur so messianische Wirkung in der Realgeschichte enftalte. Denn eine ökologische Vernunftordnung kann weder in dem heute als historisch geltenden Jesus inkarniert, noch dem angehängt worden sein. Wohl aber wurde diese Vernunft erst durch in menschlicher Gestalt zum volksverständnlichen Wort und zur Wirklichkeit in Kultur: Inkarnation bzw. Fleischwerdung.

Mit einem Gottesbild, als was bisher der biblische Logosbegriff galt bzw. einer geheimnisvollen Lehre, kann man alles machen. Gottesbilder lassen sich auch beliebig auf einen jungen Heilsprediger übertragen. Um den dann gegen alle Vernunft als inkarnierte Göttlichkeit anzunehmen. Doch mit dem Logos bzw. der Vernunft, die Brandmeiers Chef nun in ökologischer Welterklärung zu bedenken gab, ist dieser Aber-glaube (gegen/über alle Vernunft) nicht zu machen. Nicht allein weil es aufgrund des Wissens um den geistigen Kontext absurd ist, das den antiken Denkweisen zu unterstellen. Sondern weil sich eine heute ökologisch begründete und für die Menschen als Maß geltende Vernunft allenfalls pantheisistisch zu einem philosophischen Gott machen lässt. Aber unmöglich zu dem, der Jesus für die anfänglichen Christen war:  Eine Wirklichkeit, die auf den transzendent bleibenden, nicht philosophisch-pantheistisch in der Welt aufgehenden Grund aller Kreativität verwies, diesen nur offenbare/erklärte. Den unsagbaren/unsichtbar sein werdenden Grund aller Kreativiät kann auch heute die Vernunft nur erkären/offenbaren und vermitteln, nicht selbst sein. 

Wer wie Benedikt XVI. und der Chefhistoriker des Vatikan zurecht gegen die historisch-kritische Verkürzung, das Aufspalten in einen vorösterlichen Gutmenschen und einen nachösterlichen Gottessohn/Christus verhindern will, der kann nicht vergeisterten Glaube an die Auferstehung eines Aufrührers, dessen Wunder und Göttlichkeit gegen aller Vernunft verlangen. Der muss die Vernunft bedenken, die echt wiederverstanden und als das gesehen wurde, was den Juden als Wort galt und den Heiden Göttersöhne waren. Was in stimmiger Gestalt zur Welt ausgedrückt wurde, so die schöpferische Wirklichkeit zur Welt brachte, von Irrtum und Sünde befreite. 

Die Ökologie des Menschen - wie dieser zur Vernunft zu bringen ist

„Die Ökologie des Menschen“ so der Titel des Buches, in dem in Bezug zur Aussage vor dem Bundestag „Es gibt auch eine Ökologie des Menschen“ große Reden des deutschen Papstes zusammengefasst sind und über die Grundlage menschlicher Kultur nachgedacht wird. Auch der Mensch hätte eine Natur, die er achten müsse und nicht beliebig manipulieren oder selbst mehrheitlich bestimmen könne, macht Prof. Ratzinger hier in vielfacher Weise deutlich. Und wenn er diese Vernünftigkeit nun in natürlich-rationaler Welterklärung begründet und gleichzeitig wie in vielen Reden, hier den Grund der christlichen Religion als Weiterdenken antiker Wissenschaft und damit wahre Aufklärung bezeichnet, ist eigentlich alles gesagt.

Denn wer die menschliche Sinngebung und Verhaltensweise in einer Ökologie begründet, der macht damit deutlich, dass der Grund unserer westlichen Kultur kein mehr oder heute meist weniger göttlicher Wanderguru war, wie er bisher gilt. Vielmehr eine in realer kosmischer Ordnung begründete kreative Vernünftigkeit, die auf zeitgemäße Weise wahrzunehmen und nach Art des Homo Sapiens als menschliches Humanwesen, wie in Humanlehren umzusetzen ist.

Völlig neue Welten tun sich auf, wenn wir begreifen, dass in der Krippe in Bethlehem kein später als Wort, Weisheit oder als Gottessohn verherrlichter jüdischer Bankert lag. Hier die von natürlicher Schöpfung ausgehende Vernunft, die als wahrer König des bildlosen Kultes, als königliche Weisheit oder als Sohn des selbst unsagbares, Weisheit, Wort verstanden und mit menschlichem Gesicht zur Welt gebracht wurde. Die so wahrer Tempel und lebendige Thora/Gesetz war, in kulturbekannter Gestalt zum Licht der Welt wurde.

Die "Ökologie des Menschen" und damit seine gesamte Lebensweise in menschlicher Gesellschaft gründen nach Sichtweise Benedikts XVI. nicht allein in Naturrecht. Und die Götter geben seit griechischer Aufklärung nicht mehr das Recht vor. Vielmehr wurde bereits am Anfang unserer Kultur nach einer tieferen Begründung gefragt, die darüber bestimmt, was richtig und falsch ist. Die christliche Theologie hätte sich gegen das vom Götterglaube geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt, so der Geschichtskenner vor dem Bundestag. Das macht jedoch nicht nur deutlich, dass nicht der heute für historisch gehaltene Heilsprediger mit zufälligem Namen Jesus damals der neue Grund des Rechtes gewesen sein kann. Vielmehr verweist das auf eine Vernunft, die sich heute über das Naturrrecht hinaus mit Blick auf die natürliche schöpferische Gesamtheit ergibt, in anderen Kulturen nur andere Namen hat.

Die Natur allein sagt nicht, was der "Ökologie des Menschen", seinem "Dharma" entspricht, für die gemeinsame Zukunft von Kulturwesen der richtige Weg wäre. Dazu müssen diese schon ihren Verstand gebrauchen, Wissen auswerten und nach Diskussion in Gemeinschaft entscheiden. Doch dies ist keine vergeisterte Idee einer himmlischen jenseitigen Ordnung aufgrund religiöser Vorschriften oder gar nur eine innere Gesetzlichkeit menschlich-humanistischen Moralempfindens, sondern höchst gegenwärtige Vernunft.

Benedikt XVI. geht sicher zurecht davon aus, dass der Mensch sich nicht der Religion entledigen kann, um dann einer säkularen und so amputierten Vernunft vergeblich gerecht werden zu wollen. Was, wie in der Gesellschaft zu beobachten, weder mit politisch-ideologischen Parolen des Ostens gelang, die es nicht schafften, aus den Genossen eine Gemeinschaft arbeitender bzw. gemeinsame Zukunft gestaltender Brüdern zu machen. Noch schafft das allein die Einsicht in ökologische Vernunft des Westens. Wo sich auch durch noch so viele Gesteze und Vorschriften Konsum- und Kapitalegoismus nicht überwinden lassen. Doch die Religion, wie sie sich heute darstellt, ist sicher nicht geeignet, den Menschen zur Vernunft zu bringen. Logischerweise sieht sie sich in ihrer heutigen Gestalt dafür auch gar nicht zuständig.

Jede Rede von einer Univeralreligion nach dem Exil, was sich nun im christlichen Glauben verwirklicht hätte und jedes Nachdenken über eine Lösung der Kulturprobleme durch das Chrisentum bleibt völlig unwirklich, wenn nur ein als Gottessohn titulierter oder glaubensverkündeter Guru an den Anfang gestellt wird. Was soll dann der Bezug zur Glaubensaufklärung der Propheten und jüdischer Weisheitsliteratur, wo sich die Rationalität, die sich in der Struktur der Welt gezeigt hätte, als schöpferische Weisheit begriffen worden und die Klammer zwischen Weltdeutung und Gottesgedanke gewesen wäre? Wenn man einen wundertätigen Wanderprediger als Wort ausgegeben oder gesehen hätte, so wäre das das genaue Gegenteil der Synthese von Glaube und Vernunft gewesen, als die Benedikt XVI. das Christentum sieht. Jeder Bezug zur in Weltrealität begründeten Weisheit, dem Logos der Griechen müsste so eine völlig leere Rede bleiben. Und an die Reinigung der säkular völlig verkürzten Vernunft durch das christliche Weltverständnis, der Lösung der ständig aufaddierten Probleme der Weltgesellschaft, die ihre Kurzsicht, Konsum- und Kapitalegoismus über eine ganzheitliche Weltsicht bzw. eine Ökologie des Menschen stellt, wäre dann nicht zu denken.

Der dogmatische Ruf Benedikts XVI. nach einer Transzendenz der Vernunft im Sinne gestrigen Glaubens, damit Vernunft gehalten, Gemeinsinn gelebt wird, greift zu kurz. Wenn diese nicht als historischer Jesus verstanden und heute realisiert wird, hat die christliche Religion nichts zu sagen. Auch allein der Nachweis, dass die westlichen Welt, deren Erfolgsgeschichte und damit auch Wissen und Aufklärung aus einem Geist entspringt, der im Glaube bzw. monotheisitischen Weltverständnis begründet war, sagt nichts über dessen Notwendigkeit in heutiger Zeit.

Bei dem, was heute als Glaube gilt, vielfältiges Blutvergießen, Gewalt und Unvernunft hervorbringt, wundert es nicht, wenn die Aufklärung denkt, Religion an den Rand persönlicher Vorstellungen stellen oder möglichst ganz tilgen zu müssen. Vernunft ist damit nicht zu verwirklichen. Die schöpferische Entwicklung bzw. Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Die von Benedikt XVI. benannte Reinigung der Reliösität in Vernunft bedarf einer Reform, die durch Auswertung des gegebenen Wissens in Weiterentwicklung wieder an die Wurzeln des aufgeklärten Wort-verstandes anknüpft. Während die Reform des Mittelalters durch die Schrift den Verfall der christlichen Religion verhinderte, ist heute Verstand gegeben. Denn am Anfang stand kein blinder Glaube, wurde weder weiter den griechischen Götterbildern und Mythen, noch der jüdischen Gesetzlichkeit geopfert. Der universale Monotheismus der Antike, der die geistige Wurzel ist, aus der die westliche Welt wuchs, gründete nicht auf geheimnisvoll-überirdische Gerechtigkeit und Vorstellungen gegen alle Vernunft, sondern die Reinigung davon. Er war nach allem was wir heute wissen einem wachen Verstand zu verdanken, in Vernunft begründet.

Europa, das heute seine gemeinsame Identität nur in Geld bzw. dem Euro begründet und verzweifelt nach einer gemeinsamen Rechtsgrundlage sucht, ist nicht den Kaisern zu verdanken, sondern aus einem gemeinsamen Geist erwachsen, der im universalen Monotheismus verschiedener Ausprägungen erwachsen ist. Denn auch in der Auseinandersetzung der Kirche mit der Aufklärung war der Geist des Monotheismus die treibende Kraft auf beiden Seiten. Und bis zur protestantischen Arbeitsethik, die einen Typ hervorbrachte, der sich strikt dem Gemeinwohl und der Leistung verpflichtet wusste, gegen die heute mit als größte Weltbedrohung angesehene Korruption gefeit war, hat dieser Geist getragen.

Kreuzzüge, Ketzer- wie Hexenverbrennungen, Judenhaß und Vernunftverdammung können nicht unter den Tisch gekehrt werden. So wenig wie aller Unsinn und Krieg, der heute im Namen des Glaubens stattfindet. Auch dies hat Benedikt XVI. erkannt, wenn er von einer notwendigen Reinigung der Religiösität durch die Vernunft spricht. Denn dass allein eine Verneinung nicht das richtige Rezept ist, lässt sich in der Weltrealität heute bestens beobachten.

Und wer erkennt, dass in der biblischen Geschichte keine Auseinandersetzung mit dem Atheismus beschrieben wird, sondern es jeweils um die Reinigung der überkommenen Religiösität von Götterbildern oder zum selbstzweck verkommer Schriftgelehrtheit und Gesetzlichkeit geht, der muss auf zeitgemäße Weise nach dem Wort (hebr. Vernunft) fragen, das am Anfang galt. Denn der Verantwortungsbegriff, der heute als rein säkularer Wert und politischer Schlüsselbegriff gilt, war ursprünglich im Monotheismus begründet. Es war der Verstand, die Antwort des Menschen auf das schöpferische Wort: Eine Vernünftigkeit allen Werdens, die heute in seit dem Sternenstaub beschrieben wird und für die unvorstellbaren Ausmaße des Universums angenommen bzw. bei wissenschaftlichen Modellen vorausgesetzt wird. Benedikt XVI. hat diese Antwort als "Ökologie des Menschen" beschrieben. Wie in der Weltrealität zu beobachten, reicht es nicht, wenn der Mensch nur weiß, was ökologisch oder weltökonomisch vernünftig und so für seine eigene Zukunft tauglich ist. Um in gelebte Verant-wort-ung zu nehmen, reicht allein das Wissen nicht aus. Das was aufgrund der natürlich-schöpferischen Vorgaben für die Zukunft von Kulturwesen objektiv als vernünftig auszudisskutieren ist, muss aufgeklärt wieder als Wort/Bestimmung verstanden werden, um echte Verant-wort-ung entstehen zu lassen.

Wenn heute klar wird, dass bei immer größeren technischen Machbarkeiten und einer immer mehr zusammenwachsenden global wirtschaftenden und kommunizierenden Weltgemeinschaft auch ein globaler Geist notwendig ist, dann kann nicht das Gestern herbeigerufen werden. Wenn sich die von den Wahlplakaten prangenden Forderungen nach mehr Gerechtigkeit, Gemeinsinnn, gemeinsamer Zukunftsgestaltung und Ökologie als ein Vergeblicher Ruf nach Vernunft zeigen, hilft es aber nicht, wenn die Kirche auch noch den Zeigefinger erhebt oder gar die Vernunft verdammt. Sie hat von der griechischen Aufklärung die Aufgabe übernommen, die am Anfang unserer Wissenschaft definierte Vernunft auf kulturgerechte Weise, im bildlosen Monotheismus zur Welt zu bringen. Die Aussagen Benedikts XVI. in seinen Büchern und Reden weisen dazu den Weg. Der kein Zurück und keine dem christlichen Glaube aufgesetzte Vernunftideologie sein kann. Vielmehr  in kreativer Weiterentwicklung und Reform als aufklärende Neuentdeckung an die kulturellen Wurzeln anknüpfen muss. 

Räuberbanden können keine Vernunftrealität im Volk begründen

Wenn es zutrifft, dass dem menschlichen Recht eine in natürlicher Schöpfung begründete Vernunft vorausgehen, ihr zugrunde liegen muss bzw. hier zu "hören" ist, trifft dies dann nicht noch mehr für die Religion zu, die sich auf das schöpferische Wort bzw. wie Benedikt XVI. auf diese Vernunft beruft? Wenn der Staat ohne den Bezug zu einer nicht menschlich zu bestimmenden natürlichen Vernunftrealität zur Räuberbande wird, was ist dann mit der Kirche? Kann die Bibel oder gar die Kirchenlehre diese Vernunftgrundlage bieten, die der Papst vor dem Bundestag in ökologischer Welterklärung zu bedenken gab? Oder hat sie der Buchstäblichkeit von wundersamen Geschichten bzw. eines Gottesbildes vom geheimnisvollen Konstrukteur zuliebe, den Bezug zur natürlichen schöpferischen Vernunftrealität verloren hat, diese bisher meist verleugnet?

Der Mensch macht sich nicht selbst, sondern ist Teil einer Gesamtordnung. Und willkürliche menschliche Mehrheitsmeinungen allein können daher nicht der Grund des Rechtes sein, war in vielen päpstlichen Reden zu hören. Auch in Berlin griff Benedikt XVI. die Grundregel der platonischen Stoa bzw. Senecas auf, wonach der Staat zur Räuberbande würde, wenn er sich nicht an ein höheres Vernunftrecht halte. Die christliche Religion sei geschaffen, damit der Mensch einer schöpferischen Ordnung gerecht werde, die politischen Ideologien nicht selbst festlegen können. Vielmehr bestünde die menschliche Freiheit und Aufklärung darin zu hören, die schöpferische. Doch wie steht es um die in der natürlichen Schöpfung begründete Vernunftrealität in der christlichen Religion selbst?

Was hilft es, wenn Benedikt XVI. in seinen intellektuellen Reden und Büchern die Probleme einer immer globaler handelnden und sich in ihrer Machbarkeiten zunehmend schneller entwickelnden Welt aufaddiert und dabei die von aller Religion entledigte „amputierte Vernunft“  als untauglich sieht, diese zu lösen? Wenn auch die Religion ihre Relation zu einer realen Vernunftordnung verloren hat, braucht sich auch niemand über die völlig Relativität zu beklagen, in der sich jeder das Recht selbst setzt oder zufällige mehr oder weniger humanistische Mehrheits"meinungen" entscheiden.

Wie Benedikt XVI. schreibt, kann die Religion eine heilende, rettende oder eine archaisch und gefährliche Macht haben, die falsche Universalismen aufbaut, zu Intolleranz und Terror verleitet? Wenn die Vernunft von Schöpfung ausgeht, dann ist der Frage Benedikts XVI. zuzustimmen. Ja, die Religion "ist unter die Kurantel der Vernunft zu stellen und sorgsam einzugrenzen", Einer Vernunft, die jedoch nicht von der Kirche, der Tradtion zu bestimmen ist. Wer über eine Vernunft spricht, die als "universales Prinzip" "die Welt in ihrem innersten zusammenhält", der kann diese nicht weiter im Glauben an einen Wanderguru begründen bzw. biblischen Worten von dessen hoheitlicher Bedeutung.

So wenig wie das Recht der Antike in Götterreligiösität oder jüdischer Gestzlichkeit mehr zu machen war (was unmöglich durch das erstetzt wurde, was heute als historisch gilt), kann die heutige Religion ohne den Bezug zu ihrem Vernunfgrund dem Recht einen Grund geben. Das Rechtssystem, das allem vorausgeht, alles überschreitet, war mehr als das, was heute als Naturrecht gilt. Hinter dem natürlichen Werden vernünftiger Weltbeschreibung anfänglicher Wissenschaft wurde vom antiken Denken eine gemeinsame Bestimmung/Wort verstanden, das von einem unsagbaren schöpferischen Grund ausging. Dieser wurde im Christentum universal verstanden, weil er allen Glaubenformen (auch den Götterbildern oder Konstantins Kosmosfrömmigkeit) zugrunde lag.

Auch heute stehen die einst kulturtragenden Religionen der Welt, die meist nur noch ein Abglanz ihrer anfänglichen Inhalte sind, dem Anspruch der westlichen Rationalität gegenüber. Gleichzeitig führt die Berufung auf jeweils eigene Gründergestalten und Gesetzlichkeiten und deren politischer Missbrauch zu viel Leid und Blutvergießen. Wenn Benedikt XVI. "eine Interkulturelität als eine unerlässliche Diskussion für die Grundlagen des Menschseins"  bekennt, dann ist diese nur in einem aufgeklärten Verständnis dessen zu machen, was am Anfang war.

Nicht nur der Staat, der sich auf eine selbst definierte Vernunft beruft, scheint zur Räuberbande zu werden, sondern auch die Religion, die ihren schöpferischen Bezug verliert, wie er philosophisch-theologisch definiert wurde. Seneca wie Tactitus und dem stoischen Märtyrer, der lt. Benedikt XVI. Kaiser Marc Aurel mit Bezug auf die "Räuberbande" die Göttlichkeit versagte, ging es um eine Vernunft, die in der Schöpfung begründet lag. Eine Vernunft, die heute u.a. als Ökologie definiert wird und von der wir wissen, dass sie nicht menschliche zu bestimmen, sondern zu halten ist.


Die christliche Kirche ist gefragt, sich zur Vernunft zu bekennen, ihr wieder eine Herberge zu geben, statt sie aus der Kirche verbannen zu wollen. Wer sich ständig auf Platon bezieht, weil der ja heute auch im Neuen Testament -nicht nur bei Paulus-  nachgeblättert wird und sich auf den Nous bzw. die Vernunft kosmischer Ordnung beruft, gleichzeitig jedoch die Welt im Glauben lässt, dass es beim Logos nur um einen Erstzbegriff für ein geheimnisvolles Gottesbild ging, das einem jüdischen Weisheitslehrer mit Namen Jesus angehängt wurde, der dann gegen alle Vernunft als Christusgott geglaubt wurde oder werden soll, der darf sich nicht wundern, wenn die Vernunft säkulare Wege geht. Die von  Benedikt XVI. ständig beklagte  Verkürzung der Vernuft, die dann  weder aufs Ganze gesehen, noch gehalten wird, keine Grundlage für die menschliche Entwicklung in gemeinsamer Kultur sein kann, geht nicht auf das Konto der Aufklärung.

"Wir hatten gesehen, dass es eine Pathologien in der Religion gibt, die höchst gefährlich sind und die es notwendig machen, das göttliche Licht der Vernunft sozusagen als Kontrollorgan anzusehen, von dem her sich Religion immer wieder neu reinigen und ordnen lassen muss, was übrigens auch die Vorstellung der Kirchenväter war"

Benedikt XVI. "Die Ökologie des Menschen" als Ergebnis von Vernunftrecht und Naturrecht "Was die Welt zusammenhält" bzw. Interkulturellität im Vorwort.


 Ant-wort: Danke für Argumente  

Fast alle wissenschaftlichen Arbeiten, die hier nur beispielhaft aufgegriffen werden können, setzen einen mehr oder weniger göttlichen oder christologisch-vergötterten bzw.  hellenisierten Zweibeiner voraus. Doch letztlich kann jedes neue Buch, das die reale Geschichte beleuchtet oder die theologischen Inhalte der biblischen Aussagen,  als Belegt angeführt werden, dass die bisherige Hypothese nicht mehr haltbar ist. Das Wesen Jesus (weder seine historische, noch seine hoheitlich-schöpferische Wirklichkeit)  ist dabei nicht weiter im kritischen Kurz-schluss zu verneinen, sondern neu zu bedenken/verstehen.

Für bisherigen Versuche, Vernunft und Glaube zusammenzudenken, eine natürliche Theologie zu begründen oder die Evolution als Schöpfung zu betrachten, war es ebenso noch zu früh, wie für prozesstheologische Überlegungen. Solange nicht an das Wesen Jesus anzuknüpfen war, mussten alle theologische Lehren ohne kulturelle Wirklichkeit bleiben. Auch sich nur auf einen Logos bzw. wie Benedikt XVI. auf eine in Ökologie zu bedenkende schöpferisch Vernunft zu berufen bleibt eine untauglich-abstrakte Lehre, wenn nicht aufgeklärt an kulturelle Vorbilder, die Geschichte Jesus angeknüpft werden kann.

Solange die in der antike bedachte Vernunft in wissenschaftlicher Erklärung nicht greifbar war, brauchte es einen Wanderprediger. Auch Teilhard de Chardin konnte nur einen „kosmischen Christus“ als Ziel der Evolution neben diesen jungen Wanderprediger stellen und musste so in unbedeutend bleibender Mythologie, meist auch begrifflich jenseits wissenschaftlicher Welterklärung bleiben. Doch heute ist das Wissen gegeben, die Wirklichkeit des historischen Jesus dort zu belegen, wo Teilhard einen kosmischen Christus auf noch mythologische Weise festmachen wollte. Und wo alle natürliche Theologie bisher vergebens versuchte die Weltbilder zu versöhnen. Während die Radikalkritik der alten Monisten an der Wurzel den Logos nur als einen christlichen Mythos ausmachte, den historischen Jesus verneinte, ist dieser in seiner historischen Hoheitlichkeit  und heilsbringenden Wirklichkeit, wie in heutiger Welterkärung zu realisieren. 

Die christliche Theologie, die derzeit einen jungen Heilsprediger als völlig selbstverständlich voraussetzte und daher kaum mehr als Wissenschaft ernst genommen wird, kann im neuen Verständnis ihre Lehre in wissenschaftlicher Vernunft begründen.

In diesem Sinne ist die Fachwelt gebeten, Argumente vorzulegen die gegen die vorgebrachten Begründungen des christlichen Glaubens sprechen. Auch Berichtigungen oder Klarstellungen falscher Voraussetzungen sind gefragt.

Vielen Dank für kreative Beiträge, die zu einem zeitgemäßen Verständnis des christlichen Wesens aufgrund geschichtlicher Wahrheit, dem Wort in Weltwirklichkeit beitragen!

Danke für Argumente!