1.      Qumran: Wie im Judentum das Wort unmittelbar verstanden wurde

In Auswertung der Funde wird deutlich, wie das jüdische Reformdenken im allegorischen Neuverstand des Alten, das in Alexandrien als Grundlage einer philosophisch begründeten Vernunft-Christologie gilt, in ähnlicher Weise auch dort war, wo man bisher einen wundertätigen Wanderprediger vermutete.  Die These von der Christologisierung, Hellenisierung, philosophischen Einfärbung eines charismatischen  Wanderphilosophen oder sonstigen Heilspredigers ist hinfällig, wenn offenbar wird, wie dort, wo der angeblich heilte, das schöpferische Wort in Weltwirklichkeit als Heilswirklichkeit verstanden wurde. 

Wobei es hier weniger darum geht, die Unwesentlichkeit/Unmöglichkeit dessen zur Sprache zu bringen, der heute als historisch gilt. Weit mehr als in sonstigen Betrachtungen des damaligen Denkens und Diskutierens lässt sich im Judentum Jerusalems der Zeit Jesus dessen biblisch berichtete Geschichte als die des unmittelbar in Weltrealität verstandenen Wortes nachvollziehen: Der geschichtliche Jesus belegen, der zwischen Galiläa und Jerusalem unterwegs war. Und der nicht nur die biblisch beschriebenen Bedeutungsinhalte erfüllte, sondern wahre Wunder bewirkte, 12 Jünger hatte… Auch wenn möglicherweise erst in der bekannten menschlichen Gestalt, wie sie der Kanon dann zur Welt brachte, die Auferstehung des schöpferischen Wortes war. Sind die Höhlen das wahre Grab des historischen Jesus, dem in Realgeschichte der Prozess gemacht wurde?    

Über die in den Höhlen nahe Jerusalem gefundenen Texte, ihre Herkunft und Verfasser wurde schon viel spekuliert. Auch wenn die Verschwörungstheorie „Verschußsache Jesus“, die den jungen Wanderprediger in Qumran beheimatet sah und die kath. Kirche beschuldigte, die Wahrheit über ihren Heilsbringer geheim halten zu wollen, inzwischen als wissenschaftlich unhaltbar gilt. Die Texte machen nicht nur  deutlich, wie absurd es ist, dem Reformjudentum dieser Zeit den unterstellen zu wollen, der heute als historisch gilt. Vielmehr zeigt sich hier die geschichtliche Wirklichkeit Jesus bzw. wird das bewiesen, was Jesus historisch war: Es zeigt sich, wie im Jerusalemer Judentum der Zeit Jesus die hellenistisch-philosophische Vernunfterklärung des natürlichen Werdens als schöpferisches Wort, wahrer Tempel auf nun unmittelbare Weise verstanden wurde und in Auseinandersetzung mit der jüdischen Traditionshörigkeit stand. Auch wenn die Geschichte der Jesus genannten Vernunft/Wort allen Werdens weit über die geografische Reise zwischen Galiläa und Jerusalem hinausgeht und die Verfasser die Geschichte aus theologischen Gründen in der Heiligen Stadt des ewig auf Reise/im Wandel befindlichen Monotheismus  spielen lassen. Die Texte machen deutlich, wie sich im Reformjudentum rund um Jerusalem genau das abgespielt hat, was berichtet wird: Wie hier der historische Jesus jungfräulich (das Wort unvoreingenommen, nur von Schöpfung ausgehend/gezeugt) zur Welt gekommen ist, warum er 12 Jünger hatte (gesamte Judentum in Reform war, nicht nur eine Einzelsekte), als wahres Licht von Blindheit befreite, Lahme heilte bzw. Fortschritt brachte, Tote erweckte und wie der Prozess mit konservativem Pharisäertum und römischen Kaiserkult stattfand.

Die wahre Verschlusssache Jesus ist die wissenschaftliche Inkonsequenz

Das  sonderbare Jesusbuch, das monatelang auf der Bestsellerliste des Spiegels stand, hat vor vielen Jahren nicht nur das Interesse am Jesus unter Verschluss geweckt. Es hat auch deutlich gemacht, dass das, was man mir als Kind beibrachte, so wissenschaftlich nicht gesichert ist und mich weiter kritisch nach der Wahrheit über das frühe Christentum suchen lassen. Auch die Thesen von Jesus als in Qumran beschriebener  „Lehrer der Gerechtigkeit“ oder der Essenergemeinschaft, bei der Jesus in die Schule ging, wie in der kirchlichen Erwachsenenbildung zu hören war, gehören inzwischen dem Gestern an. Doch wer die Textfunde aus Qumran, wie all die weiteren Zeugen des hellenistisch-hebräischen Denken aus der Zeit Jesus und den gleichzeitig deutlichen Ruf nach Erneuerung des alten Bundes nüchtern auswertet. Der kann unmöglich weiter davon ausgehen, dass damals der eine Rolle gespielt hätte, der heute als historisch gilt. Die eigentliche Verschlußsache Jesus liegt nicht darin, dass die Texte geheim gehalten, sondern dass ihre Inhalt nicht konsequent genug ausgewertet werden. Und damit nicht nur die Unhaltbarkeit der heutigen Hypothese vom historischen Jesus oder Christengott deutlich gemacht wird. Vielmehr wie bereits in Qumran genau das von Schöpfung ausgehende unmittelbare schöpferische Wort, das Jesus nicht nur nach der Dogmatik sein soll, sondern auch für die Synoptiker historisch war, jüdisch auf neue Weise in kosmischer Ordnung/damaliger Welterklärung gehört wurde.

Statt nach Wanderprediger nach lebendigem Wort fragen  

Wenn man bisher nach christlichen Spuren suchte, dann wurde gefragt, ob ein Jungprediger mit Namen Jesus oder sein Täufer Johannes in Qumran waren?  Ob Paulus der Lehrer der Gerechtigkeit oder evtl. der Lügenmann sei? Oder es wurden Textpassagen verglichen. Wie bei  Carsten Thiede (einst Leiter des Institutes für christliche Grundlagenforschung in Paderborn), der aufgrund winziger in Luxor, nahe Alexandrien gefundener Papyrusschnipsel und später auch anhand von Qumranfunden, deren Inhalte er mit dem Matthäusevangelium identisch sah, so Jünger Jesus bzw. die Wirklichkeit der Bibel belegen wollte. (www.theologie-der-vernunft.de: alte Texte, „Vom Papyrus zum wirklichen Jesus“) So wurde bisher auch in Qurman nur nach den Zeugnissen eines Heilspredigers gesucht. Dabei blieb die Geschichtsrealität des Heilswesens unbeachtet, das sich nicht durch Buchstaben auf Papyrusfunden, wohl aber dem sich darin ausdrückenden Bewusstsein der Zeit beweisen lässt.  Hier wird daher in Auswertung wissenschaftlicher Darlegungen über die Inhalte der Texte nachgedacht und dabei deutlich gemacht, wie sich der in Jesus geschehene Wandel, der unmittelbare Verstand des schöpferischen Wortes (direkt aus dem Mund, ohne Vermittler) nicht nur in Luxor/Alexandrien offenbar wird, sondern auch im jüdischen Denken Jerusalems.  Denn egal, ob die Texte einer jüdischen Sekte entstammen, ob sie das Werk einer antiken Druckwerkstatt sind oder ob es sich hier um eine Sammlung damals rund um Jerusalem kursierender jüdischer Schriften handelt, die versteckt wurden, was inzwischen meist die These ist. In den 850 Rollen spiegelt sich das antike Judentum. Und wenn mindestens 500 Schreiber aus der Zeit 250 v. bis 40 n. Chr. ausgemacht werden, dann gibt das einen Eindruck vom damaligen Denken und wie das nach Reform verlangte oder die bereits bewirkte.

Die Schilderung der Essener als hellenistisch geprägte hochphilosophische Reformsekte, die sich nicht an der Schrift, sondern realer Schöpfung orientierten, daraus Werte und Verhaltenslehren ableitet, wie es der angesehene jüdische Religionswissenschaftler Moritz Friedländer meist bei Philo von Alexandrien nachblättert, ist noch kein historischer Beweis für ihre Existenz. Hier könnte es sich auch um ein philosophisch-theologisches Muster (z.B. für erwartete Juden von Morgen) gehandelt haben, das die auf Vernunft bauende jüdische Reformlehre in der damaligen Bildungsmetropole Alexandriens entwarf. Und wenn Essener auch an anderer Stelle, von Josephus Flavius beschreibt werden, so hat bereits Klaus Berger beklagt, dass dessen Einteilung des damaligen Judentums in Pharisäer, Sadduzäer und Essener den Blick auf die geschichtliche Realität verbaut. Die war auch nach Friedländer eine Vielfalt von  philosophischen Erneuerungs- und Gegenbewegungen. Und dieser Prozess scheint auch der Jesusprozess gewesen zu sein, der damit bis in die Prophetenzeit reicht. Die Vernunfterklärung der Griechen als jüdisch verstandenes Wort, das unmittelbar aus der Schöpfung, z.B. der in der Sonne sichtbaren kosmischen Ordnung abgeleitet wurde und später Jesus war, stand auf dem Programm. Genau das lässt sich in den Texten nachvollziehhen.

Textfunde belegen die jungfräuliche Geburt Jesus in der Davidstadt

„Die Essener als Mutter Maria?“ so überschrieb ich Überlegungen (theologie-der-vernunft.de: alte Texte) nach einem Vortrag von Prof. Stegemann über die Essener, die er in der antiken Verlagswerkstatt von Qumran vermutete. Die Frage von theologischen Teilnehmern über die Jungfräulichkeit einer jungen Hebräerin am Mittagstisch, die mir völlig absurd und fehl am Platz erschien, hat mich damals nach der unvoreingenommen Lehre fragen lassen, durch die das Wort wieder zur Welt kam. Einem neuen in philosophischer Vernunft-/Welterklärung begründen monotheistischen Verständnis, dass diese Denker, die die alten Texte allegorisch lasen, nicht nur blind büffelten und abpausten, in neuer Weise hervorbrachten. Allein die Verehrung der Sonne war schon der Hinweis darauf, dass es hier um ein in Weltrealität begründetes Wort ging. (Die unter der obigen Adresse aufgelisteten Aussagen Friedländers über die damals bei den Essener herrschende mehr hellenistisch als jüdische Denkweise, die nachplatonische Philosophie, die keine Kind des Pharisäismus war und ihre in neuem Schöpfungsverständnis begründete messianische Hoffnung, bestärkte mich in der Frage, nach der Jungfrau Maria.)   

Doch wenn  die Vielzahl der in den Höhlen nahe Jerusalem gefundenen Texte auf eine im damaligen Judentum herrschende Denkweise verweist, wie sie auch im Muster der Essener von Philo als wahrhaft philosophisch an die Propheten anknüpfend und die traditionelle Gesetzlichkeit verneinend, beschrieben wird. Dann machen die Texte deutlich, wie im Judentum der Zeit Jesus das als lebendiger Tempel aus schöpferischer Realität bzw. kosmischer Ordnung abgeleitet wurde, was den Griechen als Vernunft galt. Das Fragezeichen kann ich streichen. Nicht nur im Alexandrien der Zeit Jesus, wo im neuplatonischen Reformjudentum Philos der Logos/die Vernunft statt Göttersöhne galt (was heute als „Christologie“ vorgestellt wird) oder bei den vielen gnostischen und griechischen Philosophielehren gab damals die Vernunft den Ton an. Auch genau dort, wo das Neue Testament die Geschichte Jesus beschreibt, wurde von realer Schöpfung nach damals wissenschaftlichem Weltbild ausgehend das bereits den Vätern verheißene ewige Wort als menschliche Wegweisung be-/gezeugt. Nicht Athen oder Alexandrien, sondern Bethlehem, das an die jüdische Tradition anknüpfende Denken war der Mutterboden des Christentums. Auch wenn erst die menschliche Ausdrucksweise der vormals verworrenen Vielfalt von Vernunftlehren in der Kirche eine einheitliche Wirklichkeit brachte.

Es stimmt, dass die jungfräuliche Geburt von vielen Religionsgründern, Göttergestalten und Königen geschrieben wurde. Doch konnte keine Göttergestalt damals mehr eine schöpferische Wirklichkeit bezeugen bzw. war durch sie als gezeugt zu verstehen, Grund einer Verhaltenslehre sein. Und noch weniger wurden die römischen Kaiser als Sachwalter und Zeugen/Mittler kosmischer Autorität bzw. Gottessöhne wirklich mehr ernst genommen.

Die biblische Geschichte mag vom Auferstandenen aus geschrieben worden, Christologie in Geschichtsform sein, für die alte Bilder, Beschreibungen aufgegriffen wurden, wie heute gelehrt wird. Und doch ist sie keine erfundene Verherrlichungs-Fiktion, sondern hat einen historischen Grund, der zwischen dem Heidenland Galiläa und Jerusalem wanderte. Nicht nur die beschriebene hoheitliche Bedeutung Jesus lässt sich im Denken des Damaligen Judentums deutlich machen, auch die berichtete Jesusgeschichte. Gerade weil das nicht der war, der heute als geschichtlich gilt.

Warum Jesus wirklich 12 Jünger hatte, Wunder wirkte…

Von  „Jesus“ und seinen Jüngern ist in den hebräisch verfassten Texten nichts zu lesen. Auch wenn, wie bei Carsten Peter Thiede, Papyrusfragmente aus Qumran mit Matthäus verglichen und dann Jesusjünger hier dingfest gemacht werden sollen. Was ein Witz ist. Niicht nur, weil die Wissenschaft dem bis zu seinem plötzlichen Herztod in Basel lehrenden Paderborner Papyrusforscher nicht folgt. Der auch von Thiede für historisch gehaltende Jesus kommt nicht vor. Handelt es sich dabei doch um den griechischen Begriff des jüdischen „Josua“, in dem für die Hebräer das geschichtliche Verständnis des jüdischen Wortes war bzw. in biblischer Geschichte ausgedrückt wurde. Doch wie im Judentum der Zeit aufgrund des allegorischen Verständnisses der Traditionsgeschichte und gleichzeitig der Wahrnehmung der antik-wissenschaftlichen Welterklärung das Wort bzw. Josua auf verjüngte Weise unterwegs war, Anhänger hatte, lässt sich nachvollziehen. Nicht weil in Textfragmenten die Aussagen des Anhängers eines angeblich Jesus genannten Heilspredigers zu finden sind, die Matthäus & Co. gleichen, sondern

Und von wegen einer philosophischen Einzelsekte wie die Essener oder Bewegungen wie der inzwischen als urchristlich geltende Gnosis: Die ganzen (d.h. 12) Stämme Israels, die unterschiedlichen Verständnisformen des ewigen Wortes waren an der in den Texten nachzublätternden Auseinandersetzung bzw. dem Prozess beteiligt, der später von den sog. Synoptikern in verdichteter Form biblisch volksverständlich bebildert wurde. Einem Wanderprediger sind die für die 12 stehenden Stämme Israels nicht gefolgt. Doch bereits Friedländer macht  in seiner Beschreibung der vielfältigen jüdischen Erneuerungsbewegungen klar, was die Funde bestätigen: Wie das lebendige Wort im Nährboden des gesamten damaligen Judentums erwachsen ist.

In den Texten spricht nicht nur der neue Verstand, sondern sicherlich auch dessen vielfältige Gegner, die am Tempel aus Stein, den Traditionsgesetzen als Glaubensgrund… festhielten. Genau das macht den Prozess der Zeit dort aus, wo er biblisch beschrieben ist.

Der Grund der Verurteilung Jesus, der Abriss des alten Tempels und dessen geistige Erneuerung in Vernunft ist ebenso in den Qumrantexten nachzublättern, wie viele die wundersam klingenden Heilungswunder, die heute völlig verkürzt oder nur im Abpausen alter Vorstellungen begründet werden. Was allein schon den christlichen Glauben, der das Gegenteil einer in vorgesetzten Buchstaben begründeten Glaubensform war und ist, sondern sich auf das reale schöpferische Wort beruft, auf den Kopf stellt. Und wenn heute wieder schriftgelehrte Autorität dem Autor des Weltalles bzw. des im kreativen Werden lebendigen Wortes die Schau stiehlt, dessen Verständnis verhindert. Dann können wir die biblisch berichtete Heilswirkung des in Jesus lebendigen Wortes verstehen.

Teufelsaustreibung bei blind gewordener Glaubensvermittlung, Heilung von Taubheit, Fortschritt statt Lähmung oder Verschärfung der Vernunftgebote in Bergpredigt und über die Traditionsgesetze hinausgehende Gemeinderegeln, all das lässt sich allein nach den Texten nachweisen, ebenso wie die Realität des Jesusprozesses. Doch kein religiöser Besserwisser war das Thema, sondern der Stoff, aus dem die Weltwirklichkeit zusammengesetzt ist, wie ihn Benedikt XVI. in ökologischer Welterklärung bedenken ließ und der damals der griechischen Logos/Vernunftlehre zugrunde lag. Wenn nicht nur der Logos-Evangelist Johannes Jesus selbst im Ich-Stil sprechen lässt, sondern auch die in Qumran gefundenen Hymen den himmlischen Bauplan im Ich-Stil loben, dann hat die Vernunft allen Werdens gesprochen, die Weisheit, Wort, Josua, gr. Jesus war. Auch wenn es dabei nicht um den gegangen ist, der heute als historisch gilt bzw. angeblich als junger Gott mit seinen Fischerfreunden um den See zog.

Die messianische Wirklichkeit musste als Mensch zur Welt gebracht werden

Und wenn weder die vielfältigen Reformlehren vom unmittelbaren schöpferischen Wort, noch die verwirrende und sich verflüchtigende philosophisch begründete neujüdische/. urchristliche Gnosis oder gar die vielfältigen abstrakten philosophisch bleibenden Vernunftlehren Athens der Kultur neue Klarheit verschaffen, der Gesellschaft eine gemeinsame Bestimmung geben konnten. Dann ist auch das klare Bild des Kanon verständlich, in dem die Kirche die Vernunft zur Welt brachte. Allein die in den Textfunden deutlich werdende Vielfalt der rund um Jerusalem geltenden neuen Lehren macht deutlich, warum erst in der bekannten Gestalt des jungen Josua die Offenbarung: Klarheit über  kreative Wirklichkeit/Wort bzw. gemeinsame Vernunftbestimmung, damit messianische Wirklicheit war. 

Ein Sektenverfolger mit Namen Saulus, der sich nach Erblindung und sonderbar-mystischem Wandel Paulus nannte und die Welt rund um das Mittelmeer überredend missionierte, fällt flach. Doch die Verfolgung der Anhänger des lebendigen Wortes durch blind und taub gewordenes traditionelles Pharisäertum und dessen Neuverständnis des Wortes, das in Tarus (an der Schnittstelle zwischen Orint und Okzident, Synthese zwischen alter und neuer Welt, jüdischem wie griechischem Weltverständnis) geboren wurde, ist geschichtlicher Fakt.

Der in Paulus geschehen Paradigmenwechsel bzw. das beschriebene Damaskusereignis als unmittelbare Wahrnehmung des lebendigen Wortes/Jesus, über die vorgegebene Traditions-Gesetzlichkeit hinaus, lässt sich in den Texten zwar nachlesen. Doch noch war dessen Verfolgung und Verurteilung. Noch konkurrierte die Vernunftlehre mit menschlichen König-Messiassen wie Augustus und noch war keine volksverständlich, einheitliche klare Ausdrucksweise, die Klarheit schaffen, offenbarend an kulturbekannte Vorstellungen anknüpfen konnte.

Die auch in Qumran gefundene Damaskusschrift, die von einem in die Irre gehenden Volk Israel und einem Neuanfang sprich, nicht mit dem in Paulus verkörperten/zum Ausdruck kommenden Paradigmenwechsel zusammenbringen zu wollen, nur weil das geologisch nicht zum Pferdesturz und den anschließenden Halluzinationen eines Sektverfolgers vor Damaskus passt, das greift zu kurz.

Die Reform, der Neuverstand des Wortes, das Jesus war, zeigt sich schon hier. Doch scheinbar erst in weiterer Synthese mit dem philosophischen Hellenismus bzw. göttergewohnten griechischen Geist  und einem gemeinsamen Nenner, der dann später auch für die völkerwanderden Goten und Germanen galt,  kann das Christusereignis in Gänze begriffen werden.

Nach Babylon: allegorischer Verstand des Alten und unmittelbares Hören

Auch wenn die Texte meist in Hebräisch verfasst wurden, das keine Umgangssprache mehr war und Berger daher sicher zurecht von einem „Reformprogramm“ spricht, dann kann es sich nach dem, was darin gesagt wird, nicht um konservative jüdische Kräfte gehandelt haben, die an alten Lehren, Tempelkult und Traditionswort festhalten wollten.  Bei der Rückbesinnung und der Suche nach neuer Identität Israels (des Hörens) kann die Auseinandersetzung mit dem Hellenistischen Denken nicht unberücksichtigt bleiben. Wenn sich in der Zeit der Entstehung der Texte in mehreren Teilen der Welt – in China, Indien, Persien wie im Mittelmeerraum – eine geistige Elite erhob, die aus der Rückschau, dem Neuverstand des Alten eine universale Weltsicht suchte, dann können die Textinhalte nicht isoliert gelesen werden.

Zumindest die philosophischen Schulen des Hellenismus, der allgemein als Nährboden christlichen Denkens gilt und die das Denken der Zeit auch dort bestimmten, wo die Texte entstanden sind, müssen im Hintergrund mitgelesen werden. Jesus war Jude, wie die heute Theologie immer wieder betont. Die Texte sind keine philosophischen Lehren, sondern halten sich an die hebräische Tradition. Doch ohne das philosophische Denken, die damalige Vernunft/Logoslehre, wie sie nachweislich dem zeitgleichen Reformjudentum der jüdischen Bildung in Alexandrien zugrunde liegt, können die Texte, die sich möglicherweise davon abheben wollen, das Wort/Vernunft in anderer, hebräisch bleibender Weise definierten, nicht betrachtet werden.

Auch wenn keine Gesellschafts- und Verhaltenslehren, sondern Gemeinderegeln aufgestellt wurden, nicht vom Logos/Vernunft sondern vom Wort oder schöpferischer Weisheit gesprochen wurde, ohne dabei auch über die Weltentstehungsmodelle zu spekulieren. Allein der Krieg, der in den Kriegsrollen geschildert wurde, lässt auf eine Kulturreform schließen, die von einem neuen Geist bestimmt war, der nicht plötzlich vom Himmel gefallen ist und nichts mit einem menschlichen Gott auf Wanderschaft zu tun hatte.

Man muss sich nur die Textvielfalt und die hohe Theologie vor Augen halten, eine Explosion an neuer Erkenntnis, die heute in den Handschriften von Qumran und weiteren Funden der Zeit Jesus offengelegt wird, um sich klar zu machen, dass ein egal wie gearteter Heilsprediger, ob er als Gott gilt oder angeblich nur ein analphabetischer Junghandwerker war, als Heilsbringer/neuer Bund/Wort/Tempel… nicht ins Bild der Zeit passt.

Vernunft/Wort galt als neuer Tempel

Allein wenn man sich die antike Welt im Umbruch sowie der Auseinandersetzung der römisch-hellenistischen Welt mit dem Judentum  vor Augen führt und wie in antiker Bildungskultur die Weisheits-, Lebenslehren, wie hochtheologische Texte entstanden sind. Auch wenn man dann die Probleme des nachexilischen prophetischen Glaubens, die Zeit der alten Mystiker und gleichzeitig der Reformer, Revoluzzer und der Suche nach neuer jüdischer Identität nach zerstörtem Tempel bedenkt. Da muss doch klar werden, dass hier ein junger Handwerker nicht der Heiland gewesen oder als das gesehen worden sein kann. Nicht nur im Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen, auch in der Auseinandersetzung innerhalb des Judentums der Zeit, die sich in den Texten spiegelt, aus der sich dann nicht nur nach Simon und Claudia Paganini das rabbinische Judentum und das frühe Christentum entwickelte, ist kein Patz für die heutige Jesushypothese.

Je deutlicher zutage tritt, wie auf allegorische Weise die alten Texte gelesen wurden, in denen sich die jüdische Glaubenstradition begründete und vom zerstörten Tempel oder widersprüchlicher Kulturauffassungen auch innerhalb der jüdischen Priesterfamilien und vielfältiger rivalisierender Denkweisen gesprochen wird, desto klar wird doch: All das hat nichts mit dem jungen Therapeuten zu tun, den Anselm Grün und so sich selbst heimlich als Neuausgabe Jesus vorstellt. Die Glaubenstradition Israels war gebrochen, Jerusalem in fremder Hand. Auch der neue Herodestempel konnte weder die Kulturen versöhnen, noch konnte die Ritusversessenheit des Tempelkultes die Taubheit heilen. Und die Gesetzlichkeitstradition war nicht nur wegen der Sabbatruhe, die keine Rücksicht auf Menschenleben nahm, zum Selbstzweck geworden, suchte nach allegorischem Neuverständnis. Inmitten dieser hochtheologischen Debatten, der Suche nach einer nun universal gültigen zeitgemäßen Neubegründung des alten Bundes bzw. des unmittelbaren Neuverstandes des schöpferischen Wortes im natürlichen Werden war da ein besonders charismatischer Junghandwerker, der wegen heilpraktischer Hände als neuer Gott galt, von seinen Anhängern als neuer Tempel, Weisheit, lebendiges Wort… gesehen oder hingestellt wurde. Kann man die Wahrheit über Jesus noch mehr unter Verschluss halten?

Allein das Wissen über den Tempel zur Zeit Jesus und die völlig verschiedenen theologischen Einstellungen hierzu müsste doch langsam zu denken geben, dass – nicht allein wegen der geschichtlichen Unmöglichkeit des Buchstäblichen - die Tempelreinigung Jesus nicht das Werk eines jungen Halbstarken gewesen sein kann. Wer die wachsende Distanz ganzer Priesterfamilien gegenüber dem offiziellen Tempel und seinen Kult in den Texten der Zeit beschrieben sieht und die Haltung gegenüber dem jüdischen Gesetz, der Tora, der kann doch nicht ernsthaft fragen wollen, warum ein Wanderprediger als neuer Tempel und Wort/Gesetzt gesehen oder so verherrlicht worden wäre.

Johannes und Jesus im Jordan

Es mag ja sein, dass Johannes (nach Papanini: „abgesehen von seiner Historizität“) ein Priestersohn war, der sich vom alten Kult abwandte und in die Wüste ging, wie der Wissenschaftler trotz aller Bedenken um die historischer Realität spekulieren. Aber dass es sich bei Jesus um einen anderen Heilsprediger handelte, der zufällig mit seinen Jüngern am Jordan vorbeikam und dann von Johannes zum großen Heil erklärt wurde, das ist unhaltbarer Schwachsinn.  Dass es damals vielzählige jüdische Parteien, philosophische Schulen und auch sektiererische Bewegungen gab, zeigt eine Welt im Umbruch. Eine Welt, in der allerdings ein junger Guru unmöglich die Bedeutung gewinnen konnte, die Jesus hatte. Und wenn nachgewiesen wird, wie Denkweisen unterwegs waren, die das Gesetz auf neue Weise interpretierten, nicht mehr den üblichen Regeln folgten, sondern sich selbst in neuen Feiertagen an der kosmischen Ordnung der Sonne ausrichteten, dann fällt nicht nur der Wanderguru aus. Wahr-scheinlich gilt es auch den Lehrer der Gerechtigkeit, von dem die neuen richtigen Lehren ausgingen,  in neuer Weise dort zu suchen, wo der phil. Hellenismus vom Logos sprach.

Fest steht, dass eine Vielzahl sehr unterschiedlicher jüdischer und/oder hellenistischer Erneuerungsbewegungen waren, die nicht nur im nächtlichen Studium die alten Texte büffelten und blind kopierten, wie mir Hartmut Stegemann vor Jahren beibringen wollte. Die vielmehr in philosophisch-theologischen Auseinandersetzungen und Debatten über eine Neubegründung des jüdischen Bundes nachdachten und das schöpferische Wort im Prozess allen Werdens auf unmittelbare Weise verstehen wollten oder verstanden. Wer im Jordan von Johannes als wahrer Sohn der des sonst unsagbaren schöpferischen Urgrundes bzw. des Vätergottes gesehen wurde, das war kein junger Jude, der mit seinen Freunden bei einem Wüstenprediger war.

Man kann es drehen und wenden wie man will. Mit einem steuer- oder sonst wie rebellischen Besserwisser, einem charismatischen Philosophen oder sonst einem wundertätigen Prediger, der sich für den Heiland gehalten hat oder von seinen Anhängern als Gott bzw. all das gesehen wurde, was man in Qumran & Co. damals suchte und sah, ist da nichts zu machen. Selbst wenn man nicht nur einem jungen Juden unterstellt, der im Jordan zu heiß gebadet hätte, sondern dies auch von dessen Anhängern annimmt. So heiß konnte das Bad gar nicht sein bzw. diese Badewanne passt nicht in die theologischen Debatten der Zeit, die in den Texten immer deutlicher sichtbar wird. Da wären eher die Geschichte von Adam dessen Rippe zu Eva wurde, die leibliche Auferstehung und sämtliche Wunder im buchstäblichen Sinne zu akzeptieren, als dieser Zeit das zu unterstellen, was nach heutiger Hypothese notwendig wäre.

Wie das Jesus genannte lebendige Wort/Vernunft wahre Thora war

Dort, wo das schöpferische Wort im Hier und Jetzt begriffen, die Thora auf neue Weise definiert, der versteinert-entleerte Tempelkult abgelehnt und Gemeinderegeln als Aktualisierung des alten Gesetzes durchdacht wurden, ist von einem neuen Verständnis in Vernunft auszugehen, wie es auch im Neuen Testament bebildert ist. Wo Kinder des Lichtes/neuen Bundes sich mit Finsternis/gestrigen Glaubensvorstellungen den Frevelpriestern, Lügenlehren auseinandersetzen und sich eine jüdische Reform zeigt, hatte der Hellenismus Einzug gehalten. Die gesamten Philosophielehren der Zeit, der kosmoszentrierte Kaiserkult, all dies kann nicht außer Acht gelassen werden, wenn wir den Grund dieser Diskussionen, Neudefinitionen des Alten und den Lehrer der Gerechtigkeit suchen. Das Wort (hebr. Vernunft) aus dem schöpferischen Mund, auf das sich diese neue Lehre der Gerechtigkeit beruft und so auch gegen die Verräter des alten Bundes ankämpft, kann nicht als zufällige menschliche Meinung aus der Hosentasche gesehen werden. Und noch weit weniger hat hier daher der einen Platz, der heute als historisch gehalten wird und dem dann von Paulus und der Kirche in freier Glaubenskonstruktion eine Krone aufgesetzt worden sein soll.

Ein Schlaumeier, zu dessen Herrlichkeit ein wundersam gewandelter Pharisäer, der sich jetzt Paulus nannte, die ganze Welt im Eiltempo überredet hätte, das ist dieser Zeit unmöglich weiter zu unterstellen. Wie auch beim Reformjudentum in der Bildungsmetropole Alexandrien, so sind auch die Textfunde aus der Region, wo angeblich ein historischer Wanderprediger Zuhause war, Zeugen der Vernunft: des in kosmischer Ordnung unseres Sonnensystems verstandenen schöpferischen Wortes. Es ist die von Schöpfung ausgehende Vernunft, die Benedikt XVI. vor dem Bundestag in Bezug auf Stoa und jüdische Weisheit in ökologischer Welterklärung zu bedenken gab, um so eine zeitgemäße Gemeinderegel/eine ökologischer Vernunft gerechte  Verhaltenslehre zu begründen. Eine Gemeinderegel aus dem schöpferischen Mund, die nicht menschlicher Willkür unterliegt und über die biblisch verfassten Gesetze hinausgeht. Die allerdings zu deren Zeit noch nicht notwendig war.

Denn dass nicht nur alttestamentliche Texte gesammelt und abgeschrieben wurden, wie in den meisten Qumranvorträgen bisher dargestellt und Büchern zu lesen, sondern ein Neues Denken, ein Reformstreben war, macht der Innsbrucker Bibelwissenschaftler Simon Paganini zusammen mit seiner Frau Claudia in hervorragender Weise deutlich. Auch wenn die Wissenschaftler, die wie alle ihre Kollegen in Jesus einen jüdischen Wanderprediger sehen und so auch keinen Kontakt des angeblich vom Sektenverfolger Saulus zu Paulus Gewandelten mit der einer vermeintlichen Qumran-Gemeinde. Sie weisen die Nähe zum Neuen Testament nicht nur in messianischen Hoffnungen und einzelnen Textpassagen nach. Und wer dort keinen Wanderprediger am Werk sieht, sondern das von den Verfassern der biblischen Geschichten und in Brieftheologie beschriebene lebendige Wort/die Vernunft allen Werdens, die damals nicht nur im Neuen Testament das Thema war. Dem wird klar, wie die Texte den geistigen Hintergrund dessen deutlich machen, der an heutigen Hochschulen leider nur als Heilsprediger mit (sonderbarerweise philosophischem) Bart gilt. Der nach heutiger Hypothese allerdings mit dem jetzt geistigen Tempel, den Abgrenzungen gegenüber dem offiziellen Priestertum, den über das alte Gesetz hinausgehende Gemeinderegeln und Weisungen, die nun nicht mehr von Moses kommen, sondern direkt aus dem schöpferischen Mund, nichts am Hut haben kann. Auch dass bereits in Qumran Theologie in Briefform gefunden wurde, die die Gespaltenheit der jüdischen Gesellschaft in Bezug auf die Interpretation der heiligen Schriften deutlich macht oder die Rolle Moses als Ausleger des schöpferischen Gesetzes relativierte, braucht dann nicht weiter zu interessieren.  Weil es ja bei Jesus angeblich nur um einen jungen Guru geht, der später von einem sonderbar gewandelten Sektenverfolger als lebendiges Gesetz gesehen wurde.

Wenn aber die täglich neu erscheinenden theologischen Auswertungen des Neuen Testamentes, die deutlich machen, wie dessen Verfasser genau das in Jesus sahen, was in den Texten von Qumran als Wort direkt aus dem schöpferischen Mund, neuer Tempel und Bund/Gesetz beschrieben wurde, keine Geistvergeudung und Papierverschwendung sein sollen, muss dessen historisches Wesen in neuer Weise bedacht werden. Dass einem jungen Wunderheiler all das nur angehängt wurde, was man damals neu definierte und erhoffte, das wäre für damalige Juden undenkbar gewesen.

Leiden, Prozess, Kreuz und Auferstehung Jesus werden geschichtlich belegt

Nicht nur das Leiden des in Vernunft unmittelbar verstandenen schöpferischen Wortes, dessen Auseinandersetzung mit der Traditionslehre lässt sich als ein geschichtlicher Prozess in den Texten des Judentums zur Zeit Jesus nachblättern. Auch der Grund der Verurteilung des lebendigen Wortes durch das Pharisäertum, die Bedeutung des Kreuzes als Zeichen kosmischer Ordnung und die Auferstehung des lebendigen Wortes wird dort als geschichtlicher Fakt deutlich.

Schon der Grund, der zur Verurteilung Jesus führt, wird in den Textfunden belegt. Denn dass die Aussage „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten“ historisch nicht von einem halbstarken Heilsprediger kommen konnte und dessen Leib nicht für den wahren Tempel, Vergegenwärtigung schöpferischer Wirklichkeit gehalten wurde, dürfte bei nüchterner Betrachtung klar sein. Das banale Bild des buchstäblichen Verständnisses führt daher schon hier dazu, den Verfassern zu unterstellen,  sie ihren Guru verherrlicht, als Tempel hingestellt oder ihn gutgläubig so gesehen.

Doch aufgrund der Einblicke in das Denken der innerjüdischen Reform der Zeit Jesus lässt sich dieser als wahrer neuer Tempel verstehen.  Auch die Aussage über den neuen Tempel, den Jesus in drei Tagen errichten bzw. sein wollte, ist im aufgeklärten allegorischen Verständnis als historische Realität, wörtliche Rede Jesus zu verstehen: Der geistige Tempel, der in den Texten des Judentums zur Zeit Jesus der versteinerten Tradition gegenübergestellt wird, gründete in der Vernunft allen Werdens/dem Wort, das in kosmischer Realität verstanden wurde. Allein das Wissen, wie der Grund, der zur Verurteilung Jesus führte, im Judentum zu dessen Jesus eine theologisch-historische Tatsache war, müsste die heutige Historien-Hypothese über den Haufen werfen.

Auch die Auferstehung ist keine „Glaubensfrage“ im bisherigen Sinne, sondern lässt sich im Denken des antiken Judentums festmachen. Weder der blinde Glaube an etwas Unglaubliches, wie es geschrieben steht, noch  das, was mache Theologen glauben: dass die Auferstehung so etwas wie das Ergebnis der depressiven Phase der Jünger gewesen sei, eine Täuschung der Psyche (so der Evang. Kirchenbote) ist dabei das Thema. Nicht blinder Traditionsglaube oder psychische Täuschungen waren die Theologie, die in den Texten deutlich wird. Dort wird vom Wiederverstand des ewigen Wortes in der Vernunft allen Werdens gesprochen. Auch wenn dann scheinbar erst die kulturgerecht menschliche Ausdrucksform dieses Wortes im verjüngten Josua die endgültige Auf(v)erstehung war. Wer keinen Wanderprediger an den Anfang stellt, sondern das an den Anfang stellt, was Israel ausmacht, dem wird klar, wie bereits im Judentum der Zeit Jesus das Wort wieder unmittelbar verstanden wurde, von den Toten auferweckt wurde.

Während die Exegeten immer nur das als historisch verbürgt gelten lassen wollen, was in banale Bild passt, zwar Prozess und Kreuz billigen, aber Aussagen wie die Auferstehung als Ostererfahrung der Jünger in den Bereich des „Glaubens“ damit aber eines „Aberglaubens“ abtun, lässt sich auch das in Paradigma, das in Paulus um Ausdruck kommt und vom Auferstandenen ausgeht, bereits rund um Jerusalem in verschiedener Weise deutlich machen. Wenn Wolfgang Pannenberg, wie andere theologische Forscher davon ausgeht, dass  aufgrund der verschiedenen Orte und Zeiten, von denen die Auferstehung berichtet wird, es sich die Jünger das nicht nur eingebildet habe, dann lässt sich auch die Vielfalt des Wiederverstanden in den der geschichtlichen Realität bestätigen. Und wenn Berger betont, dass es bei der Begegnung mit dem wieder lebendig gewordenen Jesus an Ostern um die Wirklichkeit Gottes geht, die uns so auf den Leib gerückt wäre, dann zeigt sich auch das im damaligen Judentum. Doch es war kein Buch-Glaubensmythos, ihn Berger heute verlang. Und von wegen eines kirchlichen Glaubenskonstruktes, eines Logosmythos, wie die die Kritik unterstellt. Die Vorstellung der Radikalkritik, die nur einen Mythos hinterließ, Jesus als unhistorisch annahm, gehört der Vergangenheit an. Das Denken der antiken Reformjuden macht den Verstand des Wortes deutlich, das dann im allegorischen Verstand des Alten Josua war. In kosmischer Realität und aufgeklärtem Kulturverstand antiker Wissenschaft bzw. Theologie war die Auf(v)erstehung begründet.

Im Kreuz liegt/siegt Aufklärung

Allein das, was Martin Schuck den pfälzischen Protestanten im österlichen „Kirchenboten“ (13/2013) über die bereits vorchristliche Bedeutung des Kreuz-Zeichens klar macht, müsste zu einer Revision der mittelalterlichen Vorstellung des hingerichteten Religionsrebellen führen. Denn was dort über die Dimensionen des Kreuzes als Symbol kosmischer Vernunftordnung, Weltseele und gleichzeitig in seinem vertikalen Balken als Verbindung von Himmel und Erde (damit neuer Erkenntnis: Realisierung schöpferischer Wirklichkeit auf Erden) gesagt wird. Genau das lässt sich im jüdischen Denken der Zeit Jesus geschichtlich nachvollziehen. Denn in den Textfunden lässt sich nicht nur ein Bewusstsein der auch im Hellenismus erfassten irdischen Vernunftordnung finden, wie sie nach dem Rückfall in den Mythos des Mittelalter, heute wieder wesentlich empirischer als Evolution oder Ökologie erklärt wird.  Die theologische Ausdeutung des Weltbildes damaliger Wissenschaft, wie sie durch ein allegorisches Verständnis der Traditionstexte zum unmittelbaren Verstand des ewigen Wortes führte, erfüllte auch die Bedingungen des senkrechten Kreuz-Balkens. Die Einheit von Himmel und Erde wurde nicht durch schriftgelehrtes Büffeln alter Gesetze, Buchstaben, sondern den unmittelbaren Verstand des ewigen  Wortes/der Vernunft allen Werdens als gegeben gesehen.

Doch wer das Bild vom leidenden Rebellen vor Augen hat, mit dem die Reformatoren im Bezug auf die biblischen Buchstaben den Glaube vor kath. Willkür bewahrten. Und wer dann auch noch den blutüberströmten Film von Mel Gibson sah. Dem kann es auch bei noch so viel wissenschaftlicher Beschreibung über die Bedeutung des Kreuzes bei Platon, die von Philosophen des römischen Reiches übernommen wurde und Thema der frühen christlichen Denker in Bezug auf das Kreuz Jesus war, nicht in den Sinn kommen, dass es um mehr ging als einen Marterpfahl.

Wie kann man aber wissen, dass der Kreis, der die Mitte des Kreuzes umschloss, nach dessen Grundmuster die Römer ihre Städte bauten und das als Symbol für die Vollkommenheit stand, die die kosmische Vernunftordnung des irdischen Geschehens mit der himmlischen Bestimmung verband. Und dann z.B. einem Konstantin, der vormals die kosmische Ordnung auf Erden als Gottessohn verkörperte, weiter unterstellen wollen, er hätte der Legende nach nur den Galgen eines jungen jüdischen Religionsrebellen, dessen Sekte  er sich jetzt anschloss, als Siegeszeichen auf die Schilde malen lassen?

Wenn doch am Anfang, ob bei Apologeten wie Justin oder den Kirchenvätern wie Gregor von Nyssa oder Augustinus der Logos/die Vernunft am Kreuz hing, die kosmische Bedeutung des Kreuzes und die schöpferische Vernunftherrschaft bzw. das Wort das Thema war und das Konzil von Ephesus 431 das Kreuz als offizielles christliches Zeichen erst einführte, dem das Christusmonogramm XP vorausging. Dann weist auch das darauf hin, dass die philosophisch-theologische Bedeutung der Holz-Balken weit mehr bedacht werden muss, als bisher.

Die altbekannte hellenistisch-philosophische Vorstellung des Kreuzzeichens und das im Judentum der Zeit Jesus nachvollziehbare Neuverständnis des schöpferischen Wortes  lässt sich nicht von der Kreuzigung in Jerusalem abtrennen. Auch wenn es dabei nicht um die Hinrichtung eines Heilspredigers wegen Tempelschändung ging. Stand doch auch der auf einem Fels als „Nabel der Welt“ gebaute Tempel Jersalems für die schöpferische Gegenwart, die damals auf neue Weise als Heil für die Welt bedacht wurde.

Und wenn wir lesen, wie die Verfasser des Neuen Testamentes das Kreuzigungsgeschehen mit dem Tempel in Verbindung bringen, den von Josephus in theologischer Bedeutung als „babylonisches Gewebe“ ausgemalten Tempelvorhang im Augenblick des Todes verreisen lassen und dabei die Sonnenfinsternis im Auge haben.  Dann kann weder das kosmische Ereignis, noch der Tempel nur einem aufrührerischen Heilsprediger angehängt worden sei, der als ein Neubeginn im schöpferischen Verstand/Wort gesehen wurde, wie es im Judentum der Zeit in den Textfunden als reale Geschichte deutlich wird.

Die Aussagen Jesus, wie sie bei Johannes nachzulesen sind, die Himmelfahrt, die Auferstehung und Offenbarung. All dies kann nicht weiter als Verherrlichung „christologische Erhöhung“ eines jungen Juden gelten, wenn wir wissen, wie im theologisch gebildeten Judentum Jerusalems zu dieser Zeit ein neuer Verstand schöpferischer Realität in Welterklärung war, der sich mit einer den Zaun der Thora noch höher ziehenden Tradition auseinandersetzte. Wer nicht anerkannt, sondern verfolgt wurde, das war geschichtlich kein Wanderkyniker oder sonstiger heilpraktischer Prediger, sondern der Grund der Philosophie wie der jüdischen Predigt, der damals als heilsbringend gesehen wurde.

Der ewige Krieg in Kulturentwicklung

Wer die ausgebrabenen Kriegsrollen als theologische Auseinandersetzung zwischen Altem und Neuen Verständnis, Schatten und Licht deutet, das „Neue Jerusalem“ in theologischem Maß bedenkt, wie es damals gesucht wurde, der kann dort keinen Wanderguru auf dem Esel als Heilsbringer mehr einreiten lassen. Und wer deutlich macht, wie jetzt die Sonnenordnung den neuen Kalender des jüdischen Kultes bestimmte, der Tempel als geistige Größe  bedacht wurde, der kann in seiner Sonntags- statt Sabbatpredigt nicht weiter völlig losgelöst von all diesem Wissen einen Junghandwerker, der von den biblischen Verfassern versehentlich nur als Messias, neuer Tempel, lebendiges Gesetz gesehen wurde, zwischen Galiläa und Jerusalem hin und her jagen wollen.

Im Bibelkeller klingen auch die Psalmen und Hymnen vom Toten Meer wie blind vertrauende frömmliche Literatur. Und sicher sind die in der jüdischen Glaubenssprache der Zeit beschriebenen vielfältigen Schriftrollen keine philosophische Literatur, wie wir sie von den Griechen kennen. Doch wer nüchtern das heutige Wissen auswertet, dem wird mehr als klar, dass hier keine Frömmigkeit allein aufgrund der Tradition/Gesetze bzw. im Schatten des alten Tempel war, sondern ein neues Verständnis von Schöpfung, wie es die Entwicklung der Zeit, die Einflüsse des griechischen Denkens brachte. Wenn die Briefe des Paulus den gleichen Geist atmen, wie Klaus Berger im Vorwort zu den von ihm übersetzten Psalmen aus Qumran sagt, dann hat es sich auch bei Jesus nicht um einen von Paulus zu Gott erklärten jungen Juden gehandelt, sondern ist nach einem Denken/Geist zu fragen, der in damaliger Welterklärung das wahrnahm, was den Juden Wort/Vernunft war. Einer Vernunft, die sich aus heutiger Wissenschaft ergibt, wie sie der ehemalige Papst in Ökologie zu bedenken gab. Wenn wir das Christentum als erfüllende Innovation des in Qumran deutlich werdenden Judentums sehen wollen, dann kommt da weder ein Junghandwerker, noch ein buchstäblich vorgesetztes mystisches Bewahren eines Gottesbildes vor, wie es Berger verlangt.

Die damaligen Denker waren keine schöngeistigen Schwärmer. Sie haben sich auf die reale kosmische Ordnung berufen und hier das Wort des Unsagbaren der Väter verstanden, von dem das alles ausging. Das wird in den Weisheitstexten und Psalmen selbst noch besser deutlich, als nur in wissenschaftlichen Betrachtungen. Aus den Texten spricht ein Bewusstsein des lebendigen Wortes, das nach damaliger Wissenschaft wahrgenommen wurde, kein blinder Glaube an Gestern, wie ihn Berger verlangt. Gleichwohl er selbst sagt, dass das jüdische Denken dieser Zeit, das Mutterboden des Christentums gewesen sei, keine oberflächliche Frömmigkeit gewesen sei. Da Sprache und Gedankengut der Psalmen und Propheten weiterhin lebendig waren, ist von einem neuen Verstand dessen auszugehen, was im philosophischen Denken als Logos/Wort diskutiert wurde und so eine Fortentwicklung, Reform des jüdischen Verständnisses war.

Erst die menschliche Gestalt schrieb Menschheits-Geschichte

Wenn sich die Synthese zwischen Juden und Heiden erst mit Jesus einstellte, dann kann das nicht auf den zurückgeführt werden, der heute als historisch oder als hoheitliche Gottesgestalt gilt. Vielmehr scheint erst die Ausdruckweise der Vernunft mit Bart, wie wir sie aus der Bibel kennen, ihn der Kanon der Kirche in klarer Weise zur Welt brachte, die wahre Innovation gebracht, die in Qumran erwartete messianische Wirkung und Versöhnung der Kulturen erzielt zu haben. Oder anders: Weder das philosophische Judentum Alexandriens, noch die hebräisch bleibende Form, erst die Synthese des jüdischen mit dem griechischen Geist, die auch nach der Gestalt verlangte, wie wir das lebendige Wort/Jesus kennen, scheint messianische Wirklichkeit hervorgebracht zu haben.

Bei dem was wir wissen, kann den Hymnen und Lieder, die wir heute in Händen halten, nicht weiter ein mythologisches La, La, La auf einen Gut-oder Gottmenschen unterstellt werden, wie es heute beim Singen vom neuen David zu hören ist. Es ging um neu geschenkte Weisheit, die in kosmischer Ordnung, wie beim gemeinsamen Mahl, beim bewussten Essen und Trinken wahrgenommen wurde, zugegen war.

Der hochgelobte Geist der Erkenntnis, der gegen Dummheit und Unrecht aufbegehrte, war nicht gegen einen antiken Atheismus gerichtet oder die Philosophie der Griechen und ihre Götter. Es war der in die Jahre gekommene jüdische Glaube, der nach Erneuerung, Weisung aus dem unmittelbaren, für alle Völker nun geltenden schöpferischen Wort/der Vernunft allen Werdens suchte. Vom Logos ist in der Lyrik der Psalmen nichts zu lesen. Doch die Weisheit auf die sich berufen, hat ihren Grund genau dort, wo die Griechen in Vernunft die Welt erklärten: Der Schönheit der Ordnung des Sonnensystems als Schatz des Himmels und ewige Quelle, in der das Wort gehört wurde, das Israel ausmacht. Es war nicht die Hörigkeit gegenüber vorgesetzten Buchstaben bzw. alten Gesetzen. Das Wort wurde im lebendige Fluss allen Lebens verstanden,  wie er heute von Atheisten meist herrlicher beschrieben wird, als von denen, die gegen, zumindest trotz alle Natur/Schöpfung an Buchstaben glauben wollen. Die daher damals als böse Geister, falsche Söhne oder Bastarde (nicht vom wahren Schöpfer gezeugten/diesen bezeugend) verdammt wurden.

Verstand des Wortes in Welt-wirklichkeit

Auch wenn nicht vom Logos geschrieben wurde, so war es der vernünftige Lauf der Dinge, der Sterne wie Sturmwinde, die die Fluten des Meeres, wie alles Werden bestimmte, der der Erkenntnis bzw. dem Verständnis/Gehör zugrunde lag. Hier in realer kosmischer Ordnung, die auch im Götterpantheon der Griechen personifiziert war, Platon nur auf andere Weise erklärte und daraus abstrakte Lebenslehren ableitete, wurde das schöpferische Wort verstanden, das keine Übersetzung bzw. altpriesterlichen Dolmetscher mehr brauchte.

Auch wenn nicht vom Logos/Vernunft, sondern dem lebendigen Wort die Rede ist. Die Lob-Psalmen für die „offenbare“ Ordnung als Quelle allen Lebens machen mehr als deutlich, wie das schöpferische Wort nicht in Büchern gelesen, sondern im Prozess des natürlichen Werdens nach antikem Weltverständnis verstanden wurde und wer als dessen Gegner galt: Der Geheimniskrämerei, der Verwirrung stiftende Buchstabenhörigkeit… die sich trotz aller offensichtlichen, gehörten Herrlichkeit/Vernunft auf das Gestern berief und den gegeben Geist verschmähte, galt es den Teufel auszutreiben. Ein wahrhaft theologisches Unterfangen, wie es dann das Werk Jesus war, der der Vernunft in menschlicher Gestalt zu einem auch für göttergewohnte Griechen gültigen Gehör verhalf.

Wer den Sonnenaufgang als sinnlich sichtbarsten Ausdruck schöpferischer Vernunftordnung sieht, wie sie Benedikt XVI. vor dem Bundestag in ökologischer Welterklärung zu bedenken gab, der kann verstehen, warum die alten Lieder (vom ewigen Logos) bereits in Qumran beim Aufgang der Sonne gesungen wurden und was den christlichen Sonntag ausmacht. Auch der Heilige Geist, von dem bereits in Qumran die Rede ist, war in diesem Sinne kein Hokuspokus, sondern ein einheitlicher Verstand, der die alten Grenzen überwand und auf den Vertraut wurde. Man mag unterschiedlicher Meinung sein können, über die Begründung des neuen Bundes im wissenschaftlichen Weltbild. Doch mit einem wundertätigen Wanderprediger, in den nach bereits damals verurteiltem Wahnwitz auf buchstäbliche Weise alles Undenkbare hineingeheimnist wird, hatte das in Qumran lebendige Denken über die reale Schöpfermacht, aus dem dann der christliche Glaube erwachsen ist, mit Sicherheit nichts zu tun.

Allegorischer Neuverstand statt blind-buchstäbliches Abpausen

Es ist mühsam zu spekulieren, wer genau die Texte verfasst hat und wie sie dorthin kamen oder warum sie in den Höhlen vergraben wurden. Wo aber Psalmen, Prophetentexte und Weisheitstexte des Alten Testamentes gesammelt wurden, allein die Verschiedenheit deutlich macht, dass der alte Kanon noch nicht endgültig fixiert war, da wird keine blind abpausende Frömmigkeit deutlich. Vielmehr zeigt sich ein auf Jesaja & Co. bezogener Denkprozess, der in hellenistischen Zeiten nach Erneuerung suchte. Was auch die apokalyptische Literatur, utopisch erscheinende Einstellungen deutlich machen.

Wenn die Textfunde dann noch deutlich machen, wie Psalmen und Prophetenworte auf neue Weise zusammengestellt wurden und als Aussage des Lehrers der Gerechtigkeit galten. Dann muss auf neue Weise bedacht werden, was auch im Neuen Testament verdichtet wurde. Was hinter der religiösen Dichtung einer Zeit steht, aus der auch der christliche Glaube erwachsen ist. Der das lebendige Wort, den wahren König der jüdischen Herrlichkeit, den neuen David, ähnlich wie bei den in der Wüste gefundenen Texten, jetzt in der realkosmischen Ordnung des Sonnensystems bzw. damaliger Vernunftlehre/Wissenschaft begründete und kultivierte.

Wenn die Wissenschaftler heute den Textfund vom Toten Meer der Welt verständlich machen, den Altarbau von Josua nach der Durchquerung des Jordan in den Textfunden nachblättert und so deutlich machen, dass es dort um eine theologische Beschreibung geht. Oder wie die Annahme, dass Josephus, der den Sachverhalt anders schildert, es nicht so genau gewusst habe, dem Gestern angehört. Vielmehr auch dort keine buchstäbliche Banalgeschichte von einem blutrünstigen Landnehmer, sondern die Geschichte einer Kulturreform in antiker Aufklärung erzählt wurde. Der muss dies auch beim Josua, gr. Jesus des Neuen Testamentes und dessen Taufe im Jordan bedenken. So wenig auf einem Berg Steine eines Josuaaltares zu finden sind, ist die Spur dessen, der heute als historisch gilt, im Jerusalem der Zeit Jesus zu finden oder kann dies nur als rein literarisch abgeschriebene Gestalt erklärt werden. Wie Josua in den Texten  auf neue Weise bedacht wurde, lässt sich auch Jesus verstehen. Die Zeit, die biblischen Geschichten und ihre Gründergestalten doch noch irgendwie buchstäblich bewahren zu wollen, wie es selbst im Spiegel deutlich wird, wenn wegen einem angeblich von der Arche stammenden Stück Holz getitelt wird „Hat die Bibel doch Recht“ sind allein aufgrund dessen, was wir in Qumran z.B. an verschiedenartiger Jesajaliteratur finden, vorbei.

Allein deutlich zu machen, wie sich an vielen Stellen die Terminologie der gefundenen Texte oder die dort theologisch begründeten Hoffnungen auf einen neuen Bund mit dem Neuen Testament decken und auch das Gemeindeleben der frühen Christen mit den Gemeinderegeln aus Qumran als weitgehend gleich nachzuweisen, das ist zu wenig. Gleichwohl auch die vielen Aussagen, die auf ähnliche Weise in den gefundenen Texten und im Neue Testament zu finden sind, mehr als deutlich machen, dass es dort nicht um das und den ging, der heute als historisch hingestellt wird. Wenn die christliche Bewegung sicher zurecht ins Judentum der Zeit, in die vielfältigen nach Erneuerung suchenden Denkschulden eingegliedert und von ihrer jüdischen Wurzel her interpretiert wird. Dann ist dabei unmöglich an einen nun von Juden als eine Art neuen Gott verherrlichten Heilsprediger zu denken. Es muss nach der Wurzel des jüdischen Monotheismus, dem Wort (hebr. Vernunft allen Werdens) gefragt werden, das damals neu verstanden wurde.

In schöpferischer Wirklichkeit/Wort begründete monotheistische Bestimmung/Bund

Nicht nur die Vorstellung, dass das rein traditionsorientierte Judentum der Zeit den Alten Bund verspielt hatte, durch sein Beharren die Schuld gegenüber einer schöpferischen Wirklichkeit auf sich genommen hatte, ist zwischen Texten und Neuem Testament identisch. Der ewige Bund, der nun im neuen Verständnis auf Josua/gr. Jesus bezogen wurde, so die messianische Hoffnung im Sohn der schöpferischen Sonnenordnung/des Lichtes erfüllt sieht, ist auch Thema der theologischen Debatten in den Texten gewesen. Wer deutlich macht, wie auch die Hasmonäer damals den Anspruch erhoben, dass nicht bloß ein wahrer König, sondern gleichzeitig der Hohepriester bzw. der von Jesaja angekündigten davidsche Messias auf Erden wäre, der kann damit keinen rebellischen Charismatiker identifizieren wollen. Einen aufgrund eigener Halluzination oder der seiner Anhänger als Messias geltende wundertätige Heilsprediger haben weder die Verfasser der Texte bzw. damalige Denker erwartet, noch wäre das in der Zeit denkbar gewesen.

Selbst wenn die Texte nichts vom später verfassten Neuen Testament enthalten und auch nichts von Johannes dem Täufer und seinem Täufling wissen. Der doch damals für ein so großes Aufsehen gesorgt haben soll, dass sich Hohepriester und politische Herrscher kaum über die Hinrichtung einig wurden, die dann auch noch beim großen Passahfest nahe den Ausgrabungsstätten der Texte stattfand. Auch das weist darauf hin, dass heute das gefundene Hintergrundwissen über eine die richtige Interpretation des alten Gesetzes und die verfallene und jetzt neue Tempelautorität auf das in Jesus lebendige Wort/die im kosmischen Werden begründete Vernunft auszuwerten ist. Weiter nur einen wegen Gotteslästerung in Bezug auf den alten Tempel, der auch nach den Texten abgerissen und aufgebaut wurde, hingerichteten Heilsprediger als einzige Hypothese hinzustellen, ist keine Wissenschaft. Einer Zeit, die in großer innovativer literarischer Produktivität all das hervorgebracht hat, was heute an Geistesgut und Reformdenken dort ausgegraben wird, weiter zu unterstellen, sie hätte all das einem heilpraktischen Junghandwerker angehängt, was theologisch in den jetzt zu studierenden Texten diskutiert wurde, das geht nicht. Anzunehmen, dass nur messianische Hoffnungen, die in den Texten theologische begründet sind, jetzt auf einen jungen Heilsprediger übertagen wurden, das ist ein durch das heutigen Wissenschaftlern im 1. Semester beigebrachte Jesusbild verursachter Wahnsinn.