1.      Hellenismus: Ein Weltverständnis, das nach Vernunft verlangte

Allein schon  das Wissen über das Welt- und Gottesverständnis des Hellenismus macht es unmöglich, dieser Zeit weiter die Vergötterung oder den Glauben an den unterstellen zu wollen, der heute als historisch gilt. Doch gerade das Denken dieser Zeit macht deutlich, wie ein Wandel vom Mythos zum Logos war. Und warum die damals in Weltrealität definierte und in ihrem Wesen heiß diskutierte Vernunft die Gestalt brauchte, die wir aus biblischen Geschichten kennen.

Das Christentum kann nach dem, was wir über das damalige Denken wissen, keine Verherrlichung eines Heilspredigers oder dessen Sekte gewesen zu sein. Es ist als Innovation zu verstehen, die aus dem „Hellenismus - Eine Welt im Umbruch“ (so „DAMALS“ das Magazin für Gesichte) erwachsen ist. Für Martin Hengel, der als einer der ersten Lehrer gilt, die die Zusammenhänge des griechischen Weltgeistes mit dem christlichen Glauben offenlegte, ebenso wie für Adolf von Harnack, der dann die im Grund bis heute geltende  Hellenisierung lehrte, war ein Heilsprediger mit Namen Jesus Fakt. Daher konnte nur dessen Hellenisierung oder Christologisierung die einzige Konsequenz sein. Noch war es undenkbar, statt eines zweibeinigen Wanderpredigers, die im Hellenismus im kosmischer Realität bzw. wissenschaftlich begründete universale Vernunftlehre als ewiges Wort an den Anfang stellen zu wollen.

Wandel vom Mythos zum Logos/Vernunft statt Göttersöhne

Die Wissenschaft macht heute deutlich, wie der Hellenismus in philosophischer Hochkultur eine Globalisierung der Welt und des Denkens war. Wie in einer Epochenwende Anregungen aus vielen Religionen und Kulturen aufgenommen wurden und zu Neuem verschmolzen. Auch die Probleme der als Mittler kosmischer Ordnung ausgedienten menschlichen Herrscher bzw. Gottkaiser oder den alten Göttermythen werden deutlich, verlangten nach einer geistigen Wende, an der viele Kultur-Bereiche beteiligt waren. Doch diese Wende kann weder auf die Hellenisierung oder Christologisierung eines Heilspredigers abgeladen werden. Noch weniger hätte der in hellenistischer Kultur damals die Bedeutung gehabt, die ihm die hellenistischen Verfasser des Neuen Testamentes beimaßen. Und dem Hellenismus rund um das Mittelmeer zu unterstellen, er hätte sich durch die Predigt eines sich nach einer Halluzination Paulus nennenden Pharisäers zur Sekte eines vorher verfolgten Wanderpredigers bekehrt (wie man sich das nach heutiger Historienhypothese vorstellen muss) ist inzwischen heller Wahnsinn.

In der antiken Welt wurde nicht nur die Welt auf mythologische Weise erklärt, sondern war der zunehmend in den Wesenheiten der Weltwirklichkeit erklärte Göttermythos das kulturbestimmende Element. Europa ist aus diesem Wandel vom Mythos zum Logos (in Bildung, wissenschaftlicher Welterklärung und Kult) hervorgegangen, den bereits Sokrates suchte und der in der hellenistischen Aufklärung war bzw. durch  hervorgerufen, dann christlich zum Kult der westlichen Welt wurde.

Hellenismus macht das Hochstabeln eines Heilspredigers unmöglich

Hier ist nicht Raum, um alles, was über die Hochkultur des Hellenismus gesagt wird, aufzuaddieren. Allein das Buch des sich über den christlichen Glauben als dessen Vernichter bitter beklagenden Rolf Bergmeier „Schatten über Europa“ würde genügen. Doch selbst der Kritiker, der die Kirche für den Verfall antiker Hochkultur verantwortlich macht „was hätte aus Europa werden können“ ist Zeuge für eine Welt, die nach Vernunft rief. In der allerding der, der heute als historisch gilt, nicht das „Schwarze unter dem Fingernagel“ bedeutet hätte. Und der auch unmöglich ein fiktives christologisches Kirchenkonstrukt zu unterstellen ist.

Vielmehr wird deutlich, wie die damals diskutierte und auch in Göttergestalten zum Ausdruck gebrachte Vernunft der gesamten Welt erst in jüdischer Denkweise, als Josua mit Gesicht zur kulturellen Wirklichkeit wurde. Wie erst so die geistig-kulturelle Wende war, die auch der Hellenismus herausforderte. Man muss sich ernsthaft die gesamte hellenistische Kultur hereinziehen, den Gedanken über Harmonie von Kosmos und Körper, wie beim nackten Apoll zu sehen, begeistern lassen. Allein die Von Bergmeier gelobte Fähigkeit der Griechen in Konzepten zu denken, mit kritischen Diskussionen über das Wesen, den Sinn der Welt und allen Werdens zur Symphonie wissenschaftlicher Schöpfung beigetragen zu haben, würde es ausschließen, dass diese Denker in einem jüdischen Heilsprediger oder Wanderkyniker die lebendige Vernunft/den Logos oder sonst eine Lösung gesehen hätten. Es war eine Welt, die den Logos, Weltgeist aus der Ordnung der Sonne ablas und als Lebesssinn und Vernunft- bzw. Verhaltenslehre, gar Nächstenliebe weiterdachten. Der kann doch nicht allen Ernstes weiter unterstellt werden, sie hätten einen egal wie gestrickten Wanderguru zum Logos erhoben.  Und wer den Kirchenvätern auf die Finger schaut, der sieht dann, dass die nicht aus Papyrus-Windeln einen Gottessohn hervorgebracht haben. Wie vielmehr im hellenistischen Judentum, für das insbesondere Philo bzw. die Apologetik der Bildungsmetropole Alexandrien steht (aber auch der in den römischen Kaisern das Heil sehende Josephus), statt Göttersöhne nach Vernunftbegründung gesucht wurde.

Wo Jesus in den Windeln lag

Auch wenn die heutige Forschung Gustav Droysen, der den Begriff des Hellenismus prägte, bei seiner Einschätzung Alexanders als kosmopolitischer Vereiniger der alten Welt nicht folgt. Fest steht, dass im Hellenismus rund um das Mittelmeer eine wissenschaftlich begründete geistige Globalisierung jenseits der Göttervorstellungen war. Wie hier zwar der Mensch im Mittelpunkt stand, sich aber (ob mit oder ohne neuen Gottesbegriff) an einer universal gültigen Vernunftordnung auszurichten hatte. Und dass hier unmöglich der eine Rolle gespielt haben kann, der heute als historisch gilt und in Sonntagspredigten als eine Art Gott hingestellt wird.

Der Einfluss des griechischen Geistes auf die orientalischen Weltdeutungen wie umgekehrt hat ein neues Verständnis der Welt hervorgebracht. Das ganze Land, wie seine Bewohner galten als Besitz eines menschlichen Gottkönigs (Soter, Retter, Gottessohn), der Mittler kosmischer Vernunft-Ordnung sein sollte, seine Autorität aber zunehmen verlor. Wer aber annimmt, dass der Hellenismus jetzt einen heilpraktischen Junghandwerker bzw. charismatisch-gutherzigem Wanderphilsophen mit zufälligem Namen Jesus als wahren König an dessen Stelle setzte, der blendet das Wissen um diese Hochkultur bzw. ihr Weltverständnis aus.

Und wenn schon in Wikipedia unter Hellenismus ein Bild von Philon von Alexandrien zu sehen ist, weil dieser auf schöpferische Vernunft gründende jüdische Reformer bzw. frühe „Christologe“ als wichtigster Zeuge für den Hellenismus in der damaligen Bildungsmetropole gilt. Dann muss doch langsam klar werden, dass es auch in der Bibel bzw. dem christlichen Glauben nicht um einen jungen Guru, sondern das Wort, den für Philo, wie das damalige Denken gültigen Vernunftbegriff ging.

Die ethischen Gegensätze zwischen den Orientalen und den Griechen, der in allen Werken geschilderte geistige Fortschritt in der Gesellschaft verlangte nach einem neuen gemeinsamen kulturellen Nenner, der im bildlosen jüdischen Kult gesehen wurde. Philo (bzw. das philosophisch-wissenschaftliche Weltverständnis damaliger Bildung), der selbst im Duden unter „Allegorie“ genannt wird, weil so die Traditionstexte verstanden wurde, hat das Alte Testament sicherlich nicht ohne Grund ins Griechische übersetzt. Was den Grundstein für die Verbreitung des jüdischen und auch des späteren christlichen Glaubens legte, war die jetzt als schöpferisches Wort verstandene Vernunftlehre: Logos, der dann im Christentum den jüd. Namen Josua/gr. Jesus hatte. Weil erst so die Vernunft zur Welt gebracht, kulturvernünftig und volksverständlich vermittelt wurde: So erst Auf-v-erstehung bzw. messianische Wirk(ung)lichkeit war.

Die Vernunft in greifbarer Gestalt Josua ist in Jerusalem eingeritten „töten ihn“

Nicht nur im Nildelta, sondern auch dort, wo nach heutiger Hypothese ein mit dem Esel einreitender Wanderguru als Gott/König/neuer Mittler kosmischer Vernunft verehrt wurde,  galt man als Grieche nicht durch Geburt, sondern durch Vernunft. Eine Vernunft, die jüdisch als Wort des Unsagbaren verstanden wurde, christlich Jesus war. Das ist die reale Geschichte, bei der der neue philosophische Geist mit einheimischen Göttern, wie mit entleertem Thora und Tempelkult, ebenso wie menschlich greifbaren Gottkönigen konkurrierte und die Bildung in einer Erneuerung des bildlosen jüdischen Kultes die Zukunftslösung sah. Und wenn die Diadochenkönige nicht nur von Philosophen, sondern auch Juden wegen ihrer Begreifbarkeit geehrt wurden, dann wirft das Licht darauf, warum die philosophische Vernunftlehre nicht griff. Warum  sie ein Gesicht benötigte, das sie dem Volk begreif machte, menschlicher Kultur entsprach.

Es wurde über den Sinn des Lebens gegrübelt, auch Recht, Gesetz und Gesellschaftsordnung nicht nur im Neuplatonismus oder allgemeinüblicher Denkweisen wie der Stoa, in einer kosmischen Vernunftordnung gesehen. Daher kann diesem Denken unmöglich weiter die Vergötterung eines jüdischen Wanderphilosophen unterstellt werden, der dann im Sinne des bildlosen Kultes Logos/Lebenssinn/Recht/Gesetz… sein sollte.

Und wenn diese über eine Weltseele oder einen Gesamtsinn nachdenkende  Zeit die begreifbaren, vor sich her ziehenden menschlichen Kaisern den ausgedienten Göttern vorzog, gleichwohl auch die keine in kosmischer Realität begründete Autorität mehr hatten. Dann zeigt sich darin, warum auch die aufs Ganze bezogende, die Zukunft der Welt bestimmende philosophisch ausdiskutierte Vernunft auf zwei Beine gestellt, begreifbar gemacht werden musste.

Paulus, Missionar der Vernunft: neues sich ausbreitende monotheistische Paradigma

Der heute als grandioses Feuerwerk des aufgeklärten Geistes natürlicher Welterklärung/Wissenschaft und Emanzipation der Vernunft hochgelobte Hellenismus hat mit dem, der heute als historischer Jesus-Gott gilt, nichts am Hut gehabt. Das dürfte klar sein. Doch je deutlicher wird, wie der philosophische Geist sowie der gesamte hellenistische Kult nicht auf Athen beschränkt war, sondern dort herrschte, wo sich die Christenheit ausbreitete, desto mehr muss die heutige Hypothese vom Missionsprediger Paulus einer Revision unterzogen. Ein Paradigmenwechsel vom Mythos zum Logos muss hinterfragt werden, der seine Wurzeln in bildlosen Wort/Vernunftverständnis des Judentums, in Propheten und Pharisäern hatte. Ein in hellenistischer Philosophie begründeter Monotheismus, der von göttergewohnten Römern und traditionsverhafteter jüdisch-schriftgelehrter Gesetzlichkeit gleichermaßen als gottlos verfolgt wurde. Der aber im Gegensatz zu der von Herodes in Tempel und Theater und anderen vergeblichen Versöhnungsversuchen (wozu auch Josephus gehört) eine Synthese der Kulturen in Vernunft ermöglichte.

„Der Gott des alten Israels hat das weiße Gewand des griechischen Philosophen angelegt und wurde das Licht der Welt“ so zitiert der Prof. für Religionswissenschaft und Altes Testament  Bernhard Lang in seinem Buch „Jesus der Hund“ bzw. Wanderkyniker Morton Smith. Auch er will aus der Geschichte lernen und malt nicht nur den Hellenismus in höchsten Tönen aus. Er zeichnet die Synthese der Kulturen in einer Zeitepoche nach,  in der auch in China, Indien und im östlichen Mittelmeerraum eine neue geistige Elite aus der Rückschau eine neue kosmopolitische Weltschau hervorbrachte

Es mag ja sein, dass ein Wanderkyniker das Vorbild war bzw. sich so begründen lässt, warum wir die Vernunft mit Namen Jesus als einen in Lumpen gekleideten und seine ganze Habe in einem Schulterbeutel tragenden Wanderprediger kennen, der sich nicht um herkömmliche Schätze kümmerte.  Doch wie kann man die Synthese, den „tiefgreifenden Wandel“ der Kulturen in einem jungen Wanderkyniker begründen wollen, der (hier im Gegensatz zum Junghandwerker der nicht Lesen und Schreiben konnte) jüdische und griechische Bildung hatte?

Synthese von Elia und  griechisch-wissenschaftlicher Erkenntnis

Das Schaubild, wie griechische Kultur (Homer, dann klassische Bildung) und hebräische (Salomo, Moses dann jüdische Weisheit, Prophetenthum) zusammengeflossen sind, ist doch ein schlechter Witz, wenn nur ein in der „Synagoge erwachsener umherziehender Handwerker mit doppelter Bildung“ an den Anfang gestellt wird. Allein die Synagoge steht für einen denkerischen Wandel in jüdischer Kultur, der nicht nur dem blinden Mythos diente.

Und wer deutlich macht, wie Elia und Diogenes sich in Jesus bruchlos zusammenfügen, dann noch auf Philo Bezug nimmt, der mehr als macht klar, dass kein egal wie gearteter schlauer Mensch, sondern eine von Schöpfung ausgehende Vernunft am Anfang stand. Schließlich ist ja auch sich zynisch die damalige Weltsicht auseinandersetzende Lehre des Diogenes bzw. der Wandkyniker nicht vom Himmel gefallen. Ihr liegt die gleiche kreative=schöpferische Vernunftlehre zugrunde, die auch beim Neuplatonismus, der im Neue Testament u.a. als neue Begründung des Monotheismus nachgewiesen wird und auf der alle griechische Verhaltenslehre und Wissenschaft gründete.

Auch wenn man nicht mehr Droysens Idealisierung Alexanders folgt, so war die Idee der Universalmonarchie mehr als ein Streben nach Weltherrschaft. Die Kaiser sahen sich nicht nur selbst als irdischer Sachwalter einer nun universal geltenden kosmischen Vernunftordnung, sondern wurden auch so im Volk verstanden. In diesem Sinne galten er bis zur Ablösung durch das Christentum als göttlich verehrter Herrscher. Einen jüdischen Heilsprediger dazu in Konkurrenz stellen zu wollen oder gar in dem die biblisch beschriebene Synthese, den für Juden und Heiden gültigen Glauben begründen zu wollen, wäre heller Wahnsinn gewesen.

Geschäftsführer des Weltgeistes war die schöpferische Vernunft in Gestalt Jesus

Die Welt zu einer gemeinsamen, schöpfungs-/zukunftsgerechten Vernunft zu bringen, dazu hat es viele Versuche gegeben. Egal, ob er Vertreter des Weltgeistes und Vereiniger antiker Kulturen oder nur ein Krieger war. Alexander Kriegshandwerk war noch nicht der Weg, die Kulturen aus Abendland und Morgenland zu versöhnen. Weder in geografischer Weise, noch im Sinne von Gestern und Morgen war das allein durch philosophischen Vernunftlehren oder Alexanders Politik  möglich.

Was sicher nicht daran lag, dass der „Geschäftsführer des Weltgeistes“, der nach Droysen noch vor Paulus den Gedanken fasste, dass alle Menschen Brüder seien und mit seiner Eroberungspolitik ein Friedensreich für die Zukunft herbeiführen wollte, sich nicht auf Dogmen, Mythen oder Glaubensgründer berief. Denn dass dazu auch Dogmen nicht taugen, beweist sich im heutigen „Anwalt schöpferischer Vernunft“, als der Benedikt XVI. gilt. Selbst wenn dieser die Vernunft nun nicht mehr nur aus dem Buch vorliest, sondern diesen Weltgeist vor dem Bundestag in ökologischer Welterklärung begründete, sich damit letztlich auf den gleichen Grund berief, auf den sich bereits Alexander und die Philosophie Athens bezog.  Es bleibt es bei gut gemeinten Forderungen, die noch weniger bewirken, wie allein ökologische Einsichten und Zweckmäßigkeiten bzw. politische Gesetze, denen sich der Egoismus entzieht und mit dem Finger auf den Nachbar zeigt.

Doch da wir wissen, wie damals eine Synthese des jüdisch-bildlosen Monotheismus mit dem philosophischen Monismus und der Götterwelt war, scheint der von Alexander vertretene Weltgeist als Wort bzw. einer von Schöpfung ausgehenden Vernunft allen Werdens verstanden worden zu sein. So wenig wie heute Barak Obama oder Erna Merkel, vermögen menschliche Herrscher allein auf politische Weise eine Lebensweise in Vernunft herbeizuführen. Alles Wissen um die Notwendigkeit scheint zu wenig, wenn die philosophische oder politische Vernunft nicht auf vernünftige Weise in Schöpfung begründet, zu einer Bestimmung werden kann, die an kulturelle Wurzeln anknüpft.

Christus-Konkurrenz die Kreativität bewirkte, ging von dieser aus

In der Geschichtswissenschaft wird heute in vielfacher Weise klar gemacht, wie der hellenistische Kult in mehrfacher Weise in Konkurrenz zum Christentum stand. Und auch die Exegeten zeigen auf, wie das biblische „Evangelium“ als Gegenbewegung zu dem des Kaisers entstanden ist. Da waren nicht nur verschiedene in antiker Wissenschaft um das vernünftige Werden begründete philosophische Vernunftlehren, wie Stoa und Epikur. Noch mehr galten die eine kosmische Ordnung repräsentierende charismatischen hellenistischen Herrscher als Mithras in Menschengestalt und die davon ausgehende Hoffnung als Evangelium (frohe Botschaft). Man muss sich vor Augen halten, wie Augustus selbst von Juden messianisch verehrt wurde, um sich klar zu machen, wie absurd es für das damalige Denken – Juden wie Heiden - gewesen wäre, einen Junghandwerker als Wort und Messias zu sehen.

Und wie noch in den ersten Jahrhunderten nach Jesus die inzwischen als Wesenheiten des kreativen Werdens verstandenen Götter, ob Herakles oder den auf die Sonnenordnung verweisenden Mithras in Konkurrenz zum neuen monotheistischen Kult bzw. der gemeinsamen Wahrnehmung des von einem Unsagbaren Grund ausgehenden Wortes standen, ist bekannt. Auch wie beispielsweise Seneca die schöpferische Vernunft in fast gleicher Geschichte als Herakles über den See gehen ließ und es dabei auch den Verfassern des Neuen Testamentes, ebenso wenig wie dem Philosophen in seiner Geschichte um einen Zweibeiner ging, wurde bereits von kritischen Neutestamentlern deutlich gemacht.

Auch wenn das derzeit als christlicher Glaube verstanden und daher den anfänglichen Christen unterstellt wird. Den, der heute als historisch gilt, den hätten weder Hellenisten, noch Juden in Konkurrenz zu den in schöpferischer Realität begründeten Vernunftlehren, Kaisern und Göttern gestellt. Ein Glaube, wie er heute gepredigt wird, der wäre für das hochtheologische Denken über die Vernunft allen Werdens als lebendiges Wort völlig absurd gewesen.

Die Diskussion ging nicht um einen mehr oder weniger göttlichen Heilsprediger, sondern das lebendige Wort, als dessen Jünger sich zunehmend auch sog. Gottesfürchtige (hellenistische Anhänger des sonst unsagbaren einen schöpferischen Urgrundes) sahen.

Dem kath. Theologen Thomas Söding kann zugestimmt werden: „Konkurrenz belebt das Geschäft“. Doch dieses Geschäft, das kreativen Fortschritt in Kulturentwicklung bewirkte, kann keine Vergötterung eines jungen Juden gewesen sein. Der Grund des für Juden und Hellenisten gütigen Glaubens, wie auch die kreative Entwicklung selbst, sind als schöpferische Vernunft zu verstehen.  Denn wer dabei deutlich macht, wie damals das christliche Denken nicht auf eine religiöse Wüste traf, sondern in einer blühenden Kulturlandschaft der gesamten jüdischen Diaspora Synagogen entstand, in denen hellenistisch über monotheistische Rationalität gedacht wurde. Der kann nicht weiter den Grund des christlichen Glaubens in einem Guru sehen wollen, der mit seinen Fischerfreunden um den See Genezareth zog. Und spätestens, wenn rund um den See bei der vergeblichen Suche nach dem Jesusboot Herkulesstatuetten dort den hellenistischen Volkskult deutlich machen, muss doch der Groschen fallen: Ein göttlicher Wanderprediger kann nicht gewesen sein, sondern die auch in Herakles gesehene schöpferische Vernunft als lebendiges Wort: Jesus.

Denn dass sich das Volk nicht an intellektuelle theologische Fragen hielt, sondern eine vorzeigbare Gestalt wie Herakles brauchte und die Soldaten einen vorherziehenden Herrscher, mag zutreffen. Und da man sich lieber an herkömmliche, greifbare Frömmigkeit hielt, als an neue Lehren, dann spricht auch das gegen die These von der Vergötterung eines jungen Juden. Vielmehr wird auch so deutlich, warum das lebendige Wort genau die vorzeigbare, den prophetischen und heidnischen Vorbildern entsprechende Gestalt brauchte, wir kennen.

Hellenisten haben sich an das Wort gehalten

 Wenn die heutige Theologiewissenschaft die Autoren des Evangeliums als „Diener des Wortes“ mit der Verpflichtung zur Wahrheit sieht, die auch frühere Texte auswerten  und gar den Jesus des Glaubens mit dem historischen Jesus identifiziert. Dann sagt sie doch selbst um was es ging. Um den Wanderguru, den sie um den See jagen und gleichzeitig als leere Hülle eines hoheitlich-göttlichen Wesens hochhalten will, kann es weder Juden, noch Griechen gegangen sein. Den Verfassern der christlichen Texte und anfänglichen Diskusionen eine „Reich Gottes Verkündigung“ zu unterstellen, mit der heute nicht nur  amerikanische Fernsehpredigern zum Glauben an ihre Rede überreden wollen, dazu müssten wir das Wissen um damalige Denken  ausblenden.  Das vernünftig erklärte natürlicher Werden/Weltgeschehen wurde als schöpferische Realität/Wort verstanden. So wurde das Reich des sonst Unsagbaren offenbar. Kein Gottesbild ist Mensch geworden, sondern die vom Unvorstellbaren, der Unsagbar sein wird ausgehende Vernunftwirklichkeit allen Werdens (das lebendige Wort) musst in menschlicher Gestalt zur Welt gebracht werden.

Den sog. „Gottesfürchtigen“  (global denkenden Griechen, die sich für den bildlosen jüdischen Monotheismus begeisterten) zu unterstellen, sie hätten wegen dem, der heute als historisch gilt, dem Kaiserkult und den Göttern abgeschworen bzw. nicht mehr allein auf philosophische Lehren gesetzt, das ist ein schlechter Witz. Die Zeit der Gottkaiser, wie der Götter lief aus. Das ist in der Geschichte des Hellenismus zu beobachten. Nicht nur die Messianisierung der menschlichen Kaiser wird nachgezeichnet, über die ähnliche Weihnachts-oder Himmelfahrsgeschichten berichtet werden, wie sie in Bibel zu lesen sind. Auch die Probleme der Mysterienreligionen, der durch viele Familienmorde die Macht erhaltenden menschlichen Herrscher, ihr Autoritätsverfall oder die immer kürzeren Amtszeiten sind Tatsache. Und auch Münzfunde machen deutlich, wie der christliche Kult zunehmend die Rolle von kaiserlichen Gottessöhnen übernahm. Die ja nicht einfach vergöttert wurden, sondern an Stelle der Götter oder in einem auf den obersten Himmelsgott Zeus bezogenen Theologiesystem gemeinsam mit diesen bisher für das Sonnensystem verkörperten bzw. für eine kosmische Vernunft-Ordnung standen. Auch wenn Götter und Kaiser in antiker Aufklärung/Vernunfterklärung der Welt diese Autorität zunehmend verloren. Nicht mehr als Stellvertreter einer alles Werden bewirkenden schöpferischen Macht galten. Dass eine Art Guru an deren Stelle getreten sein soll, das ist dem damaligen Denken nicht zu unterstellen. Wenn trotzt vielfältiger neuer Denkweisen über das Wesen der Vernunft und ihre Bedeutung im schöpferischen Geschäft, die Massen weiter den alten Vorstellungen anhingen. Dann wird deutlich, warum die Vernunft ein bekanntes Gesicht brauchte. Wie so auch die Vielfalt der kursierenden Lehren später im Kanon der Kirche auf einen neuen, Klarheit schaffenden Nenner gebracht werden musste.

Und wenn zutrifft, was die Theologie ständig deutlich macht, dass Jesus das alttestamentliche Gotteswort verkörperte, in kulturellen Krisenzeiten das Wort zu konkretisieren war. Dann können wir dem damaligen Denken weder einen Wanderprediger, noch eine menschliche Predigt bzw. ein kirchliches Konstrukt unterstellen. Was heute als Glaubenspredigt gilt, kann bei dem, was wir über die Zeit wissen, nicht weiter auf das Denken des von Hellenisten übertragen werden, die sich für den jüdischen Kult begeisterten und dann auf Jesus beriefen.

Wer sich die Studien über den Austausch von griechischer und hebräischer Sprache und Gedankengut, Platon & Co. mit dem Alten Testament vergleicht und gemeinsame Denkstrukturen entdeckt. Der muss doch völlig den Verstand verloren haben, wenn er all diesem Denken den unterstellen will, der in heute als historisch gelehrt wird.

Ja selbst wenn man davon ausgehen würde, Platon hätte beim Alten Testament abgeschrieben oder umgekehrt. Nicht die Weltrealität wäre das Thema der antiken Theologie gewesen. Gleichwohl das im Platonismus noch deutlicher ist, als bei den Propheten. Von Anfang an ging es nicht um Offenbarungen durch Prediger und Philosophen, sondern eine schöpferische Vernunft- Wirklichkeit in Welt und wie der Mensch dazu gebracht werden kann, sich daran zu halten.

Die Neuentdeckung des Erbes, auf das man sich berief, kann weder auf jüdischer, noch auf griechischer Seite ein heilspredigender Junghandwerker als Gott gewesen sein. Es war der gemeinsame Wiederverstand des ewigen Wortes in damals neuer rationaler Welterklärung, dem auf kulturgerechte Weise Gestalt gegeben wurde. Um die bisher auf greifbare Kaiser und Götter bauende frohe Botschaft in neuer Weise zur Welt zu bringen, war die Gestaltwerdung der Vernunft die Voraussetzung.

Nachdem auf jüdischer Seite Tempelkult, Thora bzw. Traditionslehren so wenig eine schöpferische Wirklichkeit auf Erden vermitteln und bewirken konnten, wie hellenistische Mysteriengötter und menschliche Gottessöhne oder allein philosophische Lehren, stand ein Neuverständnis an. Ein Verständnis, das im allegorischen-aufgeklärten Verständnis der jeweiligen Kultur in der damaligen Vernunfterklärung der Welt (Logos) den gemeinsamen Nenner verstand, durch das sich Abend- und Morgenland auch im Sinne von Gestern und Morgen vereinen ließen, in Vernunft die schöpferische Wirklichkeit offenbar war.

Hellenistische Zeugen Jesus neben der Bibel

Wenn heute die Realität eines Wanderpredigers bewahrheitet werden soll, dann werden nicht nur im Hinblick auf die Bibel Zeugnisse bemüht, die auf den Christus bzw. das lebendige Wort/Vernunft in menschlicher Person (Rolle/Aufgabe) hinweisen, nicht auf einen Heilsprediger.

Auch wenn allein aufgrund der Nichterwähnung eines wundertätigen Wandergurus außerhalb der Bibel klar sein müsste, dass es darum auch dort nicht ging. Es werden Texte von römischen Geschichtenschreibern wie Plinius, Tacitus  oder Josephus Flavius vorgelegt, die dann die Kritik als Fälschung oder nachträgliche Einfügungen entlarven will. Doch auch wenn es teilweise um spätere Einschiebungen ging und egal, ob die Texte sich auf den Namen Jesus beziehen oder von Christus sprechen und damit noch mehr deutlich machen, was ihr Thema war. Ihre Verfasser verweisen selbst wenn sie in früher Zeit von Jesus sprechen  auf den Grund des christlichen Kultes: die Vernunft, um die damals gerungen und die im Sinne Josuas bzw. jüdische Weisheit als Wort verstanden wurde.

Wer z.B. Josephus nicht einfach als einen jüdisch-römischen Geschichtsschreiber betrachtet, sondern als ernsthaften Apologeten des jüdischen Glaubens, der seiner jüdischen Tradition eine Geschichte gab und gleichzeitig auch die anderen von ihm (oder einer entsprechenden Denkrichtung) ausgehenden Texte auswertet, dem wird klar:  Josephus ging es bei all seiner Liebe für die als Messias gesehenen römischen Gottessöhne um die Vernunftbegründung des jüdischen Glaubens. (Hier können nicht auch noch Josephus Diskussionen nachgezeichnet werden. Doch allein die dahinter stehende Theologie, die das Denken der Zeit und die Probleme der Zeit Jesus zeigt, könnte deutlich machen, wie absurd die heutige Historienhypothese ist.)

Und wie kurzsichtig heute der Bezug auf außerbiblische Zeugnisse ist, zeigt sich auch darin, dass zwar kurze Textpassagen zitiert werden, die von „Christus“ sprechen. Philo von Alexandrien, der in seiner gesamten Vernunft-/Logoslehre als früher „Christologe“ gilt, in den Auflistungen über die außerbiblischen Zeugnisse nicht vorkommt.

Und selbst wenn heute klar ist, dass am Anfang des christlichen Glauben verschiedene gnostische Denkweisen standen. So werden selbst die gnostischen Texte kaum erwähnt oder als eine Hoheitsrede beiseite getan. Wo ein Wanderprediger ganz selbstverständlich als historisch gilt, bleiben diese Texte allenfalls eine frühe Verherrlichungsrede.  Wie in diesen dabei von Jesus sprechenden apokryphen Texten auf philosophisch-theologische Weise eine hellenistische Weltdeutung, verschiedene Modelle des vernünftigen Weltgefüges weitergedacht werden (selbst wo sie teilweise dualistisch bleiben) muss nicht beachtet werden. Das hat ja mit dem guten Jungen nichts zu tun, wird allenfalls als eine aufgesetzt Theologie verstanden.

Dabei wäre nicht nur die die jüdische Apologetik Philos und Josephus sowie die verschiedenen hebräischen Erneuerungs- aber auch Gegenbewegungen der Zeit als Zeugen des historischen Jesus zu benennen. Stoa oder gar Epikur, der heute gerne von Hedonisten und Atheisten vereinnahmt wird, ebenso wie weitere neuplatonische Lehren und Philosophiesysteme verweisen auf den Logos, die Vernunftbegründung des Werden, die Grundlage des  menschlichen Lebenssinnes/Seins war. Der gesamte Hellenismus kann als historisches Zeugnis der Vernunft benannten werden, der im jüdischen Verständnis lebendiges Wort (hebr. Vernunft) Jesus war und bisher von hellenistischer Philosophie als Herakles personifiziert wurde.

Herakles war kein Heilsprediger

Die Überwindung der Kluft zwischen philosophischer Vernunft-Theorie und politischer Wirklichkeit war ein Generalthema der Griechen. Auch die römischen Kaiser als Nachfolger hellenistischer Könige, Göttersöhne in Menschengestalt, die die kosmische Ordnung auf Erden repräsentieren und politische umsetzen sollten, spielten dabei eine Hauptrolle. Das an Gymnasien vermittelte kosmopolitische Wissen allein war zu wenig. (Auch wenn allein aufgrund dieser wissenschaftlichen Bildung dieser Zeit unmöglich weiter die Anbetung eines Wanderpredigers zu unterstellen ist, auf den dann hellenistische Hoheitstitel oder Inhalte übertragen wurden.)

Wie kann man wissen, dass diese Bildung antiker Aufklärung die königlichen Herrscher als Gott auf Erden, Abbild der Sonnenordnung, gleichzeitig als Dionysos oder Herakles in menschlicher Person sah. Und wie die damaligen Denker Herakles in Geschichten und Bedeutungsinhalten beschreiben, wie sie im Neuen Testament in gleicher Weise von Jesus nachzulesen sind. Dann aber einen hellenisierten oder als Herakles beschriebenen Heilsprediger ins Rennen schicken wollen, statt hellenistische Götter und Herrscherkult als Hintergrund der notwendigen Fleischwerdung der schöpferischer Vernunft zu bedenken.

Wer wissenschaftlich nachblättert, wie ägyptischen Götter mit den griechischen verschmolzen  und die in einheitlichem System zusammengefassten Göttergestalten in ihren biblischen Geschichten Abbilder eine in wissenschaftlicher Weltrealität begründeten Vernunft waren, in der das damalige Denken einen neuen Monotheismus begründete. Wie  kann es der als Wissenschaft bezeichnen, nur zu fragen, warum einem jungen Juden heidnische Attribute angehängt wurden?  Die Auseinandersetzung des Judentums mit hellenistischer Überfrachtung und die Unterschiede zwischen Tempel und Theater, prophetischem Vernunft/Wort-Verständnis und philosophischen Lehren bei menschlichen Göttergestalten in Kaisern  können nicht unter den Tisch gekehrt werden. Sie lassen sich in den unterschiedlichen Denkweisen der Zeit über die Makkabäerbücher hinaus theologisch begründen. Doch mit einem Wanderguru, wie er heute als historisch gilt, hat das alles nicht das Geringste zu tun. Darum ging es bei Jesus so wenig, wie die in der Stoa in Herakles personifizierte, so als für den Volksverstand heilsbringend  gesehene und in biblischer Weise beschriebene Vernunft für das damalige Denken ein Mensch mit besonderen Kräften oder Zeugungsvermögen war.

Auf die Schnapsidee, damalige Denken hätten einen jungen Juden jetzt als eine schöpferisch wirksame Vernunft angehimmelt, auf ihn all das übertragen, was in bisher in Göttergestalten personifiziert war und in ihm den wahren König gesehen, die Weisheit in Person, Tempel und Thora bzw. Gesetz, das  jetzt für Juden und Heiden Gültigkeit hatte, kann scheinbar nur ein Prediger kommen, der gewohnt ist, leere Wort zu machen und sie als Heil hinzustellen. Doch den Hellenisten der Zeit Jesus ist das so wenig zu unterstellen, wie dem damaligen Judentum.

Wenn doch die Probleme bekannt sind, die die der in entleerte Tempelkult, wie die hellenistische Vergottung der Herrscher mit sich brachte, so die Vernunftordnung nicht in Kultur zu verwandeln war. Und wenn auch klar ist, wie für den griechischen Monismus der jüdisch Monotheismus ohne menschliche Götterbilder und Herrscher zunehmend an Attraktivität gewann, hier die philosophisch-metaphysischen Systeme weiter- und pantheistischer Polytheismus auf einen gemeinsamen Nenner gedacht wurde. Muss man dann nicht von allen guten Geistern verlassen sein, wenn man dieser Zeit unterstellen will, sie hätte einen Wanderkyniker oder gar einen Junghandwerker als Heiland hingestellt? Im größten Fiebertraum wäre es auch keinem der Wanderkyniker, die sich zynisch mit der Kultur ihrer Zeit auseinandersetzten, in den Sinn gekommen, einen Kollegen als Vernunft bzw. Sinn des Ganzen auszugeben, in diesem eine Heilswirkung oder den Grund eines Kultes begründen zu wollen. Sie wie alle anderen Denkschulen der Zeit gingen von einer kulturell umzusetzenden Vernunft aus, die in kosmischer Realität begründet und im Hellenismus im allegorischen Verständnis der Götter bzw. den Kult aufgeklärt weiterführend hauptsächliche in Herakles personifiziert war.

Versöhnung von Abend- und Morgen/land

Ameisen und Bienen benötigen keine gemeinsamen Mythen und keine kulturbegründeten Vernunftlehren, um artgerechte schöpferische Ordnung zu halten, nach wonach der Hellenismus suchte. Wenn im Volk weiter die Mythen als Mittler galten, Mysterienkulte, Mithras & Co. den Ton angaben, dann darf nicht außer Acht gelassen werden, dass im intellektuellen Denken und Diskutieren der Mythos durch den Logos längst abgelöst war. Vielmehr wird so die Vernunft klar, die hinter der menschlichen Ausdrucksweise steht, die in der Geschichtsentwicklung als zeitgerechte Weiterführung des bildlosen Monotheismus mehr als Herakles die biblisch beschriebene historische Heilswirkung hatte. Man kann doch nicht die hellenistische Zeit, das wissenschaftliche und hochgeistige Weiterdenken und gleichzeitig den Austausch der Kulturen beschreiben, wie das heute geschieht und dann dieser Zeit weiter das unterstellen wollen, was heute als historische Jesusgeschichte gilt. Wobei ja nicht nur die hohe kulturelle Bildung bekannt ist. Allein schon das Wissen, dass Geschichte in anderer Weise verstanden und geschrieben wurde, als der banale Bericht, der heute historisch gesehen wird und hellenisiert (oder aufgrund alttestamentlicher Literatur aufgemotzt) worden sein soll müsste doch klar machen. Ein junger Jude kann nicht das Thema der Texte gewesen sein, deren theologischer Inhalt heute Tag für Tag von jungen Doktoranten neu dargelegt wird.

Die biblisch beschriebenen „Hellenistai“  können im heutigen Verständnis des Hellenismus nicht mehr als Juden gesehen werden, die in der Zeit um Christi Geburt ein Mischidiom aus Hebräisch und Griechisch sprachen und einem jüdischen Heilsprediger hinterherliefen. Doch die Synthese der Kulturen, von Abend- und Morgenland  in einer gemeinsamen in schöpferischer Ordnung begründeten Vernunft, die in menschlicher Weise zur Welt gebracht werden musste, um so auch das Gestern mit dem Morgen zu versöhnen, das ist die reale Geschichte, die sich aus heutigem Wissen um den Hellenismus ergibt. 

Geschichte der Kirche im Geist der Griechen

„Die Geschichte der Alten Kirche“ von Hans Lietzmann soll hier abschließend die Brille sein, mit der nicht wie üblich eine Hellenisierung/Christologisierung eines Heilspredigers, sondern die Geschichte des historischen Jesus gelesen wird. Auch wenn die Wissenschaft an manchen Stellen weiter ist, als der auf den Spuren Harnacks das Denken der Zeit der frühen Kirche erstmals aufarbeitende Forscher. Eigentlich hätte bereits hier klar sein müssen: Um einen Heilsprediger, wie er in dieser Denkspur als selbstvertverständlich vorausgesetzt wurde, kann es bei Jesus bzw. dem Grund der im Geist der Griechen erwachsenen Kirche nicht gegangen sein.

Der Kult, der das römische Reich, Herrscherkult, Götter und Mysterien nicht gekippt hat, sondern vom damaligen Denken als Problemlösung für die in die Jahre gekommenen Vorstellungen gesehen wurde, in Kulturentwicklung scheinbar tauglicher war, kann nicht die Verherrlichung eines jüdischen Heilspredigers mit zufälligem Namen Jesus gewesen sein. Wer einen durchdachten antiken Monotheismus in der Form eines nationalen Sonnenkultes beschreibt „Ein Gott, ein Reich, ein Kaiser“ und diese hellenistische Evangelienhoffung aus der Logos-/Vernunftlehre der Griechen ableitet, der macht klar, was Thema der Zeit war.  Was sich jedoch nicht mehr in den Flavierkaisern und Götterfiguren kultivieren ließ.

Der Neuplatonismus verstand die Wissenschaft als Grund des Glaubens und beschrieb das All als einen von einem schöpferischen Prinzip bestimmten Vernunft-Organismus. Er sah Gott als Vater der Kausalität, die sich in der Weltharmonie nach anfänglicher wissenschaftlicher Welterklärung zeigte. Dies war der Logos, die schöpferischer Vernunft, auf die auch Philo seine Christologie baute.  Daher kann dieser platonistische Denken nicht weiter in den Gegensatz zur Kirche gestellt, die bekanntlich genau auf diese Christologie gründen, sondern muss hier der Grund der Kirche betrachtet werden.

Und wenn Benedikt XVI. heute nach einer Vernunft fragt, die sich z.B. in ökologischer Welterkärung zeigt und an der sich der Mensch auszurichten hätte, dann ist dies weder ein kath. Naturrechtsglaube, noch eine Anbiederung gegenüber den Anliegen der Grünen bzw. des Gedankens der Nachhaltigkeit in ökologischer Lebensweise. Er knüpft an das philosophisch-theologische Denken an, das in Weltrealität den Grund der Religion sah, den Menschen mit der höheren schöpferischen Wirklichkeit (damals Weltharmonie, heute ökologische Erklärung, Evolution) auf einen Nenner bringen wollte und daher in der Kirche im Namen Jesus zum christlichen Kult wurde. Einen Wanderprediger oder dessen Lehre gegen die damals erfasste schöpferische Wirklichkeit stellen zu wollen, in der nicht nur ein neuer Monotheismus begründet wurde, sondern sich der Gott der Väter offenbarte, wäre echter Wahnsinn. Die Sprache des Schöpfers, das ewige Wort wurde im Platonismus, wie auch bei Philo, Qumran & Co. in den himmlischen Gestirnen, der kosmischen Ordnung ebenso wie den kulturellen Bildern, Mythen und Texten verstanden.

Lietzmann macht deutlich, wie sehr sich die Aufklärung der Antike in Vernunft vor den Gottheiten der Väter verneigte, hier deren Neubegründung sah, dass man die Christen als verwerflich sah, weil sie sich vom Glauben der griechischen Väter abwandten, die Überlieferung der Mythen verachteten und zum jüdischen Wort/Vernunftglauben wechselten. Hier wird zwar der Unterschied von philosophisch-griechischem zum christlich-hebräischen Glauben bzw. dem so neubegründeten bildlosen Kult der Propheten deutlich. Doch noch mehr, dass es hier nicht um den gegangen sein kann, der heute als historisch gilt.

Das Verhältnis des Vaters mit dem Sohn, wie es dann auch die verschiedenen urchristlichen, sich teilweise bitter bekämpfenden und Häresie vorwerfenden christlichen Lehren diskutierte, wurde bereits im Platonismus bedacht. Auch wenn zwei Stiefel waren, das Christentum nicht den Götterglaube neu begründete, sondern den bildlosen Kult, der auf eine jetzt universal-wissenschaftlich neubegründete Macht baute, die unsagbar war und sein wird. Mit der Gottheit eines jungen Gurus, wie er heute als geschichtlich und Grund des christlichen Glaubens gilt, hatte das Denken der alten Kirche nicht das Geringste zu tun.  

Auch  wenn Lietzmann noch keinen Zweifel an einem Wanderprediger zulässt, wie es in theologischer Radikalkritik damals Tagesordnung war. Seite für Seite zeigt sich in der „Geschichte der alten Kirche“ (nicht nur in seinem Buch), dass es höchste Zeit wird, das lebendige Wort/höhere Vernunft in heute erklärter Weltwirklichkeit wieder an den Anfang des jüdisch-christlichen Denkens zu stellen.