Vernunft/Wort als Gottes-, David-, Menschensohn:

Jesus als Christus

Die Vorlesung über den historischen Jesus, der kein König der Juden oder Christus sein wollte oder war, sondern angeblich erst „nachösterlich“, gegen seinen Willen zum David- und Gottessohn gemacht wurde, ist kein Konkurs des christlichen Glaubens. Sie ist ein weiterer Beleg für die endgültige Bankrotterklärung der Hypothese, die aus den synoptischen Evangelien einen historischen jungen Mann herleitet. Und die damit ein Hirngespinst der Halbaufklärung an den Anfang stellt, um das es weder den hellenistischen Gelehrten in ihren hochtheologischen synoptischen Geschichten, noch an irgendeiner Stelle des anfänglichen christlichen Denkens ging. Zumal die Verfasser der biblischen Geschichten in einem neuen aufgeklärten jüdischen Verstand des Wortes erwachsen sind, das, wie Philo von Alexandrien hier zeigt, all das bewirkte, was das Neue Testament ausmacht. Was aber ein junger Weisheitslehrer logischerweise nicht sein kann.

Die festgefahrene Vorstellung eines Heilspredigers verhindert, die antiker Hochzivilisation, wie auch dem  philosophisch aufgeklärten Judentum der Zeit Jesus maßgebende Vernunft zu bedenken. Denn die in früher Natur- und Kulturwissenschaft philosophisch begründete Vernunft galt hellenistischen Juden als das prophetische Wort. Sie lag der Weisheit zugrunde, die die Funktion Josua (lat. Jesus) hatte und war vormals in David als dem großen jüdischen König und Verfasser der Psalmen personifiziert. Und wer sich mit der Traditionslehre stritt und litt, all das bewirkte, was das Neue Testament ausmacht, war kein junger Mann. Die in natürlicher Schöpfung begründete Vernunft, wie sie alle antiken Philosophenschulen definierten und nicht die mitgeschriebenen Worte eines wanderpredigenden Handwerksburschen, lag den jüdischen Weisheitslogien zugrunde, die zur Jesusgeschichte ausformuliert wurden. Sie hat auch all das bewirkt, was Gegenstand von Markus ist, auf den Lukas und Matthäus nach heutiger Quellentheorie ebenso zurückgriffen, wie auf Spruchweisheiten. Denn die Geschichte der Vernunft musste im Stile des Kaiserevangeliums, wie im Erbe der Göttermythen oder jüdischer Sagen  gestaltet, diesen erfüllend entgegengestellt werden.

Bankrott: Weil dem Jesus der Synoptiker, deren Geschichten und Gleichnisse  laut den vorhergegangenen Vorlesungen das königliche Himmels- oder Gottesreich auf Erden zum Thema haben und die auch in ihrer Literaturform  dem Evangelium auf den römischen Messias-Kaiser entgegengestellt wurden, nun plötzlich die königlich-messianische Bedeutung genommen werden muss. Weil all das, als was Jesus was bisher galt, mit einem landstreichenden Junghandwerker oder Weisheitslehrer logischerweise nicht zu machen ist.

Wobei es ja eh ein Unding ist, dass hellenistische Gelehrte wie Markus, die in einem Denken erwuchsen, das den in Vernunft erklärten natürlichen Lebensfluss als das Moses gegebene Wort verstanden, von einem jungen Juden in dieser Funktion geschrieben haben sollen. dem die Herberge verwehrt wurde und wer das bewirkte was bebildert ist, das war kein junger Guru. Das war die Vernunft und Weisheit, die dem aufgeklärten Judentum galt.  Und deren Bedeutung als Gottes- und Davidsohn, wie deren messianische Wirkung in der Kultfunktion eines jüdischen, jetzt weltgültigen Königs hier weiter ausgeführt wird .  

Verbrecherischer Betrug: Weil durch die Heilsprediger-Hypothese verhindert wird, die zur Zeitenwende philosophisch in vernünftiger schöpferische Wirklichkeit begründete Weisheit, wie sie heute wieder ähnlich definiert wird, als das nicht nur die christliche Religion bestimmende Wesen zu verstehen. Damit eine heute auch als Ökologie, ganzheitliche, humanistische Lebensweise, Weltvernunft, ohne kulturelle Aufklärung meist vergeblich gepredigte Weisheit, wieder so bestimmend zu machen, wie sie in der Geschichte des Westens Jesus Christus hatte. Und wie sie im Orient das Wort des Propheten auf noch mittelalterliche Weise weitgehend hat.

Philo von Alexandrien (nicht als Einzelgelehrter, sondern Vertreter des hellenistisch-philosophischen Judentums, aus dem  in antiker Aufklärung das Neue Testament, wie dessen weit über den Kanon hinausgehende Texte, sowie alle konkurrierenden urchristlichen Bewegungen hervorgingen) hat heimlich bei der Einführungsvorlesung über den historischen Jesus (hier dann dessen Selbstverständnis) mitgehört. Er meldet sich hier erneut zu Wort.

Zu dem Wort, nach dem in der Zeit Jesus die Juden suchten und dies in der philosophisch erklärten Vernunft als Folge Moses in Josua (damit Jesus) verstanden.  Einer Vernunft, nach der seit den Vorsokratikern jetzt die Welt, der sinnvolle, logische Lebensfluss, wie die menschliche Kulturgeschichte, das rechte Verhalten und der dafür notwendige Kult erklärt wurden. Weil nach hellenistischer Aufklärung eine  Neubegründung des prophetischen Bundes ebenso notwendig war, wie die Ablösung der mythisch-menschlichen Göttersöhne und der die diese repräsentierenden Gottkaiser. Da diese nach dem Wandel vom Mythos zum Logos ihre schöpferische Autorität immer mehr verloren. Womit auch von den Römern eine neue für das Leben maßgebende gemeinsame schöpferische Bestimmung gesucht wurde. Die das aufgeklärte Judentum, das Philo vertritt und an das dann die Kirche anknüpfte, im bildhaften Verstand Moses (als frühe Philosophie), in der philosophisch-naturwissenschaftlichen Vernunft/Logik verstand. Was damit die Funktion des Josua, lat. Jesus hatte. Der stand für die Vertreibung der menschlichen Gottesvorstellungen, die Verbreitung des Wortes  und sollte so die „goldene Zeit“ als gelobtes Land bringen. Auch wenn sein Name erst später ins Neue Testament für den griechischen Zeus als Pantokrator, später andere Gottesnamen oder christologischen Umschreibungen des Herrn (der herrlichen Ratio/Vernunft) eingeführt wurde.

Philo bittet die Polemik bittet zu entschuldigen. Doch wenn den Denkern seiner Zeit, die in philosophisch-vernünftiger Natur- und Kulturlehre das den Propheten gegeben, nun auch den Griechen geöffnete Wort/Bestimmung verstanden und darin den einen wahren Gottessohn oder Gesalbten (Messias), König im Stammbaum Davids sahen, weiter unterstellt wird, einen einzelnen Weisheitslehrer verherrlicht zu haben, dann ist er kaum mehr zu halten. Auch weil alle ernsthaften Versuche auf taube Ohren stießen, bittet er zu verstehen, wenn  bei der provokanten Polemik, die Anstoß geben soll, manchmal der „Gaul durchgeht“. Was ihn so rasend macht, ist jedoch nicht, die Wissensverweigerung, nach der die Geschichte auf den Kopf gestellt wird. Und so den kindlichen Vorstellung eines gutherzigen Weisheitslehrers zuliebe auch der seiner Zeit geltende Verstand der  Vernunft als Wort geopfert wird. Vielmehr weil es so versäumt wird, das lebendige Wort, den historischen Jesus, wie seine Bedeutung  in heutiger Welterklärung aufgeklärt zu verstehen. Damit die in Schöpfung begründete Vernunft und Weisheit, die vielfach politisch auch in der Kirche als ganzheitlich-ökologische Lebensweise, Weltvernunft… im überkommen Glaubensverständnis weitgehend vergeblich gepredigt wird, in den heute als Buchreligionen geltenden Kulturen im aufgeklärten Verständnis der der jeweiligen Wurzel wieder tiefgreifend bedeutend, bestimmend zu machen. Sie dann aufgeklärt weiter in den kulturbekannten Begriffen, Gestalten und alten Liedern zu besingen, um so auf mündige Weise, begeistert vom kreativen Lebensfluss und Kosmos (als schöpferischer Wirklichkeit und Bestimmung/Wort) in intrinsischer Verant-wort-ung und Friede Zukunft zu schaffen. Denn genau dafür stand aufgeklärten Juden Josua, lat. Jesus.

Sehr geehrter Herr Professor Peter Lampe,

durch  Ihre Vorlesung über das Selbstverständnis des historischen Jesus, der kein König der Juden, damit auch kein Gottes- oder Davidsohn, allenfalls ein einfacher Menschensohn war , haben sie wieder mehr als alle historische Kritik deutlich gemacht: Die heutige Hypothese vom historischen Jesus ist auch in exegetischer Weise unhaltbar geworden. Sie haben den Stein ins Rollen gebracht. Das Grab ist leer. Der historische Jesus  ist als Christus  aufgeklärt zu verstehen, lebt wirklich.

Denn mit ihrer Vorlesung über den historischen Jesus,  mit der sie nach eigenen Worten ihre Hörer „schockten“, haben sie nicht den Konkurs des christlichen Glaubensgrundes und gleichzeitig auch des biblischen Gotteswortes erklärt. Vielmehr haben Sie nur den Bankrott der buchstäblichen Lesart deutlich gemacht, nach der heute nur noch aus den synoptischen Evangelien  die Heilsprediger-Hypothese abgeleitet wird. So haben Sie den letzten Beweis gebracht: Das historische Wesen Jesus, von dem auch die Synoptiker handeln, war das schöpferische Wort (Logos). Wie wir die Vernunft in Folge Moses und der Funktion des dieses weltverbreitenden, die Geister vertreibenden Josua, in schöpferischer Wirklichkeit verstanden. Einer sinnvoll kreativen Wirklichkeit  allein Seins, die seit den Vorsokratikern in einer Vernunft verstanden wurde, nach der auch heute die Weltgeschichte in Evolution, wie der natürliche Lebensfluss als Öko-logie erklärt wird. Dieser Logos war es, womit auch die noch christlichen Kalife ihre Hoffnung auf einen „Goldene Zeit“, Leben in kulturellem Friede und schöpferischer Vernunft als gelobtes Land oder Basileia begründeten.

Statt den künftigen Theologen in Heidelberg ein „goldenes Silbernichts“ beizubringen, wäre es Ihre Aufgabe, Aufklärung über den historischen und damit auch heute lebendigen Jesus  zu betreiben. Ihre Hörer damit das uns maßgebende Schöpfungswort dort verstehen zu lassen, wo in den natur- und geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Verlauf der Welt- und Kulturgeschichte erklärt wird. Was für uns bekanntlich Josua, seit Hieronymus dann Jesus war, wie ihn Erasmus von Rotterdam statt der nomina sacra und Christologie-Umschreibungen einheitlich in den Text der Kultgeschichte unseres Neuen Testamentes einführte.

Was Sie „Negativresultate“  nannten, zeigt nur die wissenschaftliche Notwendigkeit, das echt historische Wesen Jesus in neuer Weise zu bedenken. Denn mehr als alle historische Kritik, die jeden Satz, jede Geschichte und Tat Jesus, von Geburt, über Wunder bis Tod und Auferstehung in alten mythischen Texten der Juden oder bei Mithras, Isis & Co. nachblättert, gar die historische Existenz Jesus abstreitet, zeigen alle Ihre Vorlesungen: Für den Kulturwandel, die Fülle an Texten, wie auch die Theologie der synoptischen Geschichten gab es einen guten Grund. Doch der kann kein junger Weisheitslehrer gewesen sein. Die Vernunft als Wort und damit Judenkönig in Funktion des Josua, lat. Jesus, hat historisch gewirkt und war das echt „geschichtliche“ Wesen.

Klaus Berger, der es ablehnte, über den uns geltenden Logos (in antiker Naturwissenschaft begründeter Kultur-/Vernunftlehre) als lebendiges Wort des Neuen Testamentes nachzudenken, den heutigen Hochschullehrern weiter einen göttlichen Heilsprediger beibrachte, beschimpft diese nach dessen logischer Verflachung heute als „Bibelfälscher“.

Die Geschichte von einem den Grund und Willen allen Seins offenbarenden jungen Weisheitslehrer war nicht falsch, sondern hat bis zur Aufklärung getragen und war gut so. Doch wenn ein antiker junger Jude heute keine Bedeutung mehr haben kann, wie Sie es ja auch belegen. Und wenn beispielsweise auch Berger nicht mehr ernst genommen wird, weil er auf mystische Weise all das bewahren will, was bisher die Jesus-Bücher füllte, aber Sie jetzt auch noch dem synoptischen Jesus aus der Hand nehmen, dann zeigt das nur: Die Zeit ist reif, neu über das nachzudenken, was historisch war und biblisch im Erbe der so erfüllten kulturellen Vorbilder bebildert wurde. Und das war eindeutig die im philosophischen Erkennen Moses verstandene Vernunft allen Werdens als in natürlicher Schöpfung begründete Bestimmung. Nur hiervon ging die neue Ethik aus, die über die Traditionsgesetzlichkeit überstieg, Tempel war, die Thora auf neue Beine stellte und den Griechen den bildlosen-prophetischen Kult, ein aufgeklärtes Hören ermöglichte.

Was hätte das, was ein antiker junger Religionsrebell, den Sie für historisch halten, über sich sagte, auch an einer geisteswissenschaftlichen Hochschule verloren. Ihre Aufgabe ist es doch nicht künftigen Theologen eine Märchenstunde über das Selbstverständnis eines antiken Heilspredigers zu halten. Durch das heute gegebene Wissen haben Sie die Chance und Aufgabe, in vernünftige Rede den unsagbaren schöpferischen Grund, was danach wesentlich war und ist (JHWH), wie die davon ausgehende Vernunftbestimmung (Wort Gottes) zu vermitteln. Selbst wenn ein junger Mann und nicht die Vernunft als Wort in kulturgerechter, so kreativer Person (Rolle/Aufgabe) gewesen wäre, was hätten dessen Aussagen zur Gesetzlichkeit der Pharisäer,  neuen ethischen Einstellungen, sein Selbstverständnis… im Hörsaal 1 der Neuen Hochschule in Heidelberg verloren? Mit dem „lebendigen Geist“, wie über der Eingangstür oder den Eingangsfolien zum Hochschulserver steht, in dem wir das den Propheten gegeben Wort verstanden, hat das nichts zu tun.

Aber Sie haben wieder mehr als deutlich gemacht, dass es auch in den synoptischen Evangelien nicht um einen rebellischen Besserwisser ging, den sie als historisch lehren. Denn wenn Sie in den bisherigen Vorlesungen die Wunder, Gleichnisse, Worte und Taten Jesus im Hinblick auf die Basileia (Für uns: Weltdemokratie mündiger Vernunft, gemeinsame Bestimmung/Wort) auslegten, haben Sie nicht aufgepasst oder sich selbst nicht ernst genommen. Oder Sie müssten konsequenter Weise all das, was die synoptischen Heilsprediger-Lieferanten ausmacht, als „nachösterlich“  abtun.  Wenn der junge Mann all das nicht war, was Sie vorher an theologischen Inhalten der Evangelien darlegten, dann wären auch die synoptischen Geschichten von A-Z eine hellenistische Aufmotzung. Für die Kritik eine Mogelpackung (Lug und Trug), um einen jungen Juden zum Hoffnungsträger philosophischer Sozialutopisten zu machen oder zur Manipulation der Masse. Doch um alles zum Hokus-Pokus zu machen, müsste man auch den bei uns im „denkenden Glauben“ entstandene Geisteswandel (wie der allerdings noch im alten Jesusbild gefangene Alttestamentler Otto Kaiser meine Biografie beschreibt), mit allen daraus entstandenen Texten ins Nirwana verbannen.

Auch wenn Sie sich oft auf mich beziehen und als Historiker bezeichnen, wenn Sie die bei uns entstandenen Kulttexte zerstückeln. Sie scheinen mit der realen Geschichte auf Kriegsfuß zu stehen. Der in Zeiten antiker Aufklärung gegebene neue jüdisch-hellenistische  Verstand, der die bisher nur Beschnitten als König geltende Bestimmung auch Griechen ermöglichte, das Neue Testament ausmacht, scheint Sie nicht zu interessieren.  Zwar lehren Sie das lukanische Doppelwerkt und damit auch die Apostelgeschichte als Werk hellenistischer Bildung. Doch scheinen Sie diese nicht wirklich ernst zu nehmen. Sie können daher die Konversion der Römer zum neuen Judentum nur in den Überredungskünsten eines angeblich durch Halluzinationen vor Damaskus gewendeten Sektenverfolgers begründen, der dann vom „Nachösterlichen“ schrieb. Die philosophisch- theologische Leistung jüdischer Aufklärung, die ein gewandeltes neues jüdisches Paradigma brachte, das sich gerade in Paulusliteratur ausdrückt, kommt dann nicht vor.

Was Sie den künftigen Theologen in Heidelberg als Selbstverständnis eines jungen Weisheitslehrers beibringen, macht mich betroffen. Nicht weil es lächerlich ist, in unserem Geist erwachsenen hellenistischen Gelehrten einen Weisheit verkündenden Wanderburschen unterstellen zu wollen, sondern weil Sie so den christlichen Glauben lächerlich machen.

Ein Glück (ohne das auch Ihre Vorlesung über den historischen Jesus nicht wäre), dass wir die Geschichte von Moses, der die Schafe seines Schwiegervaters in der Wüste hütete, als ihm die Stimme des Herrn in Engeln erschien, nicht ebenso wörtlich, sondern Moses als frühe Philosophie verstanden haben. Sich über das Selbstverständnis eines jungen Mannes Gedanken zu machen, das ist so historisch, wie wenn wir gefragt hätten: Wollte Moses überhaupt der Befreier von menschlichen Gottheiten und Bringer der frühen Vernunft-Gebote sein? So könnte man auch Vorlesungen darüber halten, welche Melodie Josua spielte, als er die Mauern von Jericho zum Einsturz brachte. Und wie viele Kinder und Frauen der Namensgeber Jesus in seiner mörderischer Landnahme abschlachtete, als er angeblich einen jüdischen Staat eroberte, wie es ihn bei den ewigen Exilanten nach archäologischer Erkenntnis weder bei David und Salomo, sondern wahrscheinlich erst nach dem zweiten Weltkrieg gab. Und ein Glück, dass nicht der Hirte des im griechischen Sinne die Weisheit personifizierenden Hermes in den Kanon aufgenommen wurde. Was bekanntlich in heftiger Diskussion stand. Ich stelle mir lebhaft vor, wie dann Ihre Vorlesung über dessen Selbstverständnis aussehen würde. Was würden Sie Ihren Studenten beibringen, wenn eine außerbiblische Jesusgeschichte, wie die Oden des Salomo (die eindeutig vom Wort/Vernunft allen Werdens handelt) in den Kanon aufgenommen worden wäre?

Der junge Guru kann zum heutigen Gottesverständnis nichts mehr beitragen. Er hat zum Schöpfungsverständnis bzw. einer gemeinsamen Bestimmung, damit auch zur schöpfungsgerechten Verhaltensweise nichts mehr zu sagen.

Doch auch die dem historischen Jesus vorausgehende kirchengeschichtliche Vorlesung über die Reformation machte erneut wieder deutlich, wie sich eine kulturelle Entwicklung vollzieht. Wie die sich auf unserer Schriften beziehende kirchliche Reform viele denkerischen Wurzeln hatte. Wie die Zeit alter Autorität um war, die Reform durch zahlreiche  Köpfe, um nur Luther, Melanchthon, Zwingli oder Erasmus von Rotterdam zu nennen, bewegt wurde. Und wie sich hier Denker auf hochtheologische Weise, ähnlich wie wir in Sachen Thora und Vernunft, theologisch über die Bedeutung der biblischen Aussagen allein in Sachen freier Wille, Gerechtigkeit durch Werke oder rechten Glaube, spirituelle oder vernünftige Auslegung, heftig stritten. Aber sie wollen sich mit der historischen Situation unserer Zeit und damit den vielfältigen Ursprüngen jüdischer Reform, die zum Neuen Testament führten, nicht befassen. Daher fällt ihnen auch nicht auf, wie kleinkariert und gottverlassen (völlig frei jeder kreativen Logik in der Kultur-Geschichte) die Hypothese vom heute völlig seiner königlichen Funktion entkleideten Wanderprediger ist.

Doch selbst wenn Sie sich als Schriftlehrer betätigen, kommen Sie nicht umhin, die uns als jetzt universal geltendes Wort, damit heilige Vernunft zu bedenken. Die durch unsere Aufklärungsarbeit dann auch den Griechen und Römern, die aus Vernunft dem Kaiser den Kult verweigerten, so als „Christen“ beschimpft wurden, heilige Bestimmung wurde.  Es ist unfassbar, wenn  Christoph Markschieß in „Christliche Gnosis“ oder „Die Gnosis“ alle Erkenntnislehren auflistet, die aus philosophischer Aufklärung hervorgingen. Und er dann deren Jesusgeschichten als eine übliche philosophische Ausdrucksweise der damals definierten Vernunft bezeichnet. Wie sie auch im Platonismus üblich gewesen wären. Dann aber unserer wahren Erkenntnis, die im Verstand Moses als frühe Philosophie, an das Alte Testament anknüpfte, einen jungen Mann als Thema ihrer Geschichten unterstellten will. Gleichwohl er doch weiß, dass auch den Denkern wie Justin, Origenes oder den anderen Kirchenvätern der Logos galt. Die dessen menschliche Ausdrucksweise nicht als Doketismus sahen, sondern von der Vernunft in menschlicher Gestalt als kreativem Wesen ausgingen. Ein Wesen, das erst Erasmus von Rotterdam einheitlich als Josua/Jesus übersetzte.

Dass daher nicht nur die gesamte apokryph-christliche Literatur, Johannes, sondern alle philosophischen, wie neujüdische Schriften unserer Zeit und damit auch die Synoptiker nicht von einem jungen Mann handeln, sondern von der in natürlicher Schöpfung begründeten Vernunft, die uns als Wort galt, ist nach heute gegebenem Wissen historischer, wie exegetischer Fakt. Und daher hat die Frage, ob ein junger Mann der David- oder Gottessohn sein wollte, sich als Messias sah, an einer Hochschule nichts verloren.

Pilatus bzw. den Römern mit ihrer Kreuzestafel jetzt die Schuld in die Schuhe zu schieben, dass man einen guten Jungen als neuen König der Juden, damit jedoch auch als die Ermöglichung der goldenen Zeit im weltgültigen Wort der Basileia ausgab, das schlägt dem Fass den Boden aus.

Die Vernunft, die wir als jetzt weltgültiges Wort verstanden und die so dann auch die Kultrolle der römischen Gottkaiser einnahm, die ihre Autorität nicht nur bei Nero verloren hatte, wo sich Senecas „Philosophenkaiser“ als Rohrkrepierer  erwies, war wahrer König der Juden. Daran gibt es nichts zu wackeln. Und zwar so, wie Sie es darstellten, ganz anders als es die traditionellen Juden erwarteten, nicht als der große politische Befreier, sondern der Versöhner der Kulturen in Vernunft:

Davidsohn:

Wie kommen Sie auf die absurde Idee, den neuen jüdischen König, die Verkörperung jüdischer, in Schöpfung begründeter Weisheit durch die Frage nach dem Selbstverständnis eines jungen Mannes aus den Texten herauszustreichen? Zumal ihnen bekannt ist, wie wir die Vernunftlehre als universal geltendes Wort dem Kaiserevangelium und den Göttermythen dies erfüllend gegenüberstellten.

Von wegen spätere Verherrlichungsrede, hellenistisch-christologische Einfärbung einer Heilspredigersekte, wie Sie dann Markus 12,35-37 als „nachösterlich“ abtun wollen. Und damit nicht nur den biblisch bebilderten jüdischen Stammbaum unseres Josua, sondern sämtliche Rede über das neue jüdische Weltkönigtum, nach dem sie vorher die syoptischen Texte deuten, völlig verwerfen.

Wenn Sie wie vielfach gebeten, auch nur einen kurzen Moment die Perspektive wechseln, nicht den gelernten jungen Mann, sondern die jüdischer Bildung der Zeit Jesus geltende Vernunft als Wort und Weisheit an den Anfang stellen würden, wüssten Sie um deren Bedeutung als Davidsohn.

Gerade das von mir vertretene Denken war es, das nicht nur wie der Marcionismus nur auf die Vernunft setzten, sondern in unserem bildhaften Verstand der alten Geschichten bereits in der Thora Moses eine wahre Philosophie am Werk sah. Und das so die Vernunft allen natürlichen Werdens aus dem Stamme Davids und nicht nur aus den Vorsokratikern ableitete.  Bei euch heute „Naturalismus“.

Gottessohn:

Wenn sie damit aufhören, nach dem Selbstverständnis eines landstreichenden Handwerksburschen zu fragen, der sich als Bibelwissenschaftler betätigte, wird ihnen auch klar, warum die Vernunft allen Werdens, wie sie die Philosophen in der Natur und Geschichte definierten, der wahre Gottessohn war. Da geht es nicht um einige Stellen bei Samuel oder den Psalmen, die auf einen jungen Mann übertragen wurden. Der war so wenig das Thema des Alten, wie der Texte des Neuen Testamentes.

Die Vernunft war es, die den alten Göttersöhnen ihre in Schöpfung begründete Autorität (Gottessöhne) streitig machte. Diese Vernunft war nicht das Kind des jüdischen Josef und keine menschlich-philosophische Erfindung, sondern schöpferisch bezeugt. Die Vernunft  war es, die in unvoreingenommen ausdrückender Weise, echt jungfräulich, als Wort zur Welt gebracht, so Fleisch  wurde.

Damit die Vernunft als Wort in der Realgeschichte antiker Aufklärung im Lauf der Zeit die Rolle der mythischen Göttersöhne und ihrer Mysterienkulte einnehmen konnte, musste  sie „das Kreuz“ auf sich nehmen. Nur so ist sie wahre Geschichte geworden und hat auch die Kultrolle der Göttersöhne eingenommen, in denen vormals verschiedene kreative Wesentlichkeiten verherrlicht und vom Kaiser repräsentiert wurden.

Wie kommen Sie daher auf die irrige Idee, ständig den Eindruck zu erwecken, dass es den Synoptikern nur um einen durch eine junge Frau geborenen Charismatiker gegangen wäre, der zum Gottessohn gemacht wurde, ohne dass er es war und wollte? Die Vernunft stand im philosophisch-monistischen Monotheismus als Zeus an der Spitze aller Göttersöhne. Wie auch wir Juden im hellenistischen Sinne die Vernunft dann als Wort definierten. Doch als Wort ging die Vernunft vom unsagbar, aber wesentlich sein werdenden Grund allen Seins (JHWH) aus, war in der zutreffenden Metapher der wahre eine Sohn. Zu dem sich nach unserer jüdischen Grenzöffnung auch die in antiker Aufklärung, dem Wandel von Mythos zum Logos, immer mehr ihrer menschlichen Götter müden Römer und Griechen bekannten. Die Vernunft als wahrer Sohn, nicht der von Ihnen vermittelte Guru, war auch Gegenpol zum römischen Kaiser. Durch die Vernunft war uns auch die Rolle (kulturelle Aufgabe in menschlicher  Gemeinschaft) der alten Gottheiten unserer jüdischen, wie griechischen Väter klar. Uns bewegte ein philosophisches Verständnis, das weit über die angeblich nur abgeschrieben alten Mythen hinausging.

Der mich bei ihrer Vorlesung einschmuggelnde Gasthörer, dem aufgrund der vielfachen historischen Kritik und dem Nachforschen in der alten Literatur bereits vor 30 Jahren klar war,  dass es in der biblischen Geschichte um den Logos als Wort ging, hat damals vom „Hahnenschrei“ geschrieben. Als der katholische Professor Sand den Titel „Gottessohn“ nur in alten Texten begründen wollte, wie das heute auch die Glaubenskritiker tun. Die in der biblischen Geschichte nur die Göttersöhne nachgestellt sehen wollen. Doch heute lässt sich erkennen, wie  die Vernunft nicht nur die Rolle/Aufgabe der Göttersöhne übernahm. Auch warum sie hierfür die kulturellen Kleider anziehen, das Erbe der jüdischen, wie griechisch-ägyptischen Vorbilder übernehmen musste, ist kultur-psychologisch klar.

Aber da Sie ein aufgeklärter Theologe sind, der sich auch mit dieser Thematik beschäftigt, brauche ich das nicht weiter auszuführen. Auch nicht, warum ein abstrakter Vernunftbegriff keine Bestimmung geben, nicht gefeiert, besungen oder geliebt werden kann, um so auch den Nächsten zu lieben und in Vernunft zu leben.

Gottesknecht:

Dass die Vernunft  als Knecht im „Dienst“ dessen stand oder stehen musste, was den Propheten unsagbar war, dürfte auch klar sein. Dies auf aber einen jungen Heilsprediger übertragen zu wollen, der mit prophetischem Anspruch auftrat, ohne die philosophische Neubegründung der Propheten zu bedenken, macht nur einen Hochstapler.

Bereits die alten Philosophen (Propheten) befreiten von der Königsherrschaft des Pharao. So entstand im sog. Exil, dem Weiterdenken der persischen Philosophie vom kreativen Ganzen (Zarathustra), wie ägyptisch-kosmologischer Theologie der Verstand des Wortes, das von einem unsagbaren Grund des Ganzen ausging: JHWH. Und in deren Fortsetzung verschaffte unsere Aufklärung, im Dienst des ewigen Wortes, wie dessen kreativen Grundes in Vernunft Weltgeltung. Mehr als bei den Vernunft-Philosophen, die weiter den Göttersöhnen opferten, auf philosophische Kaiser setzten, wurde in unserem bildlosen Kult die Vernunft selbst zur kulturell vertieften Bestimmung und damit der Lebensart früher Christen.

Und wie die Vernunft dem Grund allen Seins wie ein Knecht „dienen“ muss, statt selbstgerechte Wege menschlicher Gier und Kurzsicht zu gehen, zeigen selbst eure Ökoaktivisten. Die streiten zwar meist einen Sinn allen Seins ab, weil der bisher nur in der Bibel stand. Der Sie den aufgeklärten Verstand verweigern und so verhindert, dass auf begeisterte Weise im Dienst der gemeinsamen Schöpfung nicht nur Vernunft gepredigt, sondern bestimmend und gelebt wird.

Doch wo nach ihren Worten „Fehlanzeige“ wäre, zeigen Sie, wir es nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht ein Fehler ist, das Selbstverständnis eines jungen Weisheitslehrer darstellen zu wollen. Was ja auch in völligem Gegensatz zu allem anfänglichen Denken, der vielfältigen urchristlichen Bewegungen steht, die eindeutig vom Logos ausgingen. Auch wo man sich dann heftig stritt, auf welcher Weise die Vernunft als christliches Wesen im wahren Monotheismus zur Welt zu bringen war, ging es nicht um einen jungen Guru.9

Auch wenn sich die Schriftgelehrtheit der kreativen Logik in realer Kulturentwicklung verweigert, in der wir, ebenso wie im natürlichen Lebensfluss, das schöpferische Wort, damit die Funktion Jesus wahrgenommen haben. Es ist bekannter Fakt, wie wir das Alte Testament in Vernunft auf neue Beine stellten. Wie wir damit ein kulturübergreifendes Weltverständnis des Wortes und eine Demokratie erwarteten, in der die im Kult zum Kaiser gewordene Vernunft im Kopf des Volkes (als David- Gottessohnes) damit der Funktion des Menschensohnes herrscht.

So verlassen von jeder schöpferischer Wirklichkeit kann man doch gar nicht sein, dass man die bei uns zu beobachtende Geisteswende, die zum Neuen Testament und seiner Texte führte, völlig ausblendet und den Studenten das Selbstverständnis eines jungen Juden erklären will.

Sie wollen doch den Denkern unserer jüdischen Aufklärung, die in der Vernunft die weltgültige schöpferische Bestimmung eines bildlosen Kultes an Stelle vergeblicher Philosophenkaiser sahen, nicht unterstellen, nur Bla, Bla geschrieben zu haben? Einen jungen Mann, der nach ihrer „Fehlanzeige“ das alles gar nicht wollte oder war, märchenhaft in den hellenistisch-hebräischen Himmel eines Königtums vom weltgültigen Wort gehoben zu haben? Damit übertreffen Sie doch die Kritiker des Glaubens, die die Bibel als gestriges Märchenbuch längst zugeschlagen haben. Und damit  befeuern sie nicht nur alle, die das für gestunken und erlogen halten, um die Masse für kirchliche oder politische Zwecke zu manipulieren, sondern auch die, mittelalterliche religiöse Vorstellungen so benutzen.

Ihr Aufgabe als aufgeklärter Theologe wäre es, in Auswertung des heutigen Wissens den jungen Studenten beizubringen, warum es im Westen der wahre Dienst an der schöpferischen Wirklichkeit (Gottesknecht) war, dass Mutter Kirche die Vernunft als einen Gottessohn zur Welt brachte, während sie in den orientalischen Geschichten  als Wort eines Propheten zur Welt gebracht wurde. Heute wird doch immer deutlicher, wie nicht nur der Islam aus dem frühen Christentum erwachsen ist, sondern auch Kanon, wie Koran gemeinsame syro-armäische Wurzeln dort haben, wo die die philosophische Vernunft als Wort galt. (Allein die wurzelkritische Forschung über die Herkunft des Islam oder wie Jesus zu Mohammed wurde zeigt, wie das gemeinsame Wesen die Vernunft war. Auch wie die Uneinigkeit über deren Wesen und Ausdrucksweise zur Spaltung führte, wird unter www.jesus-lebt-wirklich.de deutlich gemacht.)

Denkern, denen bekanntlich der Logos galt, die Bezeichnung als Gottessohn ablehnten,  vom Sohn der Maria sprachen und das Kreuz ablehnten, ist so wenig zu unterstellen, nur einen  jungen Mann vor Augen gehabt, gar zu Mohammed nachweislich „umgemünzt“ zu haben, wie uns ein solcher Stuss zu unterstellen ist.  Wenn aber die Mutter des Isa (womit die Orientalen wahrscheinlich schon vor der Kirche unseren Josua aufgriffen), von philosophisch arbeitenden orientalischen Theologen auf messianischer Weise beschrieben wurde, als in der Bibel, zeigt sich allein daran: Es ist unhaltbar, den historischen Jesus als Sohn einer jungen Frau hinstellen zu wollen. Die Lösung heutiger, vom Nahen Osten ausgehender Probleme setzt Aufklärung voraus, die auf christlicher Seite, bei Ihnen beginnen muss.

Auch wenn durch Aufklärung über die Vernunft, wie sie heute auf Weltklima- und Friedenkonferenzen aus natürlicher Schöpfung abgeleitet wird, als ursprünglich gemeinsamer Glaubensgrund die Kämpfer nicht gleich die Waffen fallen lassen. Wer im Gebet um Frieden und Weltvernunft bittet, muss etwas tun. Der muss im Dienst der schöpferischen Wirklichkeit, die uns als Gottesknecht und Jesus galt, Aufklärung betreiben. Aufklärung, die dann weit über den christlichen Grund hinausgeht.

Menschensohn

Wie können Sie den an Daniel oder Henoch, damit Literatur unserer hellenistischen Aufklärung angelehnten Menschensohn der Synoptiker, nur als einen jungen Fresser und Säufer vermittelten, der im Gegensatz zu den Rabbinen jetzt auch mit Zöllner oder sonstigen Unreinen soff. Ich überlassen es Ihnen als Schriftwissenschaftler, in der in unserem aufgeklärten Geist entstanden hellenistischen Kultliteratur, wie dem apokryphen äthiopischen Henochbuch nachzublättern, ob deren Verfasser auch von einem Handwerker schrieben, der als lebenslustiger Heilsprediger mit Fremden tafelte. Oder ob es um das kollektive Hören ging, wie es in unserem Verstand der Vernunft als Wort nun in weltgültiger Aufklärung gegeben war und wie Sie es ja auch erklärten. Denn ohne unseren bildhaften Verstand der Thora, die der griechischen Übersetzung vorausging, wäre  für das  Neue Testamentes, das den Verstand des Wortes endgültig auch den Nichtbeschnittenen eröffnete, die Tür nicht geöffnet worden. Während in der Stoa, ähnlich wie bei den Vernunftpredigten eurer Zeit, den alten Gottesbilder geopfert und weiter auf den politischen Messias (Philosophenkaiser) gehofft wurde, haben wir im Verstand der Vernunft als Wort die menschliche Bestimmung, den Menschensohn gesehen. Der Sohn,  der zwar gleichen Wesen wie die schöpferischen Gottheiten der Väter war, war eindeutig die Vernunft allen Werdens. Die aber bei uns als eine Person (Rolle/Aufgabe) gesehen wurde, die nicht im Gegensatz zur Person des JHWH der Väter stand, sondern diese erklärte/offenbarte.

Wenn der Menschensohn für ganz Israel steht, dann ist das zu verstehen. Nur dass Israel nun nicht mehr nur die im Tempelkult religiös erwachsenen, beschnittenen Gesetzeshörige war, sondern sich das Judentum christlich der Welt eröffnete. Was durch unseren allegorisch-philosophischen Verstand prophetischer Tradition ermöglicht wurde. Der Menschensohn des Neuen Testamentes, der hörende Mensch, der in schöpferischer Vernunft und kulturellem Friede lebt, durch seinen jeweiligen aufgeklärten Kult befähigt wird, auf schöpferische Weise Zukunft in kreativer Gemeinschaf zu gestalten, war unsere Vision.

Der Menschensohn mag die Chiffre für die Person Jesus sein, seine Aufgabe/Funktion zum Ausdruck bringen. Doch mit Sicherheit hat kein historischer Heilsprediger aus den Nichtjuden, die bisher als Tiere ohne Verstand galten, Mithörer , Mitmenschen gemacht. Wer die ganze Welt zu Hörern machte, die Vernunft und Weisheit als schöpferische Bestimmung aufgeklärten Hellenisten, wie später den Franken und Germanen ermöglichte, war kein junger Mann. Die Vernunft in Funktion Josua, lat. Jesus hat sich in den synoptischen Texten in dritter Person zu Recht als Menschensohn bezeichnet.

Aber ein autodidaktisch ausgebildeten Handwerksbursche, der jetzt über die letzten Dinge sprach, das schöpferische Handeln in sich gesehen hätte, die Eschatologie in Person war, was soll der Quatsch?  Wenn Sie es nicht machen wollen wie Klaus Berger, der den heutigen Hochschullehrern einen jungen Heilsprediger vermittelte und jetzt kaum mehr ernst genommen wird, weil er weiter von dem in den höchsten Tönen und  Titeln schwärmt, ohne die Funktion erklären zu können. Dann müssen sie über die Vernunft nachdenken, in der sich die Eschatologie Jesus logisch erklärt.

Das Rätsel ist gelöst. Wenn Sie auch nur für einen Augenblick die Perspektive wechseln und von dem der uns als prophetisches Wort geltenden Vernunft das Neue Testament betrachten, wissen Sie, dass kein junger Guru auf gespensterhafte Weise das Recht umgedeutet hat oder gar das neue Recht war. Auch der von Ihnen dargestellte prophetische Anspruch, der 12er Kreis, die gesamte theologische Deutung und Bedeutung, die Autorität über die Thora und das letztgültige Gericht, lassen sich nur in der Vernunft erklären, die uns als Wort heilig war.

Auch wenn Freud noch nicht war. Uns als Geisteswissenschaftler war auch psychologisch klar, wie die Übernahme der Kult-vorbilder erst deren Erfüllung war, die Vernunft ihrer Rolle/Aufgabe gerecht werden musste, nur so Geschichte machen, kulturbestimmend werden konnte. Der erwartete und jetzt in Erfüllung gegangene Menschensohn, der über das alte Gesetz hinausging, die Kultfunktion des Kaisers und der Göttersöhne übernehmen konnte, war durch die Vernunft gegeben. Mit einem jungen Weisheitslehrer, der sich als Jude auch als Menschensohn bezeichnet hätte, kann das nichts zu tun haben. Wer jetzt als Menschensohn Herr über den Sabbat, damit die Kultfunktion, wie Herr des Rechtes war, das war die in Schöpfung begründete Ratio. Auch die Vergebung der Sünden, die Beseitigung des Abfalls von schöpferischer Wirklichkeit (die bei heutiger Schriftgelehrtheit wieder mehr als notwendig wäre), war durch Vernunft gegeben, die uns im aufgeklärten Verstand als Wort Bestimmung war.

Wann war Ostern?

Mit Ihrer ständigen Betonung, dass das alles „nachösterlich“ sei, scheinen sie gar nicht so falsch zu liegen. Nur stellt sich die Frage, was und wann Ostern war. Auf Ihre „nachösterliche“ Christologisierung eines Heilspredigers, bei der ich dann auch ins Spiel käme, lässt sich das hellenistische Judentum, das das NT hervorbrachte, nicht weiter vertrösten. Wann im Weiterdenken von Zarathustra wie ägyptischer Kosmotheologie  von Schöpfung in Schrift fassenden hebräischen Himmelsbeobachtern die prophetische Befreiung von alten Bildern bewirkt wurde, war „Exodus“. Und wann dann dieser alte Bund auf neue Beine gestellt, in aufgeklärtem grenzüberschreibenden Verstand erblühte, war „Auferstehung“.

Solange sie Ihre Hörer in Heidelberg  weiter im Glauben lassen, da sei ein junger Jude, der im Tempel randalierte, wegen Häresie oder aus römischer Angst vor Aufruhr zufällig vor Passah gehängt worden, ist keine Auferstehung. Doch die wird ihnen bereits von den Kritikern, die das Kreuz als ewiges Kultsymbol sehen und Tod und Auferstehung bei den Göttersagen nachblättern, gleichzeitig deutlich machen, wie es beim beschriebene großer Prozess  unmöglich um einen Wanderradikalen gegangen ist, widerlegt. Aber das war gestern. Die historische Kritik, die nur sagte, was nicht war, hat ihre Aufgabe erledigt. Heute ist Zeit, die Auferstehung dessen nachzuweisen, was im Prozess der Zeit in Diskussion stand, wem das Dach über dem Kopf von traditionellen Juden, wie selbst dem Kaiser und den Göttersöhnen weiter opfernden Vernunft-Philosophen verwehrt wurde.

Es hat in unserer Zeit auch bei den Römern Denker gegeben, die sich aus Vernunft weigerten, weiter den Göttersöhnen zu opfern. Die dafür als „Christen“  in den Tod gingen und denen mit 100proztentiger Sicherheit nicht der Glaube einen nachösterlich verherrlichten jungen Mann unterstellt werden kann. Doch wenn Sie weiterhin nur von einem jungen Besserwisser erzählen, der wegen seiner Ansichten in den Tod ging, dann im Geist seiner Sektenanhänger wiedererweckt wurde, machen Sie den christlichen Glauben, dem die Auferstehung als absolute Voraussetzung vorausgeht, zum Humbug. Kein Wunder, wenn bei dieser Art von „nachösterlicher Wahrheit“ die auch als Hellenisierung hingestellt wird, die Kritiker dann von Opium fürs Volk sprechen.

Bei historischer Betrachtung muss Auferstehung daher dort bedacht werden, wo von uns das bewirkt wurde, worum ich auch Sie anflehend erneut herzlich bitte: Im philosophisch-aufgeklärten Verstand der kulturellen Tradition, wie ihrer Texte. Wie es von uns in Alexandrien, aber auch in Syrien oder in Qumran bzw. Jerusalem praktiziert wurde und Voraussetzung für das Neue Testament, damit auch Ihrer Vorlesung über den historischen Jesus war. Wenn der nach Ihrer Sicht erst „nachösterlich“ zu all dem gemacht wurde, als was ihn jedoch die Synoptiker in ihrer als vorösterlich geltenden Geschichte vom angeblich historischen (Jesus) beschreiben, bisher die Jesusbücher und die Glaubensvorstellungen füllte, haben Sie den Stein ins Rollen gebracht. Sie lassen so sehen, wie das Grab leer, Jesus in aufgeklärter Weise zu verstehen ist.

Nach Ihrer Einführung über einen jungen Galiläer, den Sie dann als besonders schlauen Schriftgelehrten bei den Synoptikern lasen, haben sie diesem noch eine theologische Bedeutung zugebilligt:  Wie das über das Gesetz hinausgehende Recht, die Basileia…  (Was jedoch alles nur auf die Vernunft als lebendiges Wort verweist, nicht mit einem jungen Mann zu machen ist). Doch nun haben sie in ihrer Vorlesung über das Selbstverständnis eines nichtsnutzigen Wanderradikalen ohne jegliche Kultfunktion endgültig klar gemacht: Der war nicht das Thema, weder des von uns bewirkten Neuen Testamentes, noch das der Synoptiker.

Verweigerung gegebenen Wissens ist Gottesverweigerung

Heute ist bekannt, wie die gesamten urchristlichen Bewegungen, ebenso die urchristlichen Texte aus dem hellenistischen Judentum hervorgingen und damit in dem von mir bekannten Denken erwachsen sind. Und hier galt die Vernunft allen Werdens als lebendiges Wort. Was auch die Texte mehr als deutlich machen. Dieser Logos galt auch bei sämtlichen (philosophischen) Vordenkern der Kirche, die auch philosophisch über das Wesen der Vernunft diskutierte und für die deren menschlichen Ausdrucksweise kein Schein-,  sondern ein schöpferisches Wesen/eine Wirk-lichkeit war. Auch den neuplatonischen Herausgebern des Kanon, ebenso wie die  spätantike kosmologische Kaiserzeit, die den neuen jüdischen Bund zur Weltreligion machte, war die Vernunft heilig. Keinem dieser Denken unterstellt werden, der Sekte eines hellenisierten Heilsprediger aufgesessen zu sein. Erst nach dem mittelalterlichen Verfall der kirchlich-scholastischen Lehrautorität lehnte Luther auch deren Vernunft ab, galt der im Hellenismus beschriebene Christus als Gesetz, begründete so auch heutigen Humanismus. Auch die außerbiblischen Zeugnisse enthalten keine Hinweise auf einen jungen Heilsprediger. Vielmehr muss beispielsweise Tacitus, der bekanntlich vom Christus sprach, der der gute Junge doch angeblich gar nicht sein wollte, als Zeugnis für  die Vernunftbestimmung gewertet werden, die sich dem Kaiseropfer verweigerte. Daher ist es Missachtung des in Schöpfung gegebenen Wissens, weiter einen „nachösterlich“ aufgemöbelten Junghandwerker durch die Hochschule zu treiben. Der weder Christus, noch Wort sein wollte. Und der auch nicht der Grund einer das jüdische Gesetz übersteigenden sozialen antiken Verhaltenslehren war, auf die sich die Reform-Humanisten bezogen.  Die Vernunft und Weisheit als Christus war es, die dem römischen Kaiser das Recht streitig machte, damit von Tactius auch für den Brand in Rom verantwortlich gemacht wurde. Und wer Josephus, der auf eine andere Weise wir in Alexandrien nach einer Vernunftbegründung des jüdischen Kultes suchte, bei seinen zahlreichen Diskussionen mit Nichtjuden betrachtet, für den wird auch dieser außerbiblische Zeuge auf ganz andere Weise zum Zeuge der Vernunft als Josua. Wie allein die apologetischen Diskussionen des Josephus zeigen: Ein junger Weisheitslehrer war weder das Thema unserer Zeit und wäre noch wendiger die Lösung unserer Kulturprobleme gewesen.

Und wenn sich in einem jungen Mann weder die Fülle an neuen Texten, noch deren Theologie und noch weniger der Kulturwandel erklären lässt, wie er historisch war. Wie kommen Sie auf die absurde Idee, aus den synoptischen Texten hellenistischer Theologen, die die verschiedenen historischen Funktionen/Aufgaben (Personen) der  Vernunft der Zeit in sinnvoller Weise  beschreiben, dabei jetzt in einem Weisheitslehrer als Wort bebildern, nur einen besonders begabten Handwerksburschen herzuleiten, der im Tempel randalierte? (Was sich aber allein schon historisch nicht machen lässt.)

Wenn Sie  Ihre Hörern in Heidelberg weiter von einem historischen Heilsprediger erzählen, betreiben Sie nicht nur Märchenstunde, die selbst bei der Existenz eines jungen Mannes an der Hochschule des 3. Jahrtausends nichts verloren hätte. Und nicht nur weil Sie unsere Arbeit in antiker Aufklärung mit Füßen treten, ist dies ein Verbrechen an der Menschheit, wie deren schöpferischem Grund. Sondern weil Sie so verhindern, dass so die heute vielfach  rein politisch, grün oder sozial und auch in der Kirche beim guten Jungen vergeblich gepredigte Vernunft zur tief- und kulturübergreifenden Bestimmung wird, in intrinsische Verant-wort-ung nimmt.

Auch wenn ich mit den Anschuldigungen Anstoß geben will, in unserem Sinne wissenschaftliche Aufklärung zu betreiben.  Mir ist bewusst, dass Sie so wenig Betrug betreiben, wie die die traditionelle Auslegung der Thora vertretene Theologen unserer Zeit. Die bekanntlich die Vernunft als Wort in Versuchung führen wollten, ablehnten, verurteilten. Wer bei seinen bisherigen Glaubensvorstellungen, den gesamten Lehren und seine Forschungsarbeit von einem jungen Wanderprediger ausging, der im gesamten Betrieb wie ein Gesetz gilt, der kann kaum die Perspektive wechsel.

Doch im Sinne des ständigen Wandels, von dem in der kirchlichen Lehre so viel gesprochen wird und dessen auch textwissenschaftlicher Notwendigkeit, die sie  in der Vorlesung über das Selbstverständnis Jesus bei den Synoptikern mehr als deutlich machten, bitte ich Sie auch nur mal einen Moment die Perspektive zu wechseln. Damit den historischen Jesus aus dem von mir vertretenen philosophischen Judentums zu beleuchten, dem die Vernunft als Wort und Sohn galt. Damit das Neue Testament nicht nur als Verherrlichungsliteratur für religionsrebellischen Landstreicher zu lesen, sondern zu einer für Christen, Moslems, wie auch für moderne Heiden geltenden Vernunft-Bestimmung  in mündiger Vernant-WORT-ung beizutragen.