Der historische Jesus: das in Vernunftlehre lebendig Wort

Es ist ein Wahnsinn, wie heute der historische Jesus erforscht und vermittelt wird und was dann dabei herauskommt. Doch die Vorlesung über den "historischen Jesus" von Professor Peter Lampe an der Universität Heidelberg zeigte mehr als jede "buchstäblich" bleibende und so nur verneinende Kritik, die den Christus oder gar das biblische Wesen Jesus in Frage stellt, dass der dort beschriebe nicht nur lebte, sondern lebt. Denn wo heute Jesus steht, hat die Vernunftlehre antiker Aufklärung, nach der die anfängliche Naturwissenschaft alles Werden und menschliche Verhalten erklärte, dann als schöpferisches Wort verstanden wurde, den neuen Bund, das neue Testament bewirkt. An keiner Stelle der Texte und der Begründung ihrer  philosophischen Theologie im Sinne der Zeitenwende ist es um einen jungen Mann gegangen.

Gerade weil in der Vorlesung ein junger Mann das Thema war, der nach seiner grausamen Hinrichtung von seinen Freunden und dann der Kirche zu all dem gemacht wurde, was er gar nicht war und wollte, wurde der Stein vor dem Grab ins Rollen gebracht, ist Zeit des aufgeklärten Verstandes. Denn wenn, was nur logisch ist, der historisch Jesus sich auf einen verherrlichten jungen Mann beschränkt wird, dann zeigt das nur: Der junge Weisheitslehrer, der heute nur noch aus den synoptischen Evangelien abgeleitet wird, weil Johannes von der Weltvernunft handelt, auch die außerbiblischen Evangelien das Wort beschreiben und sich Paulus nicht für den historischen Jesus interessieren würden, der war nicht.

Nicht allein weil es hellenistischen Gebildeten, denen wir die Texte verdanken und die Moses als frühe Philosophie verstanden, völlig unmöglich zu unterstellen ist, einen jungen Wanderradikalen als neuen Moses und mehr gesehen und beschrieben zu haben. Oder sich wie die Kritik zeigt, die gesamten Jesus-Geschichten in alter Kultliteratur lesen lässt. Vielmehr machte die Vorlesung allein über die Bedeutung der vom historischen Jesus handelnden Synoptiker deutlich, dass all das, was die Geschichten, Wunder und Gleichnisse sagen, auf die Vernunft verweist, die als Wort, König der Juden, jetzt  weltgültig und damit der historische Jesus auch der synoptischen Geschichten war.

In den einzelnen Unterkapiteln, die nach den Vorlesungen entstanden, wendet sich auch Philo als Repräsentant des hellenistischen Judentums an Professor Peter Lampe, wie seine Kollegen. So bittet das philosophische Judentum des Hellenismus um ein aufgeklärtes Verständnis Jesus, wie er dort lebendig war und damit heute lebendig ist.