Die Weisheit einer Staatsform

in schöpferischem Recht –

ruft nach Reform

Wie die Vorlesung über die Entwicklung der Reformation, ebenso wie die sich anschließende Vorlesung über die Aussagen des historischen Jesus der Synoptiker zu Staat und Recht mehr als alle historische Kritik deutlich machten:  Das historische Wesen Jesus kann kein besonders schlauer junger Weisheitslehrer gewesen sein, wie es heute an den Hochschulen gelehrt wird. So wenig wie das schöpferische Wort, die im jüdischen Hellenismus geltende schöpferische Wirklichkeit und Bestimmung sich ursprünglich in Buch-staben begründete, kann es in der Geschichte um einen Guru gegangen sein, der als Wort und Weisheit galt oder  so hingestellt wurde. Der historische Jesus kann nach allem was uns heute an Wissen gegeben ist, nur die als schöpferisches Wort verstandene Vernunft und Weisheit selbst gewesen sein. Wie sie auch der Stoa zugrunde lag, sich jedoch im prophetischen Sinne, in schöpferischer Bestimmung (Wort) begründete und damit die Kultrolle des Königs  übernehmen konnte. Was in der  Person (kulturgerechten Rolle, Ausdrucksweise, wie sie Geschichte machte) die Funktion Josua, lateinisch Jesus hatte.

1.        Aufgabe der Religion in ewiger Reform: schöpferische Vernunft im Leben zu bewirken

Auch wenn der christliche Glaube viele Irrwege ging. Die im hellenistischen Judentum auf rationale neue Beine gestellte neuprophetische Religion war das Kulturmodell antiker Aufklärung, um die dem gesamten Denken maßgebende Vernunft/Logos im Volk zu vermitteln und damit bestimmend zur Welt zu bringen. So sollte  die in natürlicher Schöpfung begründete Weisheit in der Kultfunktion des jüdischen Königs/Wortes, gleichzeitig dem einen griechischen Sohn im Volk lebendig werden: Leben in Vernunft und kulturellem Friede, wofür Josua stand, lat. Jesus.

Es war die von hellenistischen  Juden aus schöpfeischer Wirklichkeit abgeleitete und verschriftete Weisheit als Gotteswort (hebr. Vernunft) und weder in antiker noch neuzeitlicher Reform  die Meinung oder Eingebung eines einzelnen Mannes, an dem  dann  auch zu Zeiten Luthers ganz unterschiedliche Reformations-Strömungen ihre Sicht von Recht und Staat  ableiteten und messen lassen wollten.

Heute brauchen wir uns weder auf  alte Gesetzestexte zu berufen, noch den Bauch oder auf mystische Weise nach einer spirituellen Wahrheit zu fragen. Nachdem die neuzeitliche Aufklärung die den hellenistisch-philosophischen Juden maßgebende schöpferische Wirklichkeit und was danach Recht ist, wieder in Gegenwart offenbart, ruft das Neue Testament nach Reform. In seinem Sinne ist die  in natürlicher Schöpfung begründete, auf Weltklima- wie Friedenskonferenzen oder bei der UN diskutierte Weisheit  wieder als  gemeinsame Bestimmung (ob Wille  Allahs oder Gotteswort) im Kult (ob Moschee oder Kirche) statt menschlicher Kaiser/Ideologien zu feiern. Um so in eigener Motivation  verant-wort-lich schöpferisch richtig, ganzheitlich ökologisch zu leben, Zukunft zu gestalten.

Meist sind es die Wege zur Verwirklichung, über die gestritten wird. Was Recht wäre, der Gesamtheit der Schöpfung, ökologisch gerecht wird, gemeinsame Zukunft schafft, statt vernichtet, ist weltweit weitgehend bewusst. Doch da nicht allein heutige Staatsführungen weit davon entfernt sind entfernt sind, sich in weltvernünftiger Weise zu verhalten, Amerikas Evangelikale einer postrationalen Führung zujubeln aber auch die angeblich Rationalen sich meist nur gegenseitige Vorhaltungen machen, ist mehr denn je nach einem intrinsisch maßgebenden Geist gemeinsamer Verant-wort-ung gefragt. 

Auch wenn heute die Frage nach dem Recht und der rechten Staatsform aktuell ist und diskutiert wird, käme keiner auf die absurde Idee, dass die Meinung aus dem Mund eines einzelnen Weisheitslehrers maßgebend wäre. Und noch weniger ist dies hellenistischen Juden zu unterstellen, die in der gesamten jüdischen Philosophie, in Platon, Demokrit & Co. gebildet und im bildlosen Kult erzogen waren, wo das in Schöpfung begründete Wort/die Weisheit der wahre König war, zu unterstellen, aus denen die biblischen Schriften erwuchsen.

Als die Gelehrten hellenistisch-jüdischer Aufklärung, die die Geschichten von einem noch lange nicht Josua oder gar Jesus genannten Erlöser verfassten, vom Wort sprachen, ging es nachweislich um  die in Nachfolge Moses nun natürlicher Schöpfung begründete Vernunft und Weisheit (Logos). Diese Weisheit (heute sagen wir z.B. Öko-logos, reden von Weltvernunft), sollte  im Weltprophetentum die Kultfunktion (weit mehr als ein Titel, der einem Guru angeheftet wurde) des römischen Kaisers übernehmen. In kultischer Verehrung der im Sinne der kulturellen Vor-bilder personifizierten Vernunft und Weisheit, statt menschlicher Gottkaiser und anderer Göttersöhne, wurden so die Geister des  alten Opferkultes, der Orakel oder Leberschau vertrieben. Was in gemeinschaftsbildender Bestimmung des erneuerten bildlosen Kultes (Neue Testament), zu einem Leben in Vernunft und kulturellem Friede einer Weltdemokratie führen sollte. Egal wie oft der Name gebraucht wurde: Dafür stand Josua, lat. Jesus. Und wer betrachtet, wie noch heute nur die menschlichen Köpfe bewegen, nicht die Lehren. Oder wie die Kultfunktion eines Königs ohne menschlichen Kopf nicht zu machen war, die aufgeklärten Engländer nach wie vor an Elisabeth ihr Herz hängen und auch bei den Wahlen rationaler Denker nicht Programme, sondern menschliche Persönlichkeiten entscheiden, der weiß um die Weisheit der antiken Ausdrucksweise. Da aber selbst gutmeinende weise menschliche Herrscher oder auf Gemeinnutz und Gestaltung von Zukunft angelegte Systeme nichts bewegen können, wenn dem Volk der Geist fehlt, zeigt sich einmal mehr die Aufgabe, die die Theologie hätte und heute im aufgeklärten Kult zu erfüllen ist.

Wir wissen aus dem Geschichtsunterricht, wie die griechischer Philosophie , an die die hellenistischen Juden und dann die Kirche anknüpfte, in langen philosophischen Debatten Recht und Saat nicht aus Baugefühlen oder zufälligen Ideologien, sondern dem kreativen Ganzen ableitete. Und so wenig sich Recht und Staat bei den sich aufs hellenistische Bibelwort berufenden Reformatoren oder den philosophischen Debatten neuzeitlicher Aufklärung (von Hegel,  dem marxistischen Fehlversuch…) aus den Meinungen eines einzelnen Mannes ergeben, ist es bei den entsprechenden Aussagen über das Verhältnis zur politischen Obrigkeit, die bei den Synoptikern der historische Jesus spricht, um die Eingebungen eines Wanderradikalen gegangen. Wenn der daher Lukas, Markus oder Matthäus weiter ein Wanderguru als eine in Schöpfung begründe Aussage in den Mund gelegt oder einfach ein Weisheitslehrer unterstellt wird, der alles etwas besser wusste. Dann ist  dies nicht nur gegen besseres Wissen, sondern ein Verbrechen an der Menschheit.

So wird nach naturwissenschaftlicher Aufklärung der christliche Glaube zum Opium fürs Volk oder gar bedeutungslosen  Irrsinn gemacht. Statt die in heute nur etwas wissenschaftlich erklärte natürliche Schöpfung begründete Weisheit, den Öko-logos, die Weltvernunft im aufgeklärten christlichen Kult im Kopf des Volkes ganzheitlich bestimmend zu machen.  Denn was ein Wanderradikaler zum Recht, zur rechten Staatsform oder Lebensweise sagte, das hätte im Hörsaal einer geisteswissenschaftlichen Hochschule nichts verloren.  Vielmehr wird so hier versäumt, das historische Wesen (die Vernunft und Weisheit) des christlichen Glauben in schöpferischer Wirklichkeit zu begründen. Um so wie die antiken jüdischen Weisheitslehre, die damit weit über die Stoa hinausging,  der Weisheit die Kultfunktion des messianischen Königs und einen Sohnes zu geben. Was weder mit dem säkular-sozialistischen Brüderlichkeits- Programm Marx,  Angelas Einsatz für Flüchtlinge als himmlischer Bote oder mit Obama als vergeblichem Messias zu machen war. Auch wenn sich dessen Nachfolger dann als moderner Nero erweist, so sind trifft die Schuld nicht die Staatsführer. Es wäre die Aufgabe der Theologie und des religiösen Kultes, die Weisheit im Kopf freier, mündiger, selbstverant-wort-licher Menschen zum bestimmenden König zu machen.

Die Vorlesung über die Etablierung und Pluralisierung der Reformation, damit auch der ganz Europa umfassenden Diskussion über das Recht und die Rolle der  politischen Obrigkeit ist ein weiteres kleines Beispiel. Selbst die Erkenntnisse, die wir heute über die Kulturdiskussion der Reformationszeit haben, machen mehr als deutlich:  Als in antiker Aufklärung die alten Obrigkeiten ihre in Schöpfung begründete Autorität verloren hatten. Da ist kein junger Guru aufgetreten, dessen Worte gelehrte Weisheitslehrer jüdischer Bildung jetzt als Maß aller Dinge der Welt verkünden wollten. Vielmehr wurde in Schöpfung begründe Weisheit, wie sie die Griechen vergeblich predigten oder in einem Philosophenkaiser verwirklichen wollten, als neue David zur Welt gebracht.

Wie kann aber denen, die dies denkerisch im Aufklärungsprozess der Zeit Jesus bewegten, die  hellenistische Ausschmückung  eines heilspredigenden Junghandwerkers zur Anbieterung an das Griechentum unterstellt werden? Wenn dann aber auch noch die die theologischen Inhalte und Ergebnisse, wie sie sich in diesem Aufklärungsprozess nachweisen lassen, aus dem Mund eines angeblich historischen Heilspredigers der Synoptiker kommen sollen, der für die Verfasser die schöpferische Gegenwart gewesen wäre, dann gibt es keine Zweifel mehr. Der junge Mann war nicht. Auch wer bei den Synoptikern spricht , war kein Weisheitslehrer als Guru, sondern die im Prozess der Zeit theologisch heiß diskutierte, denkerisch bewegte schöpferische Vernunft und Weisheit, die aller Welt zum König werden sollte.

2.       Prof. Christoph Strohm: Die Suche nach dem Staatsrecht der Reformationszeit

Die kirchengeschichtliche Vorlesung über die geistigen und gesellschaftlichen Umstände der Reform in noch im Mittelalter verhafteter Neuzeit, die aus vielfältigen Einflüssen, aus zahlreichen europäischen Denkern erwuchs, machte  mehr als deutlich: Bei der anschließenden Einführungsvorlesung über den historischen Jesus, der die Lösung in einer viel umfassenderen Reformation des rabbinischen Judentums und gleichzeitig römisch-griechischer Kultur gewesen sein soll. Und wo sich nach Verfall alter Autoritäten ein kulturübergreifender denkerischer Reformprozess  beobachten lässt. Der im hellenistischen Judentum philosophischer Aufklärung und Bildung sein Blüte fand. Da kann es sich unmöglich um einen jungen Guru als Lösung gehandelt haben.

Professor Strohm hatte bisher deutlich gemacht, dass er in der Kürze der Zeit nur einen kleinen Einblick geben könne, welche Rahmenbedingungen, politischen Akteure und Konstellationen oder geistigen Köpfe aus ganz Europa in die Reformation einflossen. Die letzte Vorlesung endete mit dem Einfluss des großen Universalgelehrten und Humanisten Melanchthon, den Luther auch als „seinen kleinen Griechen“ bezeichnete.  Doch nicht nur der Sturz der alten Autoritäten wurde nun ähnlich wie in der Antike zu beobachten, in einem umfassenden Denkprozess begründet. Auch die Suche nach der neuen nun verbindlichen Wahrheit entsprang nicht den heimlichen Eingebungen eines einzelnen Denkers, sondern einem umfassenden theologisch begründeten Denkprozess in Diskussion.

 Nachdem Professor Strohm bisher in hervorragender Weise deutlich gemacht hatte,  wie die Autorität der römischen Kirchenlehre aus vielfältigen Gründen um war und Luther hier gar den Antikristen am Werk sah, standen nun die zahlreichen radikalen Strömungen auf dem Programm, die aus der Reformation hervorgingen. Die sich nach dem Verfall der alten Autorität auf die Reformation Luthers beriefen und in theologischer Begründung durch zahlreiche Gebildete der Zeit, zu völlig absurd erscheinenden, aber hochtheologisch in der Bibel begründeten Lehren im Namen der Reformation führten. Gegen die sich dann Luther wehren musste.

Philo von Alexandrien, der mich nicht als Einzelgelehrter und Schriftsteller, sondern als Repräsentant des philosophisch gebildeten Judentums in Zeiten antiker Aufklärung und prophetischer Reform (damit in Echtzeit Jesus) in den Hörsaal 1 nach Heidelberg begleitet hatte, meldete sich bei mir zu Wort. Als er hörte, wie nach Verfall der römischen Autorität auch in der Reformationszeit wieder zahlreiche apokalyptischen Schwärmer, gewalttätige Sozialreformer, Antitrinitarier, weltabgewandte Spiritualisten als Täufer auftraten, konnte er sich kaum halten.  Das wäre ja beinahe wie zu seinen Zeiten gewesen, als die Antike nach dem Wandel vom Mythos zum Logos, damit dem Verfall alter Autoritäten, nach wahrer Erkenntnis suchte. Und  sich die jüdische Bildung, aus der das Alte erfüllende, Neue Testament, wie seine Texte erwuchsen, gegen zahlreiche falsche, weltverneinende oder die Thora ablehnende Gnosis zu wehren hatte.

Auch in seiner Zeit hätte es viele spirituelle Spinnereien gegeben, die völlig weltabgewandt denken und leben wollten und sich dabei auf Alte Testament beriefen. Gleichzeitig seien Lehren entstanden die im Sinne der Propheten nur noch die Vernunftlehre gelten lassen wollten, den Logos als Erlösergestalt in den Gegensatz zur Thora stellten und diese ablehnen eine Textsammlungen als ersten neutestamentlichen Kanon mit Evangelien und Paulustheologie herausgaben, die aus solchen Erkenntnislehren hervorgegangen war.

Doch während sich nicht nur die Humanisten, die Reformierten wie Luther, sondern selbst die als absurd gesehen Täufer und sonstige Bewegungen, wie sie Prof. Strom vorstellte, auf das biblische Wort beriefen, hätte in der Zeit Jesus die von ihm vertretene jüdische-hellenistische Bildung im philosophisch-aufgeklärten Verstand Moses das in der Thora gegebene Wort in gegenwärtiger Vernunft verstanden. Die schöpferische Wirklichkeit sei maßgebend, die philosophische Vernunft als das Moses gegebene Wort verstanden und so zum Neuen Testament, zu Kirche, Kanon und Koran geworden. 

Es würde hier zu weit führen, die vielfältigen, heute meist als urchristlich anerkannten Bewegungen aufzuführen. Aber wenn gar diesen teilweise heue absonderlich wirkenden Bewegungen, die ähnliche Jesusgeschichten verfassten, wie sie in hellenistisch-jüdischer Bildung im Namen Moses bzw. der Thora entstanden, unterstellt wird, die philosophische Vernunft zum Ausdruck gebracht zu haben. Wenn Christoph Markschies in „Gnosis und Christentum“ die bekannten antiken Strömungen auflistet, die ähnlich wie in Zeiten der Reformation erwuchsen und teilweise zu hochgeistigen Synthesen, wie dem Manichäismus, aber auch zu völlig vergeisterten weltabgewandten Vorstellungen führten. Und die ähnliche Lehren und Geschichten verfassten, wie die Synoptiker. Dann kann er doch nicht guten Gewissens die Geschichten dieser  Irrlehren (falschen, weltabgewandten, Moses verneinenden Erkenntnislehren) unterstelle, dass sie die Vernunft und Weisheit sprechen ließen, wie dies Literaturstil der Zeit war. Was auch im Platonismus die übliche Ausdrucksweise einer philosophischen Erkenntnis gewesen wäre. Und dann jedoch gleichzeitig der Erkenntnis, die sich  in Vernunft erklärter schöpferischer Wirklichkeit des aufgeklärt als Philosophie verstandenen Moses begründete, unterstellen wollen, einen jungen Mann als Maß aller Dinges gesehen oder ihn dazu gemacht zu haben.

Wer dem Judentum, das sich auf Suche nach Neubegründung des alten Bundes bekanntlich auf weisheitlicher Basis auch mit dem Recht und der Staatsform auseinandersetzte, im Rahmen der Weltaufklärung eine bildlose Demokratie mündiger Menschen mit der Weisheit in der Kult-Funktion des Königs erhoffte, einen jungen Mann  unterschieben will. Der für hellenistische Gelehrte jetzt plötzlich die  wahre Erkenntnis, die schöpferische Gegenwart der Propheten gewesen wäre. Der  betreibt nicht nur Irrlehre im Höchstmaß. Doch möglicherweise ist dies auch ein unbewusster Selbstschutz. Denn wenn das Ausmaß dieser Wissensverweigerung bewusst würde, wie so der christliche Glaube zum Schwachsinn wird, Säkularisierung, wie weiteren weltweitem mörderischen Aberglaube befördert, statt der Vernunft/Weisheit antiker Aufklärung wieder kulturgerecht zur königlichen Weltgeltung zu verhelfen, wie sollte der dann existieren?

Man muss sich allein die Reformationszeit vor Augen führen, wie auch hier in Bildung von zahlreichen Denkern, die sich dabei auf die Bibel beriefen, ein heute linker, weil radikal Flügel nach Verfall alter Autorität aus der Reformation erwuchs. Allein die gezeigte Folie aus Heinz Schillings Buch „Aufbruch und Krise“ mit dem bärigen spirituellen Täufer, der Geisterhandeln gegen alle Weltlichkeit stellte, auch das neue Diktat der Schrift ablehnte und die Gottesgebärerin seines persönlich mystisch-spirituellen Herzens sich gegen das Gedärm der schlangenhaften Erkenntnis wehrte, muss zu Denken geben. Nicht nur mit Blick auf die Antike, auch hinsichtlich heutiger weltweiter Pfingstbewegungen Täufer, die mehr Angst machen sollten, als aller islamistischer Terror, ruft dies nach Aufklärung.

Dass sich diese Reform-Denker sich auch auf Markion oder Arius beriefen, spricht Bände. Wenn Luther auch Zwingli in die Reihe derer stellte, die sich getreu der Bibel den Waffen verweigerten, gleichzeitig als Gefahr für die christliche Welt gesehen und wie Felix Manz als reformatorische Märtyrer ertränkt wurden, dann zeigt sich auch hier eine theologische Auseinandersetzung. Die nicht nur eine neue Beurteilung der christliche Geschichte verlangt, sondern so auch die im Mittelter gestellten, bis heute offenen Fragen beantworten muss und kann.

Die Taufe als Zeichen des Bundes, der bisher nur für Beschnittene galt, das alles war im hellenistischen Judentum philosophischer Aufklärung (auch über Moses als erste Philosophie, statt alten Mann) zum neuen Bund geworden und stand nach dem Verfall der folgenden römischen Kirchenautorität nun wieder in Diskussion.

Es  war sehr lehrreich zu erfahren, wie sich nicht allein in Karstadt, Münzer oder den Humanisten in ganz  Europa neue Propheten auftraten. Wie hier hochtheologische Diskussionen geführt wurden. Die bisher einem in Luthers Thesenanschlage erwachsenen Protestanten verborgen waren. Auch wenn der die „Reformierten“ kannte, aber beispielsweise die Täufer bisher als Absurdität jenseits theologischer Diskussion der Zeit sah. Die Einheit des Alten und Neuen Testamentes stand wieder selbst  bei diesen Denkern auf dem Programm. Die teilweise auch mit dem Tode bestraft wurden. Die in der Reformation erneut die Bilder stürmten, die Gewänder alter Autorität auch im Unterricht ablegen wollten, nach radikaler Reform riefen. Die selbst die Orgel oder die Marienstatuetten entfernten. Und die sich dabei auf biblische Texte beriefen. Die bekanntlich dort und dann entstanden, wo und wann die in Vernunft erklärte kreative Wirklichkeit das bestimmende Wort, der jüdische König war und später von römisch-katholischer Mutter als der eine Sohne zur Welt gebracht wurde.

So wurde es als Aufgabe der Obrigkeit eines sich auf biblische Askese berufenden Thomas Münzer gesehen,  die Mystik mit Gewalt als neue Autorität durchzusetzen. Auch wenn das Prof. Strohm bewusst nicht betonte: Selbst von der leiblichen Tötung aller Unchristen wurde dabei gesprochen. Und wenn der Staat seiner Aufgabe nicht nachkomme, dann wäre es in der „Endzeitlichen Scheidung“ die Aufgabe des Volkes, die Obrigkeit zu stürmen. Wie nur mit himmlischen Waffen antretenden, das Jesusbild mit Kreuz auf der Fahne mitführenden Bauernheeren niedergemetzelt wurden, wissen wir. Mit Gewalt lässt sich keine Gleichheit herstellen, kein Friede erzwingen, das war auch dem philosophischen Judentum klar.

Und wieder können wir daher auch das mit Aufstand der radikalen Juden gegen die Römer vergleichen. Während in der jüdischen Bildung, aus der das Neue Testament (nicht nur die Schriften) hervorging, in einer friedlichen denkerisch-aufgeklärten Synthese der verschiedenen Kult(ur)en und ihrer Urbilder eine neue, universale Form des Prophetentums gesucht wurde. Wie kann man dann auf die Schnapsidee kommen, dass Staatsrecht oder das Gottesreich der hellenistisch-jüdischen Bildung in Weltgültigkeit der Demokratie gleicher Menschen wäre nun von hellenistischen Gelehrten aus dem Mund eines jungen Mannes in Empfang genommen oder auf diesen wären von Lukas & Co. nur hellenistische Sozialvisionen übertragen worden. Das ist nur mit der Wirkung von Urbildern zu erklären, die eine Kultur tragen müssen, sich aber zu fest eingefressen haben.

Wahrscheinlich hätte sich auch der große Humanist Erasmus von Rotterdam, der den Josua des Gelehrten Lateinübersetzers der  Hellenisten-Bibel , Hieronymus aufgriff, statt der alten Gottesnamen und Christologie-Umschreibungen entsprechend der antiken Weisheitslehre  einheitlich von Josua, damit Jesus schrieb, nicht träumen lassen, wie jetzt daraus ein Handwerksbursche mit zufälligem Namen Jesus wurde. Für Luther, für den Erasmus die Vorlage lieferte, war Christus gesetzt. Er hat dann durch die Absolut-Setzung der Schrift vor der totalen Verwilderung bewahrt, die Ethik der Kultur begründet, die Aufklärung ermöglicht. Bis dorthin galt Jesus Christus, war gut so und hat in Kultur getragen.

Doch wenn daraus ein nur hellenistisch aufgemotzter (heute meist gutherziger) Landstreicher als Weisheitslehrer wurde, dessen Worte nur noch der christlich erwachsene Heiner Geißler mehr als Gott ernst nimmt. Sicher auch, weil er sich als Politrebellen ins Neue Testament projiziert. Dann wird es höchste Zeit aufgeklärt weiterzudenken und den jungen Mann in Frage zu stellen. Dass die Bergpredigt die Menschen geprägt, die Kulturgeschichte ermöglicht hat, ist auch dem bekennenden Atheisten Gregor Gysi klar, der bei einer Rede zum Reformationsjubiläum  in der Speyerer Gedächtniskirche daher sagte, dass er Angst vor einer gottlose Zeit hätte. Doch unabhängig davon, dass Gysi mit dem philosophisch bedachten schöpferischen Grund, der den hellenistisch gebildeten Juden im Sinne JHWH galt, keine Probleme gehabt hätte. Weil der Sozialist ja auch eine klare Vorstellung von dem hat, was schöpferisch wesentlich war und sein wird. Die biblische Bergpredigt wird den Geist der Gesellschaft von Morgen nicht mehr bestimmen, kein Maß für die Weltpolitik sein. Aufgabe der Theologie ist es zu fragen, welcher Geist, welches Bewusstsein in Zeiten antiker Aufklärung dem jüdischen Hellenismus und damit der Predigt vom neuen Berg zugrunde lag. Statt einen Heilsprediger zu opfern, dessen Worte jetzt statt rabbinische Gesetzlichkeit die neue Thora gewesen wären. 

Einem denkenden Glauben der hellenistischen Bildung, die nicht nur Moses im aufgeklärten Verstand auferstehen uns sprechen ließ, sondern auch in den Texten dieses Neuen Testamentes von der Vernunft als Wort sprach, das sie im nun universal geltenden Judenkönig im Stammbaum Davids zur Welt brachte. Dem lag keine mystische Erkenntnis des spirituelle Bauches oder Herzens zugrunde. Es war die schöpferische Wirklichkeit, wie sie in zahlreichen Modellen griechischer Natur- und Geisteswissenschaft bedacht wurde. Selbst am Ausgang des Mittelalters, wo eine große theologische Diskussion zahlreicher gelehrter Köpfe vorgestellt wird, war nicht der Geistesblitz eines Gurus, sondern wurde nach dem wahren Gotteswort gefragt. Noch weit weniger lässt sich daher den das prophetische Wort in antiker Aufklärung neu begründenden Gelehrten des hellenistischen Judentums unterstellen, die schlauen Sprüche eines einzelnen Propheten vom See Genezareth als neues Staatsrecht gesehen und ausgegeben zu haben.

So wird in der noch weitgehend im Mittelalter steckenden Reformation eine hochtheologische Debatte von engagierten Bildungsbürgern bestätigt, die nicht einfach als fromme Schwärmer abgetan werden können. Die  aber wie die falschen urchristlichen Erkenntnislehren der Antike die kreatürliche Leiblichkeit ablehnten und damit einen neuen Dualismus oder den Zweifel den der Güte des einen kreativen Grundes aufwarfen, das positiven Schöpfungsverständnis in Frage stellten. Wozu selbst Zwingli zu rechnen ist. Und die sich dabei auch in ihrer Ablehnung der Leibeigenschaft, der Begründung der Holznutzung für alle oder dem ungerechtfertigtem Zehnten wie Luther auf die Bibel beriefen. Die wie Luther bei Eck hinsichtlich seiner Thesen verlangten, dass man ihre Argumente aufgrund der Bibel widerlegen solle und wenn dies gelänge, sie davon abrücken wollten.

Doch jetzt den hellenistischen-jüdischen Gelehrten, in deren Zeit ähnliche, jetzt neu auflebende Debatten geführt wurden, zu unterstellen, sie hätten zwar in Fortführung der griechischen Philosophenschulen die schöpferische Wirklichkeit  und Bestimmung in Vernunft erklärt. Dann allerdings  hätten sie die Seiten gewechselt und einen rebellischen Weisheitslehrer, der sich im Selbststudium ausgebildet hatte und große Töne spuckend um den See Genezareth zog, theologisch zum König machen wollen. Das ist der glatte Wahnsinn.

Was hellenistische Juden, für die der nun in frühen naturphilosophischen Vernunftmodellen erklärte Kosmos der neue Tempel war, im aufgeklärten Verstand Moses als maßgebendes Wort verstanden wissen wir. Was sie verschrifteten, als den Messias und einen Sohn sahen, den sie auf eine so kreative Weise zur Welt brachten, so dass er über die Irrlehren des in den Mythos zurückgefallenen Mittelalters tragend in Schriftform bis zur neuzeitlichen Aufklärung führte, wissen wir auch: Es war die in natürlicher Schöpfungswirklichkeit begründete Vernunft, wie sie heute wieder gepredigt wird. Dieser wurde im aufklärten Verstand Moses, wie auch der geerbt und so erfüllenden griechischen Vorbilder/-geschichten, zur kulturellen Bedeutung, ganzheitlich-inneren Bestimmung verholfen.

Die Frage von Prof. Strohm „wie wollen Sie die den ganzen Umbruch der Antike erklären“ erübrigt sich. Mit einem junge Mann ganz sicher nicht. Nur mit dem historischen Jesus: Dem in Vernunft nun aufgeklärt und universal für alle gültigen Wort in der Funktion des Moses folgenden Josua. Der Gottesbilder und die Geister vertrieb, im Kult die Funktion des Gottkönigs übernahm und so die Hoffnung auf Goldene Zeit als gelobtes Land war. Mit dem angeblichen jungen Mann, dessen schlauen Sprüche der Grund von Weisheitslehren gewesen sein sollen, was den Studenten allen Ernstes weiter als antikes Maß aller Dinge, auch noch maßgebend für das Staatsrecht beigebracht wird, wäre weder in antiker Hochzivilisation, noch ist heute Recht und Staat zu machen.

 

3.       Prof. Peter Lampe: Jesus und der Staat

Wenn Prof. Lampe die jungen Hörer, künftige Theologen oder Religionslehrer dann im Glauben lässt, da hätte ein junger Galiläer (egal wie der gestrickt war) gesprochen, dann ist das ein Verbrechen gegenüber dem christlichen Glauben, dessen Wurzeln, wie der gesamten Welt.  Denn so wird versäumt, nicht nur den christlichen Glauben in Vernunft zu begründen. Vielmehr kommt die Theologie so ihrer Aufgabe nicht nach, die Vernunft, die auf Weltkonferenzen, ähnlich wie in der Stoa vergeblich gepredigt wird, im Sinne der hellnisten Juden des Neuen Testamentes in der Kult-Funktion eines Königs wirken zu lassen.

Dabei macht er schon in der Antwort auf die erste Frage schon klar, dass die Weisheit der Zeit und kein siebenschlauer Galiläer gesprochen hat.  Denn wenn Paulus in seiner Rede über das Verhältnis zur staatlichen Obrigkeit vom Hellenismus geprägt war. Dann Lukas von einem Staatsverständnis ausging, das nicht mehr so positiv war. Das nach dem jüdischen Krieg oder Nero und der Juden-, wie Christenverfolgung schrieb. Dann hat auch bei Lukas die in der geschichtlichen/schöpferischen Wirklichkeit begründete Weisheit der Zeit gesprochen.

Da war kein junger Mann, der große Reden schwang. Wenn aber die Paulus-Literatur der Erkenntnislehren, die bereits Marcion aufgriff, ein anderes Staatsbild als Lukas zeichneten, dann ist das gut zu erklären.  Dazwischen lag die Erfahrung der Zeit und unterschiedliche Perspektiven. Mit einem schriftgelehrten Handwerksburschen, der in seiner Staatsphilosophie gar die Apologie Sokrates oder sonstige philosophische Erkenntnis aufgriffen hätte, wie sie auch die Bildung des hellenistische Judentums seiner Zeit wälzte, hatte das nicht das Geringste zu tun .

Man denkt im falschen Film zu sitzen, wenn dann ein junger Student, dem so sein Lehrer jeden künftigen Zweifel nimmt, fragt, ob der gute Junge vom See Genezareth eine neue Theokratie einführen wollte. Allein mit Blick auf den Terror hinsichtlich einer Theokratie im prophetischen Namen Mohammeds müsste man schnellsten stoppen. Dabei macht der Professor mit jedem Satz über die theologischen, dann auch denkerischen Hintergründe mehr als deutlich: Bei den Aussagen Jesus, wie er sie in der Vorlesung über den „Historischen Jesus“ bei den Synoptikern nachblättert, kann es unmöglich um einen noch so schlauen jungen Juden der Zeit gegangen sein. Wo das grenzüberschreitende, nun auch Griechen offene Schöpfungsverständnis (damit das was wir Gottesverständnis nennen) zum gewaltlosen Widerstand gegen das Alte führte, wie es auch Luther, der dabei neben dem Neuen Testament gar alte Naturrechtsüberlegungen einbrachte, war aufgeklärte jüdische Bildung am Werk.  

Lukas hat die in schöpferischer Gegenwart begründe Weisheit seiner Zeit sprechen lassen. Aufgabe der Theologen wäre es, diese vernünftige Rede von schöpferisch begründeter Bestimmung/Wort, auch im Hinblick auf das Staatsrecht und gleichzeitig zeitgemäß zu besingende schöpferische Bestimmung auf Heute zu übertragen. Dabei wäre sicher auch deutlich zu machen, wie Platons Philosophenkönig bei Senecas Schüler Nero ebenso scheiterte, wie ein moderner  Messias weder mit dem Marxismus, noch mit Obama zu machen war. Wie die von Schöpfung ausgehende Vernunft und Weisheit auch in der Liebe gegenüber ihrem Grund, oder dem, vom dem ausgeht, was im kreativen Sinne wesentlich war und sein wird, im Kult gefeiert werden muss, um gemeinsam schöpfungsgerecht zu leben.

Doch solange die Studenten im Aberglaube gelassen werden, hellenistische Gelehrte, die im in Vernunft erklärten Kosmos nun den wahren Tempel sahen, wären zu einem Guru übergelaufen, hätten bei einem jungen im Tempel randalierenden Rebellen nur etwas übertrieben, als sie ihn dann als wahren Tempel und Weisheit hinstellten, muss die Aufklärung noch warten. Doch wer im alten Tempel, mit allem Opferkult aufräumte, ist bekannt. Die alte historische Kritik, die jeden Satz und jede Geschichte in alten jüdischen und griechischen Mythen nachblättert oder ihre banalhistorische Unhaltbarkeit bedenkt, hat ihre Aufgabe erfüllt.  Es ist die Theologielehre selbst, die nachweist, dass kein junger Guru, sondern die Vernunft/Weisheit in Person war. Die im Kult auf den Spuren Davids (wozu auch die Literatur, das Singen und Beten gehört) jenseits aller Opfer in intrinsischer Motivation zum König  gemacht werden müsste.

Philo von Alexandrien, der bei allen bisherigen Vorlesungen über die Theologie des historischen Jesus mithörte und mir ständig beibrachte, wie das alles das Thema der jüdischen Aufklärung seiner Zeit war, ist dann ganz wild geworden, als auch noch das Gottesbild eines jungen Gurus als Weltherrscher herangezogen wurde.

Was Professor Lampe im Weitdenken Bultmanns, dem es eh nicht um einen historischen jungen Mann ging, aus den Worten eines Wanderradikalen ableiten will, von denen hellenistische Gebildete berichteten, hat Philo wieder laut aufschreien lassen. Was haben die Gottesgedanken (was immer das auch sein sollen) eines antiken Guru im Hörsaal in Heidelberg verloren, wenn die in Schöpfung begründete Weisheit nicht bedacht wird, die in seiner Zeit maßgebend war?

Wenn die Existenz eines  schöpferischen Grundes dem antiken Denken nicht in Frage gestanden hat, dann war auch das die Denkleistung der jüdischen Bildung. Die sich auch mit dualistischen Vorstellungen stritt. Und die noch längst bevor selbst der Sinn des Blinddarmes, der Tsunamis auslösenden Erdlattenverschiebungen oder auch Leid auslösender Menschlicher Gefühle und Eigenschaften im kreativen Geschehen begründet waren, von der Güte des Einen sprach, Hiob hinter sich ließ.

Ja, damals wurde keine Dogmatik betrieben, sondern die Weisheit aus schöpferischer Realität abgeleitet, wie sie auch heute wieder gegenwärtig ist.  Wer sich von der formelhaften Sprache der Rabbinen über Gott abhob, kein Ersatzbegriffe gebraucht, war kein junger Guru. Das Verdienst Lukas war es sicher, in einfacher Weise vom Vater aller Vernunft zu sprechen, als dem Grund, vom dem das Wort/alle Bestimmung ausging. Dem der gibt und geben verlangt, damit gegeben wird.

Und auch wie sich das aufgeklärte Judentum, das die Gotteshilfe in der Hilfe des Arztes oder des medizinischen Fortschrittes sah, mit menschlichen Attributen über den Grund aller Kreativität, der Beschreibung dessen Wesen zurückhielt, dürfte klar sein. Aber um Himmels Willen: Hier ist es doch nicht um die Gottesgedanken eines arbeitsscheuen, trinkfesten Heilspredigers gegangen, der jetzt auch mit Heiden und sonstigen Unreinen soff. Wer für jüdisch-hellenistische Aufklärer jetzt das jüdische Wort, selbst für Pilatus bzw. dann die konvertierenden Römer der wahre jüdische König war, war kein noch großem Prozess hingerichteter häretischer Landstreicher, der im Geist seiner Anhänger wiedererwachte: Wer von der jüdischen Tradition, ebenso wie dem bedrohten Kaiserkult verurteilt wurde, war kein junger Rebell, sondern der wahre eine Sohn, die so auch Griechen zur Bestimmung werdende Vernunft, die das Leid ihrer kulturgerechten Rolle ertrug, um im aufgeklärten Verstand des Alten (Auferstehung) zu wirken.

Wo damit wie dargelegt das Gottesreich der Erklärung der Welt nach bereits angebrochen, in seiner Verwirklichung jedoch Zukunft war, wissen wir:  Das war pure jüdische Bildung, die in Folge Moses weit über die götterhörigen Philosophen, die noch lange Zeit an ihrem zweibeinigen Kultkönig hingen, hinausging. Auf zeitgemäße Weise, damit auch dem Wissen um die psychologische Funktion und neurologische Beschaffenheit des Kopfes deutlich zu machen, wo auch heute der Mehrwert des christlichen Kultes gegenüber den lieblosen, so meist vergeblichen Vernunftpredigten des modernen Zeigefingers der Moderne liegt, das wäre Stoff für Heidelberg. Den Zeigefinger auch in der Kirche im Namen eines jungen Guru zu erheben, ist nicht nur Zeit- und Geld- sondern Verschwendung geistigen Vermögens.

Wer nicht bedenken will, wie die einfache Ausdrucksweise des Lukas, der vom „Vater“ aller Vernunft spricht, dem Grund aller Bestimmung, sondern seinen Studenten beibringt, dass es  hier ums das intime Gottesverständnis (was immer das auch sein soll) eines galiläischen Guru ging, das allenfalls hellenistisch verbessert wurde, der versündigt sich nicht nur an der Bildung.

Wenn sich zum „Vater“ unser kaum Vergleiche im Alten Testament finden, dann ist es nicht um das Geschwätz eines hellenisierten Guru gegangen, der sich jetzt plötzlich als Sohn des Unsagbaren vorstellte, dem auch alles übrige Sein zu verdanken war. Der Vater, der in den Gleichnissen die Gottesbeziehung des Sohnes deutlich macht, lässt sich sicher auch nicht einfach auf Zeus zurückführen, der im griechisch-römischen philosophisch begründeten Monotheismus als Vater an der Kultspitze aller Söhne stand, die bisher verschiedene kreativen Wesentlichkeiten (incl. dem König) verkörperten. Wobei allein das zu wissen und dann auch noch gleichzeitig die Namen des Erlösers in griechischen Urbeangentexten zu bedenken, müsste die heutige Heilsprediger-Hypothese völlig lächerlich macht.

Die philosophisch bedachte schöpferische  Anwesenheit in der Welt, die Hilfe im Namen Josua, wie sie in jüdischer Bildung bedacht wurde, zeigt sich in allen Gleichnissen und Wundern. Das neue Bewusstsein dessen, der den alten Bund ausmachte, wurde im aufgeklärten Verstand Moses bedacht, so das Neue Testament bewirkt, daran führt kein Weg vorbei.

Wer seine Studenten im Glauben lässt, das „Vater unser“ wäre einem jungen Juden nachgeplappert oder in den Mund worden, bewirkt Aberglaube, wie er dann auch mörderische Folgen hat, statt im gemeinsamen Verstand zu kulturellem Friede führt. Dabei müsste dem Professor, der in der in der alle zwei Wochen stattfindenden Donnerstagsvorlesung gerade Lukasverse bespricht, währen dies geschrieben wird, klar sein, was er ja auch sonst bei Lukas nachweist: Die Verse, die er am Mittwoch zu lesen aufgab, sind so wenig wie das „Vater unser“ die Mitschnitte eines jungen Mannes, der große Reden schwang. Die Unterstellung, dass aufgeklärte Juden, die ihre Weisheit aus schöpferischer Gegenwart ableiteten die Weisheitssprüche eines zweibeinigen Gottes gesammelt und daraus Geschichten geformt hätten, ist sträflicher Schwachsinn. Die Quelle der Logien, die nach der Quellentheorie dem Neuen Testament zugrunde liegen, ist heute im hellenistischen Judentum einsehbar. Auch jeder Satz von Markus als ältester biblischer Jesusgeschichte, die andere Synoptiker nutzen, lässt sich hier ebenso belegen, wie alle Erkenntnislehren, die als urchristlich hieraus hervorgingen.

Wer allein Lukas 11 liest, dem wird doch mehr als klar: Der hellenistische Gelehrten, der dort aufwuchs, wo dieser Stoff denkerisch bearbeitet wurde, hat hier unmöglich die Geschichte oder wörtliche Rede eines jungen Wanderradikalen beschrieben, zu dem er jetzt plötzlich überlief.

Wenn niemand mehr biblischen Aussagen wie Lukas ernst nimmt, dies als Märchenstunde von der modernen Welt abgetan wird, dann geht das ebenso auf das Konto der heutigen Theologielehre, die sich dem  Denken jüdischer Aufklärung verweigert, wie vieles, was im Namen gestriger Glaubensvorstellungen auch auf mörderische Weise geschieht. Wo man sich dabei auf alte Schriften oder Gründergesten berufet, die aufgeklärt – auch in ihrer kreativen Fleischwerdung/Ausdrucksweise die Geschichte machte  - in der Aufklärung des philosophischen Judentums zu bedenken wären.

Wenn Prof. Lampe in seiner Vorlesung über „Athen und Jerusalem – antike Bildung in frühchristlichen Erzählungen“ untersucht, wie im Lukanischen Doppelwerk hellenistisches Gedankengut verbarbeitet und im entsprechenden Literaturstil zur Sprache gebracht wurde. Dann kann er doch nicht allen Ernstes seine Studenten weiter im Glauben lassen, diesem Hellenisten wäre es dabei um einen jungen Guru gegangen, der jetzt von seinem persönlichen Gottesverhältnis schwärmt und den sie nur hochleben ließen, um ihn den Griechen schmackhaft zu machen.

Was sollen alle Unterstellungen, dass Gebildete und sozial Arrivierte im Lukastext und der Apostelgeschichte die judeo-christliche Tradition neu, in zahlreichen Reminiszenzen an hellenistische Bildung eingestreut haben, Paulus unterschwellig zum zweiten Sokrates wurde? Wenn dann weiter die Hörer der Heidelberger Hochschule im Glauben an einen junge hochgestapelten Heilsprediger gelassen werden, ohne die jüdische Bildung der Zeit bedenken zu wollen, für die im aufgeklärten Verständnis Moses die Vernunft das Wort war, das sie auch Hellenisten kulturgerecht vermitteln mussten. Da sollte man den Laden besser dicht machten.

Wo vermutet wird, wie Lukas die athenische Eule im Kreuz nisten lies, die Weihnachtsgeschichte in der Hirtendichtung der Zeit assoziiert wird und Sprachgut das sich bei dem griechischen Strategen und Geschichtschreiber Thukydides findet, der sich über die Natur des Menschen und dessen Handeln Gedanken machte, auf der Suche nach der wahren Lebensweise war. Da kann man doch nicht einfach unterstellen, sozialutopische Träume der Griechen wären einem jungen Guru in den Mund gelegt worden. Vielmehr  wäre es Aufgabe aufgeklärter Theologie deutlich zu machen, wie der griechischen Vernunft als kultureller schöpferischer Bestimmung (Wort) und gleichzeitig der Liebe zu deren Grund in hellenistisch-jüdischer Aufklärung, die sich auch mit die psychologische Beschaffenheit des Kopfes, gar die Neurologie des menschlichen Handelns Gedanken machte, im Neuen Testament (letztlich auch dem Text) der Weg geöffnet wurde.

Der nahe Gott, besser der philosophisch bedachte schöpferische Grund des Ganzen, von dem alle Ethik oder die Gottesherrschaft ausging, war im aufgeklärten Judentum der Zeit Jesus lebendig. Egal ob dabei von Josua gesprochen wurde. Wo der Weltrichter jetzt gegenwärtig war, ein Rechtsgrund gegeben war, der über den der Stoa hinausging, da muss die jüdische Bildung betrachtet werden. Da macht es keinen Sinn, sich auf einen Wanderprediger beziehen zu wollen, der jetzt zum Weltkönig erhoben wurde. Was für ein Quatsch wird da erzählt, dann antiker Aufklärung unterstellt.

Wenn die über die philosophische Lehre, wie die rabbinische Gesetzlichkeit hinausgehende Ethik sich in einem neuen Gottesverständnis bewegte, dann hat das seine Grund:  Dort wo die schöpferische Wirklichkeit nach aufgeklärtem Verstand Moses in Vernunft bedacht wurde. Was dann in einfachen Worten, für Jedermann verständlich und auch für bisher als Unrein geltende maßgebend war, ist ohne den jüdischen Aufklärungsprozess, der unter die unter der Tradition zu leiden hatte, verurteilt und aus der Synagoge verbannt wurde, nicht zu machen. Ebenso wenige wie sich auch nur eine der vorgebrachten theologischen Aussagen und der Unterscheidungen zum rabbinischen Judentum , den gewaltsamen Widerstandsbewegungen gegen die Römer in einem jungen Weisheitslehrer begründen lassen.

Wer den Gott des Alten Testamentes, damit den unsagbaren Grund gegenwärtig machte und damit Grund für das Gottesreich, ein Leben in Vernunft und kulturellem Frieden erhoffte, war das erneuerte Judentum. Das die griechischen Denker, darunter sicher auch den Kulturphilosophen Thuykyidides  weiterdachte und so die in natürlicher/vernünftig erklärter Schöpfung begründete Weisheit zum Welt-König machen wollte.  Wie die Liebe zur Weisheit und ihrem Grund den Menschen zum intrinsischen Motiv für das Leben in sozialer Gemeinschaft, der Liebe zum Nächsten und der Mitwelt werden kann, lässt sich heute erst wieder so kulturpsychologisch und neurologisch begründen. Doch genau das wurde bereits in antiker jüdischer Philosophie der Zeit Jesus bedacht.

Wenn in der Natur, nicht allein in der Synagoge gebetet wurde, dann ist das mehr als klar. Wo aber stur heil, gegen besseres Wissen weiter nur ein hellenistisch aufgemöbelter Wanderprediger als historischer Jesus verkündet wird, da ist Heucheln und Zähneklappern, das Öl der Lampe verloschen. Doch wo die Tür gewaltsam verschlossen, der Bräutigam ausgesperrt wird, da ist das nicht nur ein Problem theologischer Bildung, in den Augen der Kritiker nach heutiger Hypothese logischerweise eh nur Märchenstunde. So wird verhindert wird, dass die Vernunft und Weisheit, die auf Weltkonferenzen gepredigt wird, auch im kulturellen Sinne als schöpferische Bestimmung (Wort) verstanden, besungen und gebetet, geliebt so von mündigen Menschen aus innerer Haltung, begeistert vom natürlichen Lebensfluss (Logos/Wort) verant-wor-lich gehalten wird. Da ist die Wissensverweigerung der theologischen Bildung zum Verbrechen geworden.

4.       Reform, die ewige Frage nach der Wahrheit: Die theologische Wissenschaft ist gefordert

Wenn hier immer wieder auf die weltweite Königsrolle des jetzt in Vernunft lebendigen Wortes (im Rahmen der  schöpfungsgerechten Basileia, bibl. Gottesreich) hingewiesen wird, dann wurde schon klar gemacht, dass es sich in keiner Weise um so etwas wie einen Ehrentitel handelt, der beliebig zu verleihen wäre, sondern eine Funktion zu erfüllen war. Es ging um eine Rolle/Aufgaben, die jedoch unmöglich auf einen jungen Weisheitslehrer übergingen, sondern im bildlos-prophetischen Kult jetzt dem  nicht nur für Beschnitte gültigen Wort (schöpferischer Bestimmung) zukamen. Doch damit wird auch deutlich, welche Funktionen/Aufgaben im Kult zu erfüllen waren und welche Aufgabe/Rolle dann auch weiterhin neben der politischen Führung vom Kult im Rahmen der Religion zu erfüllten.

Könige und noch mehr Kaiser, wie seit Caesar und dann Augustus die Oberhäupter eines Volkes genannt wurden, waren mehr als die politischen Herrscher. Auch wenn sie sich nicht alle als Gott anreden ließen, so galten sie als schöpferisch autorisiert. Sie repräsentierten die kosmische Ordnung, deren Recht sie zu vertreten hatten und so auch Recht sprachen. Wenn das dann nicht nur bei Herrschern wie beispielsweise Nero so wenig der kosmischen Logik und Ratio entsprach, wie Seneca den Logos der Stoa mit seinem Schüler verwirklichen wollte, dann zeigt dies nur, wie die Zeit reif war. Wie jetzt das in schöpferischer Wirklichkeit begründete Wort, damit die Vernunft, die Kultfunktion zu übernehmen hatte und welche Aufgaben der damit zukam. Und wenn die Rechtsbegründung im Rahmen der mit dem römischen Senat beginnenden Demokratisierung immer mehr an das Volk und die von ihm dann gewählte Regierung überging, so muss dem Volk dann der Verstand gegeben sein, nicht nur in Vernunft zu wählen, sondern vielmehr sich gemäß einer übergeordneten Vernunft zu verhalten.  Wer die Welt betrachtet weiß, wie aktuell diese Themen damit auch heute sind.

Doch der König hat nicht nur Recht gesprochen und regiert, was heute meist gewählte Volksvertreter ob recht oder schlecht leisten. Wenn die konvertierten, vom Kaiserkult abgefallenen Römer dann als Staatsgefahr gesehen, als Christen beschimpft und verfolgt wurden, dann zeigt das, welche Rolle der Kaiserkult hatte und jetzt neu zu besetzen war. Ein Staat war und  ist nicht allein mit Gesetzen zu machen. Vernunft im Volk, Gemeinsinn, gemeinsame Bestimmung, alles was für das künftige Wohl des  Volkes maßgebend ist, muss im Kopf der Menschen verankert werden. Und wenn dafür der menschliche König wegfällt, wird ein entsprechender Kult gebraucht, der jetzt Weltvernunft lebendig macht, für das rechte Leben begeistert.

Benedikt XVI., den ich als Kirchengeschichtskenner und Anwalt schöpfersicher Vernunft (als das mit Verstand einsehbare Wesen des christlichen Glaubens im Weiterdenken der Griechen) vor seinem Deutschlandbesuch zum wiederholten Mal bat, den historischen Jesus in gegenwärtiger Vernunft bedenken zu lassen, trifft keine Schuld. Er hat seine Schuldigkeit getan. Er hat in seiner Staatsrechtsrede vor dem Bundestag  in Bezug auf die Stoa und jüdische Weisheit Salomo den heutigen Rechtsgrund in der Ökologielehre zu bedenken gegeben. Mehr kann vom Kirchenoberhaupt, das sein Leben, alle Lehren, wie seinen Glauben auf einen jungen Mann mit Namen Jesus gebaut hat, nicht erwartet werden. Wahrscheinlich wäre er aufgrund seines Geisteszustandes gewaltsam in den Ruhestand versetzt worden, wenn er als Kirchenoberhaupt nicht nur den Rechtsgrund, sondern auch den historische Jesus so hinterfragt hätte.

Doch auch Franziskus, der auf seinen Reisen oder der Enzyklika jetzt Praxis betreibt, ein Leben in ganzheitlich ökologischer Lebensweise als Voraussetzung fordert, begründet dies doch längst nicht mehr  in den Worten eines Guru. Seine Aufgabe ist es nicht theologische Forschung und Fortschritt zu betreiben. Doch die Zeit ist reif, dort, wo selbst die Kirchenoberhäupter das Staatsrecht und Verhalten des Volkes begründen, wieder den historischen Jesus zu bedenken. Wenn sich die theologische Wissenschaft weigert, den jungen Mann in Frage zu stellen, damit hellenistischen Gebildeten etwas unterstellt, was sie selbst bei noch so viel Stoff nicht betreiben würden, dann ist das ein Verbrechen.