Weltvernunft und Friede

Es gibt keine Zweifel mehr: Wo Jesus steht, war Öko-logos.

Daher wird hier weder die historische Existenz Jesus Christus abgestritten, noch wird die so in kulturvernünftiger Weise zum Ausdruck/zur Welt gebrachte Vernunftlehre zum Glaubensmythos. Vielmehr wird die historische und heutige Heilsbedeutung der Funktion deutlich gemacht, die die  Erkenntnis der Öko-logos als das den monotheistischen Geschwistern zugrunde liegende Wesen und die Geister vertreibende verjüngter Josua "Jesus" sowie Orakel erklärende Weisheit  "Christus" in seiner kulturgerechten Ausdrucksweise hatte. Und gleichzeitig heute im aufgeklärten Verstand (Auferstehung) hat.

Mehr als die historische Kritik, was alles anders, nicht oder heidnischen und altjüdischen Ursprunges und kein junger Jude mit Namen Jesus war, sowie den in den einzelnen Kapiteln vorgebrachten Argumenten hierzu, zeigt gerade die politische Dimension des Evangeliums (seine Verhaltensgebote, wie seine ursprünglich rechtsbegründende Bedeutung) ganz eindeutig: Die den Mythos auch im Kult ablösende, von nun natürlicher Schöpfung nach universalen Prinzipien ausgehende Welt-Vernunftlehre (Logos) war der historische sowie der biblische und ist der heute lebendige Jesus. In all seinen beschriebenen und erhofften Funktionen als neuer Josua und Christus: Geister vertreibende Weisheit, die einzige auf den heute meist Gott genannten, unsagbaren/unvorstellbaren Grund des Ganzen verweist, so den prophetischen Monotheismus und seine Verhaltenslehre neu begründe. 

Bildergebnis für ökologie

 Man braucht sich beispielsweise nur mit der das Denken der sog. Zeit Jesus bestimmenden Stoa zu beschäftigen. Wie damals eine von jetzt Natur ausgehende Lehre war, die nicht nur das natürliche Werden/Weltganze (Monotheismus), sondern menschliches Sein und Sinn in Vernunft (Logos) erklärte. Um zu erkennen, wie absurd es ist, dass ein egal wie gestrickter junger Jude oder ein Glaubensmythos an die Stelle der ein kosmopolitisches, weltvernünftiges Verhalten begründeten Lehre getreten sein soll. Es ist bekannt, wie nicht nur das gesamte antike Denken, sondern auch sämtliche noch konkurrierenden frühchristlichen Bewegungen, die Verfasser und Herausgeber der Schriften, die geistigen Väter der Kirche und spätantiken Kaiser als deren gemeinsame Erbauer, von einer heute u.a. Ökologie genannten Vernunftlehre (Logos) sprachen und ausgingen. Der Logos war auch das Thema der jahrhundertelangen Christologie-Diskussion, bei der über sein Wesen und seine richtige Ausdrucksweise gestritten wurde und sich der Islam abspalte. Er galt nachweislich Vordenkern von Kirche, wie Koran als das christliche Wesen.

Der von Reformjuden als ewiges Wort verstandene Logos war jedoch kein Titel, der einem Guru anzuheften wäre oder ein reines Geistesgebilde, wie das die heutige Glaubenslehre, wie ihre Kritik voraussetzt. Mit Logos war die Vernunftlehre umschrieben, die für die damit "natürliche" Erklärung der Welt stand und jetzt auch sagte, was rechtes Verhalten ist. Statt Orakel und Mythen galt dem Denken der Zeitenwende eine Vernunft, die sich wie auch die heutige Ökologie aus der Gesamtheit der kreativen Natur, damit dem Welthaushalt (Oikos) ableitet. Einem monistischen Weltganzen, bei dem alles nach kausalen universalen Gesetzen zusammenhängt und einen kreativen Zweck hat.

Der Logos war jedoch nicht nur das Thema sämtlicher als urchristlich geltender Theologie-Bewegungen. Auch in den Texten, aus denen sich einzig der banale junge Wanderkynikers herleitet, wie ihn die Hochschullehre im buchstäblichen Verständnis wie selbstverständlich als historisch annimmt, hat eindeutig die von der Kreativität des Gesamten ausgehende Vernunft gesprochen. Gerade in den sog. Aussagen Jesus über das, was jetzt als rechtes Verhalten geboten war, wird dies deutlich. Und dass beispielsweise ein junger Jude als das angesehen oder ausgegeben wurde, was dem damaligen Denken in Bezug auf das in Logik kausaler universaler Gesetze erklärte Werden als sinnvoll und vernünftig (Logos) galt, ist ein völliger Witz. Das wäre so, wie man seinen Nachbarn als Ökologie bezeichnen wollte. Oder wenn die heutige Wissenschaft die angeblich göttlichen Eingebungen eines hergelaufenen Aussteigers, der "Zurück zur Natur" ruft (in der Antike: Kyniker) als Maßgabe für das ansehen würde, was vernünftig für das eigene Wohl und die Gesamtheit der Welt ist.

Auch wenn wir von einem erneuten Wandel vom Mythos zum Logos in neuzeitlicher Aufklärung reden. Weil das Mittelalter wieder in eine Art Mythos zurückgefallen war. In dem sich derzeit auch das sich auf das Bild eines jungen Mann berufende christliche Glaubensverständnis noch weitgehend  bewegt. So wenig die Vernunft neuzeitlicher Aufklärung (und ihre Auseinandersetzung mit mythischen Glaubenslehren und teilweise absurd gewordenen Verhaltenslehren) in einem jungen Mann begründet oder auf diesen übertragen werden kann, war "Logos" in der Antike ein Gottestitel für einen Guru.

Wer nicht mehr an wunderwirkende Geister und Märchen wörtlich glaubt, sondern von logischer Kulturentwicklung ausgeht, für den gibt es kein historisches Argument dagegen: Was heute mit Blick auf das natürlich-kreative Weltgefüge (Ökologie) wissenschaftlich erklärt und als vernünftig ausdiskutiert wird, war und ist zweifelsfrei das christliche Wesen des neuen Josua, lat. Jesus als Christus. Später prophetisch auch Mohammed.

Für diese bereits in der Antike menschliche Götzen, vorgesetzte und verfallene Gottesvorstellungen und Verhaltenslehren vertreibende Vernunft gilt es sich auf mündige Weise zu begeistern, sie gut zu heißen (d.h. zu glauben) und so in kreativer Verant-WORT-ung und kulturellem Friede zu leben.

Denn Friede zwischen den Kulturen ist nicht durch die täglich beschworenen politischen Maßnahmen und die Verneinung von Kultvorstellungen zu erreichen, sondern durch deren Aufklärung. Weltbürger, die die derzeit weltweit wieder aufkeimenden nationalistischen Grenzen überwinden, fallen nicht vom Himmel. Wenn die Wissenschaft in konsequenter Auswertung heute gegeben Wissens klar machen würde, dass am Anfang kein junger Jude mit Namen Jesus war, der dann zum Christus und später zu Mohammed nachgewiesenermaßen  "umgemünzt" wurde, wäre das ein wichtiger Schritt auf Weg zum Weltfriede. Auch zu einer Lebensweise in ökologischer Vernunft von Weltbürgern in Gesamtverant-WORT-ung. 

Statt nach jedem islamistischen Mord auf eine Säkularisierung oder zumindest Privatisierung von Glaubensvorstellungen zu hoffen, ist Aufklärung über deren wahre politische Dimension gefragt. Denn wo im Namen Mohammeds auf mörderische Weise mittelalterliche Glaubensvorstellungen zum Gottesstaat gemacht werden sollen. Dort müsste im aufgeklärten Sinne die den noch christlichen Kalifen als Logos geltende, heute gegenwärtige Vernunft maßgebend sein, die Thema auf Weltfriedens- oder Klimakonferenzen ist.

Aufgeklärt-politische Vernunft war/ist Wesen des christlichen Kultes

Wo der Öko-logos, damit die auch heutiger Aufklärung heilige weltpolitische Vernunft als Wesen des christlichen und damit auch des islamischen Kultes erkannt ist, da sind die derzeit heiß diskutierten Probleme gelöst. Die Angst vor dem in einer globalisierten Welt nicht aufzuhaltenden Einfluss fremder Kulturen lässt sich nur durch deren Aufklärung, nicht durch Ablehnung entkräften. Ebenso kann die nach jedem Angriff eines islamistischen Einzelgängers in der Presse laut werdende Angst vor fehlgesteuerten jungen Männern und dass mit dem Islam mittelalterliche Glaubenslehren wieder Einzug in die Politik halten würden, nur im Öko-logos gelöst werden. Was öko-logisch, damit im kreativen Sinne vernüftig ist, bestimmt dann weder die Kirche, noch eine sich auf alte Schriften berufende oder mittelalterliche Vorschriften vertretende andere Kultorganisation. Die Kirche, die vom Monismus antiker Aufklärung die Aufgabe übernahm, nicht einfach die menschlichen Götterbilder/Gottesstellungen abzulösen, sondern den Logos zum Kult zu machen, lebendig werden zu lassen, ist dann keine Lehr-Autorität, sondern kulturvernünftiges Mittel zum vernünftigen Zweck.

Der Kampf, bei dem die neuzeitliche Aufklärung als vielgepriesene Errungenschaft die Vernunft über die Glaubenslehren stellte, was nicht nur in Frankreich zur weitgehenden Säkularisierung und wissenschaftlicher Forschung in Freiheit führte, hat seine Aufgabe erfüllt. Doch die eigentliche Errungenschaft der Aufklärung steht noch aus. Erst in kultureller Aufklärung wird die hochgelobte Vernunft den traditionellen Glaubenslehren nicht mehr weiter feindlich entgegengestellt. Was derzeit auch hinter jedem islamistischen Mord steht, mit dem die westliche Welt angegriffen wird. Vielmehr wird die der Aufklärung heilige Vernunft zu dem Wesen, das die traditionellen Geister im aufgeklärten Verstand des Alten (Auferstehung) erneut wieder vertreibt.

Bildergebnis für Heiner Geißler

Ein Vortrag von Dr. Heiner Geißler bei der katholischen Bildungseinrichtung des Herz-Jesus Kloster Neustadt über die "politische Dimension des Evangeliums" war Anstoß dieser Ausführungen. Sie begründen beispielhaft das hier vertretene völlig neue christliche Historien-, Selbst- bzw.  Glaubensverständnis, wie dessen Notwendigkeit.

Denn für die Unvernunft der Welt mit all ihren täglich beklagten Folgen sind weder die säkulare Moderne mit ihrer kapital- oder konsumegoistischen Kurzsicht, noch beispielsweise verblendete Moslems verantwortlich. Vielmehr sind heutiger Abfall und Aberglaube die Folgen der im Gestern gefangenen allgemein geltenden christlichen Glaubensvorstellungen. Für die Heiner Geißler, der sich bei seinen berechtigten Forderungen nach weltvernünftigem, ökologisch-zukunftsgerechten Verhalten den ganzen Abend auf einen frauenfreundlichen jungen Wanderprediger berief (er hätte auch von einem Mystiker reden können), hier nur ein personifiziertes Beispiel ist.

Doch die Begründung von Sinn, Werten und damit des rechten Verhaltens, was nicht einfach die politische Dimension des Neuen Testamentes, sondern dessen Zweck war und ist. Und was ja auch täglich im Namen Jesus gepredigt wird. Das ging ganz eindeutig nicht auf den von Heiner Geißler, wie aller heutigen Hochschullehre angenommenen jungen Guru, ein Gottesbild oder ein Glaubenskonstrukt bzw. einen Mythos zurück. 

Vernunft als Josua, Jesus hat Gottesbilder/Götzen vertrieben

Im aufgeklärten Verständnis der Ökologie als Sohn und ewigem Wort in der Funktion des verjüngten Josua und Orakel erklärenden Christus wird auch klar: Beweise eines vorgesetzten Gottes (besser einer Gottesvorstellung, eines menschlichen Bildes) oder Zweifel an dessen Güte, gehören dem Gestern an. Denn wenn das als Evolution oder Ökologie beschriebene Geschehen im aufgeklärt-urchristlichen Sinne als schöpferische Wirklichkeit in Verant-WORT-ung nimmt, gibt es "christlich" sonst über den unsagbaren Seinsgrund der Väter nichts zu sagen. Ein Wesen menschlicher Vorstellung, das man überreden könnte, etwas anders zu machen oder das man verantwortlich macht für das Gewitter, kommt "christlich" nicht mehr vor. Die Theodizee genannten Zweifel, beispielsweise aufgrund von längst in ihrer kreativen Sinnhaftigkeit/Logik (Logos) erklärter Naturkatastrophen oder menschlicher Krankheiten entfallen. Das aufgeklärte Verständnis der gegenwärtigen schöpferischen Wirklichkeit als ewiges Wort streitet den Unsagbaren der Väter nicht ab, sondern offenbart ihn. Genau wie es "christlich" beschrieben ist: Wer den Sohn sieht, sieht den Vater. Ohne dass dieser dadurch abgeschafft oder ersetzt ,sondern vielmehr erfüllt wird. Das heute wissenschaftlich beschriebene Wort ist das einzige, was es über den Glaubensgrund der Väter zu sagen gibt. Genau wie es das Neue Testament sagt. Die vielbeklagte Unsichtbarkeit wurde bereits zur Zeitenwende im Öko-Logos als dem lebendigem Wort der Propheten aufgehoben. Ein Wort, das dann im aufgeklärten "christlichen" nicht mehr in Büchern gelesen, aus alten, vorgesetzten, nationalen Vorstellungen entnommen, sondern als universal geltende gegenwärtige Tatsache zu verstehen ist.

 Bildergebnis für Benedikt vor dem Bundestag

In seiner letzten großen Rede hat Benedikt XVI. klar gemacht, wie sich die christliche Verhaltenslehre in Vernunft (Öko-Logos) begründet. Dies war in der Antike Weiterdenken griechischer Natur-Philosophie. Prof. Ratzinger hat nicht nur den Grund des Rechtes und menschlicher Weisheit in Bezug auf Salomo oder die Stoa aus gegenwärtiger schöpferischer Wirklichkeit des zusammenhängenden kreativen Ganzen abgeleitet. Auch christliche Ethik, alles was täglich im Namen Jesus gefordert wird, hat der Kirchengeschichtskenner in griechischer Logik und jüdischer Weisheitslehre vom Weltganzen begründet. Dabei hat er vor dem Bundestag von Ökologie gesprochen. Deren weit über den Umweltschutzgedanken hinausgehende Dimension beschieb er auch in "Ökologie des Menschen" als seinem zusammengefassten Lebenswerk.

So machte das Oberhaupt der Kirche den Politikern deutlich, woran aufgrund des heute gegebenen Wissens über die Zeitenwende und die christlichen Anfänge kein Weg vorbei führt: Wo Jesus steht, hat die heute wissenschaftlich geltende Vernunft gesprochen. Gleichwohl das Kirchenoberhaupt unmöglich in einer Vernunft, die allgemein als Gegner des Glaubens gilt und die für den Gottestod bzw. Aufklärungs-Atheismus verantwortlich gemacht wird, den historischen Jesus bekennen konnte. Diese Aufgabe hat eine glaubensunvoreingenommene Wissenschaft, die heute gegebenes Wissen über das antike Denken und den daraus erwachsene christlichen Kult ebenso auswertet, wie die Entstehung und Bedeutung der biblischen Kulttexte oder deren historische Kritik. Doch selbst die historischen Kritiker der päpstlichen Jesusbücher, die Benedikt XVI. vorwarfen, auf die bisherige Kritik am biblischen Jesus nicht eingegangen zu sein, nur vom "biblischen Jesus", damit dem ihm wichtigen Logos geschrieben zu haben, bestätigten so: Die in der Antike ausdiskutierte Vernunft war auch das Wesen des Neuen Testamentes und dessen Kulttexte, aus denen ein historischer Kyniker hergeleitet werden soll. 

Bei der "schöpferische Vernunft", als deren Anwalt Benedikt XVI. gilt, ging es jedoch nicht um eine geistige Spekulation oder ein Kirchenkonstrukt. Es ging um die heute Ökologie oder Evolution genannte Lehre vom kreativen Ganzen. Und was danach vernünftig für das gemeinsame Wohl, die Zukunft ist. Nur das sagt was Recht ist, wem wir auch heute gehorchen müssten. Wie kann man daher bei der Forderung nach Friede und Weltvernunft, was sämtliche Vordenker der Kirche oder noch christliche Kalife durch den heute Öko-logie genannten Logos erhofften (im jüdischen Sinne Josua, lat. Jesus), in gestrigen religiösen Lehren oder gar einem jungen Guru begründen wollen?

Vielmehr zeigt gerade die vom biblischen Jesus abgeleitete Verhaltenslehre, dass es auch dort, wo selbst den Glaubensgegnern ein liebespredigender junger Guru ans Herz gewachsen ist, um das ging, was heute wissenschaftlich gilt. Auch bei den Synoptikern als einzigen Lieferanten des banal-menschlichen Jesusbildes sprach weder ein Heilsprediger, noch ein Hirngespinst, sondern die sich in natürlicher Schöpfung begründende gegenwärtige Vernunft und Sinnhaftigkeit. Die in der Antike Logos genannte Weisheits- oder Vernunftlehre, die Benedikt XVI. in vielen intellektuellen Reden als das mit Verstand einsehbare "Wesen des christlichen Glaubens" bezeichnete, war und ist kein Produkt im Sinne heutigen Glaubens. Es ging um die in Logik und Vernunft (nun als Natur, nach logisch-universalen Prinzipien) erklärte schöpferische Gegenwart, wie sie heute empirisch belegt und nur etwas wissenschaftliche und einheitlicher beschrieben ist, als im antiken Monismus. 

Daher geht es hier nicht um Heiner Geißler. Es geht um die heute Geißler, wie den päpstlichen Anwalt der Vernunft und die gesamte Forschung gefangen haltende christliche Lehre von einem mehr oder weniger göttlichen jungen Mann. Eine Lehre, die zwar ihr Verlangen nach Verhaltensänderung und Friede aus gegenwärtiger Vernunft ableitet. Die jedoch durch ihre Berufung auf alte Bücher und menschliche Gottesvorstellungen sowie einen angeblichen Wanderprediger zu manipulierbarem Aberglaube führt, Friede in Vernunft verhindert.

 1. Vernunft war historisch wirksam als "Jesus" und "Christus"

Weder ein Guru, noch neu ausgelegte alte Gesetze oder Glaubens-Konstrukte, sondern die den Sinn des Seins verdeutlichende und verfallene Vorstellungen vertreibende gegenwärtige Vernunft antiker Aufklärung, die heute als Ökologie gilt, war der neue Götzenbilder/menschliche Gottesvorstellungen vertreibende Josua, lat. "Jesus" als  "Christus". So nannte beispielsweise bereits Herodot in Bezug auf Homer die Vernunft-Erklärung der Orakel. Im Wandel vom Mythos zum Logos wurde in der Vernunftlehre antiker Aufklärung die messianische Wirklichkeit des Gesalbten, der neue für Weisheit stehende David erhoffte. Die Vernunft als das menschliche Verhalten bestimmende Wort war der neue Judenkönig. Und wie die Ökologie allein in schöpferischer Realität bezeugt, war dieser Sohn des Vätergottes weit jungfräulicher, als seine mythischen "Vor-bilder". Die in Schöpfung begründete Vernunftlehre hat den bildlosen Monotheismus der Propheten, damit die traditionsorientierte, taub gewordene nationaljüdische Gesetzlichkeit auf neue, nun universal geltende Beine gestellt. Was heute Öko-logie genannt wird und damals Logos hieß, galt bekanntlich Reformjuden als schöpferisches Wort, begründete die Hoffnung auf Josua, lat. Jesus, war geschichtlich das, was Christus ausmachte.

Niemand kann daher weiter ernsthaft abstreiten, dass es Jesus Christus historisch gab. Dies wäre so, wie wenn man abstreiten wollte, dass zur Zeitenwende die Vernunft den Mythos in Sachen Welterklärung ersetzte und so auch die alten Götter und Orakel in Vernunft erklärt und dann verdrängt wurden. Doch in wildesten Fieberträumen hätte für die frühen Denker ein junger Jude die Funktion gehabt, für die der Geister vertreibende Josua stand oder was vormals als Orakel/Myhen offenbarend/erklärender Christus galt.   

In antiker Hochkultur ist ein neues universales Welt- und Selbstverständnis erwachsen, durch das ein friedlich-konstruktives Miteinander der Menschen erhofft wurde. Dies war der auch im Kult nachvollziehbare Wandel vom Mythos zum Logos. Was Recht ist, wurde bei den griechischen Lehren nicht mehr durch die Tradition oder Orakel bestimmt, sondern durch logisches Denken nach antiker Naturgesetzlichkeit. Die bekannten Philosophielehren, wie die dann götterfreie, damit "christliche" Lehre, war weder ein Aufwärmen der Tradition, noch eine naive Naturvergötterung. Noch weniger ging es um ein Naturrecht, wie es in Neuzeit zum Sozialdarwinismus, Recht des Stärkeren, der nationalsozialistischen Rassenlehre oder derzeitigem sinnfreien Naturalismus führte. Die Stoa war auch keine idealistische Naturromantik, die beispielsweise die Brutalität in der Tierwelt übersah oder nur den Bienenstaat nachbauen wollte. Sie unterstellte menschliche Gier und Triebhaftigkeit einer Verantwortung gegenüber dem nun natürlichen Ganzen.

Der Sinn des Lebens und menschliche Werte wurden im antiken Monismus mit Blick auf das kreative Ganze in gegenwärtiger Vernunft bedacht. Die Logos genannte Vernunftlehre wurde in jüdischer Bildung (bekannt z.B. unter Philo von Alexandrien), im allegorischen Verständnis des bildlosen prophetischen Kultes und damit auch Josua (lat. später Jesus), als lebendiges Wort erklärt. Denn auch am Anfang des im sog. Exil erwachsenen prophetischen, des auf Echnaton oder Zarathustra zurückgreifenden Monotheismus, waren keine inneren oder nächtlichen mythische Stimmen. Wie auch in mehreren Kapitel heutiges Wissen um die alttestamentlichen Anfänge ausgewertet wird, war gegenwärtige natürlich-schöpferische Bestimmung: Wort. (Beispielsweise haben Hebräer nicht nur den Sternenhimmel beobachtet, sondern reale Schöpfung als Wort/Vernunfthandlung verstanden und in Schrift verfasst.) Nicht traditionelle Vor-schriften galten daher, sondern die im Sinne des Alten in antiker Aufklärung gegenwärtige, echt lebendige Sinngebung und Vernunft: der "Auferstandene".

Was sich dann in neuen, weltvernünftigen Verhaltensregeln ausdrückte und ähnlich auch im Neuen Testament als Worte des im Alten Testament Götzendienst vertreibenden, jetzt den Tempel reinigenden und Teufel austreibenden neuen Josua nachzulesen ist, das ist nicht einfach nur aus dem Mund von Gutmenschen gekommen. Noch weniger ist das, was nun Rechtsgrundlage war, auf dem Mist gestriger religiöser Vorstellungen oder nur besonders schlau definierter traditioneller Glaubensgesetzlichkeit (Schriftgelehrtheit) gewachsen. Die bereits in Sokrates ausdiskutierte Vernunft natürlich-kreativen Werdens, die bei Seneca Sinn gab und gemeinsame Werte, ist in vielfältigen Erkenntnis- bzw. Reformbewegungen entsprechend dem bildlosen Kult als schöpferisches Wort verstanden und so zur die alten Göttersöhne ablösenden Kultgestalt geworden. Diese anfangs in Hoheitsnamen, Christologie-Formeln oder im griechischen Text noch heidnisch beschriebene Kultgestalt machte dann in lateinischer Übersetzung als neuer Josua, damit Jesus Geschichte. Eine Geschichte, die unsere Kultur über das Mittelalter bis zur erneuten Aufklärung getragen hat.

Doch jegliche Hypothese von einem jungen Heilsprediger greift ebenso kurz, wie dass der Grund des Christentums frei konstruiert sei: Die Logos genannte Sinn- und Vernunftlehre hat geschichtlich nachvollziehbar als Jesus und Christus gewirkt und gesprochen.

Die antike Logoslehre war so wenig eine philosophische Spekulation oder ein Hirngespinst des Glaubens, wie das, was wir heute als Evolution oder Ökologie erklären und daraus ableiten. Kultexten und ihren Figuren kann man vieles unterstellen. Aber die neuen Verhaltenslehren der Zeitenwende müssen einen Grund gehabt haben, der weder ein Guru war, noch geheimnisvoll vom Himmel fiel. Wer sich die frühchristlichen Lehren betrachtet, der stellt fest: Wo heute Jesus steht, hat die von einer jetzt in Natur/Logik erklärten Kreativität des Weltganzen ausgehende Sinnhaftigkeit und Vernunft gesprochen (heute Ökologie). Was in griechischer Philosophie Logos genannt wurde oder von Reformjuden als Weisheit bekannt ist, galt im griechischen Neuen Testament als christliches Wesen, das in noch hellenistischen Begriffen umschrieben war, als Pantokrator galt. Der wurde auch mit Zeus, als dem längst in Vernunft erklärten Vater aller Götter in Verbindung gebracht. Das christliche Wesen wurden wahrscheinlich erst durch die Reformation als der eine Sohn des sonst unsagbaren Seins- und Sinngrundes einheitlich mit Josua, lat. Jesus übersetzt. Der Antike ging es dabei weder um junge Männer, noch Glaubenskonstrukte. Der heute evolutionsbiologisch belegte natürliche Sinn, der in Kultur weiterzudenkenden, damit lebendig ist, sagte nun statt Traditionslehren und Orakeln, was sinnvoll und Recht ist. Wo Jesus oder Mohammed gilt, müsste man sich an die heute Ökologie genannte ganzheitliche Vernunft in Kultur halten. Im Grunde hat dies hat der alten Papst den deutschen Politikern bereits bei seiner Bundestagsrede erklärt.

Und auch sein Nachfolger, der nicht nur in der päpstlichen Enzyklika, sondern auf seinen Reisen unter dem Beifall der gesamten Welt eine ganzheitliche ökologische Lebensweise als Voraussetzung für die gemeinsame Zukunft fordert, hat damit die Geschäftsgrundlage gewechselt. Auch wenn er sich auf Christus bezieht, so ist es weder ein Guru, noch ein Gottesbild oder ein Buch, sondern gegenwärtige Vernunft, die er nicht nur predigt, sondern in der er sich begründet.

Während sich Benedikt XVI. in einer geschichtlichen Sicht auf den Logos beruft, damit die Ökologie als das historische Wesen bestätigt, begründet darin Papst Franziskus seine christliche Praxis. Doch solange alle Welt denken muss, dass die christliche Begründung dessen was Recht ist, von einem Nächstenliebe predigenden jungen Guru und biblischer Lehre ausgeht, führt die päpstliche Forderung nach Vernunft und Friede zum genauen Gegenteil.

Während dann die weitgehend sinnlos gewordene, zum reinen Selbstzweck gewordene Modern über fehlende gemeinsame europäische Werte jammert, sich allenfalls auf antike Philosophen oder die bekannten Denker neuzeitlicher Aufklärung beruft, gelten für die Gläubigen gestrige Vorstellungen und Gottesbilder. So berufen sich unsere urchristlichen Brüdern dann auf den Koran und einen Mann mit Namen Mohammed. Nach dem in radikaler Sicht die gesamte Welt auf mörderische Weise zum mittelalterlichen Gottesstaat umgebaut werden soll.

Nebenbei: Wenn, wie die FAZ schreibt, der IS die Vergötterung Mohammeds, ebenso wie den Königskult in Saudi Arabien als Frevel am Monotheismus angreift, dann ist das nicht zu verdenken. Im prophetischen Monotheismus dürften keine menschlichen Gottesgestalten gelten, sondern die von natürlicher Schöpfung ausgehenden, als Wort geltende Vernunftgebote. Was am gemeinsamen Anfang maßgebend war, war die zur Zeitenwende dann logisch, als Natur beschriebene Kreativität und Gesetzlichkeit. Und ob der sonst unsagbare Grund aller Kreativität dann Gott oder Allah genannt wurde, ist egal. Es ging auf jeden Fall nicht um zu glaubende und dann zu bezweifelnde Gottesvorstellungen oder traditionelle Gesetzlichkeit. Von einer die Götter der Väter offenbarenden, auch deren Funktion erklärende Vernunft, die heute als Ökologie- oder Evolutionslehre gilt, ging nachweislich aus, was menschlich geboten war. Doch solange die FAZ vom "Grab des dem IS nicht heiligen und 632 in Medina verstorbenen Propheten" schreibt, wie wenn anfänglich ein Mann mit Namen Mohammed maßgebend gewesen wäre, dem ein Gott ins Ohr flüsterte, was Recht ist. Dann ist das ähnlich, wie Geißlers Berufung auf einen göttlich autorisierten frauenfreundlichen Liebesprediger. Über den Irrsinn des IS, der so die politische Dimension mittelalterlicher Lehren mörderisch umsetzen will, braucht sich dann niemand zu beklagen.

Richtig ist, dass Religionen bzw. Kultvorstellungen und Kultpraktiken menschliche Kulturen schaffen müssen, diese bewegen können, sich im Sinn der Schöpfung bzw. Zukunft zu verhalten, dafür gemeinsam Berge zu versetzen oder das genaue Gegenteil bewirken. Glaubenslehren haben in der Kult(ur)geschichte Sinn, Recht und, Verhalten vermittelt und Motiv gegeben. Doch wo sie ihre Begründung in schöpferischer Realität verloren haben, da haben sie auch den Sinn verloren, ist mit ihnen weder Recht, noch Vernunft zu machen.

Während selbst die heutigen Pfarrer den Glaube als reine Privatsache fürs persönliche Wohlfühlen sehen, nur die "Neuen Atheisten" den derzeitigen Buchstaben- und Gottesbild-Glauben noch als verhaltensbestimmend ernst nehmen daher abschaffen wollen, spricht Geißler zurecht von der politischen Dimension. Was letztlich ja auch jeder theologische Text und jede Predigt bestätigt, die im Namen Jesus ein bestimmtes Verhalten verlangt. Doch nicht nur die gesamten theologischen Bedeutungsaussagen, sondern gerade die christliche Verhaltenslehren lassen sich nicht mehr in den Ansichten eines einzelnen Lehrers begründen. So wenig wie im blindem Glauben an das, was geschrieben steht. Was ja auch höchst gefährlich wäre. Und was letztlich auch der Grund des Neuen Atheismus ist. Der für ein humanistisches Weltbild (damit gegenwärtige Vernunft) die gesamten alten Glaubenslehren abschaffen will. Ein vergebliches Unterfangen. Nicht allein, weil die heute übliche Verneinung der kulturellen Wurzeln im Sinne kreativer evolutionärer kultureller Entwicklung völlig falsch wäre. Oder weil sich der Aberglaube so seine modernen Götter, auch in persönlicher Gier und Konsum (incl. zum sinnlosen Zeitvertreib gewordener Kulturevents) sucht. Vielmehr weil so beispielsweise der Islam verbittert an mittelalterlichen Vorstellungen festhält. Gleichzeitig eine nicht nur in den Staaten Nordafrikas dringend notwendige Aufklärung verhindert wird.

Gerade jedoch die im Koran zahlreicher als im Neuen Testament enthaltenen Verhaltenslehren zeigen, dass die damals gegenwärtige Vernunft das ursprünglich gemeinsame Thema war. Was philosophisch als vernünftig für die damalige Welt erachtet wurde, ist heute nachvollziehbar zum Evangelium der Kirche und dann auch Koran geworden. Wem bewusst ist, dass sich der Islam, noch deutlicher als die ebenso philosophischen Kirchenväter auf Platon oder Aristoteles begründen, der kann die ganze antike Literatur als Toilettenpapier benutzen. Wenn weitergemacht wird, wie bisher, die christliche Verhaltenslehre dann auf biblische Lehren, gar auf einen Guru oder in einer Gottesvorstellung als Glaubenskonstrukt begründet wird, ist alles Wissen für den.... Die gesamten Archäologen, die nicht nur die anfängliche Hochkultur freilegen, sondern auch die Kultvorstellungen, hätten sich dann ihre Arbeit sparen können. Denn alles was wir über die Anfänge wissen, verweist auf die in antiker Aufklärung geltende Vernunft, die im Sinne des Alten verstanden und an Stelle der alten Götter kulturgerecht/-bedeutende zum Ausdruck gebracht wurde.

Was besagt: Weder für heutige Christen, noch Moslems dürfte das gelten, was im Buch steht, gestern galt, sondern was gegenwärtiger Weltvernunft entspricht. 

 Die christliche Heilsprediger-Hypothese verhindert jedoch, dass der Grund der christlichen, wie im Islam zum Kult gewordenen Verhaltensgebote mit der Vernunft zusammengedacht werden kann, die heute Thema der UNO oder von Klimakonferenzen ist. Und dass diese Vernunft dann auf mündige Weise gemeinsam, jeweils "kulturbedeutend" gefeiert, geliebt (d.h. geglaubt) und gehalten wird. 

Doch auch der Vortrag von Heiner Geißler macht klar: Der junge frauenfreundliche Charismatiker, von dem der Jesuitenschüler den ganzen Abend in Neustadt-Hambach sprach, in ihm die politische Vernunft bzw. eine für die gemeinsame Zukunft notwendige, weltvernünftige, menschlich-soziale oder ökologische Verhaltensweise begründeten wollte, der war nicht.

2. Vernunft war Grund christlicher Verhaltenslehren und Hoffnung

Wenn unter dem Kreuz kein Recht mehr gesprochen wird, sondern das christliche Symbol auch dort, wo es noch hängt, längst seine Autorität verloren hat, dann ist das nicht verwunderlich. Was Heiner Geißler, wie heutige Theologenlehrer als Jesus hinstellen, kann kein Rechtsgrund sein und war es auch nicht. Die neue Schöpfung, das neue nun für Juden, wie Griechen geltende (nun in Logik begründete) Weltverständnis und damit auch die neue Lehre dessen, was in menschlicher Kultur Recht ist, das ist auch mit dem, der heute als Auferstanden gelehrt und gepredigt wird, in keiner Weise mehr zu machen. Der junge Guru, der allein aufgrund der Auferstehungsgeschichten und deren Bedeutung längst der Vergangenheit angehören müsste, der dient unseren orientalischen Nachbarn dann als Grund, sich in absurder Weise über die einzig wahre Nachkommenschaft von Mohammed die Köpfe einzuschlagen. Oder den Koran politisch zu missbrauchen, mörderisch die Welt in mittelalterliche Glaubenslehren und Vorschriften zurückführen zu wollen. 

Wo die Logos, heute z.B. Ökologie genannte Vernunftlehre im allegorische Verständnis der alten Kultfiguren und ihrer Funktion nicht als das historisch-christliche Wesen bedacht wird, ist Aberglaube vorprogrammiert. Ein Guru, von dem nur behauptet wurde, es sei das Wort, der Logos, die Wahrheit oder der Sinn des Leben, kann für aufgeklärte Menschen kein Grund für vernünftiges Verhalten sein. Er bewirkt das Gegenteil. Wo kein aufgeklärter Verstand des Alten (Auferstehung) war und ist, bleiben auch dann, wenn beispielsweise bei Maria und Martha am Grab längst fiktive Figuren gesehen werden und nicht mehr an die Wiederweckung eines Leichnams geglaubt werden soll, nur warme Worte. Alles, was im Namen Jesus täglich gepredigt und als Friede und Vernunft gefordert wird, führt so nicht zur Vernunft, sondern bleibt heiße Luft. Doch nicht nur jede theologische Auslegung der alten Texte in ihrer Bedeutungsaussage, auch die täglich zu tausenden erhobenen Forderungen nach Verhaltensänderung, nach Nächsten- und Feindesliebe verweisen darauf, dass am Anfang kein politrebellischer Guru war. Keine der biblischen Bedeutungsaussagen oder Verhaltensbegründungen ist mit einem mehr oder heute weniger göttlichen jungen Mann zu machen. Doch die heutige Predigt, die sich auf einen Mann bezieht, leistet Vorschub für den Aberglaube der Welt. An eine kulturelle Begeisterung für das wissenschaftlich als Ökologie oder Evolution erklärte kreative Ganze im Sinne der Alten, damit eine tiefgreifende Verant-wort-ung und ein weltvernünftiges Verhalten, ist so nicht zu denken.

Auch wenn ein neues christliches Historien- und damit Welt- wie Selbstverständnis, über Nacht keine neuen Menschen macht. Wenn weder christliche Nationalisten, Traditionalisten, noch mittelalterliche Moslems ihre Waffen wegwerfen. Sich auch die säkulare Moderne allein aus Erkenntnis, dass es bei Jesus um eine götterfreie Ökologie bzw. Philosophie ging, nicht dafür begeistern und schlagartig anders verhalten wird. Ähnlich wie der Buchdruck entscheidend für die Reformation war, könnte ein von kirchlicher Bildung ausgehendes neues Denken durch die heute gegebene weltweite Vernetzung und den so möglichen Wissens- und Gedankenaustausch Fortschritt im gemeinsamen Verständnis bringen. Ein grenzüberschreitendes Verständnis, das in kulturell-tiefgreifender Umsetzung zu einem vernünftigen Verhalten mündiger Menschen in gemeinsamer Verant-wort-ung und Friede zwischen den Kulturen führt.

Die Vernunft, auf die die antiken, wie die neuzeitlichen Aufklärer ihre Hoffnung auf Friede und Vernunftverhalten setzten, ruft danach, sich erneut auch hinsichtlich traditioneller Götterbilder/menschlicher Gottesvorstellungen aus selbstverschuldeter Unmündigkeit zu befreien: kultureller Aufklärung. Es fehlt jedoch auch bei den Glaubensgegnern oft der Mut, sich frei von gestrigen Vorstellungen des eigenen Verstandes zu bedienen, gegebenes Wissen über die Anfänge vorurteilsfrei auszuwerten. Und wer in kirchlichen Medien klagt, dass das "Osterlachen" vergangen ist und die menschliche Gier dafür verantwortlich macht, dass Not, Hunger und das Elend auf der Welt nicht wie mit unseren geistigen Gaben möglich, in einigen Generationen nahezu ausgerottet werden, der betreibt bei heutiger Historienhypothese reine Papierverschwendung. Warum die Logos genannte Vernunft, durch die bereits die Lehrer der Stoa die menschliche Gier in ihre Schranken weisen wollten, ein neues Kultverständnis jenseits der Götterbilder benötigte, bleibt unbedacht. 

Weder einem Kampf der Ideologien, noch dem heutigen "Kampf der Kulturen", wie er beim Aufeinanderstoßen der Kulturkreise ähnlich auch zur Zeitenwende zu beobachten war, kann ohne eine kulturelle Aufklärung über die gemeinsamen Wurzeln wirklich dauerhaft begegnet werden. Es ist daher weder der seinen gestrigen Glaube zur Politik machen wollende Islam, noch der dann mörderische IS, der dem Weltfriede im Wege steht. Die Ursache für den modernen Säkularismus der westlichen Welt, wie mittelalterliche Glaubensvorstellungen, ist die christliche Lehre vom guten Jungen. Der irgendwie Gott oder dessen Versprechen, gar Rechtsgrund und was noch alles gewesen wäre.

Die Bekehrung zum Christentum war historisch nachvollziehbar die Abkehr von veralteten menschlichen Gottesvorstellungen, wie sie auch in Neuzeit für das auseinandergebrochene Weltbild des Westens verantwortlich sind. Die sich mit Beginn der naturwissenschaftlichen Aufklärung abzeichnende Tragödie, deren Gottestod bereits Nietzsche analysierte, war nicht die Tötung des Vaters des später Jesus genannten christlichen Wesens. Der Grund der sich der jetzt in universal gültigen Gesetzen (Logos) erklärten Kreativität, die nicht erst für Einstein der Grund der alle zeitlichen und kulturellen Grenzen überschreitenden kosmischen Religiosität waren, offenbarte sich für anfängliche Christen ausschließlich dort, wo heute Jesus Christus steht. Und das war kein junger Mann oder ein religiöses Hirngespinst zur Manipulation der Masse. 

Die menschliche Kultur ist die Natur des Menschen. Die gesamten philosophischen Modelle, die dann in götterfreier Form zum Christentum wurden, waren Denkansätze, den Menschen  in den Rahmen eines kreativen Ganzen zu stellen. Es waren Versuche, wie in der Stoa, die menschliche Gier und Kurzsicht der dann zum Christus gewordenen kreativen Vernunft zu unterstellen. In Kultur muss der Mensch dem Sinn gerecht werden, der durch die Natur/Schöpfung in Gegenwart vorgegeben ist. Dass der Mensch kein reiner Selbstzweck, sondern ein Teil des kreativen großen Ganzen, in Schöpfung selbstverant-wort-lich eingebunden ist macht gerade die Ökologielehre deutlich. Auch wie wir dabei nicht alten Gesetzen hörig sein dürfen, sondern gegenwärtige schöpferische Vernunft maßgebend ist. Eingebunden in ein ökologisches Ganzes hat der Mensch seine Selbstherrlichkeit verloren. Wie er nicht mit seinem Nachbarn vereinbaren oder in beliebiger Mehrheit abstimmen kann, was Recht ist, sondern sich an die schöpferische Realität halten muss, macht gerade die Öko-logie deutlich.

Doch die drohende ökologische Katastrophe ist nicht wie oft unterstellt der christlichen Lehre geschuldet, die den Menschen zum Herrscher über die Natur gemacht hat. Sie ist das Ergebnis einer christlichen Lehre, die Gottesbilder an die Stelle der den Kosmos beherrschten Vernunft gesetzt hat. Damit in Ablehnung alter buchstäblicher Bestimmungen den Menschen, seine Gier und Kurzsicht zum sinnlosen Maß aller Dinge gemacht hat.

 3. Natürliche Logik war und ist kein Glaubenskonstrukt

Wie die Logos genannte Vernunftlehre auch für "sämtliche" frühen christlichen Denker galt oder für Konstantin sowie die folgenden Kaiser das christliche Wesen und Thema der Christologie-Diskussion war, ist bekannt. Doch die heute herrschende Hypothese, dass ein Frieden predigender junger Heilsprediger als Logos hellenisiert oder hingestellt wurde, ist unhaltbar. Die Logik der heute Ökologie genannten Vernunftlehre, die bekanntlich auch allen urchristlichen Denkern galt, war kein Gottestitel. Die Lehre, nach der das jetzt "natürliche" Werden und das davon ausgehende Vernunftverhalten in Kultur erklärt wurde, hat nichts mit einem Gottesnamen als Hoheitstitel für einen wundertätigen Heilsprediger zu tun. So wenig, wie heute ein besonders gutherziger junger Mann als Ökologie gelten kann, ging es am Anfang um den heute an Hochschulen gehandelten, christologisierten Wanderkyniker. 

Richtig ist, dass sich alle philosophische Richtungen auf eine in Natur bedachte Vernünftigkeit (Logos) bezogen, die bei Kynikern zur weltverneinenden Askese bzw. ähnlich heutigen Aussteigern "zurück zur Natur" führte. Doch mit einem schöpferischen Grund auf zwei Beinen bzw. einem als solches angenommener Guru hat das alles nichts zu tun. Kein Wanderkyniker war Grund dessen, was rechtes Verhalten war oder wäre gar zum Kult geworden. Gerade für die Kyniker, die sich von traditionellen Weltlehren lösten, galt allein die kreative Natur. Anders jedoch als heute, wo das in wissenschaftlicher Vernunft begründete Werden den Gott der Väter arbeitslos macht, brachte das allegorische Verständnis der Antike (Auferstehung des Alten) die Offenbarung dessen Wirk-lichkeit. Das Politik bzw. Verhalten begründende Evangelium war die frohe Botschaft von der kreativen Vernunft im Sinne eines für die jüdischen Väter unsagbaren Seinsgrundes. Es ging anfänglich um eine Vernunft, die auch im Kult die Rolle der menschlichen Göttersöhne einnahm und daher in der Geschichte eine Gestalt bekommen musste. Eine Gestalt, die kein doketistisches Scheinwesen war, sondern menschliche Person (Rolle/Aufgabe). Die dann aus kulturvernünftigen Gründen ein göttergerechtes Gesicht bekam, so erst Geschichte machte. Wo nicht nur die kosmische Funktion der Götterbilder in Vernunft erklärt war, sondern auch ihre kulturelle, war es auch logisch, diese in Kulttexten des Volkes auf altbewährte Weise zu beschreiben. Auch  beispielsweise im Westen das die Vernunft in kulturgerechter Weise reanimierende, wiedergebärende Wesen in einer Neuausgabe von Isis zu beschreiben. Auf die Kritiker Maria reduzieren, dann allerdings nur Märchenstunde sehen wollen.  

Die heutige Annahme, dass alles dem biblisch beschriebenen guten Jungen später nur kirchlich angedichtet wurde, ist längst hinfällig. Wer die politische Dimension aus dem Evangelium herleitet bzw. sich bei seinen Verhaltensforderungen auf den dort beschriebenen Heilsprediger bezieht, der macht damit selbst klar: Der Text, aus dessen buchstäblichen Verständnis die heutige Hochschullehre einzig den Wanderkyniker oder einen sonstigen Heilsprediger noch herleiten kann. Der handelt von der heute Ökologie genannten Logik und Vernunft, in der auch die Philosophen und Weisheitslehren ihre Verhaltenslehren begründeten. Ein wundertätiger Wanderprediger war nicht.

Denn die Begründung der politischen Dimension des Evangelium, damit der gesamten täglich tausendfach zu hörenden Verhaltenslehren (beispielsweise aufgrund der "neuen" Sinai- bzw. Bergpredigt, auf die sich nicht nur Heiner Geißler bezog), machen mehr als deutlich: Hier hat kein siebenschlauer Guru gesprochen, der göttlich inspiriert war oder die taub gewordene jüdische Gesetzlichkeit nur etwas besser auslegte. Die neue Tora, die hier zugrunde lag, war die auch den griechischen Philosophen geltende kreative Tatsache. Die heute u.a. als Ökologie, damals als ewiges Wort verstandene Vernunft allen Werdens bzw. das logisches Weiterdenken der kausalen Natur/Kreativität in menschlicher Kultur war sichtbarer Weise der Grund dessen, was nun Recht gab. Was als rechtes Verhalten in Stoa oder auch im Neuen Testament nachzulesen ist.

4. Ökologie war und ist schöpferische Realität/Vernunft

Beim (Öko) Logos, auf den sich wie bekannt "ausnahmslos" alle frühen Denker als Wesen des christlichen Kultes beriefen, ging es nicht um die philosophische Spekulation einer Weltvernunft. Und noch weit, weit weniger um den neuen Name für einen geheimnisvoll vorgesetzten Gott, wie das oft dem Christentum unterstellt wird. Wo der heute Ökologie genannt Logos galt, war kein Gottestitel, der einem jungen Guru im Rahmen der Apologetik oder Hellenisierung angeheftet worden sein könnte. Da war kein sprechendes Monster oder ein menschlicher Gott als intelligenter Designer, wie er heute als zu glaubend gilt. Der Sinn des Seins und davon ausgehende menschliche Werte wurden nicht aus alten Glaubenslehren abgeleitet, sondern in gegenwärtiger Vernunft bedacht. Wo vom Logos gesprochen wurde, ging logisches Denken über das, was aufgrund der kreativen natürlichen Gegebenheiten (nach jetzt kausaler Gesetzlichkeit) in menschlicher Kultur Recht war, voraus.

So wenig das, was heute nach bestem Wissen als weltvernünftig erachtet wird, war die Logos genannte Lehre ein philosophisches Phantasieprodukt. Noch weit weniger kann es bei der Logos genannten Sinn- Werte-, damit Rechts- und Verhaltenslehre um den einem Guru angehefteten traditionellen Gottesbegriff gegangen sein. Wir wissen, wie im allegorisch/bildhafen Verstand des Alten nicht nur in Alexandrien das ewige Wort in Vernunft (Logos) verstanden wurde, als wahrer Sohn galt. Der Logos bzw. was sich durch logisches Schlussfolgern mit Blick auf das jetzt in kausaler Gesetzlichkeit erklärte Werden ergab, wurde so bekanntlich als das verstanden, was bereits für die Propheten Wort (hebr. Vernunft) war. Der stoische oder christliche Logos war weder das Denken einer vorgesetzter Gottesgestalt, noch eine Vernunft, die sich aus der heute  polemisch als Spaghettimonster betitelten Gottesvorstellung ableitete. Wo logisch über den Sinn und Wert des Lebens, wie davon ausgehende Verhaltenslehren geschlussfolgert wurde, kam nichts aus dem Mund eines dem Buch nach angenommenen schöpferischen Designers. Wie es heute als Glaube gilt. Gerade die christliche Verhaltenslehre bzw. Begründung des Rechtes hat nichts mit einer traditionshörig zu glaubenden Religiosität zu tun. Alles was wir heute über die christlichen Anfänge wissen verweist auf eine gegenwärtige kreative Realität bzw. davon ausgehende Logik in der Kultur geistbegabter menschlicher Wesen.

Wenn mit dem Neuen Testament eine Wende vom strafenden Gott zu einem moralisierenden kam, wie heute gelehrt wird. Dann wurde nicht auf schriftgelehrte Weise am Gottesbild gedreht, wie heute ein zu glaubender Aufpasser in theologischen Meisterkursen an den Hochschulen als evolutionärer Sinn von Religion hinterfragt wird. Die christliche Verhaltenslehre und Moral hat sich eindeutig aus philosophischer Vernunft ergeben, die ihren Blick auf ein in Natur erklärtes kreatives Ganzes richtete. Doch auch der Strafende ist nicht von der Hand zu weisen: Heute ist jedermann klar, dass wir die Folgen einer falschen Lebensweise im täglichen Leben tragen müssen.

Beim Logos, der den antiken Verhaltenslehren zugrunde lag, ging es um ein logisches Schlussfolgern dessen, was nach den natürlichen/schöpferischen Gesetzlichkeiten mit Blick auf die gemeinsame Zukunft und deren Wohl Recht ge-boten war. Sicher bleibt es auch heute stückweit eine Spekulation, was aufgrund der ökologischen Gegebenheiten wirklich geboten wäre, welcher Lebensstiel sinnvoll und Recht ist. Selbst die objektive Antwort auf die Frage, ob die Klimaveränderung nur menschlich bedingt ist oder ob uns Unheil droht, weil wir unfähig sind, unser Verhalten den natürlichen Entwicklung (Logos) anzupassen, bleibt im Sumpf von Ideologien stecken. Doch was für uns heute aufgrund der natürlich-schöpferischen Weltentwicklung logisch geboten (Logos) ist, hat auf keinen Fall etwas mit einer philosophisch-theologischen Spekulation oder gar einem zu glaubenden Gottestitel für einen jungen Guru zu tun.

Die bei einem heute vorausgesetzten Heilsprediger notwendige Hypothese, dass der Logos-Begriff einem jungen Landstreicher, der auf dem Berg nach einer geheimnisvollen Massenspeisung große Töne spuckte aufgebunden wurde, fällt zusammen. Nicht nur, weil wir wissen, dass die Lehre auf dem Berg den nun völlig "neuen" Sinai verkörpern soll. Und dass es auch am Anfang nicht um Eingebungen an einen Vielschreiber mit Namen Moses auf einem Berg ging. Oder weil selbst ein Blinder mit dem Krückstock heute unmöglich weiter davon ausgehen kann, dass es im Neuen Testament bzw. der christlichen Geschichtsrealität um die Lebensgeschichte eines frauenfreundlichen Jungzimmermannes ging. Wer wie Benedikt XVI. nach realgeschichtlicher Erkenntnis die christliche Ethik als Weitdenken der antiken Vernunftlehre bzw. jüdischer Weisheit betrachtet, der weiß, wer auf dem Berg  bzw. im Evangelium gesprochen hat. Selbst die Evangelien, die der einzige Lieferant für den angeblichen Heilsprediger sind, verweisen auf die Logos genannte logische Schlussfolgerung des antiken Denkens im schöpferischen Sinne, wie es heute Ökologielehre ist.

5. Das antike Denken setzten auf die Vernunft als Jesus und Christus

Der in der Antike Logos, heute u.a. Ökologie genannte Vernunftlehre galt nicht nur die Hoffnung der Philosophen auf ein vernünftiges Leben und Friede. In jüdischen Reform- oder griechischen Erneuerungs-Bewegungen, die sich vom Götterkult und traditionellen Vorstellungen lösten, war die Logos genannte Vernunft das allegorisch verstandene und daher im Sinne Josua, lat. Jesus zur Welt gebrachte Wesen. Was dann in Kirche, wie im Koran zum Kult wurde und kulturgerechte Gestalt bekommen musste, hat weit mehr dem zu tun, was heute auf Weltkonferenzen das Thema ist, als mit jungen Männern. Wo die Mythen, Göttergestalten samt ihrer kulturellen Funktion jetzt in Vernunft erklärt wurden, war der bereits von Homer und dann Herodot als Orakel erklärend bekannte "Christus". Die Vernunftlehre war der in Kutlur wirkende Christus. Der die veralteten Traditionsgottheiten erst durch seine kulturgerechte Ausdrucksweise, in der menschlichen Geschichte als neuer jüdischer Josua verdrängte. Und der so die messianisch erwartete Wirkung echt hatte.Thema der kanonisierten Kultgeschichten und auch Grund christlicher Liebe wie Lehren (Glaubens der westlichen Welt) war eine Vernunft, die sich aus nun natürlicher Schöpfung/Kreativität ergab. Nicht allein, weil alle frühen christlichen Denker und Verfasser der Texte ausschließlich vom Logos ausgingen. Nach allem was wir über die Zeitenwende wissen, ging es damals um das, was heute als universale Erklärung kreativen Werdens des Weltganzen Evolution oder Ökologie genannt wird. 

Es ist bei dem heute nicht nur historisch-kritisch gegeben Wissen zwar bereits der glatte Wahnsinn, einer Hochzivilisation, der die Logik/Natur heilig war zu unterstellen, im Kult die in Vernunft erklärten Götter gegen einen jungen Guru getauscht zu haben. (Dies wird in vielen Kapiteln deutlich gemacht: von Zarathustra bis Konstantin oder Julian, dem christlichen Philosophenkaiser, der in seinen letzten Jahren zur Traditionslehre bzw. den griechischen Gottesbildern zurück wollte.) Doch in Bezug auf die Verhaltenslehren wird noch mehr als im Kult der unumstößliche Nachweis erbracht: Die Logos genannte Vernunftlehre antiker Aufklärung war das zur Sprache gebrachte christliche Wesen, das im Islam als Mohammed gilt. 

Im Gegensatz zu Heiner Geißler, der im Vortrag den Eindruck erweckte, dass ihm der junge Mann mit Namen Jesus wichtig ist, mag dessen historische Existenz für die Nächstenliebe-Predigt vieler heutiger Pfarrer egal sein. Doch so oder so bleibt nur eine gut gemeinte Forderung. Die begründet sich zwar ebenso wie bei Geißler und sonstiger grüner oder sozialer Parteipredigt meist in gegenwärtiger Vernunft. Doch bei heutiger Hypothese entsteht das Gegenteil. Wenn der ursprüngliche Grund unseres Kultes nur ein lebenslustiger Gründer gewesen wäre, in dessen Glaube der soziologische Jesuitenschüler seine Zuhörer ließ, dann wäre seine politische Begründung katastrophal. Nicht nur, weil unsere islamischen Brüder dann "mit gutem Recht" ihre mittelalterlichen Verhaltenslehren auch in den Worten bzw. der Meinung eines guten Mannes mit Namen Mohammed oder dem Koran begründen würden. Morgen könnten sich mit gleichem Recht amerikanische Groupies irgendeiner Sekte auf ihren perversen Guru berufen, eine egal wie geartete Verhaltenweise als "politisches Gesetz" verlangen. Und die Pfarrer, denen ein Guru historisch völlig egal ist und die trotzdem politisch-christlich predigen, machen die Sache nicht besser. So ließe sich dann jede Puppe als Bezugspunkt für eine willkürliche politische Ideologie-Meinung aufbauen. So ist genau der Missbrauch von Glaubensvorstellungen vorgegeben, der im oft korrumpierten Nahen Osten ständig beklagt wird.

Der Bezug zu den kulturellen Wurzeln, dem der Antike geltenden gemeinsamen Sinn, der sich mit Bick auf das nun in Vernunft erklärte kreative Ganze zeigte, kann so nicht hergestellt werden. Wo dann gleichzeitig von einem jungen Mann und seinem Vater als geheimnisvollen Gott gesprochen wird, bleiben die politischen Predigten für aufgeklärte Menschen ohne eine gemeinsame kulturbeutende Bestimmung. Die Talkrunden, in denen christliche Theologen, Moslems und Juden (im Hinblick auf eine, ähnlich wie in der Antike globalisierte Welt) nach einer Verständigung der Religionen rufen, bleiben ohne aufgeklärten gemeinsamen Verstand der gemeinsamen Wurzel vergebens.

Doch wie zur Zeitenwende nicht nur die Verhaltenslehren in Vernunft begründet wurden. Wie vielmehr rund um Jerusalem (in Qumran ausgegraben) oder bei der jüdischen Bildung Alexandriens und Syriens ebenso eine Reform im allegorischen Verständnis des Alten und damit kreative kulturelle Synthese in universalem Weltverständnis war. Und wie die Griechen ihr Verhalten, ihren Kult und ihre Götter in Vernunft definierten. All das ist bekannt.

6. Weder junge Männer noch grüner Zweck können Kultur-Motive sein

Da in der modernen westlichen Welt die Religion eh "abgeschrieben" ist, wird dort der kurzsichtige Konsum und Egoismus vergöttert. So werden vielfältige Dinge geliebt und wertvoll, die das Gegenteil von Weltvernunft bewirken. Nicht dem von den Hebräern bereits in den Sternen beobachteten, heute in Ökologie beschriebenen Vernunftgefüge allen Werdens (Wort), sondern menschlichen Sternchen, Medienstars oder dem Fußballgott gilt die neue Religiosität. Nebenbei: Selbst dieser Vergötterung moderner menschlicher Mediengestalten zeigt, warum die Vernunft ein Gesicht bekommen musste. Doch der sich auf einen jungen Guru und seinen im Buch auf damals zeitgemäß anthropomorph beschriebene, heute jedoch völlig vermenschlichten Vater berufende Glaube ist bei heutiger Hypothese absurd geworden. Es wundert nicht, dass polemische Atheisten für ihr Spaghettimonster eine Kirche bauen, vors Verwaltungsgericht gehen, weil ihnen die Hinweisschilder am Ortseingang verwehrt werden. 

Sicher gibt es viele Menschen, die sich völlig frei von kulturellen Vorstellungen für die gemeinsame Zukunft engagieren. Doch allein eine grün-ideologische Zweckmäßigkeit greift zu kurz, wenn der Öko-logos nicht gleichzeitig in aufgeklärter Weise auch als Grund der gemeinsamen kulturellen Wurzelwerte gesehen und in mündiger Weise gutgeheißen, als wertvoll gefeiert (geglaubt) wird.

Nicht zuletzt Heiner Geißlers Versuch, seiner politischen Vernunft durch das Evangelium eine kulturelle Bestimmung zu geben zeigt, wie notwendig die Bezugnahme zur Wurzel unseres Kultes ist. Allein der Blick auf unsere Nachbarn, die in großer Begeisterung einem Mann mit Namen Mohammed folgen wollen, weil er ihrer Kultur ein Motiv gibt, macht deutlich: Es ist dringend notwendig, die Gründergestalten in aufgeklärter Weise zu bedenken. Gemeinsame Motivation setzt ein gemeinsames Motiv voraus, das in aufgeklärter Weise zu erkennen und zu verstehen ist. Auch wenn allein auf den Osterinseln zu beobachten ist, wie ein Kult Wunderwerke vollbringt, aber gleichzeitig der Dienst für Gottesbilder zum Untergang führen kann. Die gesamte Menschheitsgeschichte zeigt, wie eine gemeinsamer Kultur die Voraussetzung ist, damit Menschen auch wirklich der gemeinsame Sache gerecht werden, Weltwunder vollbringen. Was alles vernünftigerweise keineswegs gegen eine notwendige kulturelle Vielfalt spricht, sondern diese als Voraussetzung für eine kreative Entwicklung verlangt.

Wie ein Kult und seine Phantasiebilder und Geschichten für die kreative kulturelle Entwicklung notwendig sind, lehrt nicht nur die moderne Kommunikationswissenschaft und Psychologie. Selbst sich auch mit kultureller Entwicklung beschäftigende atheistische Evolutionsbiologen wie Thoma Junker (Der Darwin Code) zeigen auf, wie gemeinsame Kultmotive/-vorstellungen die Voraussetzung für einen gesellschaftlichen Organismus sind. Oder wie ohne Phantasiebilder im Wandel der Zeit eine Kultur keine Vergangenheit gehabt hätte und keine Zukunft hat. Eine grüne oder sozial zweckdienliche rein politische Kultur, die sich nicht auch mit den kulturellen Wurzeln begründen lässt, ist zu wenig. Auch am kommunistischen Kult, der mit neuen Riten und politischen Plakaten bzw. Bildern/Motiven vergeblich versuchte, aus Ideologie-Genossen gemeinnützige Brüder zu machen, war das zu erkennen. Selbst die antiken Denker, die ihre Götter in Vernunft erklärten, gingen davon aus, dass ohne die aufgeklärte Erkenntnis des alten Kult das römische Staatswesen zusammenbrechen würde, keine Zukunft wäre. Weswegen dann sog. "Christen" verfolgt wurden. Denn die wollten in der menschlichen Bienenkultur nicht weiter der Königin opfern bzw. den römischen Kaiser vergöttern. Für die galt jetzt auch im Kult der neuen Kult(ur) die Vernunft. 

Auch wie in anfänglicher christlicher Diskussion, nicht nur im Markionismus, die Vorstellungen und Geschichten des Alten Testamentes völlig abgelehnt wurden, was andere als Häresie sahen und wie dann die Kirche an die Tradition anknüpfte, ist bekannt. Ebenso, dass aufgrund dieser im Logos begründeten, die alten Geschichten verneinenden Erkenntnislehren, erst das Neue Testament notwendig wurde bzw. der kirchliche Kanon entstand. (Menschen mit Verstand muss sicher nicht ständig gesagt werden, dass es dabei nicht um die Nachfolge eines Guru oder ein blindes Glaubenskonstrukt gegangen sein kann. Beispielsweise für den Marcionismus, wie die gegnerischen, an das Alte anknünftende kirchliche Lehre, der auch den Philosophen geltende Logos das Maß der Dinge war.)

Auch wenn heute die biblischen Texte als Verhaltensmaß zurecht kaum ernster genommen werden, wie Fußballergebnisse liefernde Tierorakel. Und nur wenige die christliche Lehre noch als hilfreich für weltvernünftiges Verhalten halten. Sie eher für Unvernunft und Unfriede verantwortlich gemacht wird. Heiner Geißler hat mit seiner politischen Dimension des christlichen Evangeliums Recht. Doch die ging weder von alten Gesetzen oder von Geißlers Guru aus, sondern damals gegenwärtiger Vernunft. Die erst im Neuverständnis der alten Kulturgüter auch im Volk weit kulturbedeutender wurde, als sich nur in traditioneller Gesetzlichkeit begründende oder abstrakte, so pharisäerhaft bleibende philosophische Predigten. Neben denen, ähnlich wie heute, im Kult dann ausgedienten Göttern gehuldigt wurde.

Und ja, das Evangelium hat auch heute eine politische Dimension. Doch die erstreckt sich nicht auf eine gutgemeinte Moralpredigt, wie sie heute auch in der Kirche oder im Kloster zu hören ist. Allein eine grüne oder rote Predigt bringt so wenig, wie jetzt grün-rot im Namen eines Guru zu predigen, wie es Geißler tut. Die gesamten Forderungen nach Verhaltensweisen, wie sie auf Weltkonferenzen, von den Parteien oder in den Kirchen ständig gepredigt werden, bleiben weitgehend vergebens, wenn dann im Kult ausgedienten Göttern oder Glaubensgesetzen gehuldigt wird. Sich dann gar die Kritiker des Glaubens an den Geistern abarbeiten, damit diesen opfern, ohne die Kulturbedeutung der ihnen heiligen Vernunft bedenken zu können.

Das Evangelium, d.h. die Erkenntnis nicht nur des historischen "christlichen" Wesens als die heute UNO oder Weltkonferenzen geltende Vernunft, würde bei der Bewältigung der Weltprobleme helfen. Das "gelobte Land" Josuas mag eine Vision bleiben. Doch ein von menschlichen Gottesbildern freies, aufgeklärtes Verständnis der gemeinsamen Wurzel könnte zu einem friedlichen Miteinander der Kulturen, statt Krieg, kreativer Gestaltung von Zukunft, statt Zerstörung führen. (Genau das ist ja auch der Grund für dieses Projekt. Die Suche nach historischer Wahrheit Jesus, damit auch der Bedeutung bereits beiseite gelegter christlicher Dogmen, ist dabei nur das Mittel zum Zweck.)

7. Kreative Vernunft ist längst als Jesus Christus belegt

Wie die kreative Vernunft das Wesen des christlichen Religion war und der wahre Grund ist, der im Christentum zum Kult wurde, hat der alte Papst oft betont. Selbst der deutschen Politik hat er in seiner Rechtsrede vor Augen geführt, wie sich die christlichen Verhaltenslehren aus antiker Philosophie, damit natürlicher Schöpfung und ihrer Umsetzung in menschliche Kultur speisten. Der Kirchengeschichtskenner Benedikt XVI. hat in seiner letzten großen Rede zur Begründung des Rechtes vor dem Bundestag klar gemacht, wie die christliche Lehre das Weiterdenken antiker Philosophielehren oder jüdischer Weisheit war.

Doch wenn wir das Hören verloren haben, dem Kult ebenso, wie unserer Verfassung der Grund fehlt, wie Benedikt XVI. vor dem Bundestag beklagte, hilft keine Predigt. Dem kirchlichen Denker ist zuzustimmen, allein Mehrheitsmeinungen von beispielsweise nationalsozialistische oder auch konsumegoistgischen "Räuberbanden" können kein Recht begründen. Daher hilft es nicht, der ökologischen oder humanistischen Weltvernunft nur einen religiösen Anstrich zu geben und die politische Vernunft nun auch noch im Kloster im Namen eines angeblichen Guru zu predigen. Doch wenn der platonische Papst in Berlin den Öko-logos nicht nur als christlichen Rechtsgrund, sondern auch als den der christlichen Religion zu bedenken gegeben hätte (wie er in intellektuellen Reden selbst sagt und ihn mehrfach, aber auch Dr. Geißler in Briefen gebeten), wären wir in Sachen Weltvernunft weiter. Was dem Kirchenoberhaupt aufgrund seines Glaubens und seinem gesamten Lebenswerk nicht zuzumuten war, kann wahr werden. Wer aus heute gegebenem Wissen, selbst den Gedanken Geißlers logische Schlüsse zieht, kann es nicht weiter nur als Spam abtun, die Logos, heute u.a. als Ökologie geltende Vernunft als das historische und damit auch heute kulturbedeutenden Wesen Jesus zu hinterfragen. 

Denn während bereits Benedikt XVI. in größter Öffentlichkeit die christliche Lehre in Natur und Vernunft begründete, wird dies oft völlig verneint. Jemand, der dies in Blogs der evangelischen und katholischen Akademien tut, die gemeinsam das Spannungsfeld "Theologie und Naturwissenschaft" auflösen sollen, wird ohne Vorwarnung gesperrt. Wer den Logos, damit die in Naturwissenschaft begründete, so auch kulturelle Vernunft als das christliches Wesen zu bedenken gibt, gilt als Querulant: "Spam" (Abfall, Plunder, Unerwünschtes) das zu unterbinden ist.

Und während heute in "Evangelium und Wissenschaft" ernsthafte Denker die damals Logos genannten, Sinn machenden Naturprinzipien hinterfragen oder gar ihrer Glaubensvorstellungen zuliebe in Zweifel ziehen wollen, begründet Benedikt XVI. hier die christliche Lehre. Heute wird die Gesetzmäßigkeiten des kreativen Ganzen (in kultureller Umsetzung) meist weder als Grund der Glaubensgebote, noch weniger mit dem menschlich-biblischen Gottesbild oder dem auch für Heiner Geißler geltenden Heilsprediger zusammengedacht. Doch nachweislich wurde der Logos in aufgeklärter Weise als Offenbarung/Erklärung des den Vätern geltenden undefinierbaren Grundes aller Kreativität verstanden: So war historisch erwiesen nicht nur der von Benedikt XVI. dargelegte Grund christlicher Lehre, sondern  Auferstehung des den gottesbildlosen Propheten bereits geltende ewige Wortes (hebr. Vernunfthandlung), für das in jüdischer Geschichte Josua stand.

Ein Rabbiner, ein Imam und ein evangelischer Pfarrer fragten nach dem Recht, warfen auf Art der Orakel (die nach Herodot in Homers Christus, für ihn nun in Vernunft erklärt waren) Münzen in die Luft:

-"Was außerhalb den Kreis fällt, gehört mir, das innerhalb des Kreises Gott", so der Rabbiner.

-"Genau umgekehrt", so der Imam.

-Der evangelische Theologe ruft: "Alles was runter fällt gehört mir, was oben bleibt Gott."

Was folgerichtig ist. Da er seinen Glauben an den von ihm Gott genannten, unsagbaren Grund Kreativität und dessen angenommenen zweibeinigen Sohn in keiner Weise mit der Natur/Schöpfung und ihren kausalen Gesetzen in Verbindung bringen kann.

Wobei der Witz schon darin besteht, dass er eigentlich nur vom christlichen Theologen kommen kann. Denn für einen Juden oder einen Moslem dürfte es kein menschlichen Gottesgebilde geben, das allenfalls eingreifend über die Naturgesetze wacht und über das man nicht nur wie im Witz streiten kann, was ihm gehört, sondern was es bewirkt.

Angesichts dessen, was heute in Bezug auf Gottesbilder, die sich im Laufe der Jahrhunderte im buchstäblichen Schriftverständnis ergaben, als christlicher Glaube gilt, erscheint es völlig unmöglich: Wie kann man auf die absurde Idee kommen wollen, den Logos und damit auch die Naturgesetze, die doch angeblich Schuld daran sind, dass heute kaum noch jemand in Wirklichkeit an Gott glaubt, als lebendiges Wort und gar das ans Herz gewachsene, vertraute Wesen Jesus verstehene zu wollen?

Auch wenn heute klar sein müsste, dass auch die alten Geschichten vom Auszug aus Ägypten, einem Urvater mit Namen Abraham oder gar einem geografischen Königreich Israel Anfangsmythen sind, die zur Geschichte wurden. Wie sich bereits Echnatons ersten Monotheismus aufs kreative Große Ganze gründete, für das die natürliche Sonne stand. Und wie die vom schöpferischen Wort ausgehenden Hebräer Natur- bzw. Himmelbeobachter waren, hier ihre "gebote"ente schöpferische Gesetzmäßigkeit sahen. Ihre Propheten dann Zarathustra (persischen Monismus) weiterdachten, die alten Gottesvorstellungen/-bilder für die kulturellen Probleme verantwortlich machten, nur vom Wort (hebr. auch Vernunft) einen unsagbaren Grundes ausgingen. Wer sich die christliche Theologie der letzten Jahrhundert betrachtet, dem erscheint es geradezu absurd, die ganz natürliche, nun nur in neuer Vernunft (logischen Gesetzen) beschriebene Schöpfung/Kreativität als Grundlage der Schrift und ihrer Gründergestalten zu betrachten.

Und wer seit Jahrzehnten den Glaubenskritikern, wie sämtlichen christlichen Denkrichtungen und insbesondere den Bemühungen der theologischen Professoren über die Schulter schaut, Wissenschaft und Glaube wieder auf einen Nenner zu bringen, dem ist bewusst, was er hier verlangt. Eine Vorstellung, auf der nicht nur der Glaube und die Lebenslehrer der Professoren gründet, sondern auf die dann auch deren Schüler all ihre wissenschaftliche Werke bauen, die gibt man nicht so einfach auf. Auch die theologische Radikalkritik am Anfang der Aufklärung, die den Logos als christliches Wesen bereits deutlich machte, hat das erfahren. Denn anders als heutige Kritik, die die alten Geschichten und Gestalten als reine Kultobjekte aus griechischen Sagen oder alttestamentlichen Vorstellungen ableitet, damit nur eine andere Form von Schriftgelehrter Leere hinterlässt, wollten die meist holländischen Radikalkritiker das christliche Wesen auf neue Beine stellen. Für den Nachweis, dass es beim historischen Jesus Christus um die heute Ökologie genannte Vernunftlehre ging, damit die alten Kulturhoffnungen als erfüllt gesehen wurden, beispielsweise auch die hier sprechende Vernunft jungfräulich, menschlich nicht gezeugt, sondern nur in kulturgerechter Ausdrucksform bezeugt wurde, war es noch zu früh.

Doch wer die schöpfungstheologischen Aussagen des Neuen Testamentes noch halbwegs ernst nimmt und nicht nur einen großmäuligen Guru betrachtet, der mit Monotheismus nichts am Hut hatte. Wer wie das anfängliche Denken von der Offenbarung des Vätergottes in der Person und dem Werk Jesus Christi als die Inkarnation des Logos und Wortes in der Welt ausgeht. Der hat doch alles über die Christen einzig geltende gegenwärtige Schöpfungsmittlerschaft gesagt: Der kulturvernünftig in Person (Rolle/Aufgabe) als neuer Josua zur Welt gebrachte Logos war genau auch das, was die Stoa bzw. gesamte griechische Philosophie erstmals als Vernunft aus den nun logisch erklärten kreativen Naturgesetzen ableitete. Über alle ständig verteidigten, angeblich zu glaubenden Gottesbilder hinaus macht daher die unumstößliche gemeinsame Begründung der christlichen Verhaltenslehren klar, dass das offenbarende und Verhalten bestimmende Wesen heute lebendig ist.

Wo sich zeigt, wie die christliche Lehre eine götterfreie Philosophie vom kreativen Weltganzen war, wird klar: Wenn in einer von vorgesetzten Gottesvorstellungen freien Weltsicht, durch das auch in der Antike gegebene allegorische Verständnis des Alten eine tiefgreifende kulturelle Verant-wort-ung erwächst, ist Josua, lat. Jesus erwachsen.

  

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8. Gegenwärtige Vernunft wurde zum christlichen Kult

Was bisher Mythos war, wurde in antiker Aufklärung ebenso im Logos erklärt, wie die Bedeutung der Götterbilder und ihre Kulturfunktion. So war der Mythos zu einer kulturellen Wirklichkeit geworden, die als erfüllt gesehen und in neutestamentlicher Weise weitergeführt wurde. Mehr als die Masse historisch-schriftgelehrter Kritik, was alles nicht oder ganz anders, alttestamentlichen oder heidnischen Ursprungs war und sich wie hier dann bedacht, in der Entwicklung der Kultvorstellungen erklären lässt, machen die Verhaltenslehren im Namen Jesus deutlich: Ein junger Guru, der zum Christusgott wurde, war nicht. Dort, wo heute Jesus steht, hat die von der Kreativität des Ganzen, später im Sinne jüdischer Geschichte als Josua bezeichnete Vernunft antiker Aufklärung gesprochen. Was heute u.a. als ganzheitliche Ökologie gilt, als Humanismus gepredigt wird oder als eine für die gemeinsame Zukunft sinnvolle Verhaltensweise bekannt ist, wurde als der die Orakel erklärende, der griechischen Geschichte bekannte Christus gesehen. Der wurde später kulturgerecht als neuer Josua, lat. Jesus zur Sprache/Welt gebracht.

Wenn heute Hochschullehrer in "Bibel und Kirche" das Familienideal der Antike hinterfragen, die biblische Familie als Vorbild für das heutige Familien-Ideal hinstellen, dann ist das in vielfacher Weise ein Witz. Nicht allein, weil die Geschichte kein Familien-Ideal beschreibt und sein will. Und die Mutter Kirche als das dann hervorbringende Wesen, die den jungfräulich (allein von natürlicher Schöpfung ausgehenden) Logos in unvoreingenommener Weise als neuen Josua zur Welt brachte, nichts mit einer vorbildlichen "jungen Frau" zu tun hat. Als was dann in heutiger Halbaufklärung die Jungfräulichkeit Marias hingestellt wird. Selbst das gegen alles Wissen, dass die Kultfigur der Maria ihr Vor-bild wahrscheinlich in der griechischen Isis hatte. Es auch dort nicht weder um eine junge Frau, noch weniger um die Mutter eines Guru ging, sondern eine Kultfigur, die dann in neuer Funktion echt geschichtlich erfüllend war.

Selbst wenn es um ein vorbildliches Familienideal gegangen wäre, was jedoch dem Text nach nicht war: Alte Ideale und Vorstellungen als das missbrauchen zu wollen, was heute Recht sein soll, ist gegen alle Vernunft. Mit biblischen Geschichten ist kein Staat zu machen: Weder ist es bei Maria um eine junge Frau, noch beim Ziehvater des Logos/der Vernunftlehre um einen hintergangenen Bauhandwerker gegangen. Mit Geißlers jungem Frauenfreund, der seine Mutter dann auch noch unter Verfluchung verließ, ist schon gleich gar nichts das zu begründen, was nach gesundem Menschenverstand in einer gesunden Gesellschaft Familie sein müsste. Vielmehr halten die traditionellen Vorgaben davon ab, in logischer Weise zu bedenken, ob eine pure Lebensabschnittpartnerschaft für das Wohl einer Gesellschaft das bessere Modell ist.

Was als Ethik im gesamten Verhalten, als Familie vernünftig ist oder welche Paarbeziehung für die Gesellschaft der Zukunft taugt, ist nur in gegenwärtiger Vernunft zu begründen. Die Zeiten der Ächtung gleichgeschlechtlicher Beziehungen sind um. Doch bei der Frage, ob die heute oft Idealisierte und kirchlich als schöpfungsgerecht gesegnete Homo-Ehe die Familie der Zukunft sein kann, stehen die Traditionslehren und dann deren Ablehnung einer objektiv-vernünftigen Antwort im Weg. 

Die Berufung auf einen Frauenhelden als Liebes- und Friedensprediger, wofür Geißler bei seinem Vortrag nur ein gutes Beispiel abgibt, macht nicht nur den christlichen Glaube lächerlich. Der christliche Gott bleibt so ohne den "christlich" in Vernunft erklärten/offenbaren Grund aller Kreativität genau das, was die naturalistischen Neuen Atheisten als "Spaghettimonster" vorhalten. Dass Geißlers Nächstenliebe praktizierender Polit-Guru oder ein biblischer Text für keinen halbwegs aufgeklärten Mensch nicht mehr der Sinn des Seins und Handelns oder das Maß des Verhaltens sein kann, ist daher nicht das Hauptproblem. Noch viel, viel schlimmer ist: Die Berufung auf das eigene Buch oder den eigenen Glaubensgründer, dessen aufgeschriebene schlaue Sprüche noch heute das Maß der Dinge seien, statt auf die einst kulturbedeutende, heute als Öko-logie gegenwärtige gemeinsame Vernunft und ihren Grund, führt zum genauen Gegenteil von dem, was Geißler als Voraussetzung für die gemeinsame Zukunft zurecht predigt. Der sich dann in mittelalterlicher Weise auf die Lehre seines Glaubensgründers berufende IS ist dafür nur ein kleines Beispiel, wovon viele auch in christlicher Vergangenheit und Gegenwart zu finden sind.

9. Antike Philosophie: Vernunft statt Tradition und Orakel

Die oft zu hörende Kritik, dass Jesus nichts Neues gebracht hätte, nicht nur die Nächstenliebe, sondern viele anderen der Antike geltende Verhaltensaussagen ihm nur in den Mund gelegt wurden, greift zu kurz. Denn den antiken Verhaltenslehren lag genau die Vernunft zugrunde, die im Neuen Testament später statt Götter als Jesus zur Sprache gebracht wurde. Einen jungen Mann mit Namen Jesus, dem man das alles andichtete, um ihn zum Christus zu machen, gab es nicht. Die Verhaltensregeln der Zeitenwende wurden nicht mehr allein durch die Tradition vorgegeben, durch Mythen und Orakel, sondern durch die Geister vertreibende Vernunft. Der allen philosophischen, dann den götterfreien, damit christlichen Lehren zugrunde liegende Logos war weder eine Spekulation und noch weniger eine Art Gottestitel für einen jungen Mann. In antiker Aufklärung hatte die Vernunftlehre (Logos) den Mythos und damit traditionelle Vorstellungen abgelöst. Sie hatte daher die Funktion des Orakel erklärenden griechischen Christus und jüdischen Götzenbildvertreibers Josua, lat. Jesus.

Da die Vernunftlehre allein in schöpferischer Wirklichkeit bezeugt war, wundert es nicht, wenn die alte Isis als die für Wiedergeburt stehende Göttin jetzt als eine jungfräuliche Maria ausgemalt wurde. Doch mit einer jungen Frau hat das Wesen, das die kreative Vernunft in menschlicher Kultur (daher auch den abzulösenden Göttergerecht gerecht) zur Welt brachte, was im Westen Mutter Kirche war, nichts zu tun. Allein die Annahme der Kritiker, dass die Mutter eines Heilspredigers als das hingestellt worden wäre, für was vormals Isis stand oder ihr die Jungfräulichkeit alter Göttergebärerinnen aus Verherrlichungszwecken angedichtet wurde, ist absurd. Dies wäre für antike Denker völlig undenkbar gewesen. Ebenso absurd ist die Spekulation heutiger Exegeten: Die Verfasser hätten nur von einer "jungen Frau" schreiben wollen. Damit hätten sich selbst die Verfasser des Koran, die in höchsten Tönen die bekanntlich auch ihnen geltenden Vernunftlehre menschlich zur Welt bringende Wesen bzw. die Mutter beschreiben. Wobei Maria nur ein kleines Beispiel ist, wie sich das, was nach derzeitigem Kurzschluss verneint werden muss, die Kritiker als Lug und Trug betrachten, als eine logische Kulturentwicklung belegen lässt. Wenn statt eines Heilspredigers die nicht nur den Verhaltenslehren zugrunde liegende, sondern im Kult die Rolle (Person, Aufgabe) der Götter übernehmende Vernunft an den Anfang gestellt wird.

Die Kultur Europas sei aus der Begegnung des (gottesbild-/begrifflosen) jüdischen Monotheismus mit der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Natur und Vernunft sei die auch im Christentum geltende Rechtsquelle, so Prof. Ratzinger bereits am 22. September 2011 an die deutschen Politiker. Und wenn der Papst hier nicht nur den Grund der Verhaltenslehren, sondern den Gründer des christlichen Kultes zu bedenken gegeben hätte, statt die Welt im Glauben an einen Guru und seine Mutter zu halten, wäre eigentlich alles gesagt. Aber das kindliche Jesusbild hat sich so im Kopf festgesetzt, dass ihn auch die aufgeklärte Welt und Wissenschaft nicht beim Wort genommen hat. Ein Wort das anfänglich weder im Buch gelesen worden sein kann, noch ein junger Mann war. Das laut der Bundestagsrede des Kirchenoberhauptes in griechischer Philosophie bzw. Vernunft und Natur/Ökologie begründet lag.

Ob die objektive Vernunft, die sich in aller Natur zeigt, einen Creator Spiritus voraussetzt, wie Benedikt XVI. in Berlin fragte, war ähnlich auch Thema der heute Konzile genannten Konferenzen. Die von Konstantin und seine Nachfolger zur Konstruktion eines die Götterverehrung ablösenden neuen "christlichen" Kultes zusammengetrommelten Intellektuellen der damaligen Welt diskutierten jeweils heiß darüber, ob der Logos die traditionellen Glaubensvorstellung ablösen würde oder nur offenbarte/erklärte. Auch auf welche Weise die Vernunft zur Welt gebracht werden solle, was für die Kultur kreativ gerecht sei, war über viele Jahrhunderte das Streitthema und ist es noch Heute. Doch solange die Welt glauben muss, es wäre nur über die Gottheit eines nicht nur für Geißler geltenden jungen Mannes gestritten worden, sind wir geistig weit hinter der all ihre vielen Götter bereits in Vernunft erklärenden antiken Aufklärung zurück. Und dass die alten Gottheiten bereits damals alles Andere waren, als was heute in sog. Gottesbeweisen belegt werden soll oder in Theodizee in Zweifel gezogen wird bzw. allgemein als zu "glauben" gilt, ist auch klar. Nicht weil die alten Denker keine Deppen waren. Es ist bekannt, wie die Antike die kulturelle Vernunft der in vielfältigen Göttern verkörperten Naturphänomene und Kulturidealen bedachte. Phänomene und Ideale, die keine poetischen Kulturgestalten waren, sondern deren schöpferisches Wesen ebenso in Vernunft erklärt war, wie ihre kulturelle Funktion, hatten nicht mit einem zu glaubenden Gott zu tun.

10. Kreative Gesamtheit und die sich aus ihr ergebende Vernunft bedeutend machen, lieben: christlich glauben.

Wie soll die Erde, die nach dem alten Papst ihre Würde in sich tragen würde und deren Weisung wir folgen müssen, wieder zu einer bedeutungsvollen kreativen Weisung werden? Was sollen die sich in sozialen Netzwerken verbreiteten Filme, die einerseits die Herrlichkeit der natürlichen Welt zeigen, andererseits die Missetaten der Menschen anprangern, wenn im natürlichen Werden nicht das schrift- und menschgewordene Wort wahrgenommen werden kann, so auch keine kulturell tiefgreifende Begeisterung und Verant-wort-ung entsteht. Wie soll die auf Weltkonferenzen ausdiskutierte politische Vernunft zur gemeinsamen Bestimmung der Kulturen werden, wenn sie im weltweiten Netzwerk nicht mit den Begründungen der Kulturen zusammengedacht wird? Wenn die Kirchenlehrer, wie auch Geißler nur einen Guru durch die Gegend jagen, schließen sie das als Jesus lebendige Wort aus, verhindern sie geisterfreie Vernunft. Solange die kirchliche Welt, wie damals die Philosophen, im Kult weiter die alten Götter (vorgesetzte menschliche Gottesvorstellungen) verehrt, braucht niemand über die Unvernunft der Welt und den politisch missbrauchten Aberglaube zu jammern. Die auseinandergebrochene Kultur, bei der dann die Politik vom Papst ermahnt wird, den Grund des Rechtes nicht mehr in heiligen Büchern oder in zufälligen Mehrheits-Meinungen, sondern in wissenschaftlich erklärter Vernunft aller Natur/Kreativität zu bedenken, ohne hier auch den Grund des christlichen Kultes zu benennen, kann nur durch kulturelle Aufklärung geheilt werden. 

Dem sich in der Menschheitsgeschichte auch durch Mehrheitsmeinungen ergebenden Unrecht entgegenzuwirken, sei die Aufgabe der Politiker, hat der damalige Papst  vor dem Bundestag aufgefordert. Doch wie die heute auch in ihrer menschlichen Dimension bedachte Ökologie, damit moderne Weltvernunft wieder die Größe und Bedeutung finden kann, die sie zur Umsetzung braucht, bleibt bei heutiger Glaubenslehre verborgen. Wer wie Prof. Ratzinger weiß, dass der Öko-Logos das christliche Wesen war und bereits in Berlin auch die christlichen Lehren in einer von ganz natürlicher Schöpfung ausgehende kreativen Vernunft begründete, der braucht sich über die Unvernunft der Welt nicht zu wundern. Wer sich weiter zu einem jungen Guru bekennt, verhindert, dass das, was als weltvernünftig erkannt ist, wieder die kulturell-kreative Bedeutung und Bestimmung bekommt, die es dort hatte, als von Auferstehung des prophetischen Wortes/Wiedergeburt des Anfänglichen gesprochen wurde.

Doch der frohen Botschaft des christlichen Evangelium, dessen politische Dimension Geißler deutet, lag weder ein altes Buch des Glaubens oder das Bauchgefühl eines jungen Guru zugrunde.Was dem neuen Menschen der Antike als absolute Wahrheit galt, war wie bekannt durch kreative Vernunft gegeben. Und wie auch Prof. Ratzinger bestätigte, war diese philosophisch ausdiskutierte Vernunft der Grund christlicher Lehre.

Heute ist doch bekannt, wie und warum die biblischen Kulttexte entstanden. Wie sie der Textsammlung einer das Alte Testament ablehnenden Erkenntnislehre (Marcion) oder dem Kaiser-Evangelium entgegengesetzt wurden. Wie so aus Weisheitslogien eine Geschichte wurde. Auch wie die aus einer Vielzahl von antiken Kult-Texten der Reform- und Erkenntnislehren stammenden Evangelien keine banalhistorische Schilderung sein sollten, sondern heute vielfach definierte Theologiegeschichte. Wie kann sich daher ein erwachsener, philosophisch gebildeter Mensch auf den politische Liebe predigenden Freund einer jungen Frau aus Magdala berufen bzw. seine Zuhörer in dessen Glauben belassen und so auf Friede und Weltvernunft hoffen?

11. Logos löste Leberschau ab - gab Hoffnung aufs gelobte Land

Und nicht nur Geißler, sondern die gesamte Geschichtslehre weiß doch, wie sich nicht allein die antike Philosophie in ihren verschiedenen Schulrichtungen, sondern die gesamten damaligen Weisheitslehren begründeten. Die in Natur/Schöpfung belegte Vernunftlehre hatte Leberschau und die Befragung von Orakel, aber auch die Willkür von römischen Monarchen oder zum tauben Selbstzweck gewordene jüdische Nationalgesetzlichkeit abgelöst. Der von Geißler thematisierte Geisteswandel war durch die Vernunftlehre gegeben. Und die Vernunftlehre antiker Aufklärung galt nicht nur den Vätern der Kirche oder noch christlichen Kalifen als Hoffnung auf das gelobte Land. damit Geister vertreibende neue Josua, at. Jesus. Der wie von wissenschaftlichen Wurzelforschung (wie Karl-Heinz Ohlig) nachgewiesen, literarisch oder förmlich zu Mohammed "umgemünzte", im Orient prophetisch zur Sprache gebrachte Christus war kein junger Mann. Es ging um den Logos/die Vernunft, als der der kirchliche Sohn auch den Verfassern des Koran oder den auf Vernunft und Friede hoffenden Kalifen und sämtlichen Kirchenlehren galt.

Wie zur Zeit Jesus die Vernunft zu einer politischen Dimension wurde, was weiter über die Politeia Platons hinausging, kann man sich nicht deutlich genug vor Augen führen. Denn egal ob dabei vom Logos gesprochen wurde, wie er zum Grund des Kirchenkultes war, die Vernunft war das neue Maß. Nicht nur die philosophische Staatslehre, sondern der gesamte Alltag sollte in antiker Aufklärung durch ganz natürliche Vernunft bestimmt sein. Die alten Kultvorstellungen, über deren Bedeutung selbst Epikur diskutierte, wurden als dafür vernünftiges Mittel zum Zweck gesehen.

Was bringen die Bücherschränke voll von ganz verschiedenen Philosophierichtungen der Antike und ihrer jeweils in natürlicher Vernunft bestimmter neuer Verhaltenslehren? Was soll die gesamte Beschäftigung mit den alten Griechen, mit den Vorsokratikern, dann der in Sokrates ausdiskutierten Vernünftigkeit, bis zu den verschiedenen neuplatonischen Lehren, die im Christentum aufgingen? Wenn dann ein nun nicht mal mehr göttlicher Guru und dessen Liebespredigt gültiges Maß sein soll, dann ist das weit schlimmer wie eine Bücherverbrennung. 

Der nach der Vertreibung der Geister und Götter Josua, lat. Jesus genannte christliche Öko-Logos kann so nicht bedacht werden. Wie das nun in Natur, Logik (sicher noch nicht in der heute erst möglichen empirischen Weise) erklärte kreative Weltganze Lieferant für die gesamte antike Verhaltenslehre war und zum christlichen Kult wurde, bleibt so außen vor. Die Predigt Geißlers, die ähnlich wie die in der neuen Enzyklika verbriefte Forderung Franziskus nach einer ganzheitlich-ökologischen Lebensweise, jenseits egoistischer Gier und Kurzsicht, in Wirklichkeit die Geschäftsgrundlage gewechselt hat, bleibt so leider reines Pharisäertum. Auch wenn die Forderungen der Beiden bereits in gegenwärtiger Vernunft begründet sind, so berufen sich Geißler, wie Franziskus in den Augen der aufgeklärten Welt auf ihre gestrigen Geister. Dass es dort, wo heute Jesus Christus steht, um eine heute Ökologie genannte Vernunft ging, die dann auch in Mohammed prophetisch zur Sprache gebracht wurde und so auch heute kulturbedeutende Geschichte sein könnte, kann dann kein Thema sein.

Doch von Theologiemodellen der Ägypter und Perser, Zarathustra, dann sich auf Moses berufender Propheten, über jüdische Kabbalah, Gnosis genannte christliche Erkenntnislehren bis zur griechischen Philosophie galt nie die Meinung von Einzelgängern mit göttlichen Eingebungen. Wie auch in den östlichen Lehren, dem Tao oder den Weisheiten des Laotse war die kosmischer Ordnung des Weltganzen, die kreative Vernünftigkeit und nicht ein Guru oder Gottesbild das Maß der Dinge. Und die Kyniker, in die ein junger Jesus bei der heutigen Hochschullehre oft eingereiht wird, die betätigten sich nicht als Schriftgelehrte oder haben nächtlich auf spirituelle Weise himmlische Stimmen gehört. Von Dionysos & Co. ist bekannt, wie sie Aussteiger aus dem traditionellen Verständnis waren, für sie die Natur das neue, in menschliche Kultur umzusetzende Vorbild war.

Die griechischen Philosophen in Athen, wie jüdischen Reformern in Alexandrien heilige, dort im jüdischen Sinne als ewiges Wort verstandene Vernunftlehre galt allen antiken philosophischen Lehren. Auch wenn unterschiedliche Modelle und Lehrkonsequenzen auch in Bezug auf den Kult waren. Ob man sich auf Sokrates, Pythagoras, Platon, Epikur oder Diogenes berief. Wie die Kyniker und die dann zur Stoa gewordene Denkweise, die dann rund um das Mittelmeer, aber auch rund um den See Genezareth bedacht und gelehrt wurde. Die Vernunft nun natürlicher Schöpfung war das Maß. Zwar scheinen die Bilder kindlicher Glaubensvorstellungen (bei Geißler nun auch noch ein politischer Jungcharismatiker) den Geist gefressen haben. Doch ein halbwegs klar denkender Mensch des 3. Jahrtausend kann doch nicht weiter, wie heutige kirchlich-theologische Wissenschaft  (nicht allein bei dem die derzeitigen Neutestamentler in Heidelberg ausgebildeten Gerd Theißen nachzulesen) einen jungen Kyniker als den historischen Jesus betrachten. Dann auch noch dessen schlaue Sprüche von Nächstenliebe als heilsbringendes universal geltendes politisches Maß für Heute hinstellen. Was ja nicht nur Geißler tut, sondern jeder evangelische Pfarrer in seiner Predigt.

Wie heute fast alle Pfarrer oder auch Franziskus, so predigt auch Geißler unter dem großen Beifall seiner Zuhörer eine für die gemeinsame Zukunft unabdingbare Vernünftigkeit. Die Abkehr von kapital und konsumegoistischer Gier und Kurzsicht ist eine weltnotwendige Weisheit, wie in anderen Ausdrücken auch die Stoa oder jüdische Weisheit verlangte. Eine kreative Vernünftigkeit, die Geißler, auch wenn er sich im Kloster auf das Evangelium beruft, schon lange nicht mehr aus dem Buch abliest. Es ist die zeitgemäß politische Vernunft, die sich, wie sie bei jedem Grünen, Sozialisten oder Humanisten aus der Verantwortung für das Ganze und die gemeinsame Zukunft ergibt. Doch solange Geißler mit seinem politischen Guru, ebenso wie seine dogmatischen Gegner in kirchlichen Reihen alten Bildern hinterherjagen, bleibt die Predigt leider ebenso pharisäerhaft, wie die des weiter traditionshörigen Judentums, das hinter die Zeitenwende zurück wollte, daher die als Josua, Jesus geltende Vernunftlehre der Gottlosigkeit bezichtigte. Oder wie auch die philosophischen Lehren, die nach Konstantin noch den Gottesvorstellungen der Tradition anhingen, bis über den ursprünglich abgefallenen Julian hinaus selbst bei noch so viel Bildung und Vernunft wieder den alten Göttern, menschlichen Gottesbildern huldigen wollten.

Denn es macht einen ganz "gewaltigen" Unterschied ob sich die aufgeklärte Welt im Kult weiter auf Götter beruft, an die eh kaum einer mehr glaubt und dann einfach alles als gestrig ablehnt. Oder ob sie die in Vernunft erklärte Natur, das seit dem Sternenstaub erklärte Werden liebt, hier den gemeinsamen Sinn sieht, d.h. in aufgeklärte Weise ihrer jeweiligen Wurzel (im Westen christlich) glaubt. (Geht es bei diesem gewaltigen Unterschied gar um die heute in Kurzsicht  angeprangerte "Unterscheidung des Moses", die schon in jüdischer Geschichte dann der Geister vertreibende Josua brachte?) 

 

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Größer kann der Selbstbetrug durch die Kultbilder kaum sein: Dan Brown geht noch weit über Heiner Geißlers Frauenfreund hinaus. In "Sakrileg" behauptet er, dass die junge Maria aus Magdala die Ehefrau Jesus gewesen und gar ein Kind mit ihm gehabt habe, dessen Nachfahre in Frankreich leben. 

Wenn der Jesus des Kulttextes einer Maria aus Magdala auf den Mund küsste und sie in einem Text des 4. Jahrhundert als "seine" Frau bezeichnete. Dann hatte der Verfasser der damals vom Logos ausgehenden Erkenntnislehren (Gnosis) mit Sicherheit keinen jungen Mann und seine Freundin im Blick. Mit einem jungen Frauenfreund, wie ihn Geißler verkündet oder ein kirchliches Sonntagsblatt, das sich auf einen angeblichen Sensationsfund des 4. Jahrhundert berufend, Jesus als verheirateten Heilsprediger hinstellte, ist nicht nur keine der antiken und christlichen Verhaltenslehren zu begründen. Den hat es nicht gegeben.

12. Jesus und Maria Magdalena

Dr. Geißlers Buch "Was Jesus heute sagen würde" war bereits 2002 die Angriffsfläche des damals in Heidelberg für das Neue Testament zuständigen Klaus Berger. (Der Brief an Heiner Geißler als naturverbundener, philosophisch gebildeter Querdenker den Grund des christlichen Glaubens in neuer Weise zu bedenken, ist unter meinem Namen zu googeln. Ebenso sind die vielen vergeblichen Versuche, Berger zu bewegen, den in Natur/Schöpfung begründeten Logos als das historische christliche Wesen zu bedenken, unter www.theologie-der-vernunft.de zu finden.) Von Maria Magdalena als "Fußgeilem Groupie", mit dem die FAZ den Vorwurf Bergers betitelte, den doch göttlichen Jesus als reinen Politrebellen zu missbrauchen, um sich selbst in das Evangelium hineinzulesen, hat Geißler auch in Neustadt mehrfach gesprochen. Beispielsweise hätte Hieronymus das Griechische der kath. Sexualethik wegen falsch übersetzt. Der frauenfreundliche Liebesprediger hätte zu seiner Freundin gesagt, "halte mich nicht fest", statt wie zu lesen "rühr mich nicht an". Doch leider hält Heiner Geißler auch in seiner neuen Sicht der Welt, aus der er seine politische Predigt herleitet, ähnlich Berger, der mit einem vorgesetzten zweibeinigen Gottesgebilde die Sache ganz absurd macht, an einem jungen Guru fest. Dabei ist klar, dass wie alle anfänglichen kirchlichen Denker Hieronymus bei seiner Übersetzung in Latein vom Logos ausgeht, den er als neuen Josua sieht. Von Buße, was nach Geißler ebenso falsch gedeutet wird, weil es dort um ein völliges Umdenken, statt ein armes Sünder Dasein gegangen wäre, ist daher bei ihm, wie in der gesamten heutigen Lehre, keine Spur zu finden. Doch solange bei den Glaubenslehren an gestrigen Vorstellungen festgehalten, keine Begründung in gegenwärtiger Vernunft ist, bleibt alle Predigt von Buße, bleiben Forderungen nach Verhaltensänderung jenseits von Kurzsicht und Gier hinten herauskommender Wind.

Auch wenn Bergers Insistieren auf einen jungen Mann als Gott (damit Grund aller Kreativität) oder lebendigem Wort und Lebensmaß ein völliger Witz ist. Bei Geißlers Nächstenliebe predigendem Frauenhelden wird die Absurdität der "politischen Dimension" ebenso deutlich. Weltvernünftige Verhaltenslehren lassen sich weder so, noch so begründen. Doch mit dem von Geißler angenommenen Guru ist die völlig neue Denkweise, deren Dimension in allen antiken Philosophielehren zum Ausdruck kommt, so wenig zu machen, wie mit Bergers zweibeinigem Gottesbild. Und dass das Christentum und seine Verhaltenslehre nicht das Hirngespinst eines jungen Heilspredigers war oder was diesem an altreligiösen Konstrukten und traditioneller Moralgesetzlichkeit in den Mund gelegt wurde, sondern ein Weiterdenken antiker Philosophie, ist Fakt. Das ist bereits in der Bundestagsrede von Benedikt XVI. nachzulesen, die auch Geißler bekannt sein müsste. 

Wenn Geißler, wie die meisten, nicht nur protestantischen Pfarrer, heutige Weltvernunft (ob ökologische Lehre oder was sonst für ein friedliches Miteinander, kreative Zukunftsgestaltung notwendig wäre) in die Evangelien hineinlesen, dann entspricht das genau der "frohen Botschaft". Es war die gegen alle Traditionshörigkeit gegenwärtige Vernunft antiker Aufklärung, die, wie heutige Exegese erklärt, dem Evangelium auf den Friedenskaiser Augustus und sonstigen Göttersöhnen entgegengestellt wurde. Schon allein im Wissen um die Ausformulierung der Weisheitslogien zu einer Evangelien-Geschichte müsste mit Verstand klar werden, dass es um keinen Guru ging. Doch wenn dann in diesem auch noch all die Vernunftlehren begründet werden, die sich in antiker Aufklärung, beispielsweise der Stoa oder jüdischer Weisheit nachlesen lassen. Dann wird die Hypothese heutiger Lehre vom (bei Geißler politischen) Wanderkyniker ebenso absurd, wie die der Kritik, dass nur ein Glaubensgespenst oder ein Kirchenkonstrukt war.

Allein die Stoa in den Evangelien nachzublättern, wie das nicht allein die Theologen tun, die in dem später Jesus genannten Wesen eine Wanderkyniker vermuten, macht klar: Hier hat kein Heilsprediger, sondern die vom natürlichen kreativen Ganzen ausgehende Vernunft gesprochen. Auch dass Neuplatonismus in der Paulus genannten antiken Briefliteratur zu finden sei (die sich laut heutiger Kritik aus philosophischer Gnosis/Erkenntnislehren herleitete), nicht aus der Feder eines einzelnen Wendepharisäers stammt, ist völlig logisch. Und auch wenn Geißler von Paulus wenig wissen will. Wer dort die ihrer Zeit entsprechenden Verhaltenslehren nachblättert, wie kann der weiter einen jungen Heilsprediger für die heute relevante politische Dimension halten? Wer in Geißlers Beispiel verlangte, mit dem Fremden zwei Meilen mitzugehen, statt wie das römische Gesetz verlangte, nur eine, das war die Vernunft und kein junger Guru. Die gesamte Bergpredigt ist nicht die Rede eines ersten Femenisten bzw. Frauenliebhabers zu seinen Fischerfreunden oder einem frommen Hirngespinst entsprungen, sondern lässt sich in antiker Vernunft begründen.

Die Verhaltens- bzw. Vernunftlehre der Antike war keineswegs eine christliche Erfindung. Auch wenn es sicher übertrieben ist, bereits einen frühen Feminismus feststellen zu wollen, wie Geißler den jungen Jesus, der selbst die verstoßenen Frauen nicht mehr verachtete, hinstellen will. Wer sich nicht mehr durch absurde Rituale von einer Berührung mit diesen unreinen Frauen reinigen wollte, ging von Vernunft aus. Die Gleichheit der Menschen war geboren, leitete sich aus einem neuen Weltverständnis ab. Und wer das traditionelle Verstoßen der Frauen, wie die absurden Rituale verwarf, das war einzig die Vernunftlehre antiker Aufklärung. 

Was für alle Menschen galt, weit über die traditionelle Gesetzlichkeit hinausging, jetzt den Sinn des Menschen und sein Verhalten erklärte, incl. der Kultvorstellungen, war in antikem Monismus (heute Ökologielehre), damit aufgeklärtem Monotheismus begründet. Wie kann jemand, der im Kloster im Hinblick auf die heutigen Flüchtlingsströme am Rande erklärt, wie jetzt etwas war, was für "alle" Menschen galt, die Menschen im Glauben an einen jungen Guru lassen?

13. Jesus vernetzt: Weltvernunft antiken Monismus

Auch wer noch spekulativ, in verschiedenen Modellen erklärte, wie alles mit allem zusammenhängt, der sah einen Sinn darin, sich weltvernünftig (heute sagen wir ökologisch) zu verhalten. So wenig wie es heute kinderlosen Ökoaktivisten nur um den inzwischen evolutionsbiologisch belegten Sinn der Maximierung eigener Gene ging, war die antike Sinnlehre (Logos) nur auf das eigene Sein beschränkt. Wobei uns inzwischen sogar klar ist, wie die eigenen Gene, den wir evolutions-biologisch verantwortlich sind, vom öko-logischen Ganzen abhängig sind, wir damit der Genesis verantwortlich sind. Und egal ob man dabei an eine im Westen Gott genannte kreative Kraft denkt, die wie in der Antike im aufgeklärten Sinne verstanden, Diskussionsgegenstand der Kultur war. Wo die aus dem kreativen zusammenhängenden Ganzen abgeleitete Vernunftlehre galt, wie im antiken Monismus, der sich dann im Kult auf den Zeus-Pantokrator als Vater aller Söhne berief (wie noch griechisch der spätere Jesus auch in Evangelien benannt war). Dort ist es weder um ein vorgesetztes Gottesgebilde, wie es heute bewiesen werden soll oder in Zweifel gezogen wird gegangen. Aber noch weit, weit weniger sagte ein junger Guru mit Namen Jesus, was über die Tradition hinaus oder entgegen der Traditionsgesetzlichkeit (nicht nur hinsichtlich des stellvertretend stehenden Sabbat) geboten war.

Hier soll nicht damit gelangweilt werden, wie das neue monistisch-monotheistische Weltverständnis in vielfacher Weise völlig neue Verhaltensbegründungen und -lehren hervorbrachte, die von völliger Askese, nicht nur bei Kynikern, bis zur Betonung der Lust bei Epikur reichen. Vieles mag in heutigen Augen absurd erscheinen, entsprach damaliger Natur-/Vernunftlehre, die sich heute überholt hat. Was aber im "christlichen" Sinn auch kein Problem ist, da es dort nicht um alte Traditionen, gar in Buchstaben Vorgesetztes, sondern dessen Überwindung durch gegenwärtige Vernunft ging. Doch die Dimension dieses völlig neue Denkens und daraus resultierender neuer Verhaltenslehren, was bei allen antiken Schriftstellern nachzublättern ist, aus der Stoa geradezu herausschreit, ist ohne das antike Weltverständnis nicht zu machen. Wie das alles nicht nur bei Geißler dann in einem Guru oder einem Glaubenskonstrukt begründet wird, ist echt himmelschreiend.

Wie bei Geißler, so gebraucht daher auch die Überschrift des Plakates vor dem Eingang der Kirche den Namen eines angeblichen Guru "Jesus vernetzt" für alle möglichen Botschaften. Doch so, wie die Möglichkeit des weltweiten Gedankenaustausches nur durch den Geist kreativer wissenschaftlicher Vernunft bewirkt wurde. So ist die Erkenntnis dieser Vernunft als Grund der verschiedenen kulturellen Vorstellungen auch Voraussetzung um für ein Netzwerk der Weltgemeinschaft in Vernunft und Friede. Doch Jesus vernetzt wirklich: Es entspricht kultureller Kreativität/Schöpfung, sich traditioneller Vorstellungen zu widersetzen, um geistige Grenzen zu überspringen, im Netzwerk weltweiten Wissen (allein Wiki ist ein Wunderwerk) auf mündige Weise zu völlig neuen Schlüssen über die gemeinsamen Anfänge zu kommen. 

Wenn nachweislich noch christliche Kalife (wie Geißler Anhänger der politischen Dimension) in monistischer antiker Vernunftlehre (Logos) ein "Leben in Vernunft und kulturellem Friede als das gelobte Land (Josua) erhofften". (Nachzulesen bei der Wurzelforschung des Islam "Die dunklen Anfänge". Auch wenn auch dort leider nicht nach dem zu Mohammed literarisch und förmlich "umgemünzten" Jesus gefragt wird.) Wie behämmert durch Kultbilder muss eine Kultur sein, wenn sie sich dann weiter in einem jungen Guru, traditioneller Gesetzlichkeit oder einem Glaubensgebilde/Gottesbild oder nach deren Ablehnung in beliebigem säkularem Bauchgefühl und egoistischer Kurzsicht begründet?

Wenn im antiken Monismus die natürliche Schöpfung den menschlichen Sinn offenbarte und das Maß des Verhaltens war, dann ging es nicht um einen Naturalismus im heutigen Sinne. Der Logos bzw. das Weltverständnis nach universalen logischen Gesetzen, die heute wissenschaftlicher erklärt werden, war weder ein Naturalismus, eine Naturrechtslehre. Nach allem, was wir über die antiken Weisheitslehren, wie auch das christliche Wesen wissen, führte die Berufung auf den Logos in Natur und menschlicher Kulturgeschichte als umfassende Schöpfung zum Gegenteil von Rassenlehre im Sinne des Nationalsozialismus oder sozialdarwinistischem Recht des Stärkeren.

Wie Geißler zurecht ausführt, war nicht das beispielsweise bereits den Juden der Zeitenwende geltende Gebot der Nächstenliebe die Besonderheit des Evangeliums. Doch gerade die Frohe Botschaft des neuen Bundes, der jetzt auch für Griechen galt, die damit Brüder waren, lässt sich weder in guten Worten des von Geißler im Kloster hinterlassenen Guru, noch einem Geisteskonstrukt begründen. Insbesondere die über die jetzt über Juden hinausgehende Brüderlichkeit ist nur im Neuverständnis des Väterkultes im monistischen Monotheismus zu erklären. Weder ein Glaubenskonstrukt noch ein Guru können der Grund für den Universalismus, das globale Selbst- und Weltverständnis gewesen sein, wie es nicht nur im Neuen Testament, sondern der gesamten Antiken Philosophie spricht. 

14. Vorschriften/Gesetze töten, es lebe der Geist der Vernunft

Es liegt völlig fern, Heiner Geißler, der sich in Hambach für ein friedliches Zusammenleben der Kulturen, ein Willkommen von Fremden stark macht, als Kriegstreiber hinzustellen. Er ist das Gegenteil. Doch an ihm wird deutlich, wie die Begründung des gesellschaftlichen Verhaltens im eigenen Gründer und dem eigenen Buch als nun auch noch als politischem Gesetz gerade das Gegenteil von dem bewirkt, was Dr. Geißler mit der politischen Dimension des Evangeliums erreichen will. Gleichwohl wie mehrfach erwähnt davon auszugehen ist, dass seine Forderungen nach einem friedlichen Miteinander, einem Willkommen von Flüchtlingen und fremder Kulturen, in zeitgemäßer Vernunft begründet ist. Seine "politische Dimension des Evangeliums" bleibt in Hambach eine Bezugnahme auf gestrige Vorstellungen. Und wenn er dann auch noch die Story erzählt, wie der Freund der Maria aus Magdala verlangt hätte, mit dem Fremden zwei Meilen mitzugehen, dann ist das zwar gut gemeint. Doch gleichzeitig braucht sich niemand über den Unsinn auf der Welt zu wundern. Auch nicht, dass sich beispielsweise die Mohammedaner über die Familienangehörigen ihres Glaubensgründers streiten, die Berufung auf der verschiedenen Glaubensrichtungen die Familienmitglieder Mohammeds bekanntlich massenhaftes Blutvergießen auslöst. Was Gestern gut war, muss heute nicht mehr gelten. Und wie auch die christliche Geschichte und Gegenwart zeigt, lässt sich mit alten Vorschriften bzw. Gesetzen fast jeder Unsinn begründen. Vom radikalen Islam, der sich dann auch auf seinen Gründer und sein Buch beruft, ganz zu schweigen.

Das antike Denken setzte seine gesamte Hoffnung auf die Vernunft. Nicht nur das kreative Werden wurde nun nach universalen Gesetzen, in Vernunft erklärt. Wofür Heraklit erstmals den Begriff des Logos gebrauchte. Wie er in aller urchristlichen Lehren das Thema war, das christliche Wesen so auch genannt wurde. Auch der traditionelle Kult, die Götterlehre und Orakel wurden nun in einer Vernunft erklärt, in der der Sinn des Seins bedacht wurde. Wie daher nicht mehr menschliche Eingeweihte, Leberschau oder traditionelle Vor-Schriften maßgebend waren, hilft verstehen, wie alles, was in Christus erhofft wurde, eine Hoffnung auf die Vernunft war. Nicht mehr veralteten, starren Gesetzten sollte geopfert werden. Leben nach dem Logos, dem Geist der Vernunft war auch dort angesagt, wo noch die bereits in Vernunft erklärten Götter galten.

Im Evangelium hat die zeitgemäße Vernunft gesprochen, die in noch vielfältigen konkurrierenden monotheistischen Reformbewegungen statt Götter zum Kulturgut erhoben war. Paulus, heute meist wieder total ins traditionelle Judentum heimgeholt, war ein monotheistisches Paradigma, das von Vernunft ausging, daher zurecht auch als "Ende des Gesetzes" gesehen wurde. Was keineswegs ein Leben nach Belieben, persönlicher Gier und Kurzsicht war. Doch der Logos, den

Das im Neuen Testament zum Thema gemachte Sabbatgebot ist dabei sicher nur ein kleineres Problem gewesen. Doch wo auch man sich weigert, dem Sabbat wegen ein in den Brunnen gefallenes Kind zu retten, wird das Problem einer erstarrten tauben Traditionsgesetzlichkeit, wie sie auch heute nicht nur bei im Mittelalter verharrenden Verhaltensvorschriften zeigt oder gar den darauf einen Gottesstaat errichten wollenden mörderischen Moslems, beispielshaft deutlich. Vorschriften der Tradition, die im Grund einen kulturellen Sinn hatten, verkehrten sich nicht nur in der Antike auf taub-erstarrte Weise ins Gegenteil. Sie verhindern nicht nur, dass ein Kind aus dem Brunnen gerettet wird. Veraltete, erstarrte Vorschriften stehen einem vernünftigen Verhalten, wie auch Kult in vielfacher Weise im Wege. Vor-schriften verhindern einen kreativen Fortschritt, Aufklärung in Kultur. Die Vorschriften der Tradition waren es, gegen die sich im Westen die Aufklärung und Vernunft nur allmählich durchsetzen konnte und die noch heute im Orient geistig gefangen halten, politisch missbraucht werden.

Denn die christliche Lehre, die sich weiter wie selbstverständlich als Buchreligion versteht, liefert damit das Vorbild für die Unvernunft. Auch wenn Geißler gut gemeint im Christlichen Evangelium das nachblättert, was er in Wirklichkeit in gemeinsamer gegenwärtiger Vernunft begründet, leistet er dem Aberglaube Vorschub. Wer sich wie Geißler auf einen im Buch beschriebenen Gründer beruft, der darf sich nicht beklagen, wenn dann in mittelalterlichen Vorstellungen verharrende Zeitgenossen, diese Vorschriften, die oft gegen alle Vernunft sprechen, zum Gottesstaat erheben wollen. 

15. Das christliche Wesen lebt, Vernunft ist gegeben, gegenwärtig

Wenn die gegenwärtige Vernunft, statt gestrige Gesetzte gültig wäre, dann müsste der Papst bei einem Besuch in Afrika Koffer voller Kondome mitbringen und über deren sinnvollen Einsatz predigen. Die katholische Kirche, die sich nicht auf die gegenwärtige kreative Vernunft bezieht, wenn sie trotz Aids und Überbevölkerung in Afrika Kondome verbietet, wird nicht ernst genommen, wenn sie sonst eine ganzheitliche Ökologische Verhaltensweise, damit wie Geißler gegenwärtige Vernunft predigt und sich aufs Evangelium beruft. Und noch weit weniger kann bedacht werden, wie genau diese Vernunft/der Logos bzw. gemeinsame Sinn statt veralteter Götter zum Wesen eines nun universalen Monotheismus-Kultes wurde, damit echt Christus war. Und wie für diese Vernunft eine Kirche gebaut wurde, die auch einen neuen Kulttext, damit den Kanon beötigte, was eine echt kreative Entwicklung in Kultur war. 

Wo dort bei Paulus jetzt Christus galt, statt die alten Gesetzte und Götter, da sollte die Weltvernunft nach antikem Verständnis zur gemeinsamen Bestimmung werden. Wo von einer "Bergpredigt" gesprochen wird, hat das Wesen gesprochen, das Johannes in seinem Prolog als das Thema benennt. Das "ich aber sage Euch" waren nicht die Worte eines Wanderkynikers oder von der Tradition vorgegebenen Weisheiten, sondern die gegenwärtige Weltvernunft und damit gemeinsame Sinnhaftigkeit, wie sie heute als Humanismus bzw. zeitgemäße Menschlichkeit oder aktuell erkannte ökologische Vernunft gilt.

Der gemeinsame Sinn ist auch heute gegeben, erschöpft sich scheinbar nicht in der Verbreitung der eigenen Gene, wie die Evolutionsbiologie von einem ganz natürlichen Sinn spricht. Denn ebenso "natürlich" sieht der sich aktiv für die Umwelt einsetzende, aber kinderlose (nicht an Gen- sondern gemeinsamer Genesiserhaltung interessierte)  Zeitgenosse seinen sinnvollen Einsatz. Und selbst der sonst stinkkonservative Nachbar, der nur fein säuberlich den Müll sortiert, sieht darin einen Sinn. Und wenn es nicht die gesamte Welt als sinnvoll sehen würde, auf friedliche Weise eine Zukunft zu gestalten, die der Ökologie/Schöpfung (dem heutigen Logos) gerecht zu werden, dann würden sich die Staatsmänner nicht auf Weltkonferenzen treffen und Klimaziele vereinbaren oder Friedenspläne schmieden. 

Sicher wird über den richtigen Weg diskutiert, will dabei doch wieder jeder nur seine Eigeninteresse oder ideologische Vorgaben umsetzen, wäre es evtl. sogar besser, die möglicherweise auch ganz natürlich bedingte Klimaveränderung zu akzeptieren und auf kreative Weise Konzepte zu entwickeln, die dieser neuen Um-Welt gerecht werden, den Menschen hier Leben ermöglichen. Doch dass kein gemeinsamer Sinn wäre, dem in der Antike zum Christus gewordenen zeitgemäßen Logos im großen Ganzen/Weltenhaushalt (seit Ernst Haeckel: Ökologie) gerecht werden zu wollen, kann nicht abgestritten werden. Denn genau darum geht es, wenn sich die Politiker der Welt treffen.

Doch wenn auf den Weltkonferenzen oft nur gemeinsame Vernunftforderungen gemacht werden, die dann die Weltpolitiker bei ihren Wählern in keiner Weise durchsetzen können, dann haben wir ein Problem, das auch in der Antike bekannt war. Um was sonst ging es, wenn nicht allein in der Stoa Konzepte bedacht wurden, wie die menschliche Gier einer kosmischen Vernunft des großen Ganzen unterzuordnen war, der Mensch der Natur gerecht werden sollte?

Wo der christliche Grund nur ein Nächstenliebe predigender oder gar politischer Guru bleibt (auch wenn er dann als herrlich, gar himmlisches Kind gelobt wird, was die Sache ganz absurd macht) bleibt auch die Betrachtung der Antike in Absurditäten stecken. Wo auf heute "Konzile" genannten Weltkonferenzen heftig über das Wesen des Logos (heute sagen wir Ökologie) und dessen Verhältnis zum Kultgrund der Väter diskutiert wurde, sei es um die Gottheit eines bei Geißler politische Liebe predigenden Junghandwerkers gegangen. Denn wo ein junger Jude mit dem erst nach der Reformation einheitlich genannten Namen Josua, lat. dann Jesus an den Anfang gestellt wird, da kann aus allen dicken Büchern, die die jahrhundertelange Christologie-Diskussion antiker Hochkultur beschreiben und die unterschiedlichen Denkweisen, nur Schwachsinn rauskommen.

Auch wenn bekannt ist, wie es den Reformbewegungen in Alexandrien, wo ein Großteil des Streites begründet wird, einzig um den Logos, damit die philosophische Vernunftlehre als ewiges Wort und einzigen Gottessohn ging. Und wenn in der Literatur der kirchlichen Vordenker und den Büchern über die jahrhundertelangen Christologie-Debatte, der gegenseitigen Häresie-Beschuldigungen oder einfach der frühen "wilden Jahre" ganz deutlich wird, dass es in den Diskussionen um die heute u.a. Ökologie genannte Vernunft und den damit gemeinsamen Sinn (Logos) ging. Was bei Betrachtung der der antiken Hochkultur und ihrer Aufklärung, der die Diskussion um einen Heilsprediger als schöpferisches Wesen unmöglich weiter zu unterstellen ist, völlig logisch wird. (Wie hier z.B. Seneca, Konstantin oder Julian deutlich machen.) Wo ein junger Mann mit Namen Jesus das Thema gewesen sei oder gar ein paulinisch oder kirchliches Glaubensgespinst zur Manipulation der Masse, da kann der kulturelle Fortschritt in evolutionärer Entwicklung nicht bedacht werden.

Wie sich im Christentum ein Kult entwickelte, der sich nicht nur von den Götteropfern verabschiedet hatte, sondern der der Vernunft in Kultur zum Durchbruch verhelfen sollte, kann bei heutiger Historien-Hypothese kein Thema sein. Religion und ein gemeinsamer Kult sind "abgeschrieben", werden daher nur noch als Relikt für ewig Gestrige oder die private Gefühlswelt wahrgenommen. Wie das Christentum eine kreative Entwicklung in Sachen Kult war, die durch die antike Aufklärung ausgelöst wurde und der Vernunft zum kulturellen Durchbruch verhelfen sollte, kann kein Thema sein, wo ein egal wie gestrickter Wanderguru und dessen geheimnisvoller Vater als Gott, damit die Vernunft als Glaubensgegner gilt. Auch an eine kreative Entwicklung in Sachen Kult in heutiger Zeit ist so nicht zu denken. Die Religion kommt auf den Kulturseiten der großen Zeitung meist nur vor, wenn ein neuer Fall von Kindesmissbrauch durch Priester aufgedeckt wird. Und nicht allein der Spiegel beschreibt in seinem Sonderheft über Kreativität Dinge wie die Entwicklung neuer Lippenstifte oder den Fettkleks von Josef Beuys. Doch ob das etwas völlig Neues ist, was gebraucht wird, die Welt weiterbringt?

Warum sich der Kult im Rahmen naturwissenschaftlicher Aufklärung auf kreative Weise weiterentwickeln muss, welche Innovation das Christentum war, das die Vernunft an die Stelle der Götter rückte, kann heute kaum bedacht werden. Wo der Glaube abgeschrieben ist und es gegen alles Wissen als wissenschaftliche Tatsache gilt, dass ein junger Heilsprediger mit Namen Jesus gewesen wäre, bleibt verborgen, welche Innovation war. Was es brachte, nicht nur alles Werden in Natur/auf vernünftige Weise zu erklären, sondern den in allen philosophischen, wie urchristlichen Lehren geltenden Logos an Stelle der Götter zu verehren, ihn gut zu heißen, zu lieben d.h. christlich zu glauben. 

Denn wenn ein junger Mann als Gott geglaubt worden wäre, wie es die heutige Lehrhypothese vorgibt, dann wäre das in völlig unglaublicher (in geschichtlicher Wirklichkeit jedoch unmöglicher) Rückschritt in Kulturentwicklung gewesen. Wo alles Werden jetzt in Vernunftlehren nach universalen Prinzipien erklärt wurde, wäre ein junger Mann als Logos und Gott gesehen oder ausgegeben worden. Wo Zeus und Jupiter in Kultweise als Väter aller Götter ein Ausdruck des antiken Monismus bzw. Monotheismus waren, wäre jetzt ein junger Mann getreten. Den Götterkult, den selbst Epikur ("Schutzheiliger" Neuer Atheisten) in Vernunft bedachte, hätte die Kultur dann gegen einen göttlichen Guru oder ein Hirngespinst des Glaubens eingetauscht. Wo die Vernunft jetzt das Maß menschlicher Moral und Ethik bzw. aller Verhaltenslehren war, sind völlig unmöglich die Worte eines alte Gesetze aufwärmenden, besserwisserischen Wanderkynikers zum Weltenmaß geworden. Wer bei Geißler gar bereits die Gleichheit von Mann und Frau vorgab, war eindeutig die antike Vernunftlehre.

Wo weiter davon ausgegangen wird, dass Reformjuden Alexandriens (wo die spätere Christologie-Debatte hauptsächlich begründet lag und wo der griechische Logos, die Vernunftlehre im jüdischen Sinn als ewiges Wort verstanden, als einzigen Sohn gesehen wurde) später über das Wesen eines Wanderkynikers stritten. Der kann gleich Grimms Märchen im Geschichtsunterricht lesen. Wer betrachtet, wie Weisheitslehren im nun in Vernunft erklärten Weltganzen auf vernünftige Weise begründet und gleichzeitig kultgerechte Phantasiegeschichten entwickelt wurden, der kann unmöglich weiter die Wort eines anfänglich Zeus-Pantokrator genannten jüdischen Gurus als politische Dimension des Evangeliums hinstellen. Wo die Götterwelt in Vernunft als Zeus auf einen Nenner gebracht, die Kreativität der Welt ebenso in Vernunft erklärt wurde, wie die daraus resultierenden Verhaltenslehren, da war weder ein Heilsprediger, noch ein Hirngespinst zur Manipulation der Masse.

Für Liebe, Hass, Gewalt oder Versöhnung standen in der Antike die in den Museen zu bestaunenden nackten Götter. Sie waren eine Inszenierung der nun in Vernunft erklärten Welt, die mit ihren vielfältigen Querverweisen und untereinander kommunizierenden Bilderzählungen bereits den antiken Monismus anbahnten. Schon Homer braucht mit seinen Mythen Ordnung in den Götterhimmel. Doch wer nicht jenseits von Gut und Böse ist, der kann doch der Zeitenwende nicht unterstellen wollen, die jungfräuliche Athena wäre als eine junge Frau gesehen worden. Wie heute die christliche Maria hingestellt wird. Wo auch die Empfängnis der Erdmutter Gaja Monat für Monat, im Frühjahr, wie bei der Ernte oder im Herbst gefeiert wurde und auch Dionysos aus Vernunftgründen gehuldigt wurde, wurde weder ein junger Mann zu Gott, noch ein Glaubensgebilde. 

Die Museen kann man dicht machen, wenn bei der Reise in die Antik als "goldenes Zeitalter" weiter heutiger Schwachsinn unterstellt wird. Wo die Mythen und Orakel in Vernunft erklärt wurden, was Philosophen wie Herodot als Homers Christus galt, da ist kein junger Mann als Christus dann auch noch von den Germanen aufs Schild gehoben worden. Wo nachweislich der Logos als neuer Josua gesehen wurde, da hat es den jungen Mann mit zufälligem Namen Jesus nicht allein aufgrund der historischen Kritik oder dem Fehlen seines Namens nicht gegeben.

Wenn mit dem neuen Kult Hoffnung auf ein "Leben in Vernunft und kulturellem Friede war", wie es politisch denkende, noch christliche Kalife im Götterbilder vertreibenden Josua, lat. Jesus erhofften, dann hatte das einen Grund, der weder ein junge Gurus mit Namen Jesus oder Mohammed, noch Glaubenskonstrukte im heutigen Sinne waren. Und letztlich wissen wir, dass den Kalifen, wie allen kirchlichen Vordenkern der Logos galt, damit die Vernunftlehre antiker Aufklärung das Thema war.

16. Lebendiger Geist statt Vorgesetztes

Gestrige Lehren können heute kein Recht begründen. Allein in gegenwärtiger Vernunft lässt sich sagen, was Recht ist. Oder so: Allein den Auferstandenen ist alles vergebens. 

Welche Heilswirkung die Mythen, Orakel oder Traditionslehren verdrängende Vernunft hatte und welche Hoffnung die antike Aufklärung auf den Logos als gegenwärtiges Lebensmaß setzte, lässt sich nachvollziehen. Auch warum bei sog. Christen im Kult die Vernunft geliebt, gutgeheißen, d.h. geglaubt wurde. Gleichzeitig gilt es zu bedenken, welche Bedeutung der Vernunft in dieser kulturellen Person (Rolle/Aufgabe) und einem davon ausgehenden gemeinsamen Geist auch heute zukommt.

Vernunft statt veraltete Gesetze

Vernünftig ist es zu fragen, welche Verhaltensweise oder beispielsweise Lebenspartnerschaft aufgrund bisheriger Erfahrung für die Zukunft unserer Gesellschaft, wie das persönliche Wohl tauglich ist. Doch was einmal aufgrund der Umstände oder Zeit vernünftig war oder so gesehen wurde, ist nicht auf Dauer vernünftig. Die Tradition kann nicht das gegenwärtige Maß sein. Und wie eine gestrige, rein Traditionsorientierte Gesetzlichkeit todbringend ist, lässt sich nicht nur bei Glaubenskriegen täglich beobachten. Traditionelle Vorschriften oder die Gesetzlichkeiten der Glaubenslehren taugen nicht mehr für die Gestaltung von Zukunft. Zumal auch viele heutige Probleme, Erkenntnisse und Möglichkeiten in alten Zeiten nicht gegeben waren. In diesem Sinne kann auch ein biblischer Text bzw. die dort beschriebene Verhaltenslehre für heute keine absolute Gültigkeit bzw. politische Dimension mehr haben. Weder Kanon, noch Koran können heute das Recht begründen, sagen was vernünftig für die gemeinsame Zukunft ist. 

Und wer sich die oben zitierte Rechtsrede des alten Papstes vor dem Bundestag und den politischen Beifall der intellektuellen Welt betrachtet, der sieht, wie schwer wir uns nach dem Verfall der traditionellen Glaubensgesetzlichkeit auch heute wieder tun. Der Grund einer Verfassung kann weder die Tradition, noch die Meinung der zufälligen Mehrheit von modernisierten Traditionalisten, Nationalisten, Sozialisten oder sonstigen menschlichen Ideologien sein. Auch die Natur, das für Wölfe oder unsere Vorfahren auf den Bäumen sinnvolle Rudelverhalten kann nicht einfach nachgeahmt werden. Und doch gibt. die kreative Natur in ihrem kreativen Ganzen vor, was menschliches Recht sein sollte: Ökologie sagen wir dazu. DOder wir schauen, wie die modernen Erfolgs- bzw. gut bezahlten Verhaltenslehrer und Bestsellerautoren der Evolution/Schöpfung aufs Maul, ziehen in gegenwärtiger Vernunft lehrreiche Schlüsse.

Welche Gefahr von veralteten Gesetzen ausgeht wird allein dort deutlich, wo der sog. Gottesstaat droht. Nicht allein, weil im Namen mittelalterlicher Vorstellungen die Menschen manipuliert werden und Massenmorde geschehen. Oder weil diese mittelterlichen Vorstellungen die notwendige Aufklärung und Entwicklung im Nahen Osten verhindern und selbst innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft gegenseitiges Abschlachten ist. So Massenflucht, statt Aufbau des eigenen Landes stattfindet. Während Geißler die politische Dimension des Evangeliums predigt ist jedem im Saal klar, dass mit gestrigen Lehren kein Staat zu machen ist.

Wer sich die Zeitenwende betrachtet, der erkennt auch hier Probleme, die heutigen ähneln. Wie nicht nur bei den Juden eine gestrige Gesetzeshörigkeit war, die heutigen Kopftuch-Streit längst in den Schatten stellt. Wie Glaubensvorschriften (das Sabbatgebot ist nur ein kleines Beispiel), zum reinen Selbstzweck wurden. Und warum die menschlichen Eingeweihten oder sonstige Orakel bei den Griechen und Römern so wenig mehr bestimmend sein konnten, wie die Götterbefragungen und Stammesrechte der Germanen ist auch bekannt. Wobei selbst die Thing genannten Volksversammlungen zur politischen Willensbildung, meist auf Erhebungen, unter freiem Himmel, bereits über die Traditionsgesetzlichkeit hinausgingen. Es ist sicher hilfreich, sich mit der Antike eingehender auseinanderzusetzen als hier möglich, sich die Problemen des alten Rechtes, insbesondere beim Aufeinandertreffen der Kulturen vor Augen zu führen. Erst dann wird die Bedeutung der Vernunftlehre so richtig bewusst und warum die antike Aufklärung hierin ihre Hoffnung setzte. Wie aber ein junger Heilsprediger oder ein Hirngespinst dann als neuer, nun gemeinsamen Grund des Rechtes bzw. rechten Verhaltens gewesen soll, das dann auch die Germanen anerkannten, das ist beim besten Willen nicht mehr denkbar.

Universale Gültigkeit statt Nationale Vorschriften

In Zeiten der Globalisierung war wie heute eine universale Gültigkeit gefragt. Wenn Konstantin die Anhänger der Vernunftlehre, die sich dem bisher staatstragenden Kult der Götter- und Kaiserverehrung verweigerten, nicht weiter verfolgte, dann kann auch in der neuen universalen Gültigkeit des götterbildfreien Monotheismus ein Grund gesehen werden. Ein Kaiser, der Globalisierung im Sinn hat, der braucht eine der Zeit gerechte, zukunftstaugliche gemeinsame Grundlage für seine Gesetzte. Wie nicht allein die nationale angelegte jüdische Gesetzlichkeit in Zeiten der immer weiter zusammenwachsenden Welt eine Herausforderung war, lässt sich bei Betrachtung heutiger Probleme, angesichts nationale kulturelle Vorschriften nachvollziehen.

Kultur bedeutet keine Gleichmacherei, die dann auch jede Kreativität töten würde. Doch ungeachtet kultureller Verschiedenheiten wird auch heute auf den Weltkonferenzen eine gemeinsame Gültigkeit diskutiert, in gegenwärtiger, beispielsweise ökologischer Vernunft bedacht. Wer in aufgeklärter Weise nach einem Gottesstaat ruft, der kann sich künftig weder auf mittelalterliche Vorschriften, noch nationale Gegebenheiten berufen. Der muss in aufgeklärter Weise über die gemeinsame Wurzel des Kultes sich zu einer Vernunft als bestimmend bekennen, die eigentlich gegeben, als Weltvernunft bekannt und Gegenstand von Friedens- oder Klimakonferenzen oder gesamten UN ist. 

Gemeinsamer Geist statt Gesetzlichkeit bzw. Bürokratie 

Es genügt nicht, gemeinsame Vorschriften zu haben. Auch wenn sie wie von UN oder bei Weltkonferenzen in gegenwärtiger Vernunft begründet sind. Wer in einem Unternehmen tätig war, der kann erkennen, dass dort, wo der gemeinsame Sinn nicht verfolgt wird, die Masse der Vorschriften, vereinbarter oder vorgegebener Ziele und einer heillosen Bürokratie nichts bringt. Das ist bei der von Brüssel ausgehenden, lähmenden Bürokratie kaum anders als in Betrieben. Auch Prämien und was sich die moderne Motivationslehre noch alles an Controlling- und Marketinginstrumenten einfallen lässt, verkehren sich dann oft ins Gegenteil, weil sich jeder nur seinen Weg sucht, statt dem gemeinsamen Sinn zu folgen.

In der Gesellschaft ist das nicht anders. Selbstverständlich werden Gesetze gebraucht, gab es immer schon Gesetze und wird es sie geben. Doch wenn heute genau die, die vor Jahren den staatlichen Gesetzen den planken Hintern hinstreckten, heute nach noch mehr staatlichen Gesetzen, nach Vorschriften und Regelungen rufen, dann ist das eine Bankrotterklärung. Es ist die Bankrotterklärung eines gemeinsamen Geistes, auf den die Antike ihre Hoffnung setze. Denn was als Logos galt, war keine zu vereinbarende grüne oder rote Ideologie. Es war auch mehr, wie die der heutige Logos bzw. die als sinnvoll bzw. notwendig erkannte ökologische oder humanistische Lebensweise. Es leitete sich aus dem nun in Natur/Vernunft erklärten kreativen Ganzen ab und wurde daher als eine begeisternde Vernunft-Bestimmung, bei den Hebräern Wort verstanden.

Kreative Vernunft statt menschliche Meinungen/Monarchenwillkür

Gemeinsinn statt Zwang, Steuern und Strafe

Der Gott des Alten Testamentes wäre ein strafender gewesen, wird gesagt, der des Neuen Testamentes sei einer der Liebe. Doch wo der Logos, damit die Liebe und gutheißende Begeisterung für den seit dem Sternenstaub erklärten natürlichen Lebensfluss, der von einem unsagbaren kreativen Grund ausgeht, nicht bedacht wird, bleibt nur ein strafendes Gottesbild. Selbst moderne Philosophen, die an theologischen Meisterschulen im Münchner Maximilianeum den evolutionären Sinn des Glaubens bedenken, berechnen ein vorgesetztes Gottesbild als heimlicher Wächter. Und da an dieses kaum noch jemand glaubt, sollen jetzt immer mehr und neue Gesetze die Menschen zur Vernunft bringen, wird mit unüberschaubaren Steuern gelockt und mit Strafe und Zwang gedroht. So entsteht in Wirklichkeit eine negative Motivation. Die ist nicht nur schädlich für die Gesundheit, löst keinen positiven Stress aus. So sucht sich jeder seine Schlupflöcher, um sich im kurzsichtigem Egoismus an gemeinsamer Vernunft vorbeimogelt, seinen modernen Göttern zu dienen.

17. Vernunft sagt, was Recht ist: Mohr Kurier 2016/2

"Bücher für die Wissenschaft" hat sich der Mohr-Verlag auf die Fahne geschrieben. Sein Kurier enthält im ersten Teil neueste theologische bzw. religionsgeschichtliche Erkenntnisse und stellt dann im zweiten Teil aktuelle Rechtswissenschaft und ihre Grundlagen vor. Wie in jeder Ausgabe wird auch in jedem der vorgestellten neuen wissenschaftlichen Werke des ersten Teiles der aktuellen Ausagebe der Nachweis erbracht, dass es dort, wo von jüdischer und dann christlicher Theologie gesprochen wird, nicht um junge Männer und ihre schriftgelehrten oder inspirierten Meinungen ging. Wie vielmehr eine von natürlicher (logisch erklärter) Schöpfung ausgehende Vernunft, Weisheit, Verant-WORT-ung die alte Grundlage des Gesetzes bzw. der Verhaltensgebote war.   

Auch wenn  wir davon ausgehen, dass die heute Theologie genannte Schriftlehre keine Rechtsgrundlage liefern kann, in diesem Sinne dann auch das Evangelium keine politische Dimension haben könnte. Wir wissen, dass die Alten mit Blick auf das kreative große Ganze bzw. aus ihrem Verständnis von Schöpfung das ableiteten, was Recht und damit auch Gesetz bzw. Rechtsprechung war. 

Wer seit Jahren die Neuerscheinungen des ersten Teiles, damit der theologischen Werke auswertet, der stellt fest, dass hier pure Papierverschwendung betrieben wird, wenn nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen werden. Und wo ursprünglich das Recht begründet wurde, wie es im zweiten Teil erörtert wird, kommt ohne die in antiker Aufklärung Logos genannte Vernunftlehre zu bedenken, nur noch heiße religiöse Luft. heraus. 

Doch Ausgabe für Ausgabe zwingt jede einzelne theologiegeschichtliche Erkenntnisse der vorgestellten wissenschaftlichen Werke dazu, statt eines  Wanderkynikers, der absolut keinen Rechtsgrund mehr liefern kann, die Vernunftlehre als lebendiges Wort an den Anfang zu stellen. 

Kleine Beispiele von Randbemerkungen zu aktuellen Neuveröffentlichungen:

-"Gottesgedanken"

Hier wird auf wissenschaftliche Weise ausgewertet, welche Antworten das frühe Judentum, dann das Christentum und der Islam im Kontext der antiken Welt auf die zentralen Fragen des Menschseins gaben. Doch muss jemand, der dann weit davon ausgeht, ein junger besonders schlauer rebellischer Wanderkyniker hätte als Christus diese Antworten gegeben, nicht mit dem Klammerbeutel gepudert sein?

Schon allein der Name "Gott", der dann ein vorgesetztes, weitgehend vermenschlichtes Wesen vermittelt, das durch sog. "Gottesbeweise" vergeblich bewiesen werden soll, ist irreführend. Was hier mit Gottesgedanken beschrieben ist, verweist auf die Vernunft allen natürlichen kreativen/schöpferischen Werdens (Weltvernunft), wie es Grundlage dessen ist, was Recht wäre.

-"Gott in Bewegung"

Jhwh sei nach den Quellen Israels kein statischer-unbewegter, sondern ein dynamischer, von den Menschen der Welt und diese bewegenden gewesen.

Doch mit auch nur etwas Verstand wird hier klar, dass es dabei nicht um ein antikes Spaghettimonster ging, wie die Polemiker zurecht das als dann als intelligenter Designer zu beweisende Wesen ging, wie es dem Kulttext nach zu glauben sei. Was dann in Mittlergestalten in seinem Wort/Vernunft zur Sprache gebracht wurde, war der unsagbare Grund aller Kreativität, der dann in Vernunft erklärt wurde, offenbar war.

Wo nicht die antike Vernunft als lebendiges Wort bedacht wird, sondern nur heiße Luft als Theologie hinten rauskommt und als Theologie hingestellt wird, wundert es nicht wenn das kein Rechtsgrund sein kann.

-"The Prologue of the Gospel of John

Bei einem antiken jüdisch-griechischen Denker, der den Logos, damit die der Antike geltende Vernunft als das Wesen seines Kulttextes über eine neue Welt und deren Gesetze hinstellt, erübrigt sich eigentlich alles Weitere. Doch wenn dann noch in wissenschaftlicher Weise der philosophische Kontext von Johannes und seinem Prolog bedacht wird, dann ist es reine Papierverschwendung, wenn nicht auch der den Philosophen geltende Logos bzw. die antike Vernunftlehre mit als christliches Wesen  bedacht wird.

-"Epigraphik und Neues Testament"

Auch wenn heute das frühe Christentum mit der buchstäblichen Heilsprediger-Brille erforscht wird. Wer all das, was wir heute über frühes inschriftliches Material, Kultgraffiti, das Verständnis der Antike, das Lebensgefühl in der Zeit vergöttlichter Kaiser und ihrer christlichen Konkurrenz wissen, mit Verstand auswertet, der muss umschalten. Die reale Geschichte, die auf die Vernunftlehre verweist, nicht die Geschichten, die bei allem Wissen auch die Vernunft zum theologischen Thema haben, ist wissenschaftliche Grundlage.

-"Vermittelte Gegenwart"

Wo von "Gegenwart Gottes im Wort und in der mit Weisheit gefügten Schöpfungsordnung über personifizierte bzw. personale MittlerFIGUREN" gesprochen wird, ist eigentlich alles gesagt. Auch wenn klar ist, dass hier keine vorgesetzte Gottesgestalt begegnete, wie im heutigen Abfall/Aberglaube heute ein recht menschlicher Designer bewiesen werden soll. Vom jungen Wanderkyniker und seinem menschlichen Vater ist bei wissenschaftlicher Betrachtung keine Spur zu finden.

Wer sich dann über christologische Konzepte Gedanken macht, dazu auch außerkanonische Schriften untersucht, dem muss doch klar werden, dass in antiker Vernunft die schöpferische Realität gegenwärtig war, ohne die Rolle des transzendent schöpferischen Grundes der Väter einzunehmen. Wer dabei weiter von "Gott" redet, wie wenn es um ein vorgesetztes Wesen ging, der sollte sich an das halten, was bereits den Propheten geboten war. "Halt einfach die Gosch" hat Kurt Beck einst gerufen. Wobei die Vorwürfe an den damaligen Misterpräsidenten weit mehr Substanz hatten, als die "Notdürftigkeiten", die bei der Hypothese vom jungen Guru hinten herauskommen, wenn von in Person vermittelter schöpferischer Gegenwart gesprochen wird.

-"Erzählungen und Briefe im johanneischen Kreis"

Wenn hier Themen wie Doketismus und Antidoketismus philosophisch diskutiert wurden, dann waren keine Dorfdeppen am Werk, die über eine Wanderprediger oder ein Hirngespinst des Glaubens bzw. ein späteres Kirchenkonstrukt stritten. Allein wer Johannes bzw. die Literatur in dessen Namen und Umfeld in den Mund nimmt, muss der nicht einen in der Waffel haben, wenn er weiter einen liebenshungrigen Wanderprediger an den Anfang stellt? Das ist doch pure Papier- und Zeitverschwendung, wenn nicht die Konsequenz aus all dem Wissen gezogen wird.

Schon wo Doketismus bedacht wurde, da kann man eigentlich gar nicht von einem jungen Guru ausgegangen sein, wie er heute gelehrt wird. Der  junge Rebell und Liebesprediger wäre kein Scheinwesen gewesen. Und die Logos genannte Vernunft, die Thema aller philosophischen und frühchristlichen Lehren war, ist kein schöner Schein, sondern kreative/schöpferische Realität. Doch dass auch das menschliche Wesen der Vernunft, deren kulturgerecht menschliche Ausdrucksweise wesentlich war für die kreative Entwicklung und damit nicht nur ein Schein, lässt sich nachvollziehen.

-"Jüdische Studien", "Midrasch", "Qumran"

Was soll alles Wissen über das antike Judentum, seinen Ruf nach Erneuerung, allegorischer Auslegung das Alten, neuem Bund, wenn dann ein junger Wanderprediger lebendiges, ewig geltendes Wort sein soll. Wenn dann durch dieses Wort auch noch alles geworden ist, wie das die christlichen Lehrer bedachten. Dann muss doch jemand, der bei Jesus weiter von einem Liebesprediger ausgeht, jeglichen Verstand verloren haben.

-"Exodus, Exilpolitik und Religion"

Selbst die Gerechtigkeitsphilosophie vor dem Hintergrund der jüdischen Theorie, die hier ein intellektueller Moralphilosoph bedenkt, verweist auf die Vernunft, die auch dem Neuen Testament seine politische Dimension gibt. Denn beim Exodus der Exilszeit, auf das das Neue Testament verweist (es in neuer Weise aufgeklärt im Sinne Josua versteht: echte Auferstehung), ist es um die alles Werden bewirkende kreative Vernunfthandlung gegangen. Was bereits die Hebräer als Himmelsbeobachter in aller Natur schauten: Schöpfung, die sie bekanntlich verschrifteten.

-"Sophisten in Hellenismus und Kaiserzeit"

Der Sophist, verstanden als (schlechter) Gegenspieler der Philosophen bzw. der griechischen Bildung. Die Beiträge zeigen, wie Platoniker und Stoiker Bildung als Weg zur schöpferischen Erkenntnis und damit auch Recht gesehen haben. Wer dieser Zeit und Diskussion dann unterstellt, einen jungen Wanderguru zu Gott gemacht zu haben, der übertrifft die alten Sophisten bei weitem. Der hat jeden Rechtsgrund verloren.

Die "Grenzgänge der Gemeinschaft" alle Beiträge über ethisch-politische, interdisziplinäre Versuche die Kulturen und ihre Vorschriften zusammenzudenken, bleiben so pures Bla, Bla.

18. "Gegen falsche Götter und falsche Bildung"

Tatians nach der Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. entstandene Rede an die Griechen ist eine echt "WORT-gewaltig" Attacke eines gebildeten Christen gegen die gesamte hellenistische Kultur- und Götterwelt, die eine umwälzende geistige Auseinandersetzung zwischen den religiös-paganen Traditionen und dem Christentum verdeutlicht.

Wer sich die Diskussion dieses Philosophen um die wahre Vernunft vor Augen führt und weiter den historischen Jesus für einen Wanderkyniker hält, der muss blind sein. Die Vernunft, die der Antike nun sagte was Recht ist, war bei diesem Denker auch im Kult und daher auch den später in den Kanon aufgenommenen Kult-Texten an die Stelle der Götter und Gottkaiser getreten.

Schon mit zwei Klicks im Netz zu Wiki wird klar: Die Vernunftlehre als lebendiges Wort und damit auch Rechtsgrund, statt eine rein philosophisch Lehre und Götterkult, war eine ganz gewaltige Wende. Auch dem Schüler Justins, dessen Thema ganz eindeutig die Vernunftlehre war, deren menschliche Ausdrucksweise er verteidigte, ist es einzig und allein um den auch der Philosophie geltenden Logos gegangen.

Wer sich dann die Rede in der Bibliothek der Kirchenväter genauer ansieht, dem wird völlig deutlich, wie hier ein Philosoph die kultgerechte Ausdrucksweise der Vernunft über die Götter der Griechen stellte. Eigentlich ist es unerklärlich, wie eine Wissenschaft, die das alles in Händen hält, weiter an einem Junghandwerker festhalten kann, der für diesen Denker Logos gewesen. Was mit den göttertreuen Philosophen diskutiert wurde, war eindeutig die wahre Vernunft

Tatian hat die antike Aufklärung und das Wissen der Griechen nicht verworfen, sondern als vielen Völkern bereits gegebene schöpferische Gabe über pures Geschwätz und Götterkult mit seinen Verirrungen gestellt. Nicht Menschen und ihre Gebilde sollten Rechtsgrund sein, sondern der Logos selbst.

Bei den Übersetzungen, die von Gott sprechen, wie wenn es Tatian um ein vorgesetztes Wesen, einen zu glaubenden Designer (für Polemiker ein Spaghettimonster) gegangen wäre, ist Vorsicht angebracht. Wer hier das Wesen der Vernunft, nach der nun alles erklärt wurde, als ein Wort bedachte, das von einem unsagbaren Grund ausgeht, der hatte mit dem heute geltenden menschlichen Gottesbild nichts am Hut. Der hätte auch im größten Fieber nicht geträumt, dass seinen Geschichten vom 12jähren im Tempel und was noch alles im Neuen Testament steht, 2000 Jahre später ein junger Mann mit Namen Jesus unterstellt wird.

Bereits die altdeutsche Übersetzung des Tatian-Textes und dessen Bedeutung bereits zur Zeit Karls des Großen macht klar, dass das christliche Wesen vor dem MIttelalter kein junger Mann, sondern die Vernunft und deren kulturgerechte Umsetzung war.

Die Evangelien-Harmonie, die Tatian anstrebte, gewinnt so eine ganz neue Bedeutung. Denn wer dem philosophischen Vernunftlehrer unterstellt, dass er in den Texten, die er damit noch vor ihrer Kanonisierung auf eine Reihe bringen wollte, um einen jungen Wanderkyniker als christliches Wesen ging, der muss den Verstand verloren haben.

Doch gleichwohl sich Tatian mit seiner Evangelienharmonie nicht durchsetzte, es bei verschiedenen Kult-Geschichten über das Wesen, Leiden und die Heilsbedeutung der Vernunft blieb. Und allein schon so klar sein müsste, dass es dabei nicht um die Lebensbeschreibung eines frauenfreundlichen Liebespredigers ging, scheint der Verstand verloren.

Der im Mohr Kurier weiter neu vorgestellte rechtswissenschaftliche Literatur liegt zwar eine zeitgemäße Vernunftlehre, damit der Logos zugrunde, wie er in der Antike galt. Doch solange bei der politischen Dimension des Evangelium ein junger Liebesprediger als das lebendige Wort durch die Gegend gejagt wird, wundert es nicht: Weder die heiße Luft der Kirchenlehrer und daneben noch so viele politischen Gesetze können so einen gemeinsamen Geist, eine Verant-WORT-ung geben, die in Begeisterung für das in Vernunft Gegebene zu einem im kreativen Sinn vernünftigen Verhalten führt. 

19. Vernunft und Weltfriede verwirklichen

Während die Angst vor den Andern und deren Armut Europa wieder in politische Egoismen zerfallen lässt, wird uns täglich vor Augen geführt, wie kulturelle Aufklärung und ein gemeinsamer Geist notwendig sind. Weder kulturelle Kriege, Flüchtlingsströme, der IS, noch die in Deutschland predigenden Salafisten lassen sich politisch beseitigen. Und bei der dringend notwendige Aufklärung, um Afrika aus mittelalterlichen Religionsvorstellungen, damit Bruderkriegen sowie Korruption zu befreien, wirtschaftlichen Fortschritt und Wohlstand zu bringen, haben bisher christliche Missionare und westliche Politik meist das Gegenteil bewegt. Sie haben vielmehr die noch drohenden weltweiten ökologischen Probleme mit verursacht. Hat daher die naturwissenschaftliche Aufklärung, durch die unsere Urgroßväter Vernunft und Friede erhofften versagt? Bei der Unvernunft auch der westlichen Welt in Vernunftdefätismus zu verfallen, weil die Aufklärung versagt habe, hilft nicht weiter. Denn die naturwissenschaftliche Aufklärung ist erst der halbe Weg.

Doch ist die ökologische Katastrophe und die Unvernunft der Welt unvermeidbar? Oder gibt es den Grund der Hoffnung auf "Vernunft und kulturellen Friede" noch, auf den die Verfasser des Evangeliums, die frühen Kirchenväter sowie noch christlichen Kalife hofften? Denn für die, auf die sich heute der IS beruft, wenn er auf mörderische Weise einen mittelalterlichen Gottesstaat bauen will, galt nachweislich noch der gleich Grund, wie das christliche Evangelium? Auch wenn Heiner Geißler bei dessen politischer Dimension von einem Guru spricht, in dessen Glaube selbst die Wissenschaftler lassen, die nachweisen, wie dieser zu Mohammed umgemünzt wurde. Der Grund der Kirche und Kalife, damit auch des Koran war weder eine rein naturwissenschaftliche, noch staatliche, sondern kulturell begründete Vernunft. Der Logos, auf den die Denker der antiken Aufklärung setzten, hatte nicht nur eine naturwissenschaftliche Seite, die dann die Religion verneinte.

Die Hoffnung auf das "gelobte Land" war weder geografisch, noch in Kriegen begründet. Sie galt der Vernunftlehre als dem bereits in jüdischer Geschichte die Geister und Gottesbilder vertreibenden neuen Josua, der in christlicher Geschichte Jesus wurde. Ebenso wie der Vernunftlehre, die beispielsweise Herodot als der die alten Orakel erklärende Christus benannte. Doch die messianische Wirkung in der natürlichen Kulturentwicklung war nicht die Verneinung der alten Vorstellungen, wie es heute selbst dort Realität ist, wo nur ein religionspolitischer Guru hochgehalten wird, sondern deren aufgeklärter Verstand.

Religionen können Krieg und Unvernunft bringen, Aufklärung verhindern oder das Gegenteil. Für die kirchlichen Lehrer, die im frühen 4. Jahrhundert den Begriff der Religion prägten, ging es nachweislich nicht um die religio (Rückbindung) an ein vorgesetztes Gottesbild. Die Rückbindung an den heute auch Ökologie genannten Logos und damit an einen gemeinsamen kreativen Geist, wie er auf Weltkonferenzen beschworen wird, stand auf dem Programm der Zeit. Und das war nur durch ein aufgeklärtes Verständnis des Alten (Auferstehung) zu schaffen. Weder durch atheistisches Abschaffen, noch durch die halbaufgeklärte Reduzierung auf einen Wanderguru kann der Welt ein gemeinsamer Geist gegeben werden, der zum friedlichen Miteinander der Kulturen und Vernunft führt.

20. Sohn und Vater neu verstehen

Das aufgeklärte Jesus-Verständnis hat weitreichende Folgen. Wo im aufgeklärt "christlichen" Sinne die wissenschaftlich erklärte Wirklichkeit als lebendige schöpferisches Wort oder wahrer Sohn des sonst Unsagbaren der Propheten und folgender Väter verstanden wird, ist das, was bisher zum Atheismus führte, zur Offenbarung geworden.

Wie in der menschlichen Familie, hat der Sohn den Vater nicht abgeschafft, sondern erfüllt nicht nur biologisch seinen Sinn, setzt ihn fort. Er führt ihn auf ganz natürliche Weise weiter.

Wo in der Kirche nicht mehr von einem gekreuzigten Guru gesprochen wird. Weil beispielsweise das Kreuz als Logo des in Evolution erklärten Öko-Logos, ewigen Lebens, dabei dem Leiden der Vernunft an gestrigen Vorstellungen zu verstehen ist. Da wird nicht mehr über Unglaublichkeit Gottes, dessen Unsichtbarkeit geklagt. Die Evolution ist dann kein kosmisches Drama, die Natur kein Recht des Stärkeren mehr, in der das Böse regiert, sondern sinnvolle kreative Gegenwart. Der wir als geistbegabte Kulturwesen gerecht werden müssen.

Wo die gegenwärtige schöpferische Wirklichkeit (Öko-logos) in Verant-wort-ung nimmt, wie dies die Kirchenoberhäupter  als "christlich" nachweisen und in ihren Predigten fordern, hat die willkürliche Schwätzerei über Gottes Wille, der dann von jeder Partei ideologisch vereinnahmt wird, aufgehört. Auch wenn im menschlichen Sinne oft Grausam, so wird die Schönheit und Dynamik natürlicher Schöpfung in Geschichte, der nicht nur die westliche Welt ihren Wohlstand und ihre Freiheit in Aufklärung verdankt, in gemeinsame Verant-wort-ung nehmen.

Die Frage, ob die Evolution, deren kreativer/schöpferischer Zweck Schritt für Schritt wissenschaftlich erwiesen wird und der wir unser heutiges Sein verdanken einen "schöpferischen" Sinn oder eine Richtung hat, erübrigt sich. Ebenso, wie ein pessimistisches Naturbild oder ein atheistischer Naturalismus. Beispielsweise die Gaia-Hypothese, die der Erde gar die funktionalen Merkmal eines Organismus zuschreibt, in den der Mensch eingebunden ist, führt nicht zur Wiederbelebung der alten griechischen Göttin. Sie lässt das prophetische Wort, den "christlichen" Götterbilder vertreibenden Sohn der Väter verstehen. Es bedarf keiner neuen naturwissenschaftlichen Spekulation mehr. Die Natur ist in ihrer wissenschaftlichen Beschreibung zur "christlichen" Offenbarung geworden. Während noch Henri Bergson oder Teilhard de Chardin bei ihrer naturwissenschaftlichen Sich von einem Omega als Christus sprachen, was mit Blick auf einen jungen Mann völliger Quatsch wäre, lässt sich das, was heute als Ökologie und danach als Weltvernunft gilt, als das geschichtliche christliche Wesen verstehen. 

Die Frage "Warum hat Gott  bei dem Unfall, Erdbeben oder Massenmord nicht eingegriffen" stellt sich aufgeklärt "christlich" nicht mehr. Die vorgesetzten menschlichen Gottesbilder, die dann zum sogenannten Gottestod und damit angeblich menschlicher Sinnlosigkeit oder Selbstherrlichkeit geführt haben, sind "christlich" im Logos gelöst. Die alles bestimmende kreative Wirklichkeit ist gegenwärtig. Sie muss "christlich" (nach Lüftung der Orakel und Gottesbilder) nicht bewiesen, kann nicht bezweifelt werden.

Das Bilderverbot bzw. das Gebot, sich keine menschlichen Vorstellung eines göttlichen Wesens zu machen, dessen was oben im Himmel, noch dessen war unter auf Erden ist, wird verständlich. Bilder und in Büchern vorgesetzte Vorstellungen trennen nicht nur die Kulturen und verfestigen sich. Sie stehen einem zeitgemäßen schöpferischen Verstand im Wege.

Statt weiter über Gott und damit vorgesetzte menschliche Vorstellungen zu reden, sollte "christlich" (im Verständnis der Orakel) der so das gelobte Land (Vernunft und Friede) bringende Gottesbildvertreiber Josua, lat. Jesus der einzige Mittler dessen sein, was den Vätern unsagbar war. Was bereits Zarathustra oder Echnaton galt. Auch dort in der Kreativität der Natur, nicht in vorgesetzten Vorstellungen/Gottesbildern wahrgenommen wurde. 

Selbst wie Menschen auf Kult-Bilder, die Evolution der Phantasie angewiesen sind, wird heute evolutionswissenschaftliche oder psychologisch erklärt. Doch wo der zum jungen Mann degradierte Jesus nicht mehr das Bild schöpferischer Wirklichkeit sein kann, gilt es deren Grund für die Aufklärung zu danken. Nach der wir den Grund christlichen Glaubens dort wahrnehmen können, wo uns die Welt z.B. auf öko-logische Weise als sinnvolles, in verant-wort-ung nehmendes kreatives großes Ganzes erklärt wird.