Gott ist gegenwärtig:

 lebt durch wissenschaftliche Vernunft und Weisheit

Ruf zur Reform der Glaubenslehre im Sinne ihrer jüdisch-griechischen Wurzeln: Denn die wesentliche Erkenntnis der Evolutionslehre ist nicht unsere Abstammung von den Affen oder die kreative Entwicklung nach kausalen Gesetzen. Sondern dass sie das, was der Antike schöpferisch wesentlich war, so in neuer Weise offenbar macht. 

Statt moderne bedeutungslose Gottesbilder in die Welt zu setzen, wäre daher nach dem zu fragen, was für die Zeit Moses, das philosophische Judentum der Zeitenwende, wie die Anfänge des Christentums galt und im Kult aus Vernunft auf personale Weise angesprochen wurde. Was bereits bei den Propheten jenseits von menschlichen mythischen Gottesbildern als Wort galt oder was als „schöpferisch wesentlicher“ Grund allen Seins, Werdens, aller Kreativität gesehen wurde. Zur Zeitenwende in Vernunft (Logos) erklärt/offenbart war, mit dem Mittelalter wieder verschwand, so heute von der Theologie der menschlichen Gottesbilder wegen verleugnet, aber wissenschaftlich beschrieben wird. Es ist nicht die Glaubenslehre, sondern die Wissenschaft, die heute von dem redet, was den Anfängen schöpferisch wesentlich war. Während die bezahlten Theologen auf schriftgelehrte Weise im Buch blättern oder auf moderne Weise ein völlig grundloses Gottesbild in die Welt setzten, das mit der Natur und ihrem Werdens nichts mehr zu tun hat, betreibt in Naturwissenschaft Theologie.

Einleitung „Heutige Gotteslehre: Taschenlampen-Theologie“

Statt im aufgeklärten Verständnis der christlichen Anfänge das wahrzunehmen, was den Propheten und dann den hellenistischen Juden sowie neujüdischen (christlichen) Römern im Licht der Vernunft (Logos) schöpferisch wesentlich war, ist und sein wird, sucht sich die Theologie jenseits der kreativen Wirklichkeit natürlicher und geschichtlicher Weltentwicklung menschliche Gottesvorstellungen. Der prophetisch und dann philosophisch in Vernunft (Logos) offenbare „Grund“ allen Seins wurde im Mittelalter zur Erklärung für alles natürliche Werden und fiel so durch die neuzeitliche Aufklärung wieder weg. Bis heute werden daher für die Wirklichkeit eines göttlichen Schöpferwesens letzte Lücken außerhalb natürlicher Gesetzlichkeit, Sinnhaftigkeit, Logik (Logos) gesucht. So wird in Berufung auf die biblischen Buchstaben, selbst Jesus gar die Evolution bzw. sinnhafte Vernunfterklärung, die der Antike den Grund allein Seins offenbarte, zumindest in Teilen oft abgestritten. Wir brauchen keine göttliche Erklärung für alles natürliche Geschehen mehr. Vielmehr verweisen die gegebenen wissenschaftlichen Erklärungen natürlicher (öko-logischer, Logos), wie geschichtlicher Entwicklung auf den Sinn und Grund, von dem alles kreative Werden ausgeht. Doch während auch unzählige aufklärerische kirchliche Organisationen und Denker bis heute versuchen, das naturwissenschaftliche Weltbild mit der im Mittelalter entstandenen Gottesvorstellung auf einen Nenner zu bringen, meist jedoch, um wissenschaftlich vom biblisch-mittelalterlichen Schöpfergott sprechen zu können, spielt die Natur, deren Werden und damit auch die menschliche Geschichte in der modernen Theologie keine Rolle mehr. Jenseits des Lichtes der Vernunft, in dem sich alles Werdens sowie dessen kreativer Grund und Sinn, damit auch das von der schöpferischen Natur ausgehende vernünftige Verhalten den anfänglichen Christen denkerisch offenbart, bastelt sich die moderne Theologie nun ein menschlich-freiheitliches Gottesbild persönlicher Hoffnung. Das auch in seiner Relevanz für das Verhalten keinerlei Grund mehr hat.  

Auch wenn ich seit vielen Jahren versuche Theologen anzuregen, die in heutiger Wissenschaft nur empirischer beschriebene Vernunftlehre des gesetzmäßigen Werdens (Logos) als das historische Wesen Jesus zu bedenken, dafür vielfältige Nachweise erbringe. Das Gottesverständnis war dabei kaum ein Thema. Zwar ist klar, dass aus einem völlig neuen historischen Verständnis des christlichen Glaubensgrundes auch ein völlig neues Glaubensverständnis erwächst. Das auch nicht mehr gegen die wissenschaftliche Erklärung allen Werdens spricht, sondern von dieser ausgeht.

Doch die Gottesfrage stand auf einem zu hohen Sockel.  Der in meiner kindlich-biblischen Vorstellung für ein menschenartiges allmächtiges Designerwesen stehende Gott, der sich alles ausdenkt und nach seinem Belieben die Strippen zieht, im Gebet von Gläubigen überredet werden soll gegen die natürlich-kreative Logik zu wirken, wurde daher meist ausgeklammert. Denn bei der bis heute oft vertretenen Gottesvorstellung hätte ich den „Neuen Atheisten“ Geld spenden müssen, damit sie durch ihre Werbebusse mit der Aufschrift „ Es gibt nach aller Wahrscheinlichkeit keinen Gott“ oder mit ihrer Polemik über ein „Spagetti-Monster“ als Gott die Menschen zum Denken bringen. Ein Dogmatik-Seminar, bei der Lehranwärtern auf moderne Weise beigebracht wurde, wie nach der naturwissenschaftlichen Aufklärung die in der neuzeitlichen Theologie vertretene Gotteslehre aussehen könnte, gab den Anlass, bei der Gottesfrage nach Revision rufen. Einer Reform, die sich wieder auf die prophetisch-philosophischen Anfänge besinnt, jenseits der mittelalterlichen Ersatzerklärung für alles natürliche Werden oder im biblischen  Kulttext verwendeter menschlicher, wie moderner Gottesbilder.

Auch wenn der Fundamentaltheologe in der Vorlesung über die Gotteslehre angesichts der Probleme heutiger Glaubenslehren in Betrachtung viele neuzeitlicher Theologen eine Vorstellung vermittelte, die den Glaube in sich selbst begrenzt, aus der politischen Ordnung und damit auch dem Alltag heraushält und die künftigen Berufsschullehrer gegen eine Wiedererstarkung religiösen Fundamentalismus wappnen wollte. Mit dem Rückzug auf eine persönliche Gottesvorstellung als übermächtige Instanz, die sich in der menschlichen Freiheitsgeschichte begründet, den Gläubigen in Not letzte Hilfe ist, wie sie von modernen Theologen vertreten wird und keine Begründung in der Natur-und Weltgeschichte oder dem, was danach für das menschliche Verhalten geboten wäre. Damit bewirkt die moderne Theologie das Gegenteil.   

Denn die verflachte moderne Gotteslehre, bei dem die natürlich- schöpferische Wirklichkeit in der Weltgeschichte nicht mehr der Grund des Glaubens ist. Die Gläubigen allenfalls die Angst nimmt. Durch die Einbildung eines freien Gottesbildes allenfalls eine unbestimmte Hoffnung gibt und die nach theologischer Lehre auch keinerlei Relevanz für das Verhalten der Menschen im Alltag hätte. Die hat nicht nur im Unterricht der Berufsschule nichts zu suchen. Und die Probleme der Glaubenslehren, die der junge katholische Priester gleich zu Beginn des Seminares den Studenten deutliche machte, die werden durch die moderne Glaubenslehre nicht gelöst. Vielmehr werden so nicht nur die mittelalterlichen Glaubensvorstellungen auch in anderen Religionen befeuert, die heute politisch missbraucht, zu Krieg und Massenmord und -Flucht führen. Ohne ein aufgeklärtes Nachdenken über die Wurzeln des Glaubens in Vernunft erhalten auch die Absurditäten oder verschiedenen konservativen Gesinnungen im christlichen Lager immer größeren Zulauf. Von den modernen kommerziellen Ersatzgöttern, die sich ohne eine vernünftige Glaubenslehre die Menschen selbst im Konsum, in Freizeit-Luxusgütern, Medien-Stars und Männer dann meist in fußballerischen Sternchen suchen, ganz zu schweigen. Ein moderner Kult, weit entfernt von dem, was gleichzeitig den meisten als schöpferisch wesentlich bekannt, wissentlich als wesentlich für die kreative Entwicklung ihres Selbst, wie der Welt  klar ist.

Die christliche Religion, die die alten Götter oder kaiserliche Gottheiten ablösend von der griechischen Philosophie die Aufgabe übernahm, deren Vernunft im Kult zum Leben zu verhelfen, sie kulturgerecht zu verwirklichen, wird ihrer Rolle nicht mehr gerecht. Sie hat keinerlei Relevanz mehr für das weltvernünftige Verhalten der Menschen.

 

Doch egal ob das christliche Wesen weiter als ein wanderpredigender Weisheitslehrer hellenistischer Zeit gilt oder die Vernunft/Weisheit selbst als das in menschlicher Person ausgedrückte und so kulturell-kreativ wirksame Wesen gesehen wird. Bei dem, was wir heute über die Anfänge und die Bedeutung der Vernunft (Logos) wissen, die auch für einen Weisheitslehrer die Grundlage gewesen wäre,  kann die Theologie nicht weiter mit der Taschenlampe nach beliebigen Gottesbildern suchen.

 

 

 

 

Die „christliche“ Gottesslehre der Zeit Jesus, wie wir sie bei Philo von Alexandrien nachlesen, ruft nach einer Reform von Glaubensvorstellungen, die ihren gemeinsamen Grund und damit im Westen ihre gesellschaftliche Bedeutung völlig verloren haben. Die aber in ihrer Grundlosigkeit auch missbrauchbar sind oder ihre mittelalterlichen Vorstellungen als Absolut setzen und so zu Recht als Gefahr gesehen werden.

Reform bedeutet jedoch keine Verflachung, wie sie heutige Theologie praktiziert, sondern einen aufgeklärten Bezug auf die Ursprünge, wie wir das auch bei Philo beobachten. Denn die Quelle, aus der das hellenistische Judentum der Zeit Philo und damit auch Jesus, sowie die anfänglich christliche, dann auch Islamische Lehre schöpfte, war die Vernunftlehre. Was als Beginn unserer Wissenschaft gilt, aus den verschiedenen philosophischen Schulen antiker Aufklärung bekannt ist, war im hellenistischen Judentum der Zeit jedoch nicht nur maßgebend für die neue Definition der Welt, wie der monotheistischen Verhaltensgebote. Mit dieser schöpferischen Gabe wurde im Name Philo von Alexandrien der prophetische Kult im Namen Moses und dann Josua, lat. Jesus, auf neue, nun universale Beine gestellt. So konnten die Griechen von ihren ausgedienten menschlich-mythischen Gottesbildern und Juden von einer im Ritus erstarrten Stammesgesetzlichkeit befreit werden, ohne dass im aufgeklärten Verstand (Auferstehung) die altbedeutende kulturelle Ausdrucksweise und damit die Lebendigkeit aufgegeben werden musste. 

1.       Glaubensprobleme sind nur durch Reform, nicht in Verflachung zu lösen

 Nach der moderne theologische „Gotteslehre“ soll meist unabhängig von allem Wissen eine Art menschliches, aber allwissendes, allmächtiges, allgütiges Wesen geglaubt werden. Auch wenn dies außer „gutgläubig“ unbegründeter Hoffnung keinerlei Relevanz für das Verhalten in menschlicher Kultur mehr hat. Und von Jesus, dessen Auferstehung doch die Voraussetzung des christlichen Glaubens wäre, ist in der modernen Theologie trotz der täglich erscheinenden Jesusbücher und umfassender neutestamentlichen Lehre weit und breit nichts zu sehen.

Gleichzeitig erklärt die zur neuen Metaphysik gewordene naturalistische Wissenschaft in Vernunft (antik: Logos, für Philo auch Weisheit, Wort, wahrer Sohn, mit Kultname Josua, lat. Jesus) die Welt als ein einheitliches kreatives Ganzes, bei dem alles zusammenhängt, gleiche Abstammung hat. Wir wissen wie Genesis funktioniert, wie alles Leben im Grunde den gleichen Sinn und Zweck hat. Was im kreativen Sinn wesentlich war, ist, sein wird, bei den Propheten JHWH war, ist in Vernunft (hebr. Wort) offenbar. Auch was danach in menschlicher Gesellschaft (in Kultur, wie im gesellschaftlichen Verhalten) geboten ist, ist weitgehend klar. Damit genau das, was am Anfang des jüdisch-christlichen Glaubens philosophisch bedacht und in Kultbegriffen und -geschichten in menschlicher  Kultur lebendig gemacht wurde. Denn nicht das Wie, Warum und was danach Weise für menschliche Wesen wäre, wird durch naturwissenschaftlich erklärt. Auch warum Menschen singen sollen, gemeinsam feiern müssen, wie ein gemeinsamer Kult kreative Gemeinschaft schafft und warum wir ohne phantasievolle Bilder und anschaulich-bewegende Geschichten keine Vergangenheit gehabt hätten und keine Zukunft haben. All dies wird heute von atheistischen Evolutionsbiologen, ebenso wie von neurobiologischen Gehirnforschern, Kommunikations- oder Kulturwissenschaftlern erklärt. Auch wie und warum der bewusst gewordene Mensch in seiner Freiheit trotz allen Wissen, was weise wäre, immer wieder der Kurzsicht und Gier verfällt, so das Gegenteil von dem bewirkt, was gut wäre, wird wissenschaftlich erklärt. Doch einen Kult, der nicht sinnlosen Dingen oder dem Fußball frönt, sondern  jenseits von menschlichen Gottesbildern oder nationaltraditionellen Glaubenslehren für das begeistert, was statt kurzsichtig-egoistischer Gier auf ganzheitliche Weise gut für das gemeinsame Wohl, die kreative Gestaltung von Zukunft oder die eigene Gesundheit wäre, brauchen wir nicht neu zu erfinden. Wir müssen uns nur die Wurzeln unserer Kultur, wofür Philo ein kleines Beispiel ist, in aufgeklärter Weise bewusst machen.

 Wenn daher im Titel von Gott gesprochen wurde, geht es nicht um ein Wesen menschlicher Vorstellung, wie es dem Mittelalter entspricht und vorgesetzter Kultbegriffe, was heute noch allgemein als zu glaubend gilt. Dessen Begründung und Bedeutung sich inzwischen auf das christliche Bauchgefühl oder mittelalterliche Vorstellungen und Traditionslehren beschränkt. Das von der Theologie nicht mehr als Wesens-Grund aller in Vernunft erklärten Kreativität bedacht wird. Damit auch seinen kulturellen Grund für das kreative Funktionieren einer Zukunft schaffenden, statt in egoistisch-gieriger Kurzsicht vernichtenden menschlicher Gesellschaft verloren hat. Das aber in moderner „Gotteslehre“ den Studenten in Berufung auf angeblich moderne Theologen als numinos zu glaubend vermittelt wird. Ohne dass es eine kulturelle Bedeutung für das menschliche Verhalten hätte.

Gegenwärtig und maßgebend für das menschliche Verhalten ist das, was bei Philo deutlich wird. Was am Anfang des prophetischen Kultes, wie dann jüdisch-christlichen Glaubens galt und heute nur etwas wissenschaftlicher erklärt, gegenwärtig ist: Was in Vernunft (Logos als Christus) bedacht, im kreativen Sinne für die menschliche Kultur schöpferisch wesentlich war, ist und sein wird: JHWH. Und die von diesem „einen“ selbst unsagbaren und unvorstellbaren, jedoch jetzt philosophisch bedachten Sinn/Grund aller inzwischen in wissenschaftlicher Vernunft natürlich erklärten (offenbaren) Kreativität ausgehende Weisheit war das, was Philo auch als Josua, lat. Jesus verstand. Was er in Bezug auf die Vorgängerkulte auch als wahren Gottessohn oder Wort sah. Und was so nicht nur, wie beispielsweise auch bei Platon oder der Stoa sagte, was menschliche geboten war. Sondern was im gemeinsamen Kult freie Menschen in Verant-wort-ung für das nehmen sollte, was durch Schöpfung/Natur vorgegeben war. Denn genau dies wurde in der Hochzivilisation antiker Aufklärung wissenschaftlich (philosophisch) bedacht. Und wie bei Philo, damit im hellenistischen Judentum der Zeit Jesus zu beobachten, wurde diese philosophisch/wissenschaftlich bedachte Vernunft im bildlosen prophetischen Kult Moses begründet, so jenseits von Gottesbildern auch für Griechen geltend kulturell lebendig gemacht.

Zur Zeit Jesus ging es nicht um ein Gotteswesen nach völlig freier persönlicher Vorstellung, das nicht philosophisch/wissenschaftlich in Vernunft/Logos vermittelbarer/offenbarer Sinn oder Grund des kreativen Weltganzen ist. Damit dem, was schöpferisch wesentlich war, ist und sein wird, heute jedoch seinen Grund und Sinn für ein kreativ (z.B. öko-logisch) verant-wort-liches, zukunftsgerechtes Verhalten freier, aber geistbegabter, mündiger, menschlicher Kulturwesen sowie Versöhnung der im täglichen Kampf beklagten Kulturen verloren hat.

Hier geht es daher um ein Verständnis, wie es im philosophischen Judentum und damit am Anfang der Christenheit zu beobachten ist: Einen letztlich nicht zu verleugnende kreativen Grund, der rational erklärten schöpferischen Realität. Wie es zur Zeitenwende in anfänglicher wissenschaftlicher Vernunft/Logos (Wort) den „schöpferischen Grund“ des kreativ-sinnvollen Weltganzen und allen Werdens erklärte/offenbarte. Und das war zur Zeit Jesus das, was bereits den Propheten schöpferisch wesentlicher (JHWH) war, als die Opfer an eine Vielzahl menschlicher Gottheiten.

Auch wenn die Verkörperungen von Wind, Fruchtbarkeit, Weisheit oder anderen Mythengötter als schöpferische Wesentlichkeiten von der Philosophie bereits in Vernunft erklärt waren, so scheint der der nicht von Opfern für menschliche Göttern, sondern einem transzendenten Kultgrund ausgehende Monotheismus, die nun zeitgerechtere Lösung gewesen zu sein.   Wenn zur Zeitenwende dann von JHWH gesprochen wurde, war keine pantheistische Naturgottheit, wie sie auch im modernen Naturalismus zu beobachten. Es ging um den Grund des Seins, der selbst transzendent bleibt und in philosophischer Kulturmethaper als „Vater“ oder „Herr“ angesprochen wurde. So Grund aller griechischen, wie jüdischen Weisheitslehren und des menschlichen Lebens in verant-wort-licher kultureller Gemeinschaft war.

Das heutige Wissen über die christlichen Anfänge in der jüdischen Philosophie der Zeit Jesus liefert nicht nur ein neues Verständnis des historischen christlichen und dann auch islamischen Wesens. Die Schriften Philos von Alexandrien sind Zeugen eines philosophischen Denkens im frühen Judentum, das in natürlicher Vernunft gründet und ganz eindeutig am Anfang des christlichen Kultes stand. Bis vor wenigen Jahren wurde Philo aufgrund seiner inzwischen jedoch allein archäologisch notwendigen allegorischen Auslegung des Alten Testamentes und seinem Bezug auf persische oder jüdische Begrifflichkeit, wie Isis oder Maat, als ein jüdischer Weisheits-Mythologe gesehen, der eine philosophische Logos-Spekulation aufgegriffen hätte. Doch heute zeigt sich ein frühjüdisches Denken, das in Zeiten hellenischer Aufklärung und ihrer in beginnender Naturwissenschaft begründeten Vernunftlehren (Logos) nicht nur im Stile der Stoa oder des Platonismus das rechte, vernünfige Verhalten menschlicher Kultur bedachte. Vielmehr wurde die der antiken Hochzivilisation heilige Vernunft bereits in den alttheologischen Modellen und Mythen oder bei den Propheten Moses, wie der jüdischen Weisheitsliteratur am Werk gesehen.

2.       Reform der Weltbilder im gemeinsamen Grund

Die Leistung des hellenistischen Judentums, das die Mosesgeschichte und damit den prophetisch bildlosen Monotheismus mit dem modernen philosophischen Weltverständnis der verschiedenen Wissenschaften versöhnte und so auf eine völlig neue Stufe stellte, können wir heute kaum erfassen. Es ist so, wie wenn wir die Jesusgeschichte und christliche Traditionslehre mit heutiger Natur- und Geisteswissenschaft auf einen Nenner bringen wollten. Philo weist dabei den Weg, auch heute denn Glaubenlehren im allegorischen Sinne auf den Grund zu gehen, den auch das moderne Weltverständnis hat. Und ihnen so auch für die moderne Gesellschaft einen vernünftigen Grund zu geben, den sie völlig verloren haben. Was dazu führt, dass sich die einen Religionen an mittelalterliche Vorstellungen halten, die Radikale auf mörderische Weise zum Gottesstaat machen wollen. Und die christliche Theologie einen für das Verhalten nicht mehr relevanten Glaube an ein persönliches Gottesbild, der meist nur noch Gestrigen hilft, einen Ansprechpartner in Bedrängnis zu haben, daneben stellt.

Völlig Grundlos geworden, kann die christliche Religion damit weder den Gefahren irrationaler religiöser christlicher Strömungen etwas entgegensetzen, vor denen im Studium der Glaubenslehre gewarnt wird, noch den mittelalterlichen Vorstellungen der Moslems, die so als große Gefahr gesehen werden müssen. Und noch weniger kann der

Religionsgründern ging es um den philosophisch offenbaren Grund

Selbst wenn gegen alles inzwischen gegebene Wissen bei Jesus und Mohammed weiter von grundlegenden jungen Männern  ausgegangen wird, nicht von einer heute in wissenschaftlichen Begriffen definierten Vernunft/Weisheit in kult(ur)gerechter Person/Ausdrucksweise, kulturgerechter Inkarnation. Wo die antike Logos-/Vernunftlehre oder Weisheit auf heutige Begrifflichkeit übertragen als Mittler des Vätergottes in der Rolle Josua, lat. Jesu zu verstehen ist. Damit wird die Quelle der Reformation, wie die anfängliche katholische Lehre  maßgebende hellenistisch-jüdischen Bildung und Weisheitslehre der Zeitenwende nicht als Relikt aller Tage gesehen, sondern in aufgeklärter Weise auf heutige Logos- damit Vernunftlehre oder öko-logische Weisheit übertragen. Da kann in der Theologie nur noch auf natürlich-philosophische, inzwischen universal gültige Weise gesprochen, nicht weiter aus dem Buch oder Bauch gelesen werden. Da ist  der altbekannte Gott nicht nur in der evolutionären Logik allen Seins und der natürlichen Schönheit, sondern selbst in der kreativen Kunst der Köchin oder der Heilkunst des für seine Patienten engagierten Arztes lebendig. Ohne pantheistisch im Ganzen aufzugehen, seine Einzigkeit zu gefährden oder zu einem abstrakten Prinzip zu werden.

Die Weisheitslehre, wie sie der Zeit Jesus galt und durch Philo bekannt ist, weist den Weg:  Im heute nur etwas empirisch-vernünftiger definierten „Grund“ dessen, was auf kreative/schöpferische Weise wesentlich ist und sein wird (JHWH), ist der Wille/das Wort dessen zu verstehen, der nicht nur in jüdischer Weisheit, sondern ursprünglich echt katholischer Lehre im Kult als Herr und Vater angesprochen wurde. Die ausdiskutierte Weisheit, die uns im heute gegebenen Wissen sagt, was zur Gestaltung von gemeinsamer Zukunft und Glück oder dem Wohl des eigenen Körpers auf natürliche Weise vernünftig wäre, ist im aufgeklärten Sinne über die geistigen Anfänge als das zu verstehen, was im Kult als Wort Gottes galt und heute nur aus alten Büchern gelesen wird. Was dann vom natürlichen Lebensfluss begeisterte mündige Menschen in einem in Vernunft begründeten Kult in gemeinsame ökologisch-humanistische Verant-wort-ung nimmt: christlicher Glaube.

Auf den Spuren dessen, was aufgeklärt als  Grund des christlichen Glaubens (Jesus Christus) zu erkennen ist, liefert die jüdischen Reformtheologie, die den Monotheismus Moses auf eine „Mittelplatonismus“ genannte Weise verstand und auf die Beine Josua, lat. „Jesus“ stellte, ein völlig neues, zeitgemäß-natürliches Gottesverständnis. Wo nicht mehr der Mythos, Naturvergötterung oder traditionelle Nationalgesetzlichkeit, sondern der in Natur auf universale Weise begründete Logos bzw. die Vernunft- und Weisheitslehre der Mittler des Vätergottes war. Da ist der selbst jenseitige, transzendent bleibende Grund allen Seins und Sinnes in Vernunft und Logik gegenwärtig.

3.       Auch für einen jüdischen Reformprediger wäre gegenwärtige Vernunft das Wort gewesen

Auch wer bei der heutigen Hypothese bleibt, dass der historische Jesus nur ein reformender junger Mann oder Weisheitslehrer im Kontext des damaligen Judentums, nicht die Weisheit in menschlicher Person (Ausdrucksweise) selbst war. Der kommt an dem philosophisch-griechischen Glaubensverständnis, für das Philo Zeuge ist und das bereits Moses im allegorischen Sinne als ersten großen Philosophen sah, nicht vorbei. Ein mit pharisäerhafter Traditionsgesetzlichkeit und Schriftgelehrtheit im ständigen Streit liegender Jude, wie er von den Lieferanten des heute an Hochschulen geltenden jungen Mannes theologie-literarisch und kultur-/volksgerecht gezeichnet wurde, für den hätte die für damalige Zeit maßgebende Vernunft gegolten. Selbst wenn Jesus nicht als Weisheit/Wort in Person (Rolle/Aufgabe) gesehen wird, was jedoch kirchliche Lehre ist, weiter ein junger Mann gilt, wäre für diesen die jüdische Weisheit seiner Zeit maßgebend gewesen. Auch ein jüdischer Junghandwerker als Weisheitslehrer, eine Art jüdischer Wanderkyniker, wie ihn Neutestamentler annehmen (z.B. Gerd Teißen: „Jesus der Galiläer“), der allein in seinen Gleichnissen die Naturorientierung zeigt oder auch sonst ein Reformprediger der Zeit ist, hätten sich genau in dem bewegt, für was Philos Schriften beste Zeitzeugen sind. Auch wenn es beim historischen Jesus nicht um die Inkarnation der Weisheit/des so damals lebendigen Wortes ging, wie die kirchliche Lehre sagt, wofür kein junger Mann in Frage kommen kann. Wenn ein junger Mann mit zufälligem Namen Josua nur aufgrund seiner Lehre oder seiner Lebensweise als Logos oder lebendige Weisheit gesehen und so verherrlicht worden wäre. (Was an Hochschulen an den Haaren herbeigezogen wird, aber wie vielfach unter www.jesus-lebt-wirklich.de nachgewiesen, nicht sein kann, völlig ungeschichtlich ist). Dann wäre dieser zufällige Jesus auch unbewusst ein Vertreter der Lehre gewesen, für die Philo bester erhaltener Zeuge ist.

Da auch die gesamte kirchliche Lehre und ihrer anfänglichen Denker eindeutig die Spur Alexandriens und nicht irgendeiner der jüdischen Reformbewegungen aufnahmen, die beispielsweise wie der Markionismus in absoluter Logos-/Vernunftgeltung das ablehnten, was den Alten wesentlich war, steht fest: Das philosophisch-natürliche Gottes- besser Vernunftverständnis, für das das umfassend erhaltene,  aus bewusstem Grund durch die Kirche nicht vernichtete Schriftgut Philos ein gutes Zeugnis ist, zeigt aufgeklärten Menschen, was wahrhaft „christlich“  ist.

4.       Vernunft  im Sinne katholischer Lehre, wie Luthers

Wenn auf den Konzilen bekanntlich die verschiedenen Richtungen der Alexandriner hinsichtlich der Definition der Weisheits-/Logoslehre stritten, die katholische Kirche nicht nur in anfänglichen Einigungsbeschlüssen, sondern auch später an der mit Verstand einsehbaren pilosophischen Logos-/Vernunftlehre festhielt. Dann ist klar, um was es am Anfang ging. Was auch der Kirchengeschkenner und ehemalige Papst Benedikt XVI. in vielen intellektuellen Reden bestätigt. Gleichwohl er in seinen Jesusbüchern den Eindruck erweckt, den biblischen Verfassern sei es um einen jungen Mann mit Namen Jesus gegangen. Auch wenn das christliche Wesen inzwischen zu einem Wanderguru geworden ist. Den kirchlichen Denkern ist klar, dass in anfänglicher katholischer Lehre mehr war, die der hellenistischen Philosophie maßgebende Vernunft und Weisheit am Anfang des christlichen Glaubens stand. Die ja auch allen Vätern der Kirche und späteren Denkern noch bis ins Mittelalter galt. (Nebenbei: Prof. Ratzinger als Platonisten zu bezeichnen trifft zu, ist jedoch Etikettenschwindel. Weil der zwar philosophisch, hier aber nicht den alten Glaubensgrund als gegenwärtig denkt. Denn so unterstellt man dem Platonismus, sich in traditionellen religiösen Vorstellungen, statt gegenwärtiger Ratio begründet zu haben. Und auch für den jüdischen Platonisten Philo war kein alter Mann mit Moses grundlegend, kein geheimnisvolles Dogma oder nur ein traditioneller Text. Die antike Vernunftlehre, die heute nur andere wissenschaftliche Namen hat, war in Einheit mit Moses am christlichen Anfang eindeutig das Maß der Dinge.)

Es wundert auch nicht, dass die Reformatoren, die in der philosophisch-katholischen Lehre gebildet waren, in ihrem Re-form nach dem Abfall der Kirchenlehre in Ablass und Selbstherrlichkeit wieder zum anfänglichen Hellenismus und seiner Weisheit zurück wollten. Auch dass sie statt der komplizierten Theologielehre eines Thomas von Aquin dafür eine dem Mittelalter entsprechende, volksansprechende Ausdrucksweise verschrifteten und damals als absolut setzten. Wenn sie dabei den in jüdischer Weisheit geprägten Josua, lat. Jesus einheitlich für das christliche Wesen einführten, entsprach das der Vernunft der Zeit. Die Frage, ob das im griechischen Kulttext auch als Zeus bzw. Pantokrator benannte und dann noch lateinisch in Gottesnamen oder Christologie-Kürzeln umschriebene Wesen ein einfacher Wanderprediger war, stellte sich noch nicht. Für die Reformatoren galt die hellenistische Weisheit, die man auf einfach-zeitgemäße Weise statt der komplizierten, verfallenen Lehre dem Volk in Schrift vermitteln musste, um es gegenüber der verfallenen Kirchenlehre mündig zu machen. Und wenn nicht nur für Rudolf Bultmann, sondern auch die moderne Theologie der „historische Jesus“ für die christliche Lehre nebensächlich geworden ist, dann zeigt das nicht nur, dass historisch etwas anderes war, als angenommen. Vielmehr macht all dies deutlich, dass die philosophisch begründete Lehre vom Vätergott, wie sie heute von Philo von Alexandrien beschrieben wird, die Grundlage des christlichen Glaubens sein müsste.

Auch wenn das zwar die katholische Dreieinigkeit bestätigt, aber der katholischen Lehre den letzten Rest ihrer „Autorität“ nimmt und ebenso die „Absolutheit“ der Schrift. Oder Luther, der in der Vernunft seiner Zeit dachte und handelte, gleichzeitig die menschliche Vernunft verteufelte. Müsste es nicht im Sinne der katholischen Lehre, wie Luthers sein, der dem Hellenismus geltenden Vernunft, die sich rationaler gegenwärtiger Realität begründete, als Mittler dessen zu verstehen, was jenseits von vorgesetzten Gottesvorstellungen/-bildern schöpferisch wesentlich war. So auf wissenschaftliche Weise das zu vergegenwärtigen, was als unbennbarer/transzendenter Grund des einen Ganzen galt. Damit das das, was nach heutigem Wissen als vernünftig für das gemeinsame und eigene Wohl erkannt, als humanistisch, ökologisch gepredigte wird, wieder zeitgemäß kulturell lebendig zu machen?

5.       Alttestamentler zeigen in Philo, um was es im Neuen Testament geht

Hier liegen die  „Studien zu Philo von Alexandrien“ von Otto Kaiser und Markus Witte zugrunde, die im September 2016 in einem Beiheft zu den Studien zum Alten Testament erschienen. Sie sind über jede Bibliothek online einzusehen.

Die Studien über Philo wollte ich hinsichtlich meiner These untersuchen, dass die hellenistische Vernunft/Weisheit, in der die Bildung des Frühjudentums den prophetisch-bildlosen Kult vom „einen“ unsagbaren Grund aller Kreativität – dem was schöpferisch westen-tlich war und sein wird: JHWH – auf die Beine der antiken Vernunft und Weisheit (Logos) stellte. Damit der historische Jesus aus der jüdischen Weisheit geboren ist und das biblisch beschrieben, wie den Denkern maßgebende Wesen völlig unmöglich ein junger Mann war. Allein weil das, was auf Erden historische „wandelte“ und das bewirkte, was biblisch bebildert ist,  seinen Ursprung in der Reformtheologie hat, wie sie in Alexandrien zur Zeit Jesus zu beobachten ist. So all das, was biblisch in Jesus an Bedeutungsinhalten bebildert ist und kirchliche Lehre war, im jüdischen Geisteswandel, damit Vernunft und Weisheit wirklich war.

Insbesondere  wollte ich prüfen, ob ich bei der Ausarbeitung darüber, wie  die hellenistisch-jüdische Weisheit  Geburtsort des christlich „wirklichen“ Wesens war, den „Philo von Alexandrien“ des Alttestamentlers Otto Kaiser zu rationalistisch ausgelegt hätte, welche Argumente gegen meine These sprechen. Verschieden Ausarbeitungen über Philo, die noch in antiker Begrifflichkeit verharrten und auch nicht das inzwischen vorhandene Gesamtbild der Weisheitslehre zeigen, hatten Zweifel geweckt. Wer beispielsweise bei Burton Lee Mack schaut, wie noch vor wenigen Jahren in Untersuchungen der Weisheitstheologie im hellenistischen Judentum „Logos und Sophie“ auf mythisch-spekulative Weise betrachtet wurden, kann noch keine Lösung beim Übergang vom Mythos zum Logos erkennen. Auch wenn dort deutlich wird, dass auch den alten Vorstellungen, ob in Maat, Isis oder jüdisch-salomonischen Weisheitslehren bereits natürliche Realität, Nachdenken über das Weltganze zugrunde lag. Damit weder ein Guru als Jesus, noch heute ein dem Buch oder Bauch nach zu glaubender Gott zu machen ist.

Doch wer seit Jahren als Beleg dafür, dass die christliche Erneuerung des biblischen Monotheismus kein junger Mann oder Mythos, sondern die antike Vernunftlehre war, auch die ägyptische Maat oder die ebenso im nun natürlichen Weltgeschehen begründeten Mythengeschichten sowie die auch persische Philosophie vom kreativen Weltganzen weiterdenken Propheten Moses aufgreift, der hat Verständnis für Philo. Wie die heutigen Studien zeigen, steht hinter Philo kein mythischer Logos-/Weisheitsphantast. Vielmehr wird hier ein in natürlicher Vernunft begründetes Denken im hellenistischen Judentum der Zeitenwende deutlich, wie wir es der gesamten griechischen Philosophie beobachten. Das die vielfältigen mystischen Wurzeln des biblischen Monotheismus Moses philosophisch in nun natürlicher Vernunft bedachte, so die Grundlage für einen universalen bildlosen Monotheismus, dann die christliche Religion legte, wie es auch die neuen Studien bestätigen.  

Denn was in den „Studien zu Philo von Alexandrien“, wo dieser in Aufarbeitung zahlreicher wissenschaftlicher Vorarbeiten auf zeitgemäße Weise übersetzt und verstanden wird, zu lesen ist,  wirft nicht nur ein neues Licht auf den Logos Philos. Es bestätigt nicht allein die in neuzeitlicher Aufklärung und Wissenschaft  weiterentwickelte, im natürlichen Werden begründete Vernunft, Sinnhaftigkeit und Weisheit als christliches Wesen.  

Vielmehr erweist sich Nietzsches „Todeserklärung“ eines in Aufklärung  arbeitslos gemachten, durch Kant aus dem vernünftigen Denken weitgehend verbannten angeblich christlichen Gottes, als voraufgeklärtes Märchen. Ein Wesen menschlicher Vorstellung, das dem Buch oder Bauch nach aber zu glauben wäre, in Theodizee bezweifelt und vergeblich auf heute wundersame Weise oder als Designer (statt anfänglich unsagbarer Grund)  bewiesen, gegen alles Wissen in numinosen persönlichen Kreativitätserfahrungen nur ein gutes Gefühl geben kann, hat es in jüdisch-philosophischer Bildung und Weisheitslehre nicht gegeben.

Und wer im Alter Dogmatik-Vorlesungen besucht, bei denen ein aufgeklärter junger katholischer Theologe, der die Jugend durch seine Warnungen vor verschiedenen Glaubenslehren und seiner modernen biblischen Auslegung erschreckt, Lehranwärtern aufgrund der heutigen Hypothesen des historischen Jesus und der damit folgenden Gottesvorstellung beibringen muss. Der fühlt sich herausgefordert, nicht beim historischen Jesus stehen zu bleiben. Denn was heute als Glaube völlig außerhalb der natürlichen Realität gilt und vermittelt werden muss, das wäre in den Augen hellenistischer Weisheit, die das den Alten schöpferisch Maßgebende in dessen aufgeklärtem Verständnis in einer rationalen Welterklärung wahrnahm, völliger Aberglaube gewesen.

Was ich in intensiver Auseinandersetzung seit über 20 Jahren in der katholischen, wie evangelischen Lehre und ihren Veranstaltungen beobachte, heute in allen theologischen Lehrbüchern vertreten werden muss, steht in völligem Gegensatz zu dem, was am Anfang galt. Von einer Wahrnehmung des den Alten geltenden schöpferisch Wesentlichen, des sinnvollen Grundes in rational erklärter gegenwärtiger Realität, der dann im Kult lebendig werden muss, haben sich die Religionen völlig entfernt.

Da die jüdische Weisheit der Zeitenwende für die katholische Lehre, wie dann ihre Reformatoren die „christliche“ Grundlage war, fordert das heutige Wissen über Philo gerade im Lutherjahr zur erneuten Reform heraus:

-In Bezug auf die anfängliche Lehre von Vorstellungen befreien, die verlangen völlig außerhalb der natürlichen Logik zu „glauben“.

-Das anfänglich in gemeinsame kulturelle Verantwortung nehmende schöpferische Wort in heutige Weltsprache übersetzten.

-Die Menschen so autonom von kirchlichen Lehren machen. Sie im mündigen Verständnis des in aller natürlichen Kreativität lebendigen schöpferischen Wortes aufgeklärt in gemeinsame Verant-wort-ung für die kreative Gestaltung von Zukunft zu nehmen.

Philo umfasst Plato und Moses mit gleicher Liebe. Platon feiert er als „heiligsten“ unter den Philosophen und Moses als göttliche Offenbarung und Gründer eines philosophischen Volkes“

So Juda Bergmann zum „Geleit“ der alttestamentlichen Philostudien.

Doch wo hier der Anfang des historischen Heilspredigers mit Namen Josua als Verwirklichung des nun philosophischen Monotheismus gesehen, damit der Grund des Neuen Testamentes gesehen wird. Und wo sich  in den Studien einmal mehr zeigt, wie Thora und natürliche Gesetzlichkeit (heute in Evolution oder Ökologie nur etwas empirischer belegt) gilt, dann für das urchristliche Denken  „Eins“ waren, hier das maßgebende jüdische „Wort“  verstanden wurde. Dort geht es nicht mehr nur um ein neues historisches Jesusverständnis. Vielmehr zeigt sich, dass die heutige Gottesvorstellung, die den Gottestod, die Realsäkularisierung der westlichen Welt, aber auch Aberglaube und Missbrauch gestriger Glaubensvorstellungen bewirkte,  nicht der entspricht, aus der dann das neue Judentum, das Christentum oder der Islam erwuchsen.  Eine theologische Denkweise, die in der griechischen Philosophie den „Heiligen“, damit die Vergegenwärtigung des Vätergottes oder Wortes sah, ist wegweisend: Wer das ernst nimmt und konsequent weiterdenkt, für den ist das, was als schöpferischer Grund des Ganzen transzendent, aber wesentlich war und sein wird, heute in wissenschaftlich-evolutionärer Welterklärung und davon ausgehender ökologisch-humanistischer Weisheit gegenwärtig.

Es waren weniger die Gottesreden des Reformdenkens jüdischer Bildung, aus der der neue Josua hervorging, als die praktischen Überlegungen, die mich dazu bewegten, nicht einfach ein weiteres Kapitel  an Argumenten an die Ausarbeitung über das aufgeklärte Verständnis des historischen Jesus anzuhängen.  Wenn wissenschaftlich zahleiche Vorarbeiten über die heutigen Erkenntnisse zur Philo und damit (auch wenn das dort kein Thema ist) den Anfang/Grund des Neuen Testamentes aufarbeitende Theologen beispielsweise zu Schlüssen kommen wie:  Philo und damit auch Moses (der biblisch-prophetische Monotheismus) oder Plato (damit die griechische Philosophielehre) hätten im Arzt und dessen Wissen die göttliche Hilfe gesehen. Oder am Anfang des dann christlichen Kultes wäre das, was als sinnvoll, vernünftig für das eigene, wie das gemeinsame Wohl, die Gesundheit, auch der Gemeinschaft… ausdiskutiert worden, als göttliches Wort und Wille verstanden. Dann wirft das die heutige Rede und Vorstellung vom „christlichen Gott“ völlig über den Haufen.

Vom Geheimnis, nach dem sich Gott genau dann und dort als die jüdische Reformtheologie Moses in Platon bestätigte, in einem jungen Guru oder sonst geheimnisvoll offenbare, brauchen wir „Gott sei Dank“ dann nicht mehr zu reden. Doch wo dann die Vernunft (der Logos) als Mittler dessen galt, was den Väter wesentlich war, die Weisheit und das Wissens als schöpferischer Wille, da ist es aus mit der alten Gottesvorstellung. Ein Wesen nach menschlicher Strickart, das zwar in Unerklärlichkeiten, Unerklärlichkeiten, übernatürlichen  Wundern seine Wirklichkeit, Gegenwärtigkeit beweist, den zahlreichen Beweisversuchen der Aufklärung, die wie intelligenter Design  dem Buchstaben nach – meist gegen das gegebene Wissen  -  vergeblich eine vorgesetzte Gottesvorstellung bewiesen wollen, hat  es bei Philo bzw. am Anfang des christlichen Glaubens nicht gegeben. Auch das, was wir Theodizee nennen, wo in jedem inzwischen in natürlich-kreativer Logik erklärten Geschehen, wie Naturereignissen oder Krankheiten, Zweifel gegen die Existenz des christlichen Gottes sprechen, hat es am Anfang des christlichen Kultes logischerweise nicht gegeben. Wenn fest steht, dass für Philo der Logos und damit die antike philosophische Logik der Mittler war, kann es die Theodizee allenfalls dort geben, wo sich etwas völlig entgegen aller Naturgesetze ereignet, es etwa Mitten in der Sommerhitze zu Schneien beginnt. Aber selbst Phänomene, die auf den ersten Blick geheimnisvoll wirken, erweisen sich in weiterer wissenschaftlicher Erkenntnis als ganz natürlich: Für Philo, der im Logos den Mittler dessen sah, was für Moses wesentlich und Wort war, göttliche Offenbarung.

Wo ernst genommen wird, was wir durch Philo über das jüdische und damit urchristliche Denken wissen, da werden Vernunft, Wissen und Freiheit, wie sie durch die Aufklärung gegeben sind und bis heute als Gegner des Glaubens gelten, zur schöpferischen Gabe. Im aufgeklärten Verständnis der Anfänge und dann noch des historischen Wesens, sind Wissen, Vernunft und Weisheit nicht nur Mittlers des Vätergottes, dessen Wirklichkeit und Willens in mündiger Freiheit wahrgenommen wird. Auch die Notwendigkeit für die Funktion aufgeklärter Kult(ur), wie der Beitrag des Glaubens zur eigenen Gesundheit oder dem Glück, kann bei Philo nachgelesen werden.

Studien über Philo von Alexandrien – Übertragen auf heutige Zeit

 

 

Allein schon der Verweis, dass die 1. Periode der alttestamentlichen Allegorie Philos in ihrem kleinteiligen Frage und Antwortspiel philosophischer Lehren ermüdend sei, die Argumente nicht immer durchsichtig seien, verweist auch darauf:

Ein neues Testament war notwendig geworden, um die Vernunft zur Welt zu bringen. Die Kirche bekam die Aufgabe, die abstrakte philosophische Vernunftlehre auf den Spuren der jüdischen Reformtheologie und damit eines bildlosen, götterfreien Monotheismus zu Welt zu bringen. So der neben den bei den Griechen weiter geltenden Mythen und Göttern abstrakt bleibenden Vernunftlehre zum kulturellen Leben zu verhelfen.