Die Quelle des Neuen Testamentes

 zeigt: Der historische Jesus war Vernunft/Weisheit der Zeit

(Zu überarbeiten und fortzusetzen, in dem sämtlich Logien im Sinn des hellenistisch-philosophischen Judentums in Zeiten Jesus bzw. antiker Aufklärung gedeutet werden, das die Vernunftlehre jetzt als universales Wort verstand, wie es bereits den Propheten galt.)

Die heute geltende Theorie über die Entstehung der Evangelien aus dem hellenistischen Judentum und die wissenschaftliche Rekonstruktion einer Q genannten Schriftquelle im Geist damaligen Reformdenkens, die Evangelien wie Matthäus oder Lukas zugrunde liegt, verweist eindeutig auf die Vernunft und Weisheit als historisches christliches Wesen. Denn die Vernunft gab dann und dort den theologischen Ton an, wo die Texte des Neuen Testamentes entstanden. Auch bei den Synoptikern ging es daher weder um einen jungen Mann, noch einen Mythos. Wo man im Sinne jüdischer Tradition erst nach der Übersetzung in Latein vereinzelt von Josua (Jesus), statt einem Pantokrator oder bis zur Reformation in Nomina Sakra (Gottesnamen) schrieb, wurde die vom kreativen/schöpferischen Ganzen ausgehende Weisheit der Zeit zur Sprache/Welt gebracht.

Es mag zu rationalistisch erscheinen, die dem antiken Denken maßgebende und den bildlosen Monotheismus und seine Gebote nun in zeitgemäßer Vernunft/Logik (Logos) begründende Weisheit, mit der heutiger Aufklärung geltenden Vernunft, in Evolution begründeter kreativer ökologisch Weisheit, Weltvernunft oder nachhaltiger, ganzheitlicher Lebenslehre zu übersetzten. Zumal die Vernunft in der Neuzeit von buchstabenhöriger Glaubenslehre verteufelt wurde. Daher heute Vernunft und Wissen zu Naturalismus und Säkularisierung mit  völligem Eigenleben führen, als Gegensätze des Glaubens gelten. Und alle Versuche eines denkenden, natürlichen Vernunftglaubens, der Wissen und Wort versöhnt, nicht zuletzt aufgrund der heutigen Jesus-Hypothese zum Scheitern verurteilt waren. Doch was heute als eine in natürlicher Schöpfung/Ökologie begründete Weisheit, für unser Dasein wesentliche Weltvernunft oder als ganzheitlich-humanistische Lebensweise den Alltag bestimmen sollte, hat mehr mit dem historischen Jesus zu tun, als ein junger Mann. Der derzeit gelehrt und dann auch noch im kläglichen Rest vom radikalkritischen Kurz-schluss wegrationalisiert wird.

Und wer gar deutlich macht, dass die Vernunft, die heute nicht nur die Welt erklärt und Recht bestimmt, sondern sich mit der Traditionslehre und ihren Kultbildern kritisch auseinandersetzt, genau darum der leidende historisch wirkende Jesus war, scheint gegen alle Wissenschaft zu sprechen. Doch unwissenschaftlich ist es, angesichts allen heutigen Wissens über das Denken und Diskutieren der Zeitenwende, wie wir es beispielsweise aus jüdisch-hellenistischer Bildung (Philo von Alexandrien) kennen, aus den Evangelien einen gar des Lesens unfähigen, wunderwirkenden Handwerksburschen herleiten zu wollen. Wie kann man wissen, wie Vernunft und Weisheit in Athen, Alexandrien oder Antiochien jetzt sagten, was Recht ist. Wie die Vernunft in vielfältigen Reformbewegungen, auch in Qumran (rund um Jerusalem) wehte und zu einer urchristlich-marcionistischen Ablehnung, ebenso wie einer das Alte reformenden Auseinandersetzung mit der Thora führten. Die wie Philo von Alexandrien die griechische Philosophie im Sinne des Alten Testamentes verstand, damit den bildlosen Bund auf neue Beine stellte. Und dann einen Sprüche klopfenden Handwerksgesellen oder literarischen Mythos als Grund der Weisheit annehmen wollen, die im Neuen Testament gegen die taube Gesetzlichkeit der Tradition sprach, den Bund der Väter (heute sagen wir Monotheismus) erneuerte und universal machte?  enn die wissenschaftlichen Ergebnisse über die Quelle der Evangelien konsequent weitergedacht werden, führt kein Weg vorbei: Die Verfasser, reformjüdische hellenistische Denker, haben unmöglich die Sprüche eines einzelnen Rabbis oder Reformpredigers aufgegriffen, weil sie den jetzt als neues Maß aller Dinge, Erfüllung der Thora oder gar als für das menschliche Dasein wesentlichen schöpferischen Grund/Sinn sahen. Ebenso wenig kann nur ein Jesus-Mythos gewesen sein. Die gesamten Verhaltenslehren und Hoffnungen, ebenso wie die kritische Auseinandersetzung mit den tauben Traditionslehren, wie sie sich bereits in der Quelle der Evangelien zeigen, müssen einen Grund gehabt haben, der sich für aufgeklärte Menschen weder in einem jungen Mann, noch einem literarischen Mythos des Glaubens erklären lässt.

Dass in den sprachwissenschaftlich rekonstruierten Urtexten die personifizierte Vernunft/Weisheit ja auch selbst als die Sprecherin genannt wird, wäre allein kein Beweis. Doch alle Aussagen in Q zeigen, wie jüdische Denker in der in Natur/Schöpfung (heute: Evolution) begründeten Vernunft/Logos (heute: Ökologie) ihrer Zeit das verstanden, was Juden traditionell als Wort galt, als Weisheit bekannt ist und im schöpferischen Sinne wesentlich war und sein wird. Gerade in Q wird deutlich, wie die Verfassern die  Weisheit in zeit- und kulturgerechter Weise zur Sprache brachten, was so eine Heilsfunktion hatte. Die Evangelien sind die frohe Botschaft der Vernunft und Weisheit (Christus), die dann als neuer Josua (Jesus) König der Juden war (Messias) und im Erbe ihrer jüdischen, wie griechischen Vor-bilder in Kult(ur)geschichte zur Welt gebracht wurde. Weil sie nur so die Kultrolle jüdischer Tradition, wie die der griechischen Götter und römischer Kaiser erfüllend einnehmen konnte.

1.       Hellenistisches Judentum: Herkunft des Neuen Testamentes

Wenn klar ist, dass die Wiege der Texte des Neuen Testamentes im hellenistische Judentum der Zeit Jesus stand. Dann kann es sich beim historischen Wesen Jesus völlig unmöglich um einen jungen Mann handeln, sondern macht allein dies mehr als deutlich: Die philosophische Vernunft, die sich mit der Tradition aufklärerisch auseinandersetzte, in der nicht nur Moses, sondern der bildlose Kult für den personalen, aber unaussprechlichen Grund der für die gesamte Kreativität/Schöpfung wesentlich war und sein wird, neu als universal verstanden wurde. Und die nun das Maß für kulturgerechtes Verhalten im schöpferischen/natürlichen Sinne gab. Die war das als Josua, später lat. Jesus gesehene Wesen, das in die goldene Zeit führen sollte.

An anderer Stelle wird deutlich gemacht, wie die Schriftzeugnisse von Philo von Alexandrien  belegen, dass im hellenistischen Judentum historisch all dies bewirkt wurde, was die urkirchliche Lehre und das Neue Testament an Bedeutung über Jesus Christus sagen (Philo von Alexandrien, Zeuge der Vernunft und Weisheit: Jesus Christus“). Oder warum eine Reform christlicher Religion selbst dann, wenn ein Wanderprediger bleibt, nicht mehr auf Texte, sondern auf die damals geltende und heute lebendige Weisheit zurückgreifen muss („Gott ist gegenwärtig, lebt durch wissenschaftliche Vernunft und Weisheit“). Hier geht es um die Herkunft der Texte. Die umfassenden Schriftzeugnisse Philos über das Denken des hellenistischen Judentums der Zeit Jesus, woran die Christologie bzw. Kirchenlehre anknüpfte und die daher nicht den Flammen zum Opfer fielen, sind zwar nicht Teil des Neuen Testamentes. Aber ohne das Denken, das die den gesamten Philosophenschulen geltende Vernunft bereits bei den biblischen Propheten am Werk sah, ist das Neue Testament nicht zu machen.  

„Die Bibel und ihre philosophischen Feinde“ beklagt nicht nur der große Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger, wie die verschiedenen Philosophen neuzeitlicher Aufklärung die biblische Auslegung beeinflusst hätten. So lehnte er es auch ab, die  als Logos geltende Vernunftlehre antiker Aufklärung, die nicht nur das Denken rund um das Mittelmeer bestimmte, sondern im Kult gerade auch dort wesentlich war und wandelte, wo die Geschichte des christlichen Wesens verfasst wurde, als das historische Wesen Jesus zu bedenken zu geben. Ich solle nicht auf den Logos insistieren, sondern besser in der Bibel lesen, war die kurze Antwort auf mein mehrmaliges, umfassend begründetes Bitten, das von ihm verteidigte hoheitliche Wesen Jesus in aufgeklärter Weise bedenken zu lassen. Doch seine neutestamentlichen Nachfolger, die bei ihm von einem jungen Mann lernten und dann aus den von hellenistischen  Philosophie-/Theologieliteraten verfassten Texten über ein schöpferisch maßgebendes Wesen jetzt einen leseuntauglichen Handwerksburschen herleiten, beschimpft er als „Die Bibelfälscher“. Von einer neuen Synthese, zwischen logischer Erklärung dessen, was schöpferisch wesentlich wäre und in der Antike nicht nur philosophisch bedacht, sondern im hellenistischen Judentum bereits in David personifiziert oder bei Moses am Werk gesehen wurde, ist bei der Hypothese vom jungen Mann nicht zu denken.

Ein denkerisches Glaubensverständnis, das sich in dem Begründet, was Grund allen Werdens ist, schöpferisch wesentlich war und auch für Morgen im kreativen Sinne vernünftig wäre, kommt in der Glaubenslehre heute nicht vor.  Nicht nur das bisher fehlende aufklärte Verständnis des Alten Testamentes führte dazu, dass das Denken immer weiter aus dem Glaube ausgegrenzt, die Vernunft als dessen Feind gesehen wurde. Und wer sich nach heute geltender Hypothese auf einen wundersamen jungen Mann als die angeblich historische Offenbarung berufen muss, der kann mit wissenschaftlicher Vernunft nichts anfangen. „Der Ort an dem sich Gott als wahrhaft unverzichtbar erweist, ist nicht mehr die Natur mit ihrer außermenschlichen Geschichte.“  Herbert Vorgrimmers „Theologische Gotteslehre“, mit der die Lehranwärter gleich zu Beginn der Vorlesung darauf hingewiesen werden, dass der moderne Gott in der menschlichen Freiheitsgeschichte der Hoffnungsschimmer in Notsituationen und Bedrängnis sei, ist nur ein kleines Beispiel. Aus dem philosophisch bedachten Sinn-Grund aller Kreativität, der entsprechend der menschlichen Psyche und Funktion im Kult weiter personal angesprochen wurde, ist ein religiöses Gefühl geworden. Philo und damit die urkirchliche Lehrer müssten so aus dem Grab springen und nach Reform rufen. Einer Reform, wie sie an der Wende vom Mythos zum Logos durch sie gegeben war.

Philo von Alexandrien ist nicht der Verfasser der biblischen Texte. Er ist aber mehr als nur ein auch in der anfänglichen Kirche angesehener Zeuge für den Beginn des christlichen Kultes und seiner Kulttexte. Die, wie auch Teile des Koran, ihren Ursprung im syro-aramäischen Raum haben. Auch wenn sich die Literaten rund um Antiochien nicht auf Alexandrien beriefen. Das für nicht allein wegen der größten Bibliothek aller Zeiten mehr noch als Athen für die Bildung des hellenistischen Judentums einer hochzivilisierten Aufklärung in der Zeitenwende steht. Die Verfasser der Q-Texte waren bekanntlich griechisch sprechen und denkende Juden, deren Texte auf hellenistische Bildung schließen lassen, wie sie aus Alexandrien überliefert ist. Auch wenn sie sich nicht Philo (Liebe zum Denken, Philosophieren) nannten. Die Verfasser der Evangelien sind in einer philosophischen Landschaft aufgewachsen. Und so werden ja auch die biblischen Texte heute in den täglich erscheinenden Büchern über das Neue Testament als hochtheologische Werke gedeutet und teilweise auf antike Philosophie zurückgeführt.

Dass diese jüdisch- weisheitlichen Literaten die Vernunftlehre (Logos) nicht in Athen auf die Welt kommen ließen, sondern in Bethlehem , ist ganz im Sinne Philos. In seiner aufgeklärten Deutung der jüdischen Traditionslehre hat er die den Philosophen geltende Vernunft bereits in David und Salomo königlich personifiziert gesehen. Die erst heute erst archäologisch aufgeworfene Frage, ob David wirklich der große Judenkönig war, wie er biblisch bebildert wird, weil aufgrund der Ausgrabungen im alten Jerusalem nur ein unbedeutender Dorfhäuptling ohne Tempel übrig bleibt, stelle sich für die bis noch vor wenigen Jahren belächelte philosophische Auslegung des Alten Testamentes (Philo) nicht.  Auch ob Moses wirklich nach einer Volksbefreiung durchs Meer zog oder die im Namen Moses bekannten Texte verfasste, was erst heute verneint wird, spielte keine Rolle. Bei der philosophische Frage nach der Herkunft dessen, was den Propheten im Namen Moses monotheistisch wesentlich war, war Philo unserer Zeit, in der angebliche Aufklärungsorgane wie der Spiegel beim Fund eines Holzstückes auf dem Berg Ararat als angebliches Teil der Arche (dem Ursprung/Urprinzip) titeln „Hat die Bibel doch recht“, weit  voraus.

Wo neben Isis oder der ägyptische Maat auch griechische Götter als Vor-bilder oder –boten des dann bildlosen Kultes zur Verehrung der Kreativität des Ganzen, sowie ihre Bedeutung in Vernunft bedacht wurde, war es kein Lug und Trug, sondern erscheint es logisch, dass die Geschichte des einen christliche Wesen im Sinne der Göttersöhne geschrieben wurde. Denn während die theologische Lehre den Text des Neuen Testamentes meist nur im Alten Testament nachblättert, ohne dessen Erfüllung in zeitgemäßer Vernunft logisch nachzeichnen zu können, wollen Kritiker, die dann auch einen jungen Mann abstreiten, alles als reine Märchen abtun. Weil von Geburt, über Wunder bis Tod und Auferstehung das christliche Wesen den verschiedenen Göttermythen wie Isis, Osiris, Mithras & Co. oder jungfräulich geborenen Kaisern nachgestellt wurde. Statt deutlich zu machen, warum es kultureller Vernünftigkeit in kreativer evolutionärer Entwicklung entsprach, wenn hellenistische Juden die ihnen heilige, in Schöpfung bezeugte Weisheit, die nun die Rolle der in ihrer Funktion und Eigenschaft bereits in Vernunft erklärten Götter und Gottkaiser einnahm, wird von einem völlig fiktiven Glaubensmythos ausgegangen.

Da die philosophisch erfasste Vernunft, die die jüdische Bildung der Zeit Jesus bereits  bei den Propheten am Werk und in jüdischen, wie griechischen Mythen verkörpert sah, auch in der offiziellen theologischen Lehre derzeit nicht bedacht wird, kann auch dort nur ein Mythos hinten herauskommen. Denn die Vernunft, die Philo bereits bei den alten Juden- und Griechensagen verkörpert sah, die ist bei einem Junghandwerker, der bis zur neuzeitlichen Aufklärung biblisch bezeugt als Heilsbringer galt, inzwischen beim besten Willen nicht mehr zu machen. Wie man jüdischen Denkern, die bereits in den alten Vorbildern und ihren Geschichten die Vernunft definierten, die ihnen auch als Wort, Weisheit und nun wahrer Tempel heilig war, die Verherrlichung eines Wandergesellen im Sinne der jüdischen oder griechischen Tradition unterstellen will, das ist unerklärlich. Ebenso absurd ist es, dass hellenistisch-jüdische Denker, die ihre Dasein, wie die Tradition in Vernunft bedachten und für die noch wenig eine menschliche Gottheit wie ein Kaiser maßgebend war, jetzt einen jungen Mann oder einen alten Mythos zum schöpferischen Maß der Dinge gemacht hätten.

Wie aber die Vernunft in der Volkskultur nur lebendig werden konnte, indem sie wie ein Wanderkyniker zur Welt gebracht wurde, der sich mit erstarrter Schriftgelehrtheit und Pharisäertum auseinandersetzender und gleichzeitig das Erbe der in ihrer Geschichte in Vernunft erkannten jüdischen, wie griechischen Vorbilder antrat, erscheint logisch. Ebenso vernünftig wr es, aus Weisheitslehren eine Geschichte im Stile der Kaiserevangelien zu formen. All das wird deutlich, wenn man sich von der Heilsprediger-Hypothese befreit und die Vernunftlehre des hellenistischen Judentums nicht als ein Hirngespinst betrachtet. Vielmehr die notwendige kulturgerechte Ausdrucksweise bedenkt die ja auch vielfach beschrieben wird. Denn an keiner Stelle wird geschrieben, dass ein junger Mann vergöttert wurde, wie es heute angenommen wird. Immer wieder ist die Rede, von der „Menschwerdung“, dass das in Schöpfung bezeugte Wort, die Weisheit eine menschliche Gestalt annehmen musste, so wahres Leben war. Und so sind auch weder die als Kirchenväter geltenden neuplatonischen Logos-Lehrer wie Justin, Origenes oder Tertullian, die die menschliche Ausdrucksweise im jüdischen Sinne gegen abstrakte Vernunftlehren oder gewohnte Götterbilder verteidigten und später den Kanon herausgaben, unmöglich von einem jungen Mann ausgegangen. So wenig, wie der Thema der Konzile gewesen sein kann, wo über das Wesen der Vernunft und deren Ausdrucksweise jahrhundertlange von den Intellektuellen, insbesondere aus der Heimat Philos (jüdischer Aufklärung Alexandriens) gestritten wurde.

Und wer bedenkt, wie den hellenistischen Juden allein der Monotheismus des Moses zu wenig war. Wie Philo von Josua sprach, wenn er in Folge des nun in aufgeklärter Vernunft definierten Monotheismus  ein für alle Menschen offener, universal geltender bildloser Kult für das erhofft wurde, was bereits den Alten schöpferisch wesentlich war. Für den ist es unfassbar, wie man diesen Denkern dann unterstellen will, einen jungen Mann mit zufälligem Namen Jesus zu Gott gemacht oder als lebendiges Wort gesehen zu haben. Selbst wenn die theologischen Literaten, die die Logien zu einer Geschichte ausformten, nicht im Stil des griechischen Kultes von einem Pantokrator geschrieben, sondern bereits einheitlich den Namen Jesus verwendet hätten, den die auf den jüdischen Hellenismus zurückgreifenden Reformatoren erst einheitlich für die lateinischen Gottesnamen und christologischen Umschreibungen gebrauchten. Es wäre ihnen um die Hoffnung auf ein gelobtes Land, die Versöhnung der Kulturen und ein gemeinsames Leben in Vernunft (das nicht von der Traditionsautorität diktierte, sondern selbst-verständliche Wort) und so eine goldene Zeit gegangen. Ein Leben in Vernunft und Weiseheit, was Philo mit Josua beschrieb.  

Ob die Geschichte von dem auf Moses folgenden Josua und seinem blutigen Einzug ins gelobte Land erst im Hellenismus, damit für das Neuen Testamentes stehend entstand. Oder ob sie bereits in der Exilszeit und von jüdischer Philosophie aufgeklärt gelesen wurde. Das ist nebensächliche. Fest steht, dass der Name Josua, lat. Jesus für die Vertreibung alter Geister, menschlicher Gottesbilder stand und nicht zuletzt dadurch ein „Goldes Zeitalter“ erwartet wurde.  Auch die noch arabisch-christlichen Kalife, denen es ebenso wenig, wie den Verfassern von Q um einen jungen Mann ging, erhofften ein „Leben in Vernunft und kulturellem Friede“. Auch wenn die griechischen Literaten in der Geschichte des christlichen Wesens noch nicht von Josua, Jesus sprachen. Wie er auch für die jüdische Weisheit, in Jesus Sirach steht, auf den Melanchthon in einer Notiz an einen Freund hinsichtlich des Jesusnamens Bezug nahm. Sie haben keinen Junghandwerker mit zufälligem Rufname Jesus in den Himmel gehoben, sondern die  Vernunft (für sie auch Wort, Weisheit) als Josua, lat. Jesus in einer neuen, friedlichen Form beschrieben. Nicht mehr auf eine die menschlichen Götzenbilder mörderisch vertreibende Weise, wo mit Posaunen die Mauern von Jericho gesprengt wurden, sondern in Vernunftlehre:  Als einen einfach-naturverbundenen Weisheitslehrer nach den Spielregeln der Stoa, der seinen Kampf mit der jüdischen Tradition in Diskussionen austrug. Und so wenig der bildlose Kult des Moses durch Posaunenstöße eines Massenmörders verbreitet wurde, ging es beim neutestamentlichen Josua um einen jungen Altruisten.

 

2.       Vernunft-Philosophie/Theologie als Grund für ein „Neue Testament“

„Das Neue Testament“ ist die Schriftsammlung einer Subkultur im römischen Reich, die durch Neuinterpretation der jüdischen Religion entstand und sich binnen 100 Jahren zu einer selbstständigen Religion entwickelte.“ So der für die heutige Lehre mit maßgebende Gerd Theißen im ersten Satz seine Buches „Das Neue Testament“. Und so macht der Heidelberger Neutestamentler, den sein Vorgänger Klaus Berger aufgrund der banalen Jesusdeutung als einen der „Bibelfälscher“ im Blick hat bereits im ersten Satz klar: In den Texten ging es nicht um einen jungen Mann, den Berger den Theologen vermittelt hat, auf den diese dann auch ihre Lebenswerke bauten und über dessen völlig Banalisierung sie sich jetzt streiten. Die Vernunft und Weisheit des hellenistischen Judentums hat bekanntlich die jüdische Religion neu interpretiert, hat an bei den prophetischen Anfängen und den mythischen Vor-bildern bereits die Vernunftlehre am Werk gesehen.

Sicherlich sind noch viele weitere Erneuerungsbewegungen an der Quelle des Neuen Testamentes zu erkennen, wie sie beispielsweise von Moriz Friedländer aufaddiert werden. Der Makkabäerstreit geht auf dieses Konto ebenso, wie die Funde über die Suche nach neuem Bund, die in Qumran, damit in der Nähe Jerusalems ausgegraben wurden. Mandäer oder Manichäer sind nur zwei neue Religinsformen, die wie viele wilde, in ganz Nordafrika sich gegenseitig teilweise blutig bekämpfende Bewegungen in Erneuerung mit aus dem Judentum hervorgingen. Selbst Josephus Flavius, der allein vom Name her römisch orientiert war, heute meist einfach als jüdischer Geschichtsschreiber zählt, hat seine jüdischen Geschichte im Rahmen einer jüdischen Apologetik und hochgeistigen Auseinandersetzung mit dem zeitgemäßen Denken geschrieben. Zahlreiche Bewegungen, die dann von der zur Kirche gewordenen Erkenntnisbewegung als „falsche“ Gnosis angesehen wurde, heute teilweise als urchristliche gesehen werden, gehören zur jüdischen Erneuerung der Zeit Jesus. Insbesondere der Marcionismus, von dem wir nur durch die Polemik der Kirchenväter wissen, die die Ablehnung des Alten Testamentes anprangerten und wo nun scheinbar nur noch die philosophische Vernunftlehre für den sich als neujüdisch sehenden Monotheismus maßgebend war. 

Nicht allein, weil hier die als christlich geltenden Evangelien- und Paulustexte erstmals für die Kultlese aufgriffen wurden, muss der im hellenistischen Judentum erwachsene Marcionismus mit an der Quelle des Neuen Testamentes gestanden haben. Möglicherweise geht das Neue Testament als Solches auf ihn zurück. Denn in der Kirche, die der Spur jüdischer Bildung Alexandriens folgte und deren Vordenker wie Gregor von Nyssa, ebenso wie Philo durch die zeitgemäße Interpretation des Alten Testamentes in den Propheten eine Vorstufe des Platonismus ihrer Zeit sahen, wurde anfänglich im Kult die Thora weiterhin gelesen. Daher ins Griechisch übersetzt. Auch den Logoslehrer Justin als ersten christlichen Schriftzeugen sowie den in Alexandrien im Sinn Philos arbeitenden Philosophen Origenes, der sich um Interpretation des Alten Testamentes sowie der christlichen Texte im Sinne zeitgemäßer Vernunftlehre bemühten sowie viele weitere Denker sind zu beobachten.  Auch wenn man bekanntlich im theologisch-christologischen Streit lag, der gerade von verschiedenen Interpretationen des christlichen Wesens in Alexandrien ausging,  so bemühten damals zahlreiche Denker, die dabei nicht im Entferntesten an einen jungen Mann oder Mythos aus dem Zauberhut als neuen Gott dachten, um eine Vernunftinterpretation des prophetischen Gutes, damit eine Erneuerung des Alten Testamentes. Während im christlichen Marcionismus, der sich der zeitgemäßen Auslegung der Traditionstexte verweigerte und die Thora sowie die alte Gotteslehre ablehnte, weil nur noch die Vernunft als neue jüdische Grundlage galt, erstmals ein neuer Kanon mit Evangelien und Paulus für die Kultlese geschaffen wurde, so das Neue Testament entstand.

Was historisch die „Neuinterpretation des Judentums“ in der Zeit Jesus war, ist trotz der späteren Säuberung hinlänglich bekannt. Mit der Sekte des heute als historisch geltenden heilspredigenden Handwerksburschen, dessen schlaue Sprüche angeblich aufnotiert wurden, hat die Erneuerung des Judentums und damit die Entstehung des Neuen Testamentes mit absoluter Sicherheit nichts zu tun. Wer die Weltentstehung nicht mehr durch Zaubersprüche oder die Geschichte von Adam und Eva als die eines alten Ehepaares versteht, sondern  die Anfänge in Vernunft bedenkt, kann auch nicht weiter behaupten wollen, dass die Neuinterpretation des Judentums durch oder in Folge eines Sprüche klopfenden Wanderpredigers erfolgte, der mit seinen Freunden um den See Genezareth zog und als Sohn dessen galt, was den Vätern schöpferisch wesentlich war und sein wird.

Wer griechisch sprechend und philosophisch denkenden Reformjuden dieser Zeit unterstellt, sie hätten einen Weisheit verkündenden Junghandwerker als schöpferischen Sinngrund gesehen bzw. im Sinne des christliche Wesens verherrlicht, der kann sich auch den Buchstaben-Kreationisten anschließen. Die kleinwüchsige Tiere aller Arten als Beweis für die Arche (Ursprung, Urprinzip) oder die Weltentstehung in sechs Werktagen wissenschaftlich belegen wollen.

 Doch auch die Synagogen, wo der Wortgottesdienst an die Stelle des rituellen Opferkultes getreten war, sind aus dem Hellenismus hervorgegangen. Das griechische Geistesgut ist ins Judentum eingeflossen. Dass dort die Lehre eines Heilspredigers oder gar ein junger Mann als Gott gelehrt und dann verbannt wurde, schließt sich völlig aus. Was die trotz aller Vernunft allein dem traditionellen Stammesgesetz treu Bleibenden Juden aus der Synagoge verbannten, war die Erneuerung oder Verjüngung. Damit der Sohn dessen, was den prophetischen Vätern als Grund aller Genesis schöpferisch wesentlich war und sein wird, JHWH. Und das war die Vernunft, nach der philosophisch alles nun „natürliche“ Werden und menschliche Verhalten, wie auch die Notwendigkeit des menschlichen Kultes und der kulturellen Vor-bilder erklärt, so offenbar wurde.

Und ebenso absurd ist die Unterstellung, dass Römer, die trotz der Vernunfterklärung ihrer Götter, in denen das, was wie Fruchtbarkeit, Wind, Weisheit, Tugend  oder Tapferkeit als schöpferisch wesentlich galt und kulturgerecht personifiziert war, zum Glauben an einen jungen Mann als Gott oder dessen Mythos konvertiert sind. Wo der jüdische Kult vom kreativen Einen, das nun universal wesentlich war, in monistischer Vernunft auf neue Beine gestellt wurde, da ist die Hypothese von einem historischen Heilsprediger und seinem Mythos, der von hellenistischen Reformjuden vergöttert, aus der Synagoge verbannt wurde und zu dem sich jetzt auch die römischen Griechen bekannten, ein völliger Witz. Wie aber die in der Stoa oder in Alexandrien vertretene Vernunftlehre von der erstarrten jüdischen Traditionstreue, bei der weiter allein die alten Gesetze als maßgebend gesehen wurden, abgelehnt wurde, liegt auf der geschichtlichen Hand und lässt sich in den Geschichten des Neuen Testamentes nachlesen. Auch dass Römer, die die Welt in den verschiedenen philosophischen Modellen als zusammenhängendes kreatives Ganzen sahen und sich mit ihrem Götterkult kritisch auseinandersetzen, dann zum beschneidungsfreien, in Vernunft erklärten jüdischen Kult von dem, was im kreativen Sinne wesentlich war und sein wird übertraten und sich der Götteropfer verweigerten, erscheint logisch.

Im Zentrum des Neuen Testamentes steht Jesus, der das nun lebendige Wort des neuen Bundes verkörperte. Doch dabei ging es nicht um einen Heilsprediger, den die Römer 30 n. Christus hingerichtet hätten. „Er tritt im Neuen Testament an die Seite Gottes“ leitet Theißen zu Recht seine Studienschrift ein. Doch egal, was heute an den Haaren herbeigezogen wird: Um den jungen Mann, den er bei seinen Vorgängern gelernt hat und der in verschrifteter Form bis zur Aufklärung die Vernunft tragen musste, kann es dabei unmöglich gegangen sein. Ein junger Guru aus Galiläa und seine Sekte wären für die Römer nicht der Rede, noch weniger ein Prozess wert gewesen. Wie aber im Prozess der Zeit selbst die griechischen Philosophen oder Römer, die weiter im Götter- und Kaiseropfer den wahrhaft vernünftigen, Gemeinschaft stiftenden Kult sahen, die sich der religiösen  Tradition verweigernden Anhänger der Vernunft und Weisheit einen Kopf kürzer machten, ist bekannt.

Der jetzt nicht mehr in Stein gemeißelte Neue Bund, wie nach Teißen in Bezug auf Jesaja 31.31-34 das Neue Testament genannt wurde, geht eindeutig auf das zurück, was den Reformjuden als Vernunft galt und jetzt maßgebend für das rechte Verhalten war. Es war weder junger Mann, noch ein Mythos oder der gefühlvolle Bauch, der den neuen Bund begründete, sondern hellenistische Einsichtsethik, auf die sich gar Theißen mit Paulus bezieht. Denn wo nicht mehr das alte, oft zum Selbstzweck gewordene, seinen Zweck verkehrende Stammesgesetz der Beschnittenen galt, lässt sich bestens bei Philo beobachten. Dort galt kein wundertätiger Weisheitslehrer als neuer Hohepriester, sondern die auch in Stoa oder im sonstigen Platonismus maßgebende Vernunft als Mittler schöpferischen Maßes, lebendiges Wort, wahrer einziger Sohn.

Der neue Kanon, die Richtschnur für den Kult, wie das Leben in kultureller menschlicher Gemeinschaft war bekanntlich die Vernunft, wie sie in der gesamten Philosophie galt und bei Philo einen neuen Bund begründete, der sich in Josua, lat. Jesus ausdrückte. Die Vision, wie sie auch für das auch Philo gemalte Idealmodell der Essener die Feder führte, war die Vernunft der Zeit, die die Thora nicht ablehnte. Sondern die Vernunft bereits in alten jüdischen, wie griechischen Mythen am Werk gesehen wurde, damit als Josua Moses nun universal verwirklichte.

Der „Neue Ethos, Ritus und Mythos“, was nach Theißen die drei Ausdrucksformen einer jeden Religion sind, wurden im hellenistischen Judentum nun in Vernunft begründet. Ebenso wenig wie der Stoa lagen den daran anknüpfenden Verhaltenslehren des Neuen Testamentes die Sprüche eines Wanderpredigers zugrunde oder hat der Mund eines Mythos gesprochen. Es war die Vernunft, nach der nicht nur das gesamte hellenistische Denken, sondern selbst Diogenes, der Schutzheilige heutiger neuer Atheisten, die alten Göttersagen bedachte.

Und wenn ethische Gebote die Menschen nicht mehr nur der Tradition nach oder von außen steuern sollten, sondern die Menschen ins Herzen geschrieben war, was für ganzheitlichen Verstand stand, dann macht auch dies klar, wer das christliche Wesen war. Wer den lebendigen Geist des neuen Testamentes brachte, waren aufgeklärter Verstand (Auferstehung) in Vernunft.

Wo nicht mehr mit Tinte geschrieben wurde, sondern Verstand des schöpferischen Rechtes war, der wie bei Sokrates kritisch zu diskutieren und in Vernunft zu prüfen war, ging es weder um einen jungen Mann, noch einen Mythos. Auch was zur Verweigerung der rituellen Opfer führte und theologisch an deren Stelle trat, war eindeutig die Vernunft der Zeit. Die leiblich beim gemeinsamen Mahl in Brot und Wein anwesend war, bei Philo, wie in der gesamten Philosophie/Theologie wehte.

Die Attribute „Neu“ wären negativ besetzt gewesen. Die Tradition galt, das Alte war besser, schreibt Theißen. Doch was in dieser Zeit die traditionshörigen Opfer, wie die jüdische Gesetzlichkeit und Ritusversessenheit ersetzte und den alten Bund auf neue Beine stellte und von innen steuern sollte, ist nur in Vernunft als Josua zu bedenken, wäre sonst nur ein für diese Zeit nicht erklärbares Bla, Bla. Eine neuer Verfügung (griechisch: diatheke, Bund, Testament) lässt sich nur in der Vernunft erklären, wie wir sie bei Philo beobachten können. Ein Heilsprediger oder ein Hirngespinst schließt sich hier ebenso aus, wie wir dies nicht den philosophischen Lehren, wie der Stoa unterstellen, die auch ins Neue Testament des bildlosen Bundes eingeflossen ist. Wenn bei Reformjuden in Alexandrien, wie auch in der Kirche kein neuer Kanon herauskam, sondern die alten Texte neu verstanden und gelesen, ins Griechische übersetzt, später durch Evangelien und Brieftexte eines neuen prophetischen Paradigmas ergänzt wurden, dann lag das in Händen der Vernunft, wie wir sie bei Philo nachlesen.

Genau diese Vernunft war es auch, die dazu führte, dass im Stile antiker „Bios“ eine Biografie von Josua verfasst wurde, die den Göttergeschichten und Kaiserevangelien entsprach. Wenn für den auch Griechen als Wort geltenden Logos, der jetzt wahrhaft nur in Schöpfung bezeugt war, die Lebensgeschichte der Götter gewählt wurde, die auch bei Moses oder für den rein jüdischen neuen „Lehrer der Gerechtigkeit“ unbekannt war, dann liegt das auf der Hand, war höchst vernünftig. Auch wenn jetzt die Literaturform philosophischer Briefe eingeführt wurde. Dann ist es Wissensverweigerung, weiter davon auszugehen, da hätte ein durch eine Halluzination gewandelter Sektenverfolger, der schnellsegelnd als Überredungskünstler rund um das Mittelmeer wirkte, Gemeindebriefchen zur erbauenden Belehrung verschickt. Denn dabei wäre die Paulusexegese auch das Papier nicht wert.

Nicht allein aufgrund der Kritik, die deutlich macht, wie die Mission, die Entstehung vielfältiger Erneuerungsbewegungen, wie auch die Paulustexte in Erkenntnislehren, damit Vernunft begründet waren, ist es völliger Quatsch, hier die Innenansichten eines vom Geistesblitz getroffenen Wendpharisäers sehen zu wollen. Was die Wende, die Erneuerung ausmachte, auch den vielfältigen anderen anfänglichen christlichen Bewegungen und damit der Mission rund um das Mittelmeer zugrunde lag, ist bei Philo nachzulesen. Und nicht allein wenn Paulus im Brief an die Philipper 2.6.-11 ein Summarium der Christusverkündung beschreibt, sondern weil es sich für das theologisch-philosophische Judentum der Zeit Jesus völlig ausschloss, löst sich die Hypothese vom historischen Heilsprediger aus Galiläa, der bei Paulus dann nur eine Vorlage für eine sonst grundlose neue Theologie wäre, in Luft alter Vorstellungen auf, die bis zur naturwissenschaftlichen Aufklärung noch tauglich waren, nicht nur dieser getragen, sondern bei-getragen haben.

Die Vernunft überlebt jeden Tod. Und so überlebt sie auch ihre menschliche Gestalt, die der Zeit, wie der Verfasstheit der menschlichen Kultur, ihrer Vorbilder sowie der neurobiologischen Funktionsweise des Kopfes und kollektiver menschlicher Kommunikation entsprach.

Ein Theologe, der beschreibt, wie durch das christliche Wesen dem Judentum wie den Römern ein Ort gegeben wurde uns so Einzug ins Römische Reich nahm, dabei in Jesus die jüdische Religion beschneidungsfrei bewahrt wurde, der kann nicht weiter einen Wanderprediger als Ursprung der Quelle sehen wollen. Der muss die Vernunft bedenken, die dem hellenistischen Judentum nicht einfach sprichwörtlich heilig war, sondern die als schöpferische Gabe und Vermittlerin dessen gesehen wurde, was den jüdischen Vätern wesentlich war und sein wird, aber selbst unsagbar, damit geschichtlich „heilig“ war und in antiker Aufklärung die Kulturen versöhnte.

3.       Eine neue (Re-)Form christlicher Religion

Die bisherige Radikalkritik, die einen historischen Jesus verneinte und auch den Logos als rein literarisches Konstrukt einer philosophischen Spekulation erscheinen ließ, war angesichts des historischen Wandels weder wissenschaftlich machbar, noch führte sie weiter. Letztlich wäre ein literarischer Logos-  oder Jesus-Mythos für die vernunftbestimmte Aufklärung ebenso unbedeutend, wie ein junger Mann, der als mehr oder weniger „Christus“  große Sprüche reißend durch die Levante lief. Der nach dem mittelalterlichen Verfall der kirchlichen Lehre durch die Reformation in Schriftform maßgebende Jesus, ist seit seiner Hinterfragung durch neuzeitliche Aufklärung in seiner Bedeutung eh nur ein literarischer Mythos. Auch wenn ihn selbst die Glaubenskritiker wegen seiner kritischen Aussagen gegenüber der herrschenden Lehre lieb gewonnen haben, so kann er für die modernen Menschen kein kreatives Maß mehr sein. Die schöpferische Bedeutung, die die ursprünglich bei den Philosophen, dann auch kulturgerecht sprechende Weisheit später in der katholischen Lehre und durch die Reformation als Jesus in der Schrift hatte, ist durch die schöpferische Entwicklung (logisch, kulturelle Evolution) abhanden gekommen.

Doch wenn heute wissenschaftlich klar wird, dass hinter den Sprüchen der Quelle die Vernunft und Weisheit steht, die neuzeitlicher Aufklärung heilig ist. Wie sich die christliche Religion als Kult entwickelte, der die von traditionsorientierten Pharisäern, ebenso wie von den griechischen Philosophen gepredigte Vernunft, die heute als ganzheitlich-ökologische Lebensweise oder Weltvernunft ebenso wieder vergeblich gefordert wird, in götterfreier Kult(ur) zur Welt bringen sollte. Wie damit ein neuer, in Vernunft begründeter, universaler jüdisch-bildloser Kult in Begeisterung für das kreative Ganzen entstand, der nun auch für ihrer Götter müde Griechen galt. Dann wirft dies ein völlig neues Licht auf die notwendige Leistung des christlichen Glaubens und dessen Bedeutung für die aufgeklärte Welt, deren mündig-gemeinsames Miteinander in schöpferischer/kreativer Verant-wort-ung für die Zukunft der Kinder.

 Wissen über die Wurzeln der Schrift weiterdenken

Die Kritiker sehen in den Evangelien oft nur Märchen, die nicht weiter interessieren. Und auch die exegetische Wissenschaft begründet die Texte meist nur in älterer Kultleseliteratur. Da zur Frage nach dem historischen Wesen die biblischen Texte kaum ernst genommen werden, wurde bisher zur Beweisführung über die Vernunft/Logos als das Jesus genannte Wesen meist auf geschichtliches Wissen Bezug genommen, wie den anfänglich in Naturbetrachtung,  dann bei den Griechen in Vernunft begründeten Monotheismus oder das vernünftige Denken der Hochzivilisation in Zeitenwende. Auch wo die vielfältig sich noch bekämpfenden urchristlichen Reformbewegungen, die ebenso vom Logos ausgehenden spätantiken Kaiser als Erbauer der Kirche, deren neuplatonische Vordenker und Herausgeber der biblischen Schriften Zeugen für die Vernunft des christlichen Glaubens waren, spielten die biblischen Texte nur eine untergeordnete Rolle.

Denn schließlich sind die bekannten Evangelien nur eine kleine Auswahl der Unmenge von Texten, die in der Zeitenwende entstanden und zur lateinischen Kultlese in den kirchlichen Kanon aufgenommen wurden. Es waren an das anfänglich in der Kirche gelesene Alte Testament anknüpfende Texte, die dann nicht allein in den verschiedenen Übersetzungen immer weiter geformt wurden. Und die dann auch durch die Reformation und ihre volksverständliche Übersetzung, die so vor den im Mittelalter verfallenden kirchlichen Lehren bewahrte, dem Verständnis ihrer Zeit angepasst werden musste. Und die selbst bei den als Kirchväter geltenden Neuplatonikern anfänglich in Konkurrenz zu kirchlich ebenso bedeutenden Texten standen, wie einem griechischen Weisheitstext, wo kein junger Mann mit Namen Jesus, sondern ein „Hirt des Hermes“ spricht. Man stelle sich daher vor, nicht nur die ganz und gar ungewohnt klingenden Evangelientexte, wie sie als Apokryphen nachzulesen sind, sondern die in der Frühkirche ebenso wie die Evanglien gelesene Kultliteratur von einem griechischen Weisheitsboten wäre in den Kanon aufgenommen wurden. Wie wissenschaftlich wäre es dann,  einen zweibeinigen Hirten des Hermes (der so im griechischen Stil verkörperten Weisheit) für historisch zu halten, am See Genezareth zu suchen oder nur die historische Realität des Hirten abstreiten zu wollen?

Aufschlussreich ist es auch, dass selbst die Aussagen der synoptischen Evangelien, die nicht in das aus ihnen abgeleitete buchstäbliche Jesusbild passen, getreu der heutigen Heilsprediger-Hypothese als unhistorisch angesehen werden.  Wo in der Eintrittsvorlegung ein junger Jude als „historischer Jesus“ ganz selbstverständlicher als angeblich wissenschaftlicher Fakt vorausgesetzt und zur Grundlage der weiteren Studien, ebenso wie der sonntäglichen Predigt einer Moral wird. Auch wenn die ebenso, wie die theologischen Seminare über ethische Verhaltenslehren, gegenwärtiger Weisheit entspringen.  Da wird alles, was nicht ins Bild passt, als unhistorisch aussortiert. Nicht nur die entsprechenden Aussagen der Synoptiker, sondern alle ursprünglichen und inzwischen als christlich anerkannten, jedoch nicht in den Kanon aufgenommenen Texte, die oft ein ganz abstraktes Wesen mit einer ganz anderen Geschichte schildern, werden bei der Frage nach dem historischen Wesen Jesus kaum beachtet werden. So wird auch der Jesus des Paulus als unhistorisch angesehen. Ähnlich ergeht es Spruchweisheiten, wie dem Thomastext.  Doch in Q haben wir einen antiken Text, in dem die Weisheit spricht und der den geschichtlich ausgeschmückten Evangelien vorausgeht. Allein das Wissen, warum dann diese geschichtliche Ausdrucksweise im Erbe der Vorbilder vernünftig war, im Sinne kreativer kultureller Entwicklung sein musste, müsste die Annahme, dass in Q die Sprüche eines Heilspredigers aufgezeichnet wurden, kippen.

Für Theologen, die es gelernt haben, ihre wissenschaftlichen Werke an den biblischen Texten auszurichten und nur hier nach der Grundlage suchen, ist jede andere Vorgehensweise „unwissenschaftlich“. Und da der damals noch als wissenschaftlicher Autor sehr angesehene Klaus Berger auf die mehrfache Bitte, die Vernunft als geschichtliches Wesen des christlichen Glaubens zu bedenken, vor vielen Jahren antwortete, nicht auf den Logos zu insistieren, sondern in der Bibel zu lesen, wird hier das Wissen um Texte ausgewertet, die den biblischen Geschichten vorausgehen.

4.       Quelle waren nicht die Worte eines Predigers, sondern Weisheit der Zeit

Wer sich auf unvoreingenommene Weise mit den wissenschaftlichen Ergebnissen über die Quellen und Entstehung der Evangelien auseinandersetzt, die der heutigen Wissenschaft den Grund ihrer Heilsprediger-Hypothese liefern, der stellt fest: Nicht nur bei Paulus ging es um ein hoheitliches Wesen, das Johannes als die Vernunft der Zeit (Logos) vorstellt. Auch die synoptischen Evangelien lassen sich einzig und allein auf die in Natur/Schöpfung  begründete Vernunft und Weisheit der Zeit zurückführen. Was heute als eine in Evolution begründete ökologisch-ganzheitliche Weisheit gilt, müsste daher schöpferischer Sinn und Maß von christlich „Erwachsenen“ sein.  

Der sich durch diese Erkenntnis ergebene Wandel im gesamten Glaubensverständnis ist so gewaltig, dass hier mit ein Grund gesehen werden kann, warum sich die Hypothese von einem Gott offenbarenden oder gar ersetzenden Wanderprediger, der als lebendiges Wort, Weisheit in Person oder inkarnierter griechischer Logos durch Galiläa lief, gegen besseres Wissen weiter hält. Eher ist man bereit, neben den Bedeutungsinhalten nun auch noch den jungen Galiläer als literarisches Phantasieprodukt auszukippen, als die vor 2000 Jahren einen kulturellen Wandel herbeiführende Vernunft/Weisheit als historisches Wesen zu bedenken. Denn wenn sich zeigt, dass die bisher als Gegner des Glaubens geltende, gegenwärtige Vernunft und Weisheit genau das war, was damals offenbarte/erklärte, was den jüdischen Vätern schöpferisch wesentlich war und sein wird JHWH.  Dann haben alte Gottesbilder, die oft gegeneinander ausgespielt, bezweifelt und verneint werden, so in der heutigen Welt zur Realsäkularisierung bei gleichzeitig auch kriegerischem Aberglaube führen, ausgedient. In Berufung auf die wahren kulturellen Wurzeln, aus denen auch die Glaubenstexte hervorgingen, gelten dann nicht mehr die traditionellen Lehren und das in Glaubensbüchern vorgesetzte, sondern das lebendige schöpferische Wort als kulturell maßgebend. In Konsequenz ergibt sich so ein für aufgeklärte Juden, Christen oder Moslems geltender gemeinsamer Sinn, eine schöpferische Bestimmung aus dem, was sich heute nach natürlicher Erklärung des Werdens,  der Zukunft der Welt und damit das gemeinsame, wie auch das eigene Wohl als vernünftig ausdiskutieren lässt.

Gerade die wissenschaftlichen Ergebnisse über die Quelle der Evangelien, wie sie Prof. Markus Tiwald in einem Studienbuch zur Logienquelle vorlegt, lassen keinen anderen Schluss zu, als dass die Vernunft und Weisheit antiker Aufklärung am Anfang stand und die traditionellen Vorstellungen und Vorschriften damals echt erfüllte. Die in Natur/Schöpfung begründete Vernunft und Weisheit selbst war es, die auf Erden geschichtlich wandelte und nun für die neujüdischen Verfasser im Sinne des Alten schöpferisch maßgebend war. Alle Hypothesen von der späteren Verherrlichung eines jungen Juden durch Paulus, aus machtpolitischen Zwecken durch Mutter Kirche oder diese mit erbauende spätantiken Kaiser erledigen sich, wenn man das anfängliche Denken ernsthaft auswertet. Denn das schöpferisch maßgebende Wesen spricht bereits in Q und wird mehr noch in den Evangelien in seiner Auseinandersetzung mit entleerter jüdischer Tradition beschrieben. Doch die anfänglich christlichen Verfasser und Herausgeber, die von einem Menschensohn sprachen, der offenbarende/erklärte, was den Alten schöpferisch wesentlich war und sein wird, die Thora erfüllte und nun Maß aller Dinge war. Die haben dabei mit absoluter Sicherheit an keinen jungen Guru aus ihren Reihen gedacht oder literarisch gesponnen. Sie haben, wie auch aus jüdischer Bildung dieser Zeit, beispielsweise von Philo von Alexandrien bekannt und im Studienbuch bestätigt, so die nicht menschlich, sondern schöpferisch gezeugte Weisheit in ihrer kultgerechten, menschlichen Umsetzung und Ausdrucksweise bezeichnet.

Es trifft sicher zu, dass am Anfang Weisheitslehrer waren, aus deren Reihen auch die jüdischen Reformbewegungen hervorgingen, denen wir die Urtexte verdanken. Doch selbst wenn diese das sprechende, für das Verhalten maßgebende Wesen nicht als Weisheit, Herr, Menschensohn oder in Nomina Sakra (heiligen Namen, die im hellenistischen Judentum auch für das göttliche Tetragramm standen), sondern bereits als Jesus bezeichnet hätten. Was aber scheinbar noch nicht war. Sonderbarer Weise aber zur totalen Sprach- und Selbstverwirrung  immer geschrieben, damit vorausgesetzt wird. Dann wäre es ihnen um die Vernunft und Weisheit als neuen Josua gegangen, wie auch die Kirchenväter den Namen begründeten. Einen religionsrebellischen Handwerksburschen hätten weder Griechen, noch weniger hellenistische Reformjuden, die sich gegen die pharisäerhafte Tradition wandten und dabei das Alte Testament im allegorischen Verstand mit der Philosophie (Vernunft-Weisheitslehre) verbanden, als Weisheit in Person angesehen.

Es mag mehr oder weniger vernünftige/weise Zeitgenossen geben. Doch egal, ob wir von einer Quelle schriftlich verfasster Weisheitssprüchen ausgehen, wie sich das sprachwissenschaftlich erweist und heute gängige Theorie ist. Oder ob sich die narrative Ausformung der Lebensgeschichte Jesus, wie sie die Evangelien berichten, direkt aus der damals gängigen Weisheit ableitete. Was bei Markus scheinbar der Fall ist. Um einen arbeitsscheuen Handwerksburschen, der einer Jesusbewegung vorhergegangen sei, ist es den von lebendiger Weisheit ausgehenden und diese in Q so auch bezeichnende Verfassern, bei ihrer prophetischen Erneuerung mit absoluter Sicherheit nicht gegangen.

In einer Zeit, in der Reformer jüdischer Bildung, wie Philo von Alexandrien, auf den auch Tiwald zurecht Bezug nimmt, die Logos genannte Vernunftlehre als Wort verstanden, so im allegorischen Verständnis der verschiedenen Traditionslehren einen neuen Monotheismus begründet sahen. Da hätten anderer Reformer aus dem Frühjudentum, als die sich die Verfasser der Evangelien erweisen, mit Sicherheit nicht die neue schöpferische Maßgabe in den Innenansichten eines besonders schriftgelehrten jungen Mannes gesehen, der nach heutiger Wissenschaft nicht lesen und schreiben konnte. Wie aber in der Vernunftlehre der Zeit nicht nur bei den griechischen Philosophen, sondern auch den jüdischen Denkern ein neuer Monotheismus entstand, die Verhaltenslehren nicht nur der Griechen nun in wandelnder Vernunft und gegenwärtig Weisheit begründet waren, lässt sich beobachten.

Solange man nur in Kultbegriffen schwelgt, von einem Gott schwärmt, der durch seinen hingabevollen Sohn die gesamte Welt erlöst haben soll, ist alles machbar. Doch wer die anfänglichen Verfasser im Ernst heutiger Wissenschaft als theologische Denker betrachtet, dem wird gerade auch bei der Kritik am tauben alten Kult und den die Tradition übersteigenden Rechts- bzw. Verhaltenslehren  klar. So wenig ein moderner Weisheitslehrer oder ein theologischer Wissenschaftler einen arbeitsscheuen jungen Aussteiger als neues Maß aller Dinge, Ersatz für Mirakel wie Traditionshörigkeit und tauben Ritus-/Kirchen- bzw. Tempelkult, gar als Sinn oder Grund aller in neuzeitlicher Vernunft erklärten Schöpfung  sehen würde, ist das mit den anfänglichen Denkern machbar. Wer die damals lebendige Wahrheit, mehr als Moses oder Jona war und damit vom Abfall/Sünde befreite, kann für die Verfasser der Texte logischerweise nur die universal geltende Vernunft der Zeit gewesen sein. Wo der einzigen Lieferanten eines besonders begabten himmlisch-historischen Handwerksburschen gesehen wird, hat in geschichtlicher Wirklichkeit die in Schöpfung begründete, monotheistische Weisheit der Zeit gesprochen. Die dann statt traditionelle Nationalgesetzlichkeit auch den Griechen galt, den alten Opferkult und die Mythengötter ersetzten musste.

5.       Q ist nur ein weiterer Baustein im Wissen

Die leicht im Netz zu findende Quellenhypothese, wonach neben dem Markustext noch eine schriftliche Spruchquelle angenommen wird, aus der mit weiterem Sondergut auch Lukas und insbesondere der sich mit innerjüdischer Reform befassende Matthäus hervorging, ist nicht der Beweis. Doch sie ist ein weiterer Baustein, dass es auch bei dieser angenommenen Quelle nicht um die überlieferten Mitschnitte eines halbstraken Aufschneiders ging, wie er in Jesusfilmen zu sehen ist und sich als angeblich historischer Jesus letztlich nur dort herleitet. Ob sich die Texte daher aus einer schriftlich fixierten Spruchquelle entwickelten oder wie bei Markus angenommen wird, direkt die auf Erden wandelnde Weisheit aufgegriffen wurde, ist daher nebensächlich.

Doch wer sich die heutige wissenschaftlichen Erkenntnisse über Q betrachtet, der muss sich an den Kopf langen, wie man weiter einen des Lesens ohnmächtigen Schriftgelehrten/-zitierer als historischen Jesus betrachten kann. Auch alles, was wir dann über Matthäus wissen, wie es beispielsweise in ZNT, einer wissenschaftlichen Zeitschrift zum Neuen Testament aktuell dargestellt wird, wo in Bewahrung der jüdischen Tradition eine Erneuerung und Universalisierung als Öffnung für die Griechen erfolgte, zeigt ganz eindeutig: Dort, wo heute von Jesus die Rede ist, ging es den Verfassern um die Weisheit, die sich aus einem in Vernunft (logischer Gesetzlichkeit, heute Ökologie) begründeten neuen Monotheismus ergab. Es ging um das, was wir auch von dem griechisch-monistischen Denken kennen und im Kult als Vater aller Götter, Zeus-Pantokrator zum Ausdruck kam. Der heute nicht nur in der Kirche hängt, sondern auch auf Titelbildern wissenschaftlicher Werke über die Evangelien mit Bart und Heiligenschein zu sehen ist.

Ob bei den im katholischen Bibelwerk erschienen Büchern theologische Wissenschaftler das neben Q entstandene Markusevangelium das „ Das älteste Jesusbuch“  vorstellen, das den „Jesus Christus“ als heilender Mensch und Lehrer zum Ausdruck bringt. Ob beim aus Q und Sondergut entstandenen Lukastext „Die lebendigste Jesuserzählung“ mit vielen spannenden Geschichten dargestellt wird. Ob mit Matthäus „Eine universale Jesusgeschichte“ gezeigt wird, die als Adressaten die Judenchristen hat und das neue Judentum für die Griechen öffnen will. Oder ob mit Johannes „Eine wortgewaltige Jesusdarstellung“ untersucht wird, die sich als theologischer Neuentwurf in hoheitsvoller Sprache und scharfen Worten mit den Jesusgegnern auseinandersetzt, Jesus über sich selbst redet als Wort des schöpferischen Wesens der Väter. Wer Q und das weitere geschichtliche Wissen auswertet, der muss die Hypothese, dass  Johannes im Gegensatz zu den weiteren Evangelien nicht vom geschichtlichen Jesus handeln würde, über den Haufen würde.

Nicht, weil die Gestalter des herausgebenden Bibelwerkes für alle Werke unterschiedliche Darstellungen eines „Pantokrators“ auswählten, als der damals auch Zeus galt. Und von dem oder dessen dann auch jüdischer Umschreibung möglicherweise anfänglich mehr in den Texten stand, als von einem Handwerksburschen mit Namen „Jesus“. In den Evangelien, wie auch in der Mission der Apostelgeschichte kann es nach alles was wir über die Anfänge wissen, nur um die in Vernunft begründete Weisheit der Zeit gegangen sein, die ganz deutlich in Q spricht. So ist es schon allein völlig absurd, die Universalisierung des bildlosen prophetischen Kultes, wie sie nicht nur Matthäus wegen der Öffnung für Griechen unterstellt wird, in etwas anderem, als der Weisheit/Vernunft der Zeit bedenken, einen jungen Mann oder  nur literarischen Mythos annehmen zu wollen. Selbst wenn wir alles heutige Wissen hinten anstellen und weiter die jüdische Ausgabe eines Wanderkyniker sprechen lassen. Auch der wäre dann nicht selbst die Autorität gewesen, sondern hätte bekanntlich seine Weisheiten aus der schöpferischen Natur bezogen, der bekanntlich auch die Anhänger des Diogenes auf radikal-aussteigende Weise gerecht werden wollten. 

Seit Parminedes haben griechischen Denker und dann der Neuplatonismus, der auch bei Augustinus spricht, die sinnlich wahrnehmbare Schöpfung/Kreativität und ihre Schönheit auf rationalen Ideen, dann Formprinzipien zurückgeführt, die heute nur in neuen Begriffen, als Evolution, Ökologie oder in sonstigen physikalischen Prinzipien erklärt werde. Diese schöpferischen Vernunft-Prinzipien (Logos, heute auch Öko-logie) waren Maßstab menschlicher Gesetzgebung und Weisheit und sind im Christentum zum neuen monotheistisch-bildlosen Kult geworden, der so auch dem Griechentum offen stand, echt römisch katholisch war.

Wo heute das Denken und Diskutieren der Antike, von Parmiedes, über Philo bis Augustinus gelehrt wird, wie kann man dort weiter einen sprechenden jungen Mann oder Jesus-Mythos als maßgebend annehmen zu wollen? Vielmehr zeigt die geschichtliche Betrachtung, warum es damals im kreativen Sinne, damit schöpferische Realität war, der Vernunft/Weisheit das bekannte Gesicht zu geben: „Das Intelligibile“ in der Gesamtheit der natürlichen Schöpfung, das heute von der Natur- (Evolutions-/Ökologielehre)  oder Kommunikationswissenschaft dem Volk begreifbar gemacht wird, war damals ohne Intellekt nicht sinnlich wahrnehmbar. Was so nur in philosophischer Vernunft bedacht werden konnte, musste auf volksverständlich, sinnlich wahrnehmbar, kulturbewegende Weise vermittelt werden. Es benötigte kulturbedeutende Vor-Bilder, die aber immer wieder Gefahr laufen, zum Selbstweck zu werden, den notwendigen Fortschritt zu verhindern, wie es auch Q vielfach beklagt. Auch wo die Tradition beschuldigt wird, die Propheten zu töten oder eine Befreiung aus dem Kult der Mütter und Väter gefordert wird. Was mit Sicherheit keine Familienfehde war.

Auch wenn die lebendig-gegenwärtige Weisheit jetzt sagte, was geboten war. Von den heute in der Kirche in die Evangelien hineingelegte moderne Moralpredigt, ist in Q weit weniger zu lesen, als die Auseinandersetzung gegenwärtiger Weisheit mit gestrigen Glaubensvorstellungen. Vorstellungen, denen nicht nur Fleisch geopfert wird. Die taub geworden dann auch verhindern, dass der Kult bei geistbegabten Wesen zu einem Verhalten in Weisheit führt. Wir sagen heute ökologisch, ganzheitlich, weltvernünftig, nachhaltig.

Noch weniger ist von einer Ermahnung zum Glauben an eine alte menschliche Gottesvorstellung zu lesen, um, wie auch heute wieder notwendig, die Aufspaltung zwischen einem rational-naturalistischen Weltbild und den traditionellen Glaubenslehren zu überwinden. Was im Westen heute zur Realsäkularisierung bei gleichzeitigem Aber„glaube“ führt. Ganz im Gegenteil. Gerade Q macht deutlich, wie die Weisheit der Zeit gegen taube, pharisäerhafte Gesetzlichkeit, überkommene Bilder gesprochen hat. Die auch verhinderten, dass der dann „christliche“, in Weisheit und Vernunft des schöpferisch wesentlichen Weltganze begründete prophetische Kult, den ihrer alten Götterbilder überdrüssig gewordenen Griechen eröffnet werden konnte.  

Wer die anfängliche Hoffnung in den Worten bzw. gesammelten Sprüchen eines angeblich historischen Wanderpredigers als Heiland begründen will, der aus dem Grab hüpfte oder in Gemeindebildung erschien, scheint allen „christlichen“ (in lebendiger Weisheit begründeten) Glauben verloren zu haben. Doch warum in der Vernunft im aufgeklärt-allegorischen Verstand der Traditionslehren der neue Josua, lat. Jesus gesehen wurde, erscheint logisch und echt messianische Wirklichkeit gewesen zu sein.

6.       Gegenwärtige Weisheit war und ist neuer Rechts- und Religionsgrund

Die Rekonstruktion der Schriftquelle belegt eindeutig, dass die damals gegenwärtige Vernunft/Weisheit nicht nur der völlig neue Rechtsgrund, sondern auch neue Grund des Kultes. Wonach Vernunft und Weisheit auch heute Grund christlicher Religion sein müssten. Wer sich beispielsweise in „Exodus“ von Jan Assmann erklären lässt, wie der alte jüdische Bund und das gesamte Gesetzeswerk keine mystischen Vorschriften waren, die einem Mann Namens Moses einfach diktiert wurden, sondern sich mit Ausnahme der Aussagen zu anderen Göttern, dem Bilderverbot und dem Sabbat alle Rechtsvorschriften bereits in Kultgeboten des alten Ägypten finden lassen. Der kann es nicht fassen, wie es heute wissenschaftlich sein soll, dass damals hellenistische Reformjuden einen egal wie gestrickten jungen Mann als absoluten neuen Rechts- und gleichzeitig auch Religionsgrund hingestellt hätten. Doch weniger ist mit Q nicht zu machen. Und ein kulturelles Recht, das sich aus ägyptischer Theologie entwickelt, dann im bildlos-monotheistischen kreativen Ganzen begründete, ist weder mit einem jungen Mann, noch mit dessen Mythos zu machen. Und damit fällt nicht nur die Hypothese vom historischen Heilsprediger, sondern auch die der Kritik, die nur ein literarisches Gebilde, einen Jesus-Mythos annimmt und alles allein auf alte, aufgewärmte Kultbilder zurückführen will. Wie sollten alte ägyptische Rechtsvorschriften, die dann im prophetisch-bildlosen Kult vom kreativen Ganzen im Namen Moses weitergedacht wurden, durch einen Großsprecher mit Namen Jesus oder einen Mythos auf eine neue Grundlage gestellt worden sein?

Mit Kultfiguren und -begründungen scheint in heutigen Zeiten, wo führende Neutestamentler, wie Gerd Theissen und seine Schüler ihren Studenten einen Galiläer in der Ausgabe eines Wanderkynikers als historischen Jesus beibringen und dann doch weiter sonntags in hoheitlicher Weise vom Gottessohn reden, alles machbar. Aber ein neuer, im christlichen Wesen begründeter kultureller Rechtsgrund, wie es eindeutig aus Q hervorgeht, benötigte eine reale Grundlage. Die kann mit einem Aufwärmen älterer Mythen so wenig machbar gewesen sein, wie mit einen jungen Mann.

Bei den narrativ als Jesusgeschichte ausgemalten Evangelien scheint es zu reichen, einfach einen antiken Sprücheklopfer, der als besonders schlauer (lt. Wissenschaft jedoch leseunfähiger) Schriftgelehrter alte Weisheiten oder gar die Stoa aufgriff, als historischen Jesus anzunehmen. Man braucht dann nur totzuschweigen, wie die Paulusliteratur einen gänzlich neuen Rechtsgrund zeigt, der die alten Gebote nicht auflöste, sondern in völlig neuer Weise begründet. Oder das absolute „ich aber sage Euch“ von Johannes als ebenso unhistorisch abzutun, wie sonstige anfängliche Texte, die nichts in Bild des guten Jungen passen, der durch Galiläa lief und als besonders schlauer Schriftgelehrter alles nur etwas besser wusste. Doch in Q haben wir eine rekonstruierte Literatur von religiösen Reformern, die im christlichen Wesen einen völlig neuen Rechtsgrund sahen, was auch Grundlage der Verfasser der Evangelien und deren Geschichten war.

Dass es zur Zeitenwende, wie Assmann über die Anfänge der Thora schreibt, einfach Gebote der Weisheit, eines über Generationen überlieferten Erfahrungswissens war, das die Kunst des harmonischen Zusammenlebens lehrt, ist nicht von der Hand zu verweisen. Und doch muss dort, wo jetzt nicht mehr die Traditionslehre die Grundlage war, sondern sich ein Wesen als die jetzt lebendige Thora vorstellte, mehr gewesen sein, als menschliche Beliebigkeit. Auch wenn die den Ägyptern maßgebende Maat, die Wahrheit, Weltordnung als Rechtsgrund in einer sprechenden Göttin verkörpert war. So gab bereits bei den Ägyptern und mehr noch bei den persischen Zarathustra-Philosophen und den dort ausgebildeten biblischen Propheten, nicht der Mensch, sondern die schöpferische Wirklichkeit das Maß vor. Das Prinzip, als das die Maat galt, war keine zufällige menschliche Mehrheitsmeinung. Wie auch das den götterbildfreien Propheten geltende Wort, galt die jüdische Weisheit dem, was auch heute mit Weisheit umschrieben und in schöpferischer Natur begründet wird. Von tiefgreifenden Zusammenhängen zwischen Natur und Leben in menschlicher Kultur, ist bei Wiki zu lesen. So wundert nicht, wie dann die universal geltenden Prinzipien des natürlichen, in Vernunft erklärten Werdens (Logos, heute Ökologie) zum neuen Rechtsgrund wurden, der Moses erfüllten überstieg, Grundlage menschlicher Weisheit war.

Wo in Natur- und Himmelsbeobachtung auf noch mythische Weise von rechtsgrundlegenden Weltprinzipien ausgegangen wurde, die als Maat in menschlicher Göttergestalt sprachen.  Da wäre mit Sicherheit keiner der ägyptischen Denker auf die Idee gekommen, hinter der Maat oder den griechischen Kultur-/Naturvergötterungen, die in Geburt, Leben und Tod mit Vorbilder der neutestamentlichen Jesus-Geschichte waren, Sprüche klopfende Männer zu vermuten oder rein literarische Fiktionen. Noch weit, weit weniger kann einer Zeit, die die Weltprinzipien jetzt in natürlicher Logik erklärte, ein junger Mann oder Mythos unterstellt werden. Wo die Religionsgrund- und damit damals auch das Recht nicht mehr in mythischen, sondern vernünftigen/logischen Weltprinzipien begründet wurde. Da war jetzt weder ein Sprüche klopfender junger Mann, noch ein literarischer Jesus-Mythos das Maß aller Dinge, die rechtschaffende Weisheit in Person.

Wenn aber nach dem Wandel vom Mythos zum Logos hellenistisch-jüdische Literaten die nun in den Vernunft-Prinzipien (Logos) begründete Weisheit im Stile der alten Götter sprechen ließen, so entsprach das natürlicher kultureller Entwicklung. Was wissenschaftlich zu begründen wäre. Ebenso wie die Tatsache, dass die Vernunft-/Logoslehre nicht nur Erfüllung der jüdischen Tradition, sondern auch der von jungfräulicher Geburt bis Auferstehung nachgestellten Göttergestalten war. Doch wie kann man einer Zeit, die die Weltprinzipien in Logik/Vernunft (Logos) erklärte und die menschlichen Gottheiten in Göttergestalten ablehnte, einen jungen Mann oder literarischen Glaubensmythos als schöpferisch maßgebenden Rechtsgrund unterstellen wollen?

Die Hypothese, wie sie der Spiegelredakteur Matthias Schulz vor Jahren in einem Ostertitel „Als Jesus noch kein Guru“ als gegeben dachte, hat sich erledigt. Der neue, die mythische Weisheit übersteigende Rechtsgrund war kein junger Mann, der durch die Levante lief, wie Schulz in Berufung auf Lehrautoritäten begründete. Sich dabei gar auf die Jesusbücher des sonst als Anwalt des Logos griechischer Lehre als christliches Wesen geltenden Benedikt XVI. berief. Der im Glauben an einen jungen Mann aufgewachsenen, darauf  wie andere Professoren sein Lebenswerk baute und jetzt selbst dann, wenn er das Recht vor dem Bundestag in Bezug auf jüdische Weisheit und Stoa in Ökologieenden zu bedenken gab, sich als Kirchenoberhaupt nicht vom allgemein angenommen jungen Mann lösen konnte.

7.       Neues Recht war nur in Vernunft/Weisheit zu begründen

Nicht allein das Judentum verlangte nach Reform, rief bekanntlich vielfach nach neuem Bund, wie er auch in Q deutlich und von der dort sprechenden Weisheit verwirklicht wird. Auch bei den Römern wurde dem kaiserlichen Nachfahre des Pharao ein Senat mit Stoikern wie Seneca zur Seite gestellt. Die gingen von einer Vernunft/Weisheit aus, die sich in Natur/für Juden Schöpfung begründete. Neuplatonische Denker wie Cicero, auf die sich noch die neuzeitlichen Weisheitslehrer nicht nur in ihren Zitaten berufen, bedachten so rund um das Mittelmeer und auch im reformenden Judentum in Alexandrien (sicher auch Antiochien wo entstand), was schöpferisches Recht und so auch neuer Religionsgrund war. Selbst Philosophenkaiser wie Marc Aurel, die die zum neuen bildlosen prophetischen Kult konvertierten Götteropferverweigerer verfolgten, hatten die in Schöpfung begründete kulturelle Weisheit als Selbstbelehrung in den Mantel eingenäht.

Aber was interessiert all dieses mühsam erarbeite Wissen. Das kann reiner Selbstzweck bleiben, da wir ja aufgrund wörtlich verstandener Kultlesetexte genau wissen, wie es war. Reformende, das Alte Testament allegorisch lesende Juden, denen die philosophische Weisheit als Wort galt, haben sich einer Jesus-Sekte angeschlossen, die ihren Guru als lebendiges Wort sah und dessen Sprüche gesammelt. Und haben sind auch noch von Weisheit ausgehende Römer, samt ihrer spätantiken philosophischen Kaiser wie Konstantin und Nachfolger, denen selbst laut atheistischer Gegner Wissen und Vernunft heilig gewesen wäre, all dies verleugnet und sind der Sekte eines Handwerksburschen gefolgt, der zwar nicht lesen und schreiben konnte. Der aber alles besser wusste und als Weisheit in Person der neue Rechts- und Religionsgrund war. So muss es gewesen sein! Zumindest wenn man der Hypothese folgt, nach der heute der „historische Jesus“ gelehrt wird.

Wer sich ernsthaft die Schriftquellen, wie  dann auch die Evangelien selbst betrachtet, der kann nicht weiter einen jungen Mann unterstellen wollen, bei dem nun auch jungfräuliche Geburt, Kreuzestod und Auferstehung wegfallen. Weil dies das aufgeklärte Denken fordert und dessen Lebensgeschichte ganz und gar den Göttern nachgestellt wurde. Auch die Reduktion auf einen literarischen Mythos schließt sich aus. Ebenso ist es nicht möglich, dass nur die apologetische Erhöhung eines jungen Mannes zum Guru oder gar Logos gewesen wäre, wie er allen Weisheitslehrern und frühchristlichen Denkern oder Herausgebern der kirchlichen Texte maßgebend war, um damit der griechischen Lehre zu gefallen. Wenn schon vor den Evangelien ein Wesen zu erkennen ist, das genau dem entspricht, was für Frühjuden die Weisheit und für Griechen die Logos genannte Vernunftlehre war und letztlich in der Literatur teilweise auch so genannt wurde,  dann steht fest: Wo heute Jesus steht, galt die gegenwärtige Vernunft und Weisheit, wie sie heute auf Weltkonferenzen oder als ganzheitlich-ökologische Lebensweise gepredigt wird, als christliches Wesen.

Wo nun weder reine jüdische Traditionslehren, noch heidnische Mirakel, Leberschau oder Kaiser, sondern das christliche Wesen der neue Rechtsgrund war, kann es dann, wenn keine sprechenden großen weißen Vögel einflogen, „nach Adam Riese“ nur um die Vernunft und Weisheit der Zeit gegangen sein. Doch die war nicht nur neuer Rechtsgrund, wie es im Westen heute weitgehend wieder ist, sondern auch Grund des Kultes, Glaubens.

Es sind kulturelle Entwicklungsmuster, die sich auf der ewigen „Reise nach Jerusalem“ scheinbar immer wiederholen. Auch wir befinden und seit neuzeitlicher Aufklärung in einem Paradigmenwechsel, der noch im vollen Gange ist. Denn gleichwohl das Denken bei uns noch weitgehend von traditionellen, kulturell vorgegebenen Werden geprägt ist, wird im Westen wohl kein Politiker vor einer Gesetzesentscheidung in der Bibel blättern. Gleichzeitig berufen sich jedoch Moslems, die in wenigen Jahrzehnten, auch ohne Zuwanderung, allein aufgrund der Geburten, selbst in Deutschland die Mehrheit stellen, auf den Koran. Auch wenn oft mittelalterliche Lehren politisch missbraucht werden, so haben die ehemaligen Christen ohne Gottessohn und Kreuz ein Kulturverständnis, bei dem die Religion keine reine Privatangelegenheit des persönlichen Glaubens ist. Die Ablehnung des Islam, die weit über die Angst vor Anschlägen hinausgeht, liegt vor allem in diesem darin begründet. Es ist ein Rechtsverständnis, das zwar auch in der dogmatischen Lehre der Christen noch gilt, aber selbst von den Oberhäuptern der katholischen Kirche ohne großes Aufheben begraben wurde. So hat sich kaum einer gewundert, als Benedikt XVI. in seiner Rechtsrede vor dem Bundestag nicht in der Bibel blätterte, sondern den Grund des Rechts in der ökologische Lehre zu bedenken gab, dabei auch Parallelen zur jüdischen Weisheit Salomo und die Stoa zog. Womit er in der letzten großen Rede vor seinem Rücktritt die alte Rechtsautorität eigentlich offiziell abgab. Und wenn sein Nachfolger Franziskus in seiner Enzyklika und auf Reisen in alle Welt eine ganzheitlich-ökologische Lebensweise als Voraussetzung für die Zukunft fordert, denkt im Wesen wahrscheinlich auch niemand mehr, dass er dies aus biblischen Texten ableitet oder in Traditionslehren begründet, die im Kult jedoch weiter maßgebend sind.

Ähnlich wie in der Zeitenwende, wo jüdische Weisheitslehrer unterwegs waren, die ebenso wie die griechischen Philosophen nicht nur das in Natur/Schöpfung begründete Recht, die Norm und die Verhaltenslehren gegen überkommene, oft zum Selbstzweck gewordene Gesetzlichkeit und Vorschriften stellten, scheint es auch heute. Weit mehr noch als im Recht, das zumindest im christlichen Westen längst von der zum privaten Aberglaube gewordenen Religion abgetrennt ist, gelten im Kult die alten, biblischen Vorstellungen. Doch wer das in Q rekonstruierte christliche Urevangelium ernst nimmt, weder an das Märchen vom siebengescheiten jungen Mann, noch Mythen glaubt, dem wird klar, um was es den hellenistischen Reform- oder Neujuden ging, als sie die Weisheit auch gegen den überkommenen Kult sprechen ließen. Nicht nur das Recht wurde nun in gegenwärtiger Vernunft begründet, damit die Thora auf vernünftige Beine gestellt. Auch im Kult, der für das jüdische Recht maßgebende Voraussetzung war, wurde bekanntlich nicht mehr den alten Gottesbildern und Vorstellungen geopfert, sondern galt die in natürlicher Schöpfung begründete Weisheit: das „christliche“ Wesen.

8.       Reform setzt Vernunft voraus

Auch wenn bereits in Q die Reform der pharisäerhaften, taub gewordenen jüdischen Tempeltradition und Gesetzeshörigkeit ganz deutlich das Thema sind. Was die Reform eines in Vernunft universalisierten neuen Judentums betrifft, das somit auch für Römer zugänglich war, die Aufgabe des alten Götter-Opferkultes ermöglichte und daher in evolutionärer Entwicklung zur Weltreligion wurde, lässt sich weit besser in der Geschichtsrealität nachblättern.

Doch diese Reform, wie sie bereits in Q in der dort sprechenden Weisheit begründet wird, hat nichts mit den Sprüchen eines Sektenführers oder Glaubesmythos zu tun, sondern dem genauen Gegenteil. Auch wenn Luther, der sicher dabei wesentlich mitwirkte, aber in dem meist die gesamte in und aus Neuzeit hervorgegangene Reformation personifiziert wird, von der „Hure Vernunft“ sprach. Was sonst war der Grund, warum sich er und viele weiteren Denker der Neuzeit gegen die überkommenen Glaubenslehren, wie die Ablasspredigten wetterten? Wie wäre die gesamten theologische Debatten, beispielsweise um Rechtfertigungslehre und sonstige theologische Unterschiede bei einer neuen Deutung der Texte ohne Vernunft möglich gewesen?

Sicher bedarf es denkende Menschen, die zu den immer wieder notwendigen Reformen führen. Doch wenn nicht die Vernunft die Feder führt, kann es nicht zu Reformen kommen.

9.       Wissenschaftliche Erkenntnisse nachblättern bringt weiter

Wer die Evangelien nicht einfach als antike Märchen abtut, sondern sie wie die theologische Wissenschaft auswertet, dies im Kontext der Zeit und ihrer Weisheit versteht, die ent-sprechend der kulturellen jüdischen, wie griechischen Vorbilder zum Ausdruck (so zur Welt) gebracht werden musste. Dem macht bereits das Vorwort zum Buch über „Die Logienquelle“ klar, dass es dort um die Weisheit der Zeit ging.

Wo ein „missing link“ zwischen dem in Paulus zum Ausdruck gebrachten neuen monotheistischen Paradigma und den Evangelien gesucht wird, das in evolutionärer kultureller Entwicklung bessere Karten besaß, die Lücke zwischen Frühjudentum und Christentums schloss, dort wird deutlich: Da ging alles mit rechten Dingen zu. So wenig wie Engel eingeflogen sind, hat ein junger Mann als neues Gotteswort oder ein Mythos gesprochen. Die Jesusbewegung, das waren nicht die Anhänger eines wild gewordenen Wanderpredigers. Den vielfältigen Erkenntnis- und Erneuerungsbewegungen, die sich heute am Anfang ausmachen lassen, ging es um die Vernunft und Weisheit der Zeit und deren Person (kulturelle Rolle/Aufgabe). Worüber man sich heftig stritt, sich wegen deren Verhältnis zum Väterglaube und der kultugerechten Ausdrucksweise gegenseitig der Häresie beschuldigte. Möglicherweise kommen neben dem allegorisch verstandenen anfänglichen Josua auch die mit Jesus Sirach überschriebene Weisheitsliteratur oder die Josua-Propheten der Zeit, die sicherlich ebenso wie die Verfasser der Evangelien-Texte die überkommenen Lehren anprangerten, als Vorbilder für die spätere Namensgebung in Frage. Hellenistische Literaten bzw. Weisheitslehrer haben nicht nur in Q den Anfang gemacht. Von den Denkern in Alexandrien oder Antiochien, wo die Herkunft der Evangelientexte gesehen wird, ist auch bekannt, wie und warum sie Weisheit zur narrativen Geschichte werden ließen. Und da Geschichte nur funktioniert, wenn die geerbten Vor-bilder inhaltlich erfüllend aufgenommen werden, liegt dies auf der Hand.

Mehr zum als Q geltenden schriftlich nicht erhalten Text, der jedoch als schriftliche Fixierung auf sprachwissenschaftliche Weise aus den Evangelien abgeleitet wird, ist leicht im Netz oder entsprechenden Werken zu finden. So dass sich hier auf Randbemerkungen zu den aktuellen Erkenntnissen über ein Urevangelium beschränkt werden kann:

10. Der Text der Logienquelle, in schöpferischer Wirklichkeit der Zeit begründete Vernunft und Weisheit

Schon die Erkenntnis, dass von einander abgeschrieben und dabei aus theologischen Gründen verändert, zugefügt oder angepasst wurde, macht deutlich: Hier kann kein Wert auf die Sprüche eines Wanderradikalen als absolute Autorität, beschriebene Weisheit in Person gelegt worden sein. Die Tatsache, dass es sich bei den Logien (Sprüchen, Weisheiten) um die Weisheit der Zeit, nicht um die Worte eines angeblich besonders bibelschlauen leseunfähigen Junghandwerkes handeln, lässt sich so nicht nur in der Gesamtgeschichte, sondern auch in der Quelle der biblischen Kult-Geschichten belegen. Gerade dann, wenn es dort nicht nur um Lebensweisheiten geht, wie sie auch von den Griechen oder aus jüdischer Weisheit bekannt sind. Insbesondere die Logien, die eine notwendige Reform taub gewordener traditioneller Religiosität und dabei die Bedeutung des nun auf neue Weise sprechenden Wesen ansprechen, sprechen eine ganz deutliche Sprache. Da ging es weder um die mitgeschriebenen/überlieferten Worte eines jungen Rabbi, noch einen erst späteren Jesus Christus Mythos. Und so waren auch beim Leben Jesus der Evangelien Weisheitslehrer als Berichterstatter am Werk, die im Erbe der Vorbilder die Vernunft lebendig werden ließen. Was sich dann im Matthäustext nur noch bestätigt.

Die Sprachforschung liefert auf vielfältige Weise den unschlagbaren Beweis, dass es auch bei den Synoptikern um das hoheitliche Wesen des Paulus, die den Griechen geltende in schöpferischer Logik begründete Vernunft ging, die Johannes als Wesen Jesus vorstellte und die allen anfänglichen Denkern galt. Bekanntlich galt der Logos selbst den arabisch-islamischen Verfassern des sich abspaltenden Koran als Wesen des Sohnes der Kirche. Was im Orient dann nicht als lebendige Weisheit, Gottes- und Menschensohn, sondern prophetisch zur Sprache gebracht wurde.

Wenn beispielsweise von einer gemeinsamen griechischen Sprachbasis ausgegangen wird, sich die Texte nicht auf Aramäisch zurückführen lassen, was die Sprache eines heute für historisch gehalten Groß-Sprechers mit zufälligem Namen Jesus gewesen sein müsste, beweist allein das, dass der dort nicht war. Damit auch nicht Grund des Koran, der von Wissenschaftlern wie Christoph Luxenberg, die sich sprachwissenschaftlich mit der Entstehung des Koran beschäftigen, mit aus der syro-aramäischen Quelle nachgewiesen wird. Hellenistische Juden, deren Texte sich schon allein sprachwissenschaftlich nicht auf einen nur aramäisch sprechenden Junghandwerker zurückführen lassen, haben nicht nur griechisch geschrieben. Sie haben in der griechischen Vernunftlehre einen neuen Monotheismus und davon ausgehende Verhaltenslehren, Lebens- und Kulturweisheiten begründet. So einen nun universalen Monotheismus ermöglicht, der weit über die traditionelle Gesetzlichkeit hinausging, sich auch für Griechen eröffnet. Was dann im Koran in Arabisch nicht als Gottessohn galt, sondern als Mohammed gesprochen hat, war kein junger Jude, dessen Sekte ihn zum Christus machte, den man dann, wie numismatische Funde zeigen, zum Mohammed „ummünzte“. Es war die Weisheit, die sich aus einem nun monistisch (heute Ökologie), damit in Vernunft  begründeten neuen Monotheismus ableitet und verschiedene Wege ging.

Auch wenn es Zufall war, dass bereits 1890 das Q für die Zweiquellentheorie stand. Die Quelle der Evangelien zeigt sich so als die gleiche Vernunft antiker Aufklärung, wie sie den nicht weiteren urchristlichen Erkenntnislehren, den Verfassern der nicht in den Kanon aufgenommenen Texte, den Kirchenvätern, wie den kaiserlichen Erbauern der Kirche oder den griechischen Philosophen und Kalifen oder Vätern des Koran galt. Es ging eindeutig nicht um die Mitschnitte eines jungen Mannes, der beim Zitieren der Thora schlauer war als die anderen Schriftgelehrten, dann ganz zufällig im Stile jüdischer Tradition, wie griechischer Göttersagen ohne menschliche Zeugung zur Welt kam, Wunder wirkte, leiden musste, starb und auferstand. Wie aber die Vernunft jetzt sagte was Recht ist, Tote erweckte, von Blindheit befreite, das Erlahmte zum Fortschritt brachte, leiden musste und im Sinne der Vorbilder allegorisch-aufgeklärt verstanden wurde (auferstand) ist geschichtliche bekannt.

Wo bereits am Anfang die vom Auferstandene ausgehende Aussendungsrede angenommen wird, kann man nicht allen Ernstes die Sprüche eines später angeblich nur zum Logos oder lebendiger Weisheit hochgestabelten oder hellenistierten Wanderpredigers annehmen wollen, den dann Kaiser oder Kirche vor den Karren ihrer Weltmission spannten. Mit jedem Satz, der deutlich macht, wie aus theologischen Gründen verändert, weggelassen oder zugefügt wurde, wird klarer, dass es nicht um die zurechtgebogenen Ansichten eines heute für historisch gehaltenen Dorfdeppes aus Nazareth ging.  Hätte Matthäus die Lebensgeschichte eines jungen Weisheitslehrer aus Galiläa beschrieben, wäre auch kein Grund für die Verjüngung des Alten und all die sonstigen Bedeutungsaussagen gewesen.

Wo von bewusstem Redigieren im Rahmen einer mit der Israelthematik verbunden Frage nach Rein und Unrein ausgegangen wird, da sind keinem jüdischen Handwerksburschen, der mit seinen Fischerfreunden durch Galiäa zog, die Wort im Mund umgedreht worden. Wenn die Verfasser der Lukastexte andere Aspekte in den Vordergrund stellten, als beispielsweise die für Mätthäus verantwortlichen Denker. Dann haben Hellenisten, die sich möglicherweise nicht kannten, unterschiedliche Aspekte der Vernunft-/ Weisheitslehre im Rahmen der verschiedenen Traditionen in den Vordergrund gestellt. Und so mehr oder weniger für Juden oder Griechen die Bedeutung des in Vernunft begründeten neuen Monotheismus (im späteren Namen Josua, Jesus) beschrieben.

11.   Die Bedeutung der rekonstruierten Logien belegt die Vernunft

Wo schon in jeder Konkordanz das Alte Testament als Lieferant aufgeführt wird und die Kritiker deutlich machen, dass die Lebensgeschichte von Mithras & Co. nachgestellt, als eine Frohe Botschaft entsprechend der Kaiserevangelien zur Welt gebracht wurde. Da wäre es die Aufgabe der theologischen Wissenschaft, durch die Rekonstruktion der Bedeutung von Q deutlich zu machen, warum das Alte erfüllt  und daher die Ausdrucksweise/Inkarnation des Logos im Rahmen der geerbten Vorbilder vernünftig war. Wo jedoch nur von einem wundersamen Wanderprediger als „historischer Authentizität“ geschwärmt wird, ist das gegen alle Vernunft und Logik, die hellenistischen Verfassern und Frühjuden galt. Nicht nur die neue Rechtsbegründung und die Verhaltenslehren der Logien, die auch aus der griechischen Philosophie oder jüdischer Weisheit der Zeit bekannt sind, sondern insbesondere ihre Auseinandersetzung mit den Traditionslehren sind eindeutige Zeugen: Den Verfassern ging es nicht um die palästinischen Anhänger eines Heilspredigers. Wer die Auseinandersetzung mit der neuen hellenistischen Welt nicht nur bei den Makkabäern, die Suche nach neuem Bund in Qumran und vielfältigen Reformbewegungen, auch im Frühjudentum Alexandriens oder Antiochiens lehrt. Wie kann der dann davon ausgehen, dass ein junger Sprücheklopfer oder seine Sekte der neue Bund, lebendiges Wort und Weisheit in Person war. Wenn eine „Jesus“bewegung war, dann waren es die Weisheitslehren der Zeit, die in ihrer Vertreibung gestriger Geister und menschlicher Gottesbilder als neuer Josua galt.

Selbstverständlich waren es Juden, die nach einer Reform suchten und noch nicht als „Christen“ galten. Doch „Jesusgläubige Juden“, als die die Q-Gruppe angenommen wird, haben mit absoluter Sicherheit nicht an einen jungen Weisheitslehrer Namens Jesus geglaubt. Dass sich so etwas für Juden dieser Zeit völlig ausschließt, müssten die Wissenschaftler doch wissen. Wenn sich herausstellt, dass der Name Jesus für Josua stand und trotzdem am Anfang, auch in Q oder gar den narrativen Geschichten nicht vorkam.  Dann ist das nur noch das Tüpfelchen auf dem I, dass ein junger Mann mit Namen Jesus, von dem ständig die Rede ist, nicht der in Q erwartete Messias und Grund der neuen Rechtsprechung oder Riten war. Selbst wer von seinen sich aufs traditionelle, vorgesetzte  Wort (hebr. Vernunft) berufenden Angehörigen für verrückt gehalten wurde, war die Vernunft der Zeit. Nur sie hat sich mit den verfallenen jüdischen Lehren auseinandergesetzt, einen neuen Monotheismus und davon ausgehende Lehren hervorgerufen, die bereits die Propheten in schöpferische Verant-wort-ung nahm, aber jetzt von der Tradition abgelehnt (für verrückt gehalten) wurde.

Kein Weisheitslehrer dieser Zeit, der aus theologischen Gründen wegließ, was nicht in sein Konzept passte oder  Ergänzungen dem Quellenmaterial zufügte, hätte etwas für schöpferisch maßgebend bzw. göttlich gehalten, weil es aus dem Mund eines besonders schlauen Kollegen kam, der nach wissenschaftlicher Auswertung nicht lesen und schreiben konnte. Wenn die Weisheit in einer Geschichte entsprechend jüdischer und griechischer Erblast, auch entsprechend dem Kaiserevangelium ausgedrückt wurde, die im Heidenland Galiläa handelt, dann hatte das seinen Grund. Doch um einen arbeitsscheuen Guru, der sich dem Nachwuchs, der Kinder nur per Segnung widmete, ist es hellenistischen Reform- oder Frühjuden sicherlich nicht gegangen.

Wenn im Text der Logienquelle Fachtermini hellenistischer Bildung und Bürokratie nachweisbar sind. Was hat das dann mit einem arbeitsscheuen Handwerksburschen zu tun, der nicht lesen und schreiben konnte, aber munter die Texte des Alten Testament nicht nur zitierte, sondern deren wahre Bedeutung kannte? Es gibt nichts Absurderes, als hellenistischen Reformjuden unterstellen zu wollen, dessen schlauen Sprüche gesammelt und zum neuen monotheistischen Maß aller Dinge gemacht zu haben.

12.   Wachstumsringe entsprechen natürlicher Entwicklung von Weisheit

So wenig wie anderen inzwischen gefundenen Spruchquellen, beispielsweise dem Thomas-Evangelium, kann es auch im rekonstruierten Q um die Sammlung mündlicher Aussagen eines religionsrebellischen Sektenführers als eine Art neuer Gott als Maß der Dinge gegangen sein. Wer heute Wachstumsringe in Q nachzeichnet und weiß, wie auch die dort übersteigerten Gebote der Thora nicht einem alten Mann mit Namen Moses auf einem Berg plötzlich vom Himmel in die Hände fielen, sondern sich zusammen mit dem Monotheismus aus ägyptischen Rechtsvorschriften und auch persischer  Philosophie/Theologie weiterentwickelten. Wie kann der dann denkenden Erneuerern des Alten unterstellen wollen, nur die Worte eines Wanderpredigers weiterentwickelt zu haben?

Wenn Wachstumsringe gezählt werden, die zum Neuen Testament führten, dann ging es so wenig wie im Alten Testament um die Meinung eines alten Mann mit Namen Moses, um einen einzelnen, besonders schlauen Schriftlehrten der nicht lesen und schreiben konnte. Wie sich auch im prophetischen Exils-Monotheismus, der im Namen Moses auf ewiger Wanderschaft/Wandel aus Ägypten kam, dabei auch Zarathustra weiterdachte, ein nun nicht mehr in menschlichen Königen/Pharaonen begründetes Recht ergab. So muss auf wissenschaftliche Weise auch dem neuen Recht ein gewandelter Monotheismus unterstellt werden, wie wir ihn historisch auch beobachten können.

Dass es im Neuen Testament nicht um die zufällige Ansichten eines jungen Gurus aus Galiläa ging, wird allein deutlich, wenn die Liebes- und sonstigen Gebote Jesus in jüdischen oder griechischen Weisheitslehren der Zeit nachgeblättert werden, die alle aus der gleichen Q schöpften. Die Weisheit der Zeitenwende schöpfte in der jetzt als Natur in Logik/Vernunft erklärten Schöpfung als Sinn-Grund menschlicher Kultur. Und wer jetzt von der lebendigen Weisheit sprach, die das alte Gesetz nicht auflöste, sondern den gesamten bildlosen Kult auf neue Beine stellte, der hatte mit Sicherheit nicht das Bild eines jungen Guru vor Augen, dessen schlaue Sprüche er sammelte und zur Geschichte werden ließ. Wer schreibt, wie Stoffe gesammelt, zusammengefasst wurden, inhaltliche Verschiebungen waren, gar von Schlussredaktion spricht, der macht mehr als deutlich: Hier hat weder ein junger Mann, noch ein Jesus Christus-Mythos gesprochen, sondern die im schöpferischen Ganzen begründete Weisheit der Zeit, die jetzt als lebendiger Menschensohn wandelte.

Wo die alten Schulgrenzen der rein buchstäblichen Bibelese verlassen wurden und die Abfolge, der Aufbau und die Gliederung der Quellentexte, wie das dann in die Evangelien eingeflossene Sondergut untersucht wird, müsste klar sein: Es ist diesen früh- oder neujüdischen Denkern nicht um die Geschichte eines Gurus gegangen.  Wenn bekanntlich auch  jüdische, wie griechische Sagen mit einflossen. Wenn nicht nur wie von den Theologen selbst deutlich gemacht, alttestamentliche Gestalten nachgestellt, sondern wie die Kritik zeigt, Geburt, Leben und Leiden der sprechenden Weisheit im Stile des kulturellen Erbes, wie Osiris, Mithras & Co. ausgemalt wurden. Dann lässt sich das im kreativen Sinne kultureller Entwicklung als vernünftig erkennen. Doch auf dem neuen Berg hat kein junger Mann gesprochen, der jetzt alles besser wusste und der beim Bad im Jordan von einem anderen Wanderkyniker zum neuen Gott erklärt wurde.

Wer dann auch für das marcionistische Denken, das die alten Gottesvorstellungen völlig ablehnte, während die Kirche allegorisch daran anknüpfte und noch in Ablehnung des im Kult der Kirche gelesenen Alten Testamentes vor dieser einen neuen Schriftlesekanon mit Paulusliteratur und einem Lukas ähnlichen Evangelium herausgab, nun allein geltend war, das war kein Wanderprediger. So wäre es ja auch interessant von einem der Wissenschaftler zu erfahren, ob die das Alte Testament ablehnenden Logosjünger, die wegen ihrer völligen Verneinung des Alten von den Vordenkern der Kirche falscher Erkenntnis (Gnosis) beschuldigt wurden und als erste eine Art Lukastext im Kult lasen, dabei auch die Sprüche eines besonders Thoraschlauen, leseunfähigen Junghandwerkes aufgegriffen und weiterverarbeitet haben. Denn dies bei Lukas heute vorausgesetzt wird.

Auch wenn in Galiläa oder auch in Syrien, wo die Verfasser von Q schrieben, keine Wanderkyniker im klassischen Sinne unterwegs waren. Der neue Geist, die Weisheit, die sich nun in natürlicher Schöpfung begründete, so Natur im Extrem leben wollte, wie es von Diogenes kennen und bei den 68er Aussteigern, die dem Gesetz und den Ansichten der Tradition den blanken Arsch hinstreckten,  kennen. Der scheint auch an der Quelle geweht zu haben. Johannes der Täufer als Kind der Weisheit, gibt davon möglicherweise ein gutes Bild ab. Doch wer dabei nur an einen rebellischen Naturburschen denken, der zufällig einen gutherzig-charismatischen jungen Mann im Jordan zum erhofften Messias ausrief, der hätte sich alle wissenschaftliche Arbeit sparen können.

13.   Die Rekonstruktion der Logienquelle vereist auf den Logos der Zeit

Dass die schöpferische Wirklichkeit der Zeit gesprochen hat, die Q nicht nur der griechischen Denker war, sondern auch der jüdischen Reformer, wird allein schon an den von der Wissenschaft für die Text-Rekonstruktionen gewählten Überschriften deutlich (nur eine Auswahl).

Das Incipt

Lt. Wiki: Als Incipit bezeichnet man die ersten Worte eines literarischen oder fachwissenschaftlichen Textes oder den Anfang eines Notentextes. Wenn dann Wissenschaftler ein fachliterarisch-fachwissenschaftlichen Werk als Worte die Worte eines Wanderpredigers lesen wollen, der nicht lesen und schreiben konnte, scheinen wundersame Naturbrechungen wieder zur wissenschaftlichen Tagesordnung zu gehören.  Mit Sicherheit verweist der Prolog auf genau die kreative Wirklichkeit, die im Johannestext als Logos vorgestellt und heute nur etwas wissenschaftlicher auch als Ökologie beschrieben wird.

Doch Gott sei es gedankt: „Wort“ „Jesus“ ist kursiv geschrieben, was auf Unisicherheiten verweist. Und so bleibt die Frage, ob der Name sich dort bereits sprachwissenschaftlich rekonstruieren lässt oder erst später kam?

Johannes/Taufe/Versuchung Jesus

Der dem christlichen Wesen vorausgegangene Johannes, von dem auch die gesamten Evangeliengeschichten berichten, dabei auch seine philosophisch-theologische Herkunft bebildern, ist mit Sicherheit keine freie Erfindung. So wenig wie die  geschilderte Abstammung eines ohne menschliche Zeugung geborenen christlichen Wesens, das gleichzeitig Nachfahre der jüdischen Könige war, die für die alte in Schöpfung gezeugte Weisheit der Literatur und Lyrik standen oder der vom Wort (hebr. Vernunft) allen kreativen Werdens ausgehenden Propheten.

Doch wer es als einzig wissenschaftlich sieht, bei der Johannesgeschichte einen Wanderkyniker anzunehmen, der einen anderen Wanderprediger beim Bad im Jordan taufte. Der müsste dann in wissenschaftlicher Konsequenz auch die geschilderte Öffnung des Himmels als eine Art Unwetter deuten. Oder auch beim Teufel, der Jesus versuchte, einen traditionshörigen Theologen wie die Pharisäer sehen, dem ein Schwanz und Hörner nur angedichtet wurden. (Was dann allerdings der historischen Wahrheit in Bezug auf die falschen/verfallenen Gottesboten, die dann als Teufel galten, schon recht nahe kommt.)

Dass hellenistische Weisheitslehrer in der antiken Philosophie, die sie sich bekanntlich vom Kynismus zur Stoa entwickelte, mehr sahen, als die alten Prophetie, Johannes mehr war, als ein Prophet, liegt auf der Hand. Doch nicht auf Johannes, sondern das lebendige Wort galt es für „die Kinder der Weisheit“ zu hören, die so die diese Rechtfertigen. Der Menschensohn, von dem die jüdischen Denker in Q schreiben, der als Weinsäufer und Fresser auch ein Freund der Grenzwächter bzw. Zöllner und Sünder war, kann nur die Weisheit in Person (menschlicher Kultrolle/Aufgabe) gewesen sein. Wer als hellenistisch gebildeter Jude in antiker Aufklärung von  „Radikaler Nachfolge“ schreibt, hatte mit 100%iger Sicherheit keinen heilspredigenden Landstreicher im Sinn.

Nazareth

Zum Geburtsort Nazara, den alle Synoptiker nennen, ist der wissenschaftlichen Auswertung, die die Nazarener auch auf Reformbewegungen der Zeit zurückführt, kaum was hinzufügen. Auch wenn die Frage offen bleibt. Um einen Vorort der hellenistischen Metropole Sephoris, in der der Junghandwerker zusammen mit seinem Vater als Dektor (Zimmermann, Architeckt, der auf kreative Weise nach neuen Lösungen suchend, die der Arche, dem Urprinzip entsprechen) gearbeitet haben soll, ohne dass diese kultbeladene Stadt mit herausragenden antiken Tempeln und einem regen Leben auch nur mit einer Silbe (auch nicht ablehnend) in den Texten genannt wird, hat der von hellenistisch-jüdischen Literaten bereits in Q geschilderte Heimatort mit Sicherheit nichts zu tun.

Seligpreisungen, Recht und Liebe…

Was mit „Verzicht auf das eigene Recht“ überschrieben wird, kann nur in einem Recht begründet werden, wie es sich aus natürlicher, heute ökologischer Dynamik ergibt. Wo selbst Benedikt XVI. bei seiner Bundestagsrede den Grund des christlichen Rechtes in Bezug auf jüdische Weisheit, wie Stoa zu bedenken gab. Auch Feindesliebe, goldene Regel, Unparteiigkeit der Liebe oder Barmherzigkeit sind nicht einfach der jüdischen Weisheit oder Stoa nachgeplapperte Worte eines Wanderpredigers. Die Q war das, woraus auch die alten Juden und die Griechen schöpften.

Und ob es sich bei den Armen, Hungernden und Trauernden, die gesättigt und getröstet werden, um antike Almosenempfänger handelte. Oder hier, wie im Rest von Q keine Moralpredigt, sondern eine Monotheismus-Reform das Thema ist, sei noch dahingestellt. Denn auch der „blinde Blindenführer“ war mit Sicherheit keine Anleitung für Sehbehinderte im üblichen Sinne. So wenig das Verhältnis Schüler zu Lehrer einen antiken Schulunterricht im Sinne hat oder der Baum, der an den Früchten erkannt wird, die von verwilderten Dornensträuchern nicht mehr zu erwarten sind, Biologieunterricht war.

Nicht nur Herr, Herr sagen, sondern auf das Wort hören

Wie das Wesen, das von sich sagte, dass nun nur auf sein Wort zu hören sei, für Reformjuden hellenistischer Bildung unmöglich ein Wanderprediger oder ein literarischer Jesus-Mythos gewesen sei, kann nicht oft genug gesagt werden. Auf den Felsen gegenwärtiger schöpferischer Wirklichkeit, die auch am Anfang maßgebend war, statt auf Sand, galt es nun in vernünftiger Weise zu bauen. Wie wissenschaftlich ist es, den Q Verfassern gar zu unterstellt, dass jetzt auch noch ein römischer Zenturio die Worte eines leseunfähigen Handwerksgesellen für das Maß aller Dinge hielt, ihn mit „Herr“ angesprochen hat, für den das römische Dach zu unwürdig ist?

Alles ist dem Sohn übergeben

Wenn bereits für die Verfasser an der Quelle alles dem Sohn übergeben war. Dann mag es zwar interessant sein, zu fragen, wer damals Reisesack oder gar Sandalen ablehnte, einen „Weheruf gegen die galiläischen Städte“  aussprach und wie sich eine „Weisheit den Einfältigen offenbarte“, die von der traditionellen Lehre abwich. Doch um einen arbeitsscheuen Sprücheklopfer, in dem jüdisch-hellenistische Weisheitslehrer jetzt den wahren Gott oder einfach nur einen jungen Mann als Gottessohn sahen (wie heute auch erklärt wird), ist es dabei mit Sicherheit nicht gegangen.

Wer Dämonen und gleichzeitig den unreinen Geist, wie er sich im Laufe der Zeit ohne ständige Erneuerung einstellt, austrieb, um in das ursprüngliche Haus (den Naturzustand/Paradies)zurückzukehren, war kein zaubernder antiker Exorzist. Es war die in Schöpfung begründete Vernunft und Weisheit der Zeit, die dem traditionshörigen Kult den Teufel austrieb, die neue Generation zum eigentlichen Wort im „Zeichen des Jonas“ zurück brachte, mehr als dieser oder Salomo war.

Die damaligen Verfasser von Q würden im Quadrat springen, wenn sie sehen würden, wie ihnen heute im Namen der Wissenschaft unterstellt wird, die Sprüche eines jungen Mannes als Maß aller Dinge aufnotiert zu haben. Man muss die Texte wirklich selbst lesen und sich antike jüdische Denker und Reformer vor Augen führen, um das Licht zu verstehen das damals echt aufging, einen „Weheruf gegen die Pharisäer und Gesetzes- bzw. Schriftgelehrten“ sprach.

Im Urteil gegenwärtiger Weisheit über den Kult wird das Verborgene offenbar

Hätte ein junger Jude solche Töne, beispielsweise über das Blut der Propheten gespuckt, das seit Abel bis Zacharias floss, der zwischen den Altären im Tempel umkam. Dann müsste man ihn nachträglich für verrückt erklären und einsperren.  Allein bei der Aufforderung , seine Familie zu hassen, oder das Kreuz auf sich zu nehmen und ihm zu folgen, damit der Befehl zum Selbstmord, bei dem fast täglich verblende Islamisten unschuldige Menschen mit in den Tod reißen, bliebe keine andere Wahl. Doch Prof. Tiwald sei gedankt, dass er auch schreibt, dass in Q die Weisheit sagte… das Verborgene offenbarte, in Gleichnissen ihren Mehrwert verdeutlichte, von Bekennen oder Verleugnen sprach, in Synagogen, aus denen man sie bekanntlich später verbannte, verhört wurde oder auch in der Warnung vor dem Entzweien, der notwendigen Unterscheidung zwischen Gestern und Gegenwart, auch ihre zwei Seiten verdeutlichte.

Auch im Gericht über Jerusalem, das seine Propheten töte, spricht die Weisheit, die im Namen schöpferischer Herrlichkeit gegenwärtig ist gegen taube Gesetzlichkeit, bei der beispielsweise der Sabbat zum Selbstzweck geworden ist. Hier ist auch das fade Salz, die Familie, die sich dem Fortschritt verweigert. Selbst moderne Weisheitslehrer, denen Unternehmen viel Geld für Vorträge bezahlen, ebenso wie die Evolutionsbiologen und Ökologen schauen heute der Schöpfung aufs Maul. Doch hier waren nicht nur in Schöpfung begründete Weisheitslehren, wie sie aufgrund heutiger kultureller Vorstellungen ein Schattendasein führen. Hier war eine Kritik an den kulturellen Vorstellungen, die sich dem Fortschritt und der gegenwärtigen Weisheit verweigerte, das Wissen der Zeit ausschloss und das Zeichen des Jonas, das für diese Generation als gegenwärtiges Licht mehr war als die Weisheit Salomo  pharisäerhaft in Berufung auf buchstäbliche Gesetzeslehre ablehnte……