Ein Kult, der Weisheit zur Krone werden lässt

1. Weisheit muss zur Gesinnung werden

Auch wenn heute atheistische Evolutionsbiologen beschreiben, wie ein Kult die Voraussetzung für einen funktionierenden Organismus, eine Gesellschaft ist .Bei der die Menschen, wie es angesichts vielfältiger Herausforderungen notwendiger denn je wurde, im gemeinsamen Sinn zusammenarbeiten. Und es sich in der gesamten Kulturgeschichte der Menschheit zeigt. Bei heutigen Glaubensvorstellungen kann auch die Bedeutung eines Kultes nicht bedacht werden, um Weisheit im Sinn natürlicher Ordnung zu menschlichen Gesinnung, Krone werden zu lassen. Doch nachdem KI selbst beschrieben hatte, wie das, was wir heute nicht mehr Logos, sondern Ökologie nennen, nicht allein am christlichen Anfang stand. Und sie dann das gottesbildfreie Konzept der Hebräer und ihnen folgender hellenistisch christlicher Philosophen beschrieb. Da zeigte KI dann auch auf, wie ein Kult not-wendig ist, funktioniert, um die von aufgeklärten Menschen gewollte, in Gesetzen vorgeschriebene, heute von UN verlangte und internal als humanistische, alle Lebensbereiche, auch Ehe und Familie umfassende "Ökologie des Menschen" weiter auszudiskutierende Weisheit zu gemeinsamen Gesinnung werden zu lassen. Die über das Denken und Verhalten bestimmt.

Gern. Hier ist die Gesamtfassung als eigenständiger, direkt einsetzbarer Text für den dritten Abschnitt. Ich habe dabei deine bisherigen Gedanken zusammengeführt: die Funktion des Kultes, die positive und negative Macht kultureller Formen, den heutigen Konsum- und Kapitalismuskult, den Übergang vom Glauben zu Wissen und Weisheit, die „Ökologie des Menschen“, die UN-Ebene, die Weltreligionen und die Möglichkeit einer aufgeklärten gemeinsamen Praxis.

Die Erkenntnis der natürlichen Ordnung des Lebens allein genügt noch nicht. Der Mensch handelt nicht ausschließlich nach dem, was er weiß. Sein Denken und Verhalten werden ebenso durch Gefühle, Gewohnheiten, Vorbilder, Geschichten, Bilder, Musik, Rituale und die Erwartungen seiner Gemeinschaft geprägt.

Deshalb reicht es nicht, dem Menschen die Zusammenhänge des Lebens wissenschaftlich zu erklären. Weisheit muss zu einer eigenen Gesinnung werden.

Sie muss so tief im Menschen verankert sein, dass er nicht erst bei jeder Entscheidung überlegt, was vernünftig oder ökologisch richtig wäre, sondern aus einer entsprechenden inneren Haltung heraus handelt.

Hier liegt die besondere Bedeutung des Kultes.

2. Was ein Kult kulturell leisten kann

Kult bedeutet hier nicht zunächst die Verehrung von Geistern oder übernatürlichen Wesen. Kult bezeichnet eine kulturelle Form, durch die Menschen ihre Aufmerksamkeit, ihre Gefühle und ihr Handeln auf etwas Gemeinsames ausrichten.

Menschen können durch gemeinsame Erzählungen, Bilder, Musik, Feste, Rituale und Symbole Kräfte entwickeln, die weit über die Möglichkeiten des Einzelnen hinausgehen.

Ein Kult kann dadurch eine gemeinsame Motivation hervorbringen.

Er kann Menschen verbinden, ihnen Orientierung geben, ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit stärken und eine gemeinsame Lebensweise über Generationen weitertragen.

Aber dieselbe kulturelle Kraft kann auch missbraucht werden.

3. Die doppelte Macht des Kultes

Kult ist deshalb weder von sich aus gut noch von sich aus schlecht.

Er kann Solidarität, Hilfsbereitschaft, Frieden und Verantwortung fördern. Er kann Menschen dazu bringen, für andere einzustehen und das eigene Verhalten am Gemeinwohl auszurichten.

Er kann aber ebenso Feindbilder, Fanatismus, Unterordnung, Gewalt und die Verherrlichung von Macht hervorbringen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Was wird durch den Kult zur gemeinsamen Motivation des Menschen gemacht?

Nicht die Stärke eines Kultes entscheidet über seinen Wert, sondern sein Gegenstand und die Gesinnung, die er hervorbringt.

4. Der heutige Kapitalismus als bereits vorhandener Kult

Wir erleben heute selbst die außerordentliche Macht eines solchen Kultes.

Der Kapitalismus wirkt längst nicht mehr allein als wirtschaftliches System. Über nahezu alle Kanäle der Kultur – Werbung, Fernsehen, Film, Musik, soziale Medien, Mode, Sport, Marken, Influencer und Unterhaltung – werden Vorstellungen davon vermittelt, was ein herrliches und gelungenes Leben sei.

Der Mensch soll nicht nur wissen, was er kaufen kann.

Er soll es begehren.

Konsum wird mit Glück, Schönheit, Freiheit, Anerkennung, Erfolg und persönlicher Bedeutung verbunden. Der Überfluss erscheint als Verheißung.

Damit wird eine wirtschaftliche Ordnung durch kulturelle Mittel zu einer emotionalen Lebensauffassung.

Der Mensch übernimmt die Motivation nicht nur aus einer bewussten Entscheidung. Sie wird ihm kulturell nahegebracht, wiederholt, emotional verstärkt und schließlich selbstverständlich.

5. Der Konsumkult wirkt auch in den Religionen

Deshalb kann der heutige Konsumkult auch nicht einfach als etwas außerhalb der Religion betrachtet werden.

Ein Mensch kann sich weiterhin als Christ, Muslim oder Angehöriger einer anderen Religion verstehen und zugleich von denselben kulturellen Vorstellungen des Konsums, des Wohlstands und des persönlichen Erfolgs geprägt sein.

Dann kann ein Widerspruch entstehen:

Mit den Lippen wird Gott verehrt, während die tatsächliche Motivation des Lebens vom Konsum bestimmt wird.

Damit wird eine entscheidende Frage sichtbar:

Nicht nur: Was glaubt der Mensch?

Sondern: Was bestimmt tatsächlich sein Begehren, sein Denken und sein Handeln?

Gerade daran zeigt sich, warum Weisheit nicht lediglich als Lehrsatz genügen kann.

6. Der negative Kult als Warnung

Personenkult, Nationalismus, politische Ideologien und Konsumkultur zeigen auf unterschiedliche Weise, wie kulturelle Kräfte den Menschen bestimmen können.

Ein Personenkult macht einen Menschen zum Maßstab.

Ein politischer Kult kann eine Partei oder einen Staat zum höchsten Wert machen.

Ein Nationalkult kann die eigene Nation über andere Menschen stellen.

Ein Konsumkult kann den Besitz zum Maßstab des gelungenen Lebens machen.

Das gemeinsame Problem besteht darin, dass etwas Äußerliches die Stelle der eigenen Urteilskraft einnimmt.

Der Mensch lässt sich bestimmen, anstatt selbst aus Weisheit zu bestimmen.

7. Weisheit als Gegenkultur

Ein Kult der Weisheit müsste deshalb genau das Gegenteil bewirken.

Er dürfte keinen neuen Menschen zum Herrscher über andere Menschen machen.

Er dürfte auch keine neue Ideologie an die Stelle alter Ideologien setzen.

Seine Aufgabe wäre es, die erkannte Ordnung des Lebens so in die Kultur aufzunehmen, dass der Mensch selbst fähig wird, danach zu leben.

Damit erhält der Satz

Nicht Herrschaft über den Menschen, sondern Weisheit im Menschen

seine eigentliche Bedeutung.

Die Weisheit soll nicht außerhalb des Menschen herrschen.

Sie soll in ihm herrschen.

8. Die Krone gehört auf den eigenen Kopf

Damit wird auch das Bild der Krone verständlich.

Die alte Vorstellung von Herrschaft setzt die Krone auf den Kopf eines Königs.

Die Weisheit als Krone setzt sie auf den eigenen Kopf des Menschen.

Nicht ein Herrscher soll für die Menschen weise sein.

Die Menschen sollen selbst so weit weise werden, dass sie ihre Freiheit verantwortlich gebrauchen können.

Damit verbindet sich die Frage der Weisheit unmittelbar mit der Frage der Demokratie.

Eine freie Gesellschaft kann nicht allein durch Verfassungen, Gesetze und Institutionen erhalten werden. Sie braucht Menschen, die sich selbst begrenzen können, Verantwortung übernehmen, Wahrheit suchen und das gemeinsame Leben berücksichtigen.

9. Warum die natürliche Ordnung eine kulturelle Gestalt braucht

Die natürliche Ordnung selbst spricht nicht in menschlicher Sprache.

Darum haben Menschen ihre Erfahrungen von Welt, Leben, Ordnung und Sinn immer wieder in Geschichten, Bildern, Personen und religiösen Erzählungen ausgedrückt.

Das Abstrakte wird dadurch menschlich verständlich.

Weisheit wird erzählbar.

Sie kann durch Gleichnisse vermittelt, durch Handlungen dargestellt, durch Lieder erinnert und durch gemeinschaftliche Feiern eingeübt werden.

In dieser kulturgeschichtlichen Perspektive ist deshalb auch die Gestalt Jesu neu zu untersuchen.

Die menschliche Gestalt muss nicht notwendig der Ursprung dessen sein, was sie verkörpert.

Sie kann das kulturelle Werkzeug sein, durch das eine bereits vorhandene Weisheit menschlich lebendig wird.

10. Jesus Christus als kulturelle Verkörperung der Weisheit

Damit erhält auch „Christus“ eine andere Bedeutung.

Christus wäre dann nicht lediglich die Bezeichnung eines übernatürlichen Herrschers über die Menschen.

Die „Krone“ kann vielmehr als Bild dafür verstanden werden, dass Weisheit den Menschen selbst bestimmt.

Jesus wäre in dieser Rekonstruktion die menschliche Gestalt, durch die das Heil, die Weisheit und die erneuerte Torah kulturell anschaulich werden.

So kann verständlich werden, warum die Evangelien nicht nur Lehren überliefern, sondern eine Gestalt zeigen, die redet, handelt, heilt, Gleichnisse erzählt, Konflikte austrägt und einen Weg des richtigen Lebens vorführt.

Die Weisheit soll nicht nur verstanden werden.

Sie soll Menschengestalt annehmen, damit Menschen sie nachahmen können.

11. Die alten religiösen Formen müssen deshalb nicht zerstört werden

Wenn die Aufgabe darin besteht, Weisheit zur Gesinnung werden zu lassen, wäre es kulturell wenig sinnvoll, die überlieferten religiösen Formen einfach abzuschaffen.

Ein Christ kann Jesus nicht wie eine austauschbare Figur aus seinem kulturellen Gedächtnis entfernen.

Ein Muslim kann Mohammed nicht einfach aus seiner Geschichte streichen.

Ebenso wenig müssen Buddhisten Buddha, Hindus Dharma oder Daoisten das Tao aufgeben.

Die kulturwissenschaftliche Aufklärung kann stattdessen fragen:

Welche Weisheit wurde durch diese Gestalten und Begriffe kulturell bewahrt?

Und:

Was davon kann heute im gemeinsamen Sinn des Lebens verstanden und weiterentwickelt werden?

12. Vom Glauben zur Weisheit

Der Glaube gehört dabei einer anderen geschichtlichen Situation an.

Das bedeutet nicht, dass der Glaube wertlos oder sinnlos gewesen wäre.

Er war einst notwendig, um Erfahrungen, Hoffnungen und Weisheiten kulturell zu bewahren, deren wissenschaftliche Begründung noch nicht möglich war.

Heute können wir vieles, was früher geglaubt werden musste, wissen, erforschen, vergleichen und gemeinsam diskutieren.

Deshalb muss die überlieferte Weisheit nicht verschwinden.

Der Glaube kann durch Wissen und aufgeklärte Weisheit weiterentwickelt werden.

Was früher geglaubt wurde, kann heute Gegenstand gemeinsamer Erkenntnis und Diskussion werden.

13. Die Ökologie des Menschen

Hier erhält der Gedanke einer „Ökologie des Menschen“ seine Bedeutung.

Gemeint wäre eine international und interkulturell weiter zu diskutierende Weisheit darüber, was der Mensch als Teil des Lebenszusammenhangs braucht und wie er entsprechend leben kann.

Dazu gehören die Erkenntnisse der Ökologie und Evolution ebenso wie Erfahrungen aus Geschichte, Philosophie, Religion, Sozialwissenschaften und anderen Wissensbereichen.

Es geht nicht um ein neues Dogma.

Es geht um eine immer wieder zu überprüfende gemeinsame Frage:

Wie können Menschen so leben, dass ihr Handeln dem gemeinsamen Leben entspricht?

Was dabei als gemeinsame Weisheit erkennbar wird, könnte zur kulturellen Grundlage einer neuen Gesinnung werden.

14. Die UN-Ebene und die gemeinsame Welt

Die Notwendigkeit dafür entsteht auch aus der heutigen weltweiten Verflechtung.

Die Menschheit ist nicht mehr nur durch Handel und Kommunikation miteinander verbunden.

Klima, Meere, Böden, Wasser, Nahrung, Artenvielfalt, Pandemien, Energie, Technologie und die Folgen menschlichen Handelns machen deutlich:

Die Welt ist zu einem gemeinsamen ökologischen Zusammenhang geworden.

Damit wird internationale Zusammenarbeit nicht mehr nur wünschenswert.

Sie wird notwendig.

Doch Zusammenarbeit benötigt mehr als Verträge und gemeinsame Interessen.

Sie braucht Menschen, die aus einem gemeinsamen Sinn heraus zusammenarbeiten wollen.

Eine Weltökologie braucht deshalb auch eine gemeinsame menschliche Gesinnung.

15. Wissen allein reicht nicht

Man kann den Menschen erklären, dass alles miteinander verbunden ist.

Man kann vom buddhistischen Interbeing sprechen.

Man kann von Gaia sprechen.

Man kann Nachhaltigkeit, globale Verantwortung oder planetare Gemeinschaft fordern.

Aber allein die richtige Formel erzeugt noch keine entsprechende Motivation.

Wissen ist noch keine Gesinnung.

Auch die Erkenntnis, dass der Mensch Teil eines großen Zusammenhangs ist, muss kulturell so wirksam werden, dass sie sein tatsächliches Verhalten verändert.

Genau hier liegt die Aufgabe des Kultes.

16. Auch Interbeing und Gaia müssen kulturell lebendig werden

Die Weisheit anderer Kulturen sollte deshalb nicht bloß als interessantes Gedankengut übernommen werden.

Die kulturwissenschaftliche Aufklärung kann sich aufgeklärt auf Dharma, Tao, Buddha, Interbeing, Logos, Torah und andere Weisheitstraditionen beziehen.

Dabei muss sie nicht behaupten, alle diese Begriffe bedeuteten dasselbe.

Sie kann vielmehr untersuchen, welche unterschiedlichen kulturellen Antworten auf eine gemeinsame Grundfrage darin enthalten sind:

Welche Ordnung des Lebens geht dem Menschen voraus – und wie soll der Mensch sich zu ihr verhalten?

Doch auch eine richtige Einsicht bleibt wirkungslos, wenn sie nicht zur kulturellen Praxis wird.

Interbeing zu verkünden genügt ebenso wenig, wie Gaia zu beschwören.

Die Erkenntnis muss zur gelebten Motivation werden.

17. Eine aufgeklärte Gemeinsamkeit der Weltreligionen

Deshalb muss eine zukünftige kulturwissenschaftliche Aufklärung nicht Mohammed und Jesus gegeneinander ausspielen.

Sie kann ebenso wenig bei ihnen stehen bleiben.

Sie kann sich aufgeklärt auf Buddha, Dharma, Tao, Logos, Torah und die Weisheit anderer Kulturen beziehen.

Nicht um alle Religionen gleichzumachen.

Sondern um ihre unterschiedlichen kulturellen Formen auf ihren gemeinsamen Weisheitsgehalt hin zu befragen.

Der Christ kann weiterhin Jesus singen.

Der Muslim Mohammed.

Der Buddhist Buddha.

Der Hindu kann Dharma besingen.

Der Daoist das Tao.

Der moderne Mensch kann von Ökologie und Evolution sprechen.

Das Gemeinsame wäre nicht das identische Gottesbild, sondern die gemeinsam zu entwickelnde Weisheit.

18. Auch Atheisten können am Kult teilnehmen

Daraus ergibt sich eine neue Möglichkeit.

Der heutige Atheist muss nicht wieder zum Gläubigen werden, um an dieser Kultur teilzunehmen.

Er kann mit Christen in eine Kirche gehen.

Er kann mit Muslimen in eine Moschee gehen.

Er kann mit ihnen singen und die überlieferten Namen und Geschichten aufnehmen.

Nicht weil er damit plötzlich dasselbe glaubt.

Sondern weil er sich gemeinsam mit ihnen auf die Frage nach der Weisheit des Menschen ausrichten kann.

Für einen Christen wird die Wirkung einer solchen Feier in seiner vertrauten Kirche wahrscheinlich größer sein, weil dort Kindheitserinnerungen, Sprache, Musik, Bilder und jahrhundertelange kulturelle Erfahrung miteinander verbunden sind.

Gerade deshalb müssen diese Orte nicht verschwinden.

Sie könnten Orte einer neuen, aufgeklärten Gemeinsamkeit werden.

19. Nicht gemeinsamer Glaube, sondern gemeinsame Gesinnung

Das Ziel wäre also nicht, dass alle Menschen dasselbe glauben.

Das ist weder notwendig noch realistisch.

Das Ziel wäre, dass Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Herkunft aus einer gemeinsamen Weisheit heraus handeln können.

Der religiöse Mensch müsste dafür seine Religion nicht aufgeben.

Der Atheist müsste nicht religiös werden.

Die verschiedenen Kulturen müssten ihre Eigenart nicht verlieren.

Aber sie könnten eine gemeinsame Orientierung entwickeln:

Das Leben ist ein Zusammenhang.
Der Mensch ist Teil dieses Zusammenhangs.
Sein Handeln hat Folgen für andere.
Freiheit bedeutet Verantwortung.
Und das gute Leben muss sich am gemeinsamen Leben orientieren.

20. Der Kult als kulturelles Bindeglied

Damit schließt sich die Lücke zwischen Wissen und Handeln.

Ökologie beschreibt den Zusammenhang des Lebens.

Weisheit erkennt seine Bedeutung.

Kultur macht diese Erkenntnis verständlich.

Kult macht sie emotional und gemeinschaftlich erfahrbar.

Gesinnung macht sie zur inneren Motivation.

Und daraus kann gemeinsames Handeln entstehen.

Der Kult wäre damit nicht mehr in erster Linie die Verehrung eines Gottesbildes.

Er wäre ein kulturelles Mittel, durch das Menschen ihre gemeinsame Weisheit immer wieder erleben, besingen, feiern und einüben.

21. Zeit für kulturwissenschaftliche Aufklärung

Gerade weil die Welt heute ökologisch zusammengewachsen ist, reicht die bisherige Trennung der Kulturen und Religionen immer weniger aus.

Wir brauchen keine neue Weltanschauung, die über alle Menschen gestülpt wird.

Wir brauchen eine kulturwissenschaftliche Aufklärung, die untersucht, welche Weisheit in den großen Traditionen der Menschheit bewahrt wurde, was davon unter heutigen Wissensbedingungen noch trägt und wie daraus eine gemeinsame Ökologie des Menschen entwickelt werden kann.

Das wäre eine Aufklärung, die nicht nur fragt:

Was haben die Menschen früher geglaubt?

Sondern:

Welche Weisheit können wir heute gemeinsam wissen, diskutieren und zur eigenen Gesinnung machen?

22. Vom Glauben zum Ökozän

Damit verändert sich auch die Bedeutung des religiösen Kultes.

Was einst durch Glauben vermittelt werden musste, kann heute zunehmend durch Wissen und gemeinsam entwickelte Weisheit verstanden werden.

Doch die kulturelle Kraft des Kultes bleibt notwendig.

Denn Menschen brauchen nicht nur Wahrheit.

Sie brauchen Formen, durch die Wahrheit zur eigenen Motivation wird.

Darum könnte die Zukunft nicht in der Abschaffung der Religion liegen, sondern in ihrer kulturellen Weiterentwicklung:

vom Glauben zur Erkenntnis,
von der Erkenntnis zur Weisheit,
von der Weisheit zur Gesinnung,
von der Gesinnung zum gemeinsamen Handeln.

So könnte aus den alten kulturellen Werkzeugen der Menschheit etwas Neues entstehen:

ein gemeinsamer Kult der Weisheit.

Nicht zur Verherrlichung von Geistern.

Nicht zur Unterwerfung unter einen Herrscher.

Nicht zur Vermehrung des Konsums.

Sondern zur Einübung dessen, was eine ökologisch zusammengewachsene Menschheit heute braucht:

eine gemeinsame Weisheit als gemeinsame Gesinnung.

Dann würde die Krone nicht mehr einem König aufgesetzt.

Sie würde zum Sinnbild dessen, was im Menschen selbst herrschen soll: Weisheit.

Und genau darin könnte der kulturelle Weg zum Ökozän liegen.