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Jesus im Judentum

Das heutige Wissen um die Kultvorstellungen und Hoffnungen des antiken Judentums belegen eindeutig: Beim christlichen Wesen kann es nach alle dem was wir über die Vorbilder und die Kulturentwicklung wissen, nur um die im philosophischen Judentum als Wort verstandene Vernunft gegangen sein. Die als Folge Moses in Kulturgeschichte die Funktion Josua, lat. Jesus hatte und noch immer auf dem Weg ist, Weltvernunft (auch ganzheitliche Ökologie) in humanistischer Kultur zu verwirklichen.

Die Hypothese heutiger Hochschullehre, dass ein Handwerksbursche von hellenistisch-jüdischen Theologieliteraten als Daniels Menschensohn, neuer Henoch, Sohn des Höchsten, zweiter Gott, Erstgeborener, Weisheit, Vernunft in Person ausgegeben oder gar gesehen wurde, erweist sich im Wissen um den jüdische Kult der Zeit Jesus endgültig als Kurz-Schluss von Halbaufklärung. Wie die antike Aufklärung auch im jüdischen Hellenismus alles Werden zur Zeit Jesus (jüdisch in Moses-Nachfolg Josua) jetzt in philosophisch-logischen Modellen erklärte und was aufgeklärt als lebendiges Wort auch natürlich-schöpferisches Maß menschlichen Lebens war, heißt heute Weltvernunft. Es wird in Evolutions-, Erkenntnislehren oder als Ökologie begründet und ohne kulturelle Aufklärung als Maß ganzheitlicher menschlicher Kulturaufklärung als wahre Vernunft allseits vergeblich gefordert.

Mehr noch als das griechische Denken und die gemeinsam mit dem Christentum erwachsene kabbalistische Schwester-Konkurrenz, die weiter in traditioneller Zahlen- und Buchstabenmagie, statt philosophischen Vernunftlehren (Logos) das Weltganze und damit das schöpferisch maßgebende Wort wahrnehmen wollte, zeigen selbst die Kultbilder und Hoffnungen des rabbinische Judentums der Zeitenwende, was dann beim philosophischen Judentum der jüdischen Diaspora mehr als deutlich wird:

Bei der Menschwerdung des schöpferischen Logos als Gottes- und Menschensohn in der christlichen Lehre fällt die Hypothese von einem entsprechend der Vorbilder apologetisch erhöhten, gar als zweiten Gott gesehenen Heilsprediger mit Namen Jesus oder einem fiktiven Glaubensmythos flach. Allein die wissenschaftliche Auswertung der um die Zeitenwende entstandenen jüdischen Kulttexte zeigt: Mit Juden der Zeit oder gar hellenistischen Diaspora-Juden, die heute in der geschichtlichen Forschung als christliche Anfänge oder Verfasser der Texte dieses „Neuen Testamentes“ gelten, ist weder der junge Mann, noch ein neuer Mythos zu machen. Vielmehr zeigen die jüdischen Kulttexte klar, warum auch die Konkurrenz zu den alten Welterklärungen, wie sie sich in antiker Aufklärung durch Verstand/Erkenntnis (Gnosis) in Vernunft ergab  (in der Kirchenlehre, die dem philosphisch-aufgeklärten Judentum folgte: offenbarende Erneuerung, statt Ablehnung), ohne Fleischwerdung bedeutungslos geblieben wäre. Warum daher die im aufgeklärt-hellenistischen Judentum als lebendiges Wort verstandene Vernunft  am Kreuz leiden musste und die Ausdrucksweise in menschlicher Person (Rolle, Aufgabe Josua, Jesus) kein doketistisches Scheinwesen, sondern schöpferisch Wesen-tlich in kreativer Kulturentwicklung war. Wie diese die bekannte Geschichte als göttergleicher Wanderkyniker jetzt in römischer Kaiser-Evangelienform benötigte, lässt sich auch im antiken Judentum und seiner Personifizierungen in altbekannte Kultsprache nachlesen.

Bis vor wenigen Jahrzehnten galt, Jesus ungefragt als das, was biblisch beschrieben ist und woran  Lehrer wie Klaus Berger, die die Frage nach dem Logos ablehnten, heutigen Hochschullehrer einen jungen Mann beibrachten, dann als hoheitlichen Wesen festhalten wollen. Was  ja auch in allen auf die Bibel bezogen Bücher über den Sohn Gottes zu lesen ist, Benedikt XVI. in seinen Jesusbüchern beschreibt. So war die kulturelle Welt noch in Ordnung, erschien es logisch, wie die jüdischen Kultbezeichnungen und Vorstellungen oder Geschichten auf den jungen jüdisch-christlichen Gottessohn als neuen David übertragen wurden. Was letztlich jede Konkordanz deutlich macht und Gegenstand der Lehre ist. Doch nachdem entsprechend logischem Denken in heutigen Einführungsvorlesungen der junge Mann als historischer Jesus den künftigen Theologen nur doch als ein heilspredigender Handwerksbursche aus Galiläa vorgestellt werden kann, den seine Anhänger gegen  seinen Willen als Menschensohn, jüdischen König , Wort, Logos oder Weisheit in Person verherrlichten, muss in wissenschaftlicher Redlichkeit neu gefragt werden.

Das Wissen um die jüdischen Kultvorstellungen und ihre Texte, die der sog. Zeit Jesus vorausgingen oder rabbinische Konkurrenz blieb, zwingt in umgekehrter Reihenfolge zu forschen. Nicht wie ein Wanderprediger zum Wort wurde, sondern warum es kreativ wesentlich war, die Weltvernunft in menschlicher Weise zur Welt zu bringen. Wie es letztlich ja auch überall als Mensch-„werdung“ zu lesen ist. Dies bedeutet, nicht weiter einen gutherzigen Zweibeiner an den Anfang zu stellen, der logischerweise nur apologetisch hellenisiert, hebräisiert oder gar aufgrund von Halluzinationen herrlich wurde. Vielmehr liegt es auf der Hand, ist bei der Betrachtung jüdischer Vorstellungen im kulturellen Verlauf völlig logisch: Die im jüdischen Diaspora als Moses-Wort verstandene Vernunft, nach der die Welt erklärt wurde und die nun nicht nur in der Stoa Maß menschlichen Lebens war das historische Wesen. Diese benötigte eine dem bisherigen schöpferischen Wort und seiner personifizierten Kultbilder entsprechende Ausdrucksweise. Nur so ist sie in Kult(ur) wesentlich geworden, konnte im Wandel vom Mythos (auch erstarrter jüdischer Gesetzlichkeit und taubem Tempelkult) zum Logos, einen nun weltgültigen Kult bewirken. Einen neujüdisch Kult, der so die griechischen Götterbilder aufnehmend und den Kaiserkult ablöste und ohne den die Entwicklung der westlichen Welt nicht gewesen wäre.

1.     Kein neuer Gott

 In „Zwei Götter im Himmel“ setzt sich der  Peter Schäfer mit den jüdischen Gottesvorstellungen auseinander. Es sind Erkenntnisse, wie sie heute auch von anderen Kulturwissenschaftlern angenommen werden, mit denen er diskutiert. Auch wenn die schriftgelehrte Auswertung jüdischer Kultvorstellungen kaum in kosmischer Realität begründet, in menschlichen Begriffen, Gottesnamen, Kultgeschichten der auch in Kultur kreativen Wesentlichkeiten verhaftet bleibt. Wenn die Auswertung jüdisch-rabbinische Kultur der Zeit Jesus auch nur halbwegs zutrifft. Dann ist die bei der historischen Hypothese vom anfänglichen Heilsprediger notwendige Unterstellung, hellenistische Juden hätten diesen in hochtheologischen Geschichten und Texten in den Himmel gehoben, als lebendiges Wort und König gesehen oder ausgegeben, an den Haaren eines Vollglatzes herbeigezogen.

Doch schon die Einführung unter dem Titel „Ein Gott?“ zum Buch über einen neuen, zweiten Gott im Himmel (besser wäre neue frühwissenschaftlich Erkenntnis dessen, was schöpferisch wesentlich war und sein wird: JHWH ) zeigt die Probleme der Kultbilder und ihrer sprachlichen Ausdrucksweise. Während beispielsweise davon auszugehen ist, wie „Aschera“ die Vergegenwärtigung der schöpferischen Wesentlichkeit (JHWH) im Kult, damit auch Tempel oder kulturelle Ausdrucksweise, philosophisch gesehen die weibliche Seite kreativer Ratio war, sieht der Schriftwissenschaftler bereits eine zweite Gottheit. Und wo dann davon ausgegangen wird, dass ein junger Jude zu Gott oder zum göttlichen Logos erhoben wurde, ohne dabei im Entferntesten die antiken Vernunftlehren zu berücksichtigen, muss die Trinität als Gegenstück zur den alten Gottesvorstellung gesehen werden. Wie durch  das Verständnis der Vernunft als  Juden geltendes ewiges Wort/Bestimmung das, was die Hebräer mit JHWH umschrieben nun gemeinsam schöpferisch Wesentliche und kein neues Gottesbild verwirklicht werden sollte, ist nur mit Blick auf die Gesamtgeschichte zu erkennen.

Denn auch wenn über das Wesen der Vernunft und ihr Verhältnis zum schöpferischen Wesentlichen der Väter über viele Jahrhunderte in der Christologie-Diskussion noch heiß gestritten wurde. Wie bekannt, hat die dort einzig geltende Vernunftlehre (Logos) bei den als Markionismus bekannten urchristlichen Bewegungen zur Ablehnung alter jüdischer Gottheiten geführt. Während die Vordenker der Kirche in Folge des allegorisch-aufgeklärten philosophischen Judentums darin zwar eine eigene Person (Rolle, Aufgabe) gleicher schöpferischer Wesentlichkeit und so in Trinität die Offenbarung/Erklärung  dessen sahen, was auf prophetische Weise wesentlich, aber unsagbar war.

Richtig ist sicher, dass es in der jüdischen Geschichte verschiedene Kultbegriffe für den wesentlichen Grund allen Seins und damit den Grund menschlicher Bestimmung (Wort) gab, bereits die biblischen Exils-Propheten im Exodus, wie dann die Christen Opfer an menschliche Götterbilder verwarfen. Mehr noch als Moses stand dafür Josua/Jesus. Doch ob es bei der sich  durch hellenistische Aufklärung ergebenden verschiedenartigen schöpferischen Autoritäten, gegen die sich die traditionstreuen Juden abgrenzen wollten, wirklich um einen zweiten Gott im Himmel handelte, sei dahingestellt. Der „stark von der platonischen Philosophie geprägte jüdische Stamm“, der „die Weisheit als Urbild göttlicher Vollkommenheit in der irdischen Welt vermittelte, im Judentum zur Tora, im Christentum zum personifizierten Logos wurde“ kann auf jeden Fall nicht wie getreu heutiger Historienhypothese auch von Schäfer unterstellt, von einem jungen Mann mit Namen Josua/Jesus als neu Menschensohn ausgegangen sein.

Personifikationen und entsprechende pseudepigraphische Ausdrucksweisen gehörten zum alltäglichen Kult(ur)programm des antiken Judentums, in dem auch die christlichen Kulttexte entstanden. Und so wurden die Kulttexte auch auf aufgeklärt bildhafte Weise gelesen. Während die kirchliche Lehre nicht nur bei Jesus, sondern beispielsweise bei Paulus an einem Sektenverfolger festhält, der nach heutiger Theorie nur durch Halluzination gewendet wurde. An ein neues, die historische Mission bewirkendes jüdisches Paradigma, das in der Briefliteratur durch sicherlich verschiedene Verfasser im Entwicklungsprozess der ersten Jahrhunderte seinen theologischen Ausdruck fand, ist so nicht zu denken. Wonach dann die Kritiker aufgrund der Pseudepigraphen nicht nur bei einzelnen nicht ins banale Schema passenden Briefen, wie allgemein angenommen, sondern beim gesamten Pauluswerk von kirchlicher Fälschung einer gnostischen Literatur sprechen. So halten die Schattenbilder der Kultliteratur gefangen. Die schöpferisch, d.h. auf kreative Weise wesentliche Vernunftwirklich (Logos), die im antiken Judentum, dann bei geheimnisvollen christlichen Lehren, wie den an jüdisch-philosophische Aufklärung anknüpfenden Vordenkern der Kirche das theologische Thema war, bleibt unberücksichtigt.

Doch wenn in der Untersuchung von diversen kulturellen Menschwerdungen  einer neuen schöpferischen Autorität bei den Rabbinen Palästinas in der Zeit des zweiten Tempels dann Philo von Alexandrien ins Spiel gebracht wird, ist eigentlich alles gesagt. Das philosophisch gebildete Diasporajudentum, das in hellenistischer Sinn- und Vernunftlehre (Logos) das lebendige Wort, Moses als frühe Philosophie verstand und sich in aufgeklärt-allegorischem Verstand der Traditionstexte wie auch die Kirche weiter in der jüdischen Kultsprache ausdrückte, hat keinen zweiten Gott in den Himmel gehoben. Und noch weit weniger hätte die Lehre, der die Kirche folgte, im erstgeborenen Gottessohn, wie die auch den gesamten griechischen Philosophen maßgebende Vernunftlehre als kreative Kraft kulturgerecht entsprechend ihrer Aberglaube vertreibenden Funktion dort auch als Josua/Jesus bezeichnet wurde, einen jungen Mann verherrlicht.

Somit müsste bei wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit mehr als klar sein, dass es bei der aus dem hellenistischen Judentum hervorgegangenen christlichen Lehre um die Logos genannte antike Weltvernunft und nicht um einen dazu gemachten Wanderprediger ging. Wie allerdings die menschlichen Gottesvorstellungen, in  menschlicher Kultursprache notwendigen Mittlerwesen schöpferisch Wesentlichkeit immer wieder im bildlosen Kult bekämpft wurden, lässt sich in der jüdischen Geschichte beobachten, ist in vielen bildhaften Geschichten und Gestalten beschrieben.

Und was als die endgültige  Erlösung Israels erhofft, nicht durch Abschottung gegen die hellenistischen  Kultgötter wie bei den Makkabäerkriegen, sondern auch den eigenen Kult umfassende Aufklärung, Befreiung von Aberglaube durch Verstand und Vernunft gesehen wurde, hatte den jüdischen Kultname Josua/Jesus.

2.     Viele jüdische Visionen eines neuen Verstandes

Der Menschensohn in der Vision Daniels, wie er dann in der Geschichte des Neuen Testamentes (letztlich erst die einheitliche Übersetzung von Kult- oder Gottesnamen in der Reformation) zu Jesus wurde, mag wie ein vergeisterter Mythos erscheinen. Doch wer sich klar macht, dass hinter diesen Kultgeschichten des hellenistischen Judentums, die irdische Könige als Tiere ausmalen,  die als Wort und damit wahrer jüdische, jetzt weltgültige König gesehene Vernunft ging, weiß: Die hellenistischen Theologen, ob sie aus jüdischem Lager kamen oder Römer waren, die sich für den bildlosen Kult vom unsagbaren kreativ Wesentlichen begeisterten und Daniels Menschensohn aufgriffen, waren keine Mythologen, sondern Jünger der Vernunft. Und noch viel weniger kann es diesen Reformdenkern, auch wenn sie im aufgeklärt-allegorischen Verstand des Alten die jüdische Kultsprache aufgriffen, gleichzeitig griechisches Göttererbe antraten, um einen jungen Mann gegangen sein, dem dann alte jüdische Visionen und damit Titel oder Göttergeschichten aufgebunden wurden.

Wo die Kulturwissenschaftler die Danielsvision „als Bearbeitung eines alten Mythos vom auf Wolken reitenden kanaanäischen Pantheon El als höchster Vätergott und Baal als jungen Kriegsgott“ beschreiben, war hellenistisches Judentum der Zeitenwende, damit Vernunft am Werk. Die ganze Arbeit heutiger Kulturwissenschaft, die hier nur sehr beispielhaft aufgegriffen werden kann, ist für „die Katz“ wenn keine Konsequenzen gezogen, das historische christliche Wesen  - damit gegen besseres Wissen – weiter als vergötterter junger Mann oder von der Kritik als reiner Mythos hingestellt wird.

Auch wenn der Menschensohn Daniels, der dann zu Josua/Jesus wurde, vormals mit dem Erzengel Michael identifiziert wurde, war ein neuer Verstand, Vernunft am Werk. Da wurden nicht nur Mythen neu aufgemischt, noch ist es um einen jungen Mann gegangen, dem apologetisch weiße Flügel angedichtet wurden oder der als Engel, damit himmlischer Bote gesehen worden wäre. Wie es heutige Jesus-Hypothese ist. Auch wenn sie von der Traditionslehre abgelehnt, das Kreuz alter Kultvorstellungen noch immer trägt. Mittler schöpferischer Wirklichkeit war dort und dann, als im hellenistischen Judentum diese Geschichten erzählt und christlich weitererzählt wurden, eindeutig die Vernunft, wie sie in anfänglicher Natur- und Kulturwissenschaft den Griechen galt.

3.     Personifizierte Weisheit war weder ein Mythos, noch ein Mensch

Die menschliche Natur mag zu Kultbilder und entsprechenden Begriffen, damit Begreifbarkeiten geführt haben, die bereits den Alten wesentlich waren, so ganzheitlich kulturbedeutend blieben. Cicero oder selbst Epikur (Schutzheiliger heutiger naturalistisch-neuer Atheisten) die Homer bewahrten, aber ebenso den hellenistischen Diasporajuden, die sich an die hebräischen Propheten als frühe Philosophen hielten, war klar, wie die Vernunftlehre eine volkskulturgerechte Ausdrucksweise benötigte, um Wirkung zu haben.

Noch lange vor Siegmund Freud hatten gerade die hellenistischen Philosophen im hebräischen Stamm als Seelsorger die menschliche Psyche im Blick. Die Literaten bedienten das Volksverständnis mit altbedeutenden und damit ganzheitlich Emotion und Verstand ansprechenden, so die Vernunft in menschlicher Kultur bewirkenden Bildern: Religion. Es ist nicht auszuschließen, dass im Volksverständnis Henoch, in dem das hebräische Verständnis des schöpferisch Wesentlichen noch vor Abraham personifiziert war und der dann auch in Josua/Jesus christlich in Weisheit/Vernunft weiterlebte, als junger Mann galt. Oder dass David und Salomo als historische Volksherrscher verstanden wurden, woran bis heute meist festgehalten wird. Doch das philosophisch die Tradition allegorisch verstehende Judentum der Zeit Jesus hätten die Sintflut und Noah sicherlich nicht geologisch beweisen wollen, wie heutige Aufklärungsorgane beim Fund eines Holzstückes der angeblichen Arche titelten „Hat die Bibel doch Recht?“ und David aufgrund archäologischer Erkenntnis als Dorfhäuptling mit fiktivem Glaubens-Tempel bewahrt werden soll.

Wo die „Rezeption der Weisheit (griechisch in weiblicher Ausdrucksweise auch Sophia) als eine Form der Lebenskunst und rechten Lebensgestaltung vom Judentum des zweiten Tempels übernommen wurde“. Wie sie bekanntlich auch in griechischen Vernunftlehren wie der Stoa aus früher Naturwissenschaft abgeleitet wurde. Und wo dies im allegorischen Verständnis mit altorientalischen, ägyptischen oder griechischen Vorbildern, Vergötterungen alter noch mystischer Philosophievorstellungen verbunden wurde. Da ist es völlig unmöglich, dass theologische Literaten antiker Hochzivilisation, die sich der hebräischen Sprache bedienten und auch griechische Vorbilder aufgriffen, einen jungen Mann mit Namen Jesus im Blick hatten oder nur einen neuen Mythos alten Glaubens aufmischten.

Wenn bereits im 3. Jahrhundert vor der Zeitenwende als einem exegetischen Hornissennest die dann in früher naturwissenschaftlicher Vernunft wahrgenommene salomonische Weisheit in personifizierter Form von sich sprach. Dann ist es hellenistischen Juden, die das weisheitliche Erschaffen in Kultsprache auch als „Handwerk“ bezeichneten, nicht um einen Handwerksburschen gegangen, den sie in griechischer Bibel dann als Zeus (monistische Zusammenfassung vormaliger Vergötterungen im kosmischen Werden, wie in Kultur kreativer Wesentlichkeiten). Doch warum Jesus als Ziehsohn eines jüdischen Zimmermannes, dabei von einer schöpferischen Autorität als „Handwerk“ bezeugt war, wie sie in antiker Aufklärung in Vernunft wahrgenommen wurde, so griechisch als Zeus-Pantokrator galt, liegt auf der Hand.

Was jedoch jetzt aus dem Mund des Höchsten wahrgenommen wurde, nicht nur zufällige Parallelen zur ägyptischen Maat/Isis hatte, sondern so philosophisch bedacht und in kultureller Vernunft sprachlich ausgedrückt wurde, war kein Mythos mehr, der gar einem jungen Mann aufgebunden wurde. Die Weisheit die in personifizierter Gestalt alles durchwaltete, in Kult(ur)texteb von sich sprach, wie sie die Tiefen des Abrunde, alle Meere durchschritt und maßgebende Macht über alle Völker und Nationen hat. Die hatte im philosophisch aufgeklärten Judentum, das in sämtlichen griechischen Lehren gebildet war und die neutestamentlichen Kulttexte hervorbrachte, keine zwei Beine, die dann himmlisch verlängert (apologetisch hellenisierte) wurden, noch war sie nur ein neuer Mythos.  Sie hatte weit mehr mit dem zu tun, was damals als Logos galt, heute beispielsweise Ökologie genannt und in Evolution erklärt wird, als mit einem Glaubensmythos.

Die Weisheit, die dann in Vernunft in kosmischer Wirklichkeit früher Naturwissenschaft, wie im allegorischen Traditionsverständnis noch als spielendes Kind erklärt wurde, war in antiker Aufklärung und aufgeklärtem Verstand des Alten (Auferstehung Josua/Jesus) erwachsen geworden. Die Kultsprache, die das Erbe auf kreative Weise bewahrte, so wahre schöpferische Vernunft – nicht nur Schein - war, kann nicht mehr darüber hinwegtäuschen. Mit einem jungen Mann oder einem alten Glaubensmythos, der aufgewärmt wurde, hätten hellenistische Juden, die als Verfasser der neutestamentlichen Texte gelten, die schöpferische Sprache im jetzt natürlichen Werden als Wort und damit menschlich maßgebende Bestimmung verstanden, mit absoluter Sicherheit nichts am Hut gehabt.

Wo Weisheit im Sinne der Kulturtradition philosophisch jetzt im „natürlichen“ Werden nach kausalen frühwissenschaftlichen Modellen wahrgenommen wurde, die heute empirischer sind. Da hatte auch die Leiter Jakobs, der das Judentum verkörperte, mehr mit dem zu tun, was heute evolutionäre Erkenntnistheorie heißt, als mit einem alten Mann der in den Himmel gehoben wurde. Was dann heute in der Hochschullehre, wie andere jüdische und griechische, persische oder ägyptische Vorbilder als Belegt für die Verherrlichung eines heilspredigenden und von seinen Anhängern verherrlichten Handwerksburschen als Galiäa herhalten soll. Was jedoch in wissenschaftlicher Konsequenz und Kulturgeschichtlicher Logik belegt, dass dieser gar durch Halluzinationen aufgewärmte Mythos ein Hirngespinst von Halbaufklärung ist.

4.     Jesus hat gesprochen

Auch wenn der Jesusname, den Melanchthon in einer in seiner Dokumentation zu findenden Notiz an einen Apothekerfreund in Jesus Sirach begründete, erst von dem auf die Antike Weisheit zurückgreifenden Humanisten Erasmus von Rotterdamm genutzt wurde. Was dann auch der die ablassmissbrauchte päpstliche Lehre ersetzenden Luther einheitlich statt Gottesnamen und Christologietitel in Jesus Christus übersetzte. Bereits im antiken Judentum der Zeitenwende wurde die Vernunft nicht nur als neuer Josua/Jesus gesehen und erhofft. Bei Literaten wie Jesus Sirach drückte sich die Weisheit, die mit der Tora gleichgesetzt und schöpferisches Werkzeug, jetzt dort natürliche Wirklichkeit von Himmel und Erde war, unter diesem Namen bekanntlich in Person aus.

So wird auch das klassische rabbinische Judentum im Palästina der Zeit Jesus zum Zeuge der Vernunft, die in hellenistischer Bildung des philosophischen Diasporajudentums als Logos galt und im aufgeklärten Verstand schöpferisches Wort, kulturelle Bestimmung und gegenwärtiges Lebensmaß  war. Was von der mystischen Tradition (Kabbala), wie weiter ertaubtem Tempelkult und starrer, zum Selbstzweck gewordener Nationalgesetzlich für Beschnittene treuen Juden abgelehnt wurde. Aus dem gewandelten Judentum, wie wir es nicht nur in Alexandrien, sondern zahlreichen neuen Erkenntnislehren beobachten können, sich in der Paulustheologie ausdrückt und zu einem neue, nun weltgültigen jüdischen  Paradigma führte, das über vielfältige Erkenntnislehren zur Weltmission und zum neuen Staatskult wurde. Für den in Einigung der verschiedenen Lehren die Kirche als staatstragender Kult mit römischer Lehrautorität im spätantiken Kaisertum erst gebaut wurde.  Auch wenn der Logos als Christus aus der Synagoge verbannt wurde, so hat Josua/Jesus, ähnlich wie die ebenso durch vielfältige politisch-kulturelle Entwicklungen und den Verfall der Traditionslehre hervorgerufene  Reformation auch einen neuen Katholizismus hervorrief, auch das heutige Judentum geprägt. In anderer Form lässt sich auch das bei den Religionswissenschaftlern wie Schäfers „The Jewish Jesus“, Judentum und Christentum, nachlesen.

Was im aufgeklärten Judentum Wort war, das in Kulturgestalt Josua/Jesus lebendig wurde, wird heute als ganzheitliche Ökologie, Weltvernunft zwar als Voraussetzung für das Leben von unserer Kinder gefordert, beim Aberglaube an alte Gottesbilder und damit der Vergötterung (Kulturbedeutung) des Konsums oder kapitalegoistischer, kurzsichtiger Sinnlosigkeit von moderner  Welt jedoch nicht gehalten wird. Denn auch das lässt sich aus den Betrachtungen der Antike lernen. Selbst wenn wir die Zeit nicht zurückdrehen, wissen können, was sich hinter den verschiedenen Gottesbegriffen der  Kulttexte verbirgt und bekanntlich ja auch in Diskussion stand, verschieden gesehen wurde. Im antiken und noch wenig im philosophisch aufgeklärten Judentum, damit am Anfang des christlichen Kultes, ging es um einen durch die Vernunftlehren neuer Aufklärung (Logos) arbeitslos gewordenen, vorgesetzten Designer nach menschlichem Gottesbild oder nur einen einzubildenden Aufpasser. Im bildlosen jüdischen Kult galt das Wort, das von dem ausging, was schöpferisch wesentlich war und sein wird, aber unsagbar war. In diesem Sinne macht es ähnlich wie in der gesamten jüdische Geschichte einen ganz gewaltigen Unterschied: ob im Aberglaube alten Gottesbildern menschlicher Strickmuster geopfert und heute gleichzeitig der kurzsichtige Konsum und Kapitalegoismus kulturell  vergöttert wird. Oder ob in aufgeklärter Kult(ur) das geliebt, verehrt wird, was auf kreative Weise als wesentlich für die gemeinsame Zukunft menschlicher Kultur nur gelehrt und gefordert wird.

5.     Kein vergöttlichter Mensch

Bei den gesamten Helden, die in der hebräischen Tradition eine schöpferisch wesentliche Rolle spielten (kulturelle Aufgabe in menschliche Person hatten) und teilweise auch als Engel und göttliche Mittlergestalten auftraten, inzwischen auch aus den Qumran-Funden bekannt sind  und in Hymnen gefeiert wurden, kann es sich um einfache Zweibeiner gehandelt haben. Die Sprecher traten zweifellos als Mensch auf. Und von Menschen wurden die nicht vom nächtlichen Himmel gefallenen, sondern in kulturellen Verstand gewachsenen Texte ja auch verfasst.  Doch wer sich vor Augen führt, wie die in aller Natur noch mystisch wahrgenommene schöpferische Bestimmung als Wort für Juden der wahre König war, der hat nicht nur beim Erzengel, Henoch oder dem Menschensohn Daniels Zweifel, dass sich hier Menschen selbst vergötterten oder in den nächtlich beobachtenden, hebräisch in Sprache/Wort als Maßgabe verstandenen Himmel gehoben wurden.

Und wer sich mit dem philosophischen Judentum der Zeitenwende auseinandersetzt, für den kann selbst der sog. „Lehrer der Gerechtigkeit“ in Qumran, wo wie im gesamten Judentum nicht ohne Grund nach Bundeserneuerung geforscht wurde, nur die Vernunft gewesen sein. Die rund um das Mittelmeer philosophische Mission war und in jüdischer Aufklärung als Wort, damit Neubegründung statt Verneinung der Tora alten Bundes galt. Denn was gerecht war, sagt nicht nur den Griechen die Vernunft. Allenfalls die jüdisch-gesetzliche Tradition, die der Vernunft entgegengestellt wurde, lässt sich hinter dem Lehrer der Gerechtigkeit in Qumran erkennen.

Doch wo die jüdischen Helden Henoch, dann Noah, Abraham und Moses hießen, als Menschensohn oder Erzengel Michael auftraten, da ging es auch beim im gleichen Atemzug genannten Lehrer der Gerechtigkeit oder dem christlichen Helden nicht um jungen Männer, denen in hellenistischer Apologetik Flügel angeklebt wurden. Diese beim buchstäblich verstandenen und selbst die Atheisten ans Herz gewachsene historischen Heilsprediger notwendige Hypothese lässt sich im antiken Judentum so wenig machen, wie bei Griechen, die sich von Göttern abwandten bzw. als Römer dem Kaiser den Kult verweigerten. Die darauf gebauten Glaubenslehren und wissenschaftlichen Lebenswerke, die wie Scheuklappen das konsequente Denken in kultureller Logik/Vernunft verhindern, waren nicht vergebens. Denn die wissenschaftlichen Werke über die antiken Kultvorstellungen und ihren Wandel in antiker Aufklärung lassen keinen anderen Schluss zu: Wo im hellenistischen Diasporajudentum der Messiaskönig der Psalmen salomischer Weisheit erwartet wurde, der den heidnischen Aberglaube, die Kultopfer an menschliche Gottesbilder oder Kaiser tilgt, die Völker versöhnt und so schöpferische Weisheit/Wort zur Weltherrscht im Namen Josua macht, ist weder ein junger Mann, noch ein alter Glaubensmythos zu machen.

Wenn die zur Kirche gewordene christlich Lehre die Bilderrede des Menschensohns bei Henoch, wie sonstige, auch griechisch-römische Kultliteratur aufgriff oder dem Kaiserevangelium eine eigene Geschichte mit einem heilenden Kyniker als Held entgegenstellte, dann war das höchst kreativ. Doch wer bereits in der äthiopisch Henochlegende war, bevor die Sonne und die Tierkreis-Zeichen geschaffen wurden, war zweifelsfrei der Logos. Es ging bei den als monotheistisch geltenden Geschwistern weder um junge Männer, Mythen, alte Glaubenslehren, sondern anfänglich um das, was heute zur empirischen Vernunftlehre geworden ist. Und was noch ohne gemeinsame kulturell für mündige Menschen die notwendige Bedeutung zu haben, als Ökologie in Kultur nur gefordert, nicht gefeiert, somit gelebt wird.

6.     Theophanie: Kulturvernünftige Rede des in humanistischer Kultur heute kreativ Wesentlichen

Es ist unmöglich, hier alle Beispiele aufzuführen, die sich allein aus dem Wissen um das antike Judentum ergeben. Doch auch wenn es um himmlische und irdische Gestalten im Spiel der Geschichte und ihrer Geschichten ging, die anfänglich noch im Mythos begründet lagen. Um junge Männer oder fiktive Lehren, ist es im Judentum, wo anfänglich noch mythisch eine schöpferische Kreativität in Himmels- und Naturbeobachtung wahrgenommen wurde, trotz und bei aller Kultrede nie gegangen.

Wenn sich viele Kernaussagen des Neuen Testamentes im frühen Judentum verankern lassen, so das Neue Testament zu verstehen ist. Dann kippt das allein und keine Kritik, die mit oder ohne einen jungen Mann Namens Jesus alles zum Mythos werden lässt, diese heutige Historien-Hypothese.

Pseudepigraphische Personifikationen von dem, was wie Sonne oder Fruchtbarkeit im kosmisch Geschehen oder als Liebe, Tapferkeit und Tugend in Kultur kreativ wesentlich erkannt wurde, gehörten bekanntlich zum Kult(ur)werk, ohne das wir nicht wären. Doch nachdem aus dem noch unseren Vätern geltenden Gottes- oder Menschensohn in logischer Konsequenz des  bisher buchstäblichen Verständnisses ein heilspredigender Handwerksbursche oder Weisheitslehrer aus Galiläa geworden ist. Dann gilt es nach dem wahren Grund der kulturellen Bildrede zu fragen, wie es auch vom antiken Judentum wissen. Ohne was weder ein Neues Testament, der neue jüdische, nun universale Weltgültige Bund, noch die Geschichte Josua in Folge des als frühe Philosophie verstanden Moses verfasst worden wäre.

Wer in Esra oder sonstigen jüdischen Texten als alles überragender Messias im Stamme Davids oder als neuer König auftrat, römisch-christlich auch neben Mithras & Co. weitergeführt wurde, kann ohne das philosophische Judentum der Zeit Jesus, dem die Vernunft als Wort galt und wo Kultliteraten auch bei der neutestamentlichen Literatur die menschliche Psyche/Emotion bedienten, nicht bedacht werden.

So ist es doch nur logisch und kann als weiterer Beleg für die Weltvernunft in Gescheschichtsgestalt als historischen Jesus ausgewertet werden,  wenn sich griechisch-neuplatonisch Philosophen, die als Kirchenväter gelten, im jüdischen Sinne theologisch auch mit den jüdischen Traditionstexten auseinandersetzten.

Doch so wenig es diesen Denkern, denen wir auch den Kanon verdanken, um  junge Männer oder Mythen ging, sondern die Logos genannten Vernunftlehren antiker Aufklärung. So wenig ist beispielsweise der Sohnshymnus im Kolosserbrief, der eine kosmische Kreativität kulturgemäße im jüdischen Sinne beschreibt, einem in Halluzination gewandelten Sektenverfolger zu verdanken, der sich nach seinem Pferdesturz vor Damaskus plötzlich im geheimnisvollen Wandel Paulus nannte.

Der Erstgeborene vor aller Schöpfung, als der als Ebenbild oder Offenbarung dann der Logos wahrgenommen wurde, in Kirche keine Konkurrenz zum jüdischen Vätergott war, wie bei den aufgrund kirchlicher Polemik markionitisch genannten Erstherausgebern der Paulusliteratur, war weder ein verherrlichter Heilsprediger, noch ein fiktiver Glaubensmythos. Oder haben die griechischen Philosophen bei ihren im jetzt „natürlich-kausalen“ Werden früher Naturwissenschaft begründeten Vernunftlehren, die als Maß menschliche Lebens auch im Judentum galten, auch nur fromm gesponnen?

7.     Das philosophische Judentums wollte Weltvernunft verwirklichen

Wenn die Kulturwissenschaftler dann in der jüdischen Vorgeschichte Jesus auf Philo von Alexandrien zu sprechen kommen, ist im Grund fast alles gesagt. Wer dann in dem genau zur angenommenen Zeit Jesus gelebten mittelplatonischen und in allen bekannten philosophischen Lehren sowie kulturhistorisch gebildeten keinen Einzelgelehrten, sondern einen Zeugen jüdischer Diaspora sieht, die im Verstand der Vernunft allen Werdens als ewiges lebendiges Wort (hebr. Vernunft) einen neuen prophetisch-bildlosen Bund, damit das Neue Testament bewirkte, für den ist alles klar.

Die aus Alexandrien bekannte jüdisch-philosophische Vernunft-Theologie, die die das nun in Vernunftlehren hellenistischer Aufklärung beschriebene Werden mit jüdischer Weisheit oder dem ewigen Wort idetntifizierte, hat  nach heutigem Wissensstand in ihrem literarischen Ausdruck die Weisheitstexte und biblisch bekannten Evangelien-Geschichten hervorgebracht.  Doch diesen Denkern, die sich bei ihren hochtheologischen Geschichten in jüdischer Tradition nun auf dem Boden antiker Hochzivilisation und griechischer Bildung bewegten, zu unterstellen, die Worte eines wanderpredigenden Handwerksburschen als Heilsbotschaft hellenisiert, diesen so zum zweiten Gott gemacht oder als lebendiges Wort gesehen  zu haben, das ist unhaltbar geworden. Was nicht nur Philo bzw. die theologische Philosophie der Diasporajuden, sondern das Wissen um die jüdische Tradition zeigt, der die aufgeklärte Bildung treu blieb.

Wo „der Gottesbegriff im jüdischen Gewandt im platonisch-philosophischen Sinne absolut transzendent war, vom „das Seiende, Ungeworden“ gesprochen und die schöpferische Tatsache in der medizinischen Hilfe des Arztes gesehen und so der Sinn des Ganzen (Logos) im Stil der Stoa als Maß des Lebens bedacht  wurde. Und wo die allein durch Verstand erkannte Welt (ton noeton kosmos) nichts anderes als das Wort des bereits weltschaffenden unsagbaren schöpferisch wesentlich seienden Grundes war (theo logon). Da ist weder ein junger Mann zu Gott gemacht, noch sind die Worte eines wanderradikalen Landstreichers maßgebend gewesen oder hellenisiert worden.

Wer wissen will, was das historische Christuswesen in der Funktion Josua/Jesus war, sollte nicht nur bei der weitgehend sich jüdischer Begrifflichkeit bedienende jüdisch-philosophischen Bildung nachlesen, sondern in Büchern über die Stoa. Die dort galt, wo das Neue Testament entstand. Erst so wird klar: Bei dem, was für Philo mit dem jüdischen Wort, dem Erstgeborenen, dem Ältesten unter allen Engeln und ebenso den griechische Göttersöhnen identisch ist, ging es um die Vernunft, nach der heute das ökologische Ganze in Sinn machender Evolution erklärt wird. Und aufgrund der dann nach Weltvernunft oder ökologischer Lebensweise in humanistischer, gottesbildfreier Kultur gerufen wird.

Wenn bekanntlich auch der antike Ruf in philosophischer Lehre, wie der Stoa die Vernunft nicht zur menschlichen Lebensweise machte (Senecas Nero oder selbst Philosophenkaiser sind politische Beispiele). Dann zeigt sich die literarisch-kulturgeschichtliche Leistung, nach der das von jüdischer Philosophie selbst dem römischen Kaiser für eine Demokratie der Vernunft empfohlene Wort nicht nur bei Johannes Mensch wurde.

Auch wenn sich ein kosmosfrommer und als römischer Kaiser Repräsentant der nun in Vernunft erklärten Sonnenordnung wie  Konstantin, der die Zeit für den neuen götterfreien jüdischen Vernunft-Kult für die globale Welt gekommen sah, weil sich der Götter verneinende Logos-Kult in seinen noch vielfältigen Bewegen nicht weiter bekämpfen ließ, sicher wenig Wert auf die jüdischen Erzählungen legte.  Als ein Herrscher, dem nach kirchenkritischen Historikern in antiker Hochzivilisation Bildung heilig war, musste er dann zwar Einheit in der sich noch bitter bekämpfenden neuen Lehre schaffen, gemeinsam mit seinen Nachfolgern die Kirche und ihre Einheit als staatstragenden Kult bauen. Er  hat sich dabei aber sicherlich wenig für die biblischen Geschichten interessiert oder von Josua/Jesus gesprochen. Doch allein die Einheit der Logos-lehre, für dann auch die römische Autorität gebraucht wurde,  war zu wenig. Ohne diese Kultgeschichten wäre keine Geschichte  geschrieben, kein neuer Kult gewesen, der Götter und Mythen gewohente Griechen galt, den die Frankenfürsten akzeptieren und der selbst das Volk der Germanen begeisterte, so die Kultur des Westens zur Aufklärung trug.

Der Logos, die Vernunftlehren der Griechen, wie sie auch dem philosophisch gebildeten Judentum der Zeit Jesus galten, war zu wenig. Damit lässt sich kein Kult, keine Kultur machen. Abstrakte Lehren lassen sich nicht lieben, sprechen nicht die menschliche Psyche, die emotionale Seite an, die das Handeln bestimmt.  Das war auch den Religionsphilosophen wie Cicero und selbst Epikur oder auf Seiten der antiken Juden klar. Und auch die Väter der Kirche wie Origenes habe die Philosophielehre als Ideal gelobt, jedoch klar gemacht, wie das Volk nicht nur mangels Bildung, sondern auch der Beschäftigung mit philosophischer Lehre Kulturbilder benötigt.

8.     Jesus im Judentum der ersten Jahrhunderte

Auch im Judentum der Rabbinen und der frühen jüdisch Mystik, dem Menschensohn im Midrasch oder dem Messias-David, Henoch als Metaron lässt sich mehr als deutlich machen: Die Hypothese, dass Juden dieser Zeit einen  heilspredigenden Handwerksburschen aufgrund von Halluzinationen nach dem Tod ihres Meisters als Herrlichkeit gesehen, dieser dann von theologischer jüdisch-römischer Bildung hellenisiert als Wort/Logos hingestellt wurde oder es sonst nur um einen Glaubensmythos ging, ist völliger Schwachsinn.

Wer dann auch die jüdischen Reformbewegungen betrachtet, die sich als wahre Erkenntnis im jüdischen Sinne sah, wie dies bei den Vätern der Kirche deutlich wird, ebenso wie den von diesen als falsche Gnosis abgelehnten Erkenntnislehren, dem wird völlig klar: Einer Zeit, die als Hochzeit von Bildung gilt, wie sie danach lange nicht war, unterstellen zur wollen, das wahre Judentum in den mitgeschnittenen Lehren eines Landstreichers begründet zu haben, ist Wissensverweigerung. Denn das sagt uns, wie in vielfältigen Schulbewegungen des weiteren Reformjudentums (frühchristliche Gnosis/Erkenntnislehre) philosophische Vernunft (Logos) in mystischer Kultursprache zum Ausdruck gebracht wurde.  

Bei Licht betrachtet, sprich das gesamte Wissen, das wir über die Kulturdiskussion der ersten Jahrhunderte n. Chr. haben, gegen die heute an den Hochschulen vermittelte Hypothese. Wenn der historische Jesus hier als ein heilspredigender Handwerker oder um den See Genezareth ziehender jüdisch-galiläischer Wanderkyniker hingestellt wird, den seine Anhänger verherrlichten und dann theologische Literaten des hellenistisch Judentums zum Menschensohn, Logos…  gemacht hätten, dann ist das wissenschaftlich unhaltbar. Das ist nicht nur Bibelfälschung, stellt damit die Quelle auf den Kopf, aus der man auf buchstäbliche Weise den Wanderprediger herleitet. Das spricht völlig gegen alles Wissen, das wir heute über die ersten Jahrhunderte und die hier im Judentum oder mit diesem geführte Kulturdiskussion haben.

Ob die bekannten Vordenker der Kirche, die sich nicht nur auf den Logos beriefen, sondern sich in philosophischer Vernunftlehre begründeten, gegenüber der Philosophielehre abgrenzte, die weiter dem traditionellen Götterkult treu blieb und gleichzeitig platonische Kulturwissenschaft oder die Verhaltenslehre der Stoa  in früher Naturwissenschaft begründete. Oder ob man sich mit als falsch angesehenen, weil weltverneinend, geheimnisvoll, dualistisch oder die jüdische Tradition verneinenden Erkenntnislehre auseinander setzte, sich so als wahre Gnosis, jüdische Erneuerung sah. An keiner Stelle, in keiner Lehre, an keinem Ort kommt der vor, der heute als historisch gilt und so zum Mythos geworden ist. Auch wenn die Kultsprache sich der in Vernunft verstanden Mythen bedienen musste, so oft der Eindruck entsteht, dass nur ein Aufmischen alten Mythen war. Es ist unwissenschaftliches Verschließen der Augen, dabei die Vernunft nicht zu bedenken, nach der nun nicht nur alles Werden erklärt wurde, sondern die Stellung des Menschen im kreativen Ganzen.