.Kabbala, Sefer Jetzira, Sohar: mystische Schwestern Jesus

Der Tradition treu bleibende Konkurrenz zum neuen jüdischen Kult, der dann die nicht mehr in Buchstabenmagie, sondern philosophisch gelehrter Vernunft (Logos) als schöpferisches Wort verstand und als Josua, lat. Jesus zur Welt brachte.

Man muss sich mit der jüdische Mystik und ihren kosmologischen Welt-Modellen in Buchstaben und Ziffern befassen, was so als schöpferisches Wort galt. So zeigt sich, dass nach dem Wandel vom Mythos zum Logos in hellenistischer Aufklärung nur die Vernunft, nach der nun das Weltganze und Werden erklärt und von hellenischen Juden als im Leben maßgebendes Wort verstanden wurde, der wahre Grund des christlichen Kultes im Namen Josua, lat. Jesus gewesen sein kann.

 Denn selbst die weiterhin geheimnisvoll sprechende jüdische Schwester als Konkurrenzkult zum Christentum gründe auf mystisch-traditionelle Weise in genau in dem, was im philosophisch aufgeklärten Judentum, dann der Kirche, in Vernunft (Logos) verstanden wurde. Ein herrlicher bzw. hochgejubelter Weisheitslehrer oder ein von Römern und der Kirche zur Manipulation der Masse entwickeltes Konstrukt, wie es heute als historischer Grund gelehrt oder von Kritikern unterstell wird, fällt  flach. So wenig damit die Kabbala zu erklären ist, kann dies in logisch-evolutionärer Kulturentwicklung der neujüdischen Konkurrenz unterstellt werden. Ein verherrlichter junger Mann oder ein fiktives Konstrukt wäre so weniger der Grund des christliche Kultes und seiner Verhaltenslehren gewesen, als dies mit der sich nicht in philosophisch-vernünftigen Welt- bzw. Kreativitätsmodellen, sondern noch in Buchstaben- und Zahlenmagie,  begründenden Schwester zu machen ist.

Einer Schwester, die sich nicht nur auf die gleichen jüdischen Väter und die Begründung in der Weltkreativität berief, sondern die genau in gleicher Zeit und im gleichen Raum erwuchs, wie das Christentum. Die dann und dort entstand, wo hellenistischen Juden die Evangelien verfassten und die nicht nur in ihren Geschichten, sondern in Geschichte in ewiger Konkurrenz zur kirchlichen Form des Judentums stand. Die dabei der mystischen Tradition (Kaballa) treu blieb. Die daher ihren philosophisch-jüdischen Bruder, der in der frühwissenschaftlichen Vernunftlehre (Logos) das schöpferische Wort verstand, verwarf, weiter im Mythos den jüdischen König verehrte. Und die damit noch nicht in philosophischer Lehre (Logos) eines kreativen Weltganzen, sondern mystisch wahrgenommenen Weltmodellen menschlich-maßgebende Bestimmung ableite. Doch die in der in mystischer Tradition verharrenden Schwester, wie auch der philosophische Bruder, aus dem das Neue Testament hervorging, begriff die Tradition allegorisch und drückte sich so auch bildhaft in seiner Kultsprache aus.

Heutiges Wissen und Logik verweisen auf die Vernunft, zwingen das auch das neue Testament neu zu lesen

Dass ein heilspredigender Junghandwerker, wie er als historisch gelehrt wird, nicht das schöpferische Wort im Stamme Davids gewesen sein kann, ist inzwischen logisch. Aber wer sich vom schriftgelehrt-buchstäblichen Kurz-schluss löst und die kulturgeschichtliche Entwicklung liest, für den ist ebenso logisch: Der Handwerksbursche oder ein fiktiv zu glaubendes Gottesbild, das nach der Kritik von römischer Obrigkeit oder der Kirche entworfen wurde, kann nicht der Grund eines neuen jüdischen Kultes gewesen sein, der jetzt universal gültig war. Und da es in den traditionsorientierten kabbalistischen Lehre, wie Sefer Jetzira (mystische kosmologische Abhandlung über die wesentlichen Elemente der Schöpfung als „Buch der Formung“) um genau das ging, was dem philosophischen Judentum als Logos galt. Was auch in der Lehre der diesem folgenden römisch-katholischen Kirche bis ins Mittelalter als philosophisch, mit dem Alten Testament in Einklang stehende Lehre maßgebend war. Daher ist es völlig klar, was das historische Wesen, der Grund jüdischer Weisheitsmystik, wie Christentum  war und in den Kulttexten von Kabbala, wie Kirche kulturgerecht vermittelt, zur Welt gebracht wurde.  Während die Schwester das Weltgefüge, das Menschen Sinn gebende Werden und somit die Verhaltenslehren in geheimnisvollen Traditionslehren einer Buchstaben- und Zahlenmystik begründende, galt im aufgeklärten philosophischen Judentum die aus der Antike bekannten Vernunftlehren (Logos). Auch wenn der Namen in den neutestamentlichen Kulttexten anfänglich noch nicht vorkam, wurden diese als Josua, lat. Jesus gesehen und so eine von Geheimlehren und menschlichen Göttern freie „Goldene Zeit“ erhofft.

 Wer daher im historischen Jesus der im hellenistischen Judentum entstandenen Evangelien weiter einen jungen Mann annimmt, den jüdische Literaten, philosophische Theologen und in Folge die Kirche als erneuerten jüdischen Bund, das Moses geltende Wort gesehen, als König im Sinne Josua erhoffte oder als eine Art Gott ausgegeben hätten. Der muss den Verstand verloren haben. Aber auch die Kritiker, die das gesamte Christentum als ein fiktives Konstrukt der Kirche unterstellen, die ihre Texte nur aus dem Alten Testament ableitete, den Göttermythen oder Kaiserevangelien nachstellte, gar die römischen Kaiser, die Josephus Flavius abkupfert hätten, als Erfinder annehmen. Die nehmen das gegebene historische Wissen und die Erkenntnis logischer kultureller Entwicklung nicht wirklich ernst.

Statt deutlich zu machen, wie der neue jüdische Kult, auf den die Kirche gründet, in Folge des philosophisch-hellenistischen Judentums eine echte Reform, eine Neuerung des prophetisch-bildlosen Kultes vom kreativen Ganzen (Öko) war, sich jedoch nicht mehr in Buchstaben-Mythen und geheimnisvollen Traditionslehren, sondern in offenbarer frühwissenschaftlichen Vernunftlehren (Logos) eine Verhaltensweisheit begründet, die heute als ganzheitliche Ökologie, Weltvernunft allseits nur gefordert wird, erscheint so der christliche Glaube als grundloser, unbedeutender Glaubensmythos.

Auch wenn die Geheimlehren der mystischen Schwester teilweise erst später schriftlich fixiert wurden, wie der Kabbala in Südfrankreich erst im 12. Jahrhundert ausgemacht werden oder wie der Kult-Text des Sohar wahrscheinlich erst im 14. Jahrhundert von einem Kabbalisten in Spanien verfasst wurde. Die Wurzeln der mündlich überlieferten mystischen Traditionslehre (Kabbala), die die Erfahrung und Stellung des Menschen im schöpferischen Ganzen auf weiterhin geheimnisvolle Weise sucht, gehen zurück bis zu den jüdischen Anfängen. Die späteren jüdischen Mystiker, wie die christlichen Denker, bezogen sich dabei auf den Neuplatonismus des hellenistischen Judentums der Zeitenwende und beriefen sich auf eine jüdische Tradition, die bis zu Adam, Abraham und Moses reicht. Doch währen die Kabbalisten die spekulativ-geheimnisvolle Seite eines mythischen Platonismus aufgriffen, begründe sich das philosophische Judentum (auf das sich dann die Vordenker der Kirche berief) in der offenbaren Vernunftlehre (Logos) früher Natur- und Kulturwissenschaft und berief sich beim neuen Bund auf die allegorisch verstandenen jüdischen Väter.

Wie Bruder und Schwester in ewiger Konkurrenz standen, lässt sich in der Geschichte beobachten: ob in antiker Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen neujüdischen  Erkenntnislehren oder beim esoterischen Christentum wie den Katharer im mittelalterlichen Südfrankreich. Anfängliche Christliche Bewegungen, die nicht wie der Markionismus die Tradition und nur auf Vernunft setzten, sondern sich im mystischen Sprachgebrauch bewegten, weisen viele Ähnlichkeiten mit kaballistischen Vorstellungen auf. Die noch mystische Darstellung von Weltmodellen, auf denen die vielfältigen anfänglichen christlichen Bewegungen aufbauen, die nicht zuletzt wegen der geheimnisvoll-esoterischen für Gebildete/Eingeweihte von den Vordenkern der Kirche abgelehnt wurden, sind mit denen der Kabbala zu vergleichen. Und doch ist die von der Kirche als falsche, geheimnisvoll-vergängliche, mysteriöse Gnosis abgelehnte, auch zeitlich nicht von der philosophisch-wissenschaftlichen Erkenntnis (Gnois) zu trennen, die zur kirchlichen Lehre Jesus wurde. Wenn sich in der kosmologischen Abhandlung „Sefer Jetzira“ als wichtigstem kabbalistisch-mystischen Werk, weil  „Buch der Formung/Schöpfung“  Parallelen zur Philosophie Philo von Alexandriens ausmachen lassen. Dann spielt es eigentlich keine Rolle, ob dieses kosmologische Werk, das nach jüdischer Tradition Abraham als seinen Autor versteht, erst im 7. Jahrhundert schriftlich verfasst wurde. Hier spricht eine im mystischen Aufbau der Welt begründete Weisheit, die im philosophischen Judentum und in Folge in christlicher Kirche in den Vernunftlehren antiker Wissenschaft (Logos) begründet war. Was die der mystischen Tradition treu bleibenden Schriftgelehrten verwarfen. Auch wenn sich die Wege im Laufe der Geschichte immer wieder kreuzten.

Mit einem jungen Mann, wie er heute als historischer Jesus oder den Kritikern als fiktives Konstrukt gilt, ist weder in der anfänglichen Begründung der beiden verschiedenartig  Geschwister und ihrer Auseinandersetzung, noch im Laufe der gesamten Geschichte und den so entstandenen Kultgeschichten etwas zu machen. 

Wenn von „Bruder“ und „Schwester“ gesprochen wird, dann soll weder die sich von der christlichen Lehre unterscheidenden Mystik, noch die Weiblichkeit herabgewürdigt werden. Es wird nur der philosophischen Begrifflichkeit entsprochen. Dort ist die Ratio/Vernunft männlich, wird die sinnliche Ausdrucksweise der weiblichen Seite zugeordnet wird. Doch zweifelsfrei ist das Christentum, wie die jüdische Mystik aus einem Stamm hervorgegangen. Sie haben nicht nur den gleichen Vater und Mutter, sind gezeugt und Zeugen von einen schöpferischen Sinn des Ganzen und drücken sich beide auf sinnlich anschauliche, kreative Weise aus. Sie haben trotz ihrer Verschiedenheit die gemein-same (jüdische) Geschichten und berufen sich auf die gleichen Geschichten. Und weder da, noch dort ging es um den hellenistisch hochgestabelten jüdischen Handwerksburschen aus Galiläa, wie er heute als historischer Jesus gelehrt wird.

Die Vernunftlehre hellenistischer Wissenschaft und Aufklärung (Logos), die philosophische Juden der Zeit als Wort und damit jüdischen König galt, scheinen die jüdischen Mystiker weiter abgelehnt zu haben. Sie wollten der Tradition weiter auf mystische Weise treu bleiben. Während das philosophische Judentum trotz all seiner bildhaften, ebenso sich auf die Thora-Tradition berufen Ausdrucksweise die Vernunft als das Moses gegeben Wort verstand, blieb die Schwester in geheimnisvollen Mythenlehre gefangen. In Zahlen- und Buchstabenmagie wurde das kreative Ganzen als ausgedrücktes Wort erzählt, dem die menschliche Kultur zu entsprechen hat. Auch wenn dies kann nicht mit der frühen wissenschaftlichen Vernunftlehre (Logos) gleichgesetzt werden kann, so wirft die Mystik Licht auf das, was historisch das christliche Wesen war.

Hier ist nicht der Raum, um die das Wissen über die Begründung jüdischer Mystik in Zahl, Zeichen, Worten im symbolischen, noch mythischen Verständnis der Kreativität des Universums zu beschreiben, in das der Mensch eingebunden ist und sich dazu der Kultsprache bedient. Allein der Blick ins Netz oder entsprechende Werke zeigen, wie die auf noch spirituell-mystische Weise erfasste Kreativität des Ganzen in Zeichen, Zahlen, Buchstaben als das begründet wurden, was seit Abraham und bei Moses als Wort galt.  Wer daher hellenistischen Denkern der ersten Jahrhunderte, die nicht weiter auf den Mythos setzten, sondern in Vernunft erklärten unterstellt, einen jungen Mann mit Namen Jesus als lebendiges Wort gesehen oder ausgegeben zu haben, was das Moses-Wort und damit der König der Juden war, wie dies heutige Lehre ist, der scheint durch die Heilsprediger-Hypothese seiner Lehrer, Scheuklappen zu tragen, blind für das gegebene historische Wissen.

2.     Zwei öko-logische Konzepte: In kreativer Welt begründetes Wort

Auch wenn sich die Darstellungen zur Weltentstehung in Buchstaben und Ziffern recht geisterhaft lesen, sie noch keine Wissenschaftslehre (Logos) waren, wie sie dann  Juden galt, die sich den Modellen philosophischer Erkenntnis öffneten. Hinter den Buchstaben und Ziffern, nach denen die Gesamtheit des Seins, sowie die menschliche Bestimmung im großen Ganzen damit als „Wort“ verstanden wurde, stand ein Sinn machendes kreatives Konzept. Doch egal was die Kulttexte, die die Kreativität in personaler Weise verherrlichen sagen, daher Gottesnamen genannt wird. Um einen zu glaubenden im Himmel sitzenden Designer, der durch Zaubersprüche in einer Zeitspanne die Welt herstellt kann es im Buchstaben- und Ziffernkonzept, nach dem die Kreativität des Ganzen beschrieben wurde, nicht gegangen sein. Und selbst wenn gefragt wurde, warum das Leid auf der Welt ist, wurde auch im mystischen, noch nicht vernünftigen Modell mit Sicherheit kein Designer verantwortlich gemacht, an dessen Macht dann zu zweifeln wäre. Wie es heute die Theodizee tut, weil ein allzu menschliches Gottesbild als Glaube gilt.

Man muss sich vor Augen führen, wie zwar noch mystisch von Zahlen und Buchstaben gesprochen wurde, aber so in kreativen Konzeptlehren das Weltganzen erklärt wurde. Wie damit eine frühe Ökologie (als Lehre vom zusammenhängenden Weltganzen) galt. Die bereits auch für Menschen Sinn machte, als Moses-Wort für das schöpferisch gerechte Leben maßgebend war. Denn dann lässt sich erkennen, wie Juden, die ihre mystische Traditionslehren auf bildhafte Weise verstanden und ihr so aufgeklärt treu blieben, die philosophischen Vernunftlehren früher Natur- und Kulturwissenschaft (Logos) als das bereits Moses gegeben schöpferisch wesentliche Wort verstanden.

Dem philosophisch-hellenistisch aufgeklärten Judentum, wie wir es auch den Philo-Schriften kennen, war klar, dass die alten Hebräer bzw. die biblischen Propheten, die Schöpfung und das, was danach wesentlich war und sein wird (JHWH), in Buchstaben als Wort ausdrücken, kein Hokus-Pokus, sondern eine Art frühe Philosophie war.

Doch selbst wenn wir den mystischen Welt-Modellen der Traditionslehren, wie der Kabbala, einen geheimnisvollen Sprecher im Sinne heutigen Glaubens unterstellen. Dass Juden, für die beispielsweise selbst das, was mit Josua beschrieben wurde, aus dem Buchstaben Nun hervorging,  einen jungen Zimmermann mit Namen Josua als maßgebendes schöpferisches Wort gesehen oder ausgegeben hätten, das schließt sich völlig aus.

Und noch mehr ist dies für die Juden auszuschließen, die sich den philosophischen Welt-Modellen öffneten und bei denen so auch Verhaltenslehren maßgebend waren, wie sie Stoa begründete und lehrte. Was in die im hellenistischen Judentum verfassten Kulttexte einfloss, die dem Kaiserevangelium nachgestellt wurde. Weil jetzt die Vernunft als Wort die Kultfunktion römischer Kaiser haben sollte. Und die in Kult(ur)Geschichte(n) ebenso auch das Erbe der in Vernunft als ebenso erfüllt gesehenen Göttermythen aufgriffen, aber in ihrer neuen Geschichte eine Art Kyniker oder Weisheitslehrer als lebendiges Wort auflaufen ließen.

Die Modelle eines zusammenhängenden Weltganzen mögen verschieden, dualistisch oder noch mythisch gewesen sein. Doch wer weiß, wie solche Modelle auch allen urchristlichen Erkenntnislehren zugrunde lagen, die selbst wenn als falsche Gnosis von der Kirche verurteilt, heute als christliche Ursprünge gelten. Der kann an den Hochschulen nicht weiter einen jungen Mann lehren, der das lebendige Wort, damit der Judenkönig im Stamme Davids oder der wahre eine Sohn und was sonst die Verfasser der im hellenistisch-philosophischen Judentum verfassten Texte schreiben, gar nicht war uns ein wollte. 

Wer die selbst in der Kanonisierung in Konkurrenz zum Christentum stehenden mystischen Schwestern und ihren in mystischen, für das menschlich-sinnvolle Sein maßgebenden Weltkonzepten begründen Kult als eine Form von Judentum betrachtet. Das der Tradition des im persischen Exil, inmitten der Philosophie vom für das menschliche Sein maßgebenden kreativen Weltgeist (Zarathustra) entstandenen prophetisch-bildlosen Kultes, den himmelbeobachtenden, Schöpfung in Schrift (Wort) fassenden Hebräern, wie der ägyptischen kosmologischen Theologie betrachtet. Der kann völlig unmöglich den heute in seinen Bedeutungsinhalten gelehrten neujüdischen Kult, für den sich damals dann auch die Römer begeisterten, in der Halluzination eines Sektenverfolgers oder den religiösen Visionen der Anhänger eines Handwerksburschen begründen wollen. Oder was sonst bei der Heilsprediger-Hypothese an Träumen, geheimnisvoller Ostererfahrung, psychologisch-somatischer Krise und sonstiger Irrationalität unterstellt werden muss. Oder er muss auch die logische Begründung des Werdens, wie sie heute in der Naturwissenschaft als Evolution gilt, an den Nagel hängen.

Bis vor wenigen Jahren galt der gute Junge ohne Zweifel als der eine Gottessohn, war das lebendige Wort, die Weisheit in Person. Auf was Klaus Berger, der in Heidelberg den heute historisch-kritischen Theologen den jungen Mann beibrachte, vom Logos nichts wollte, als Inhalt der biblischen Aussagen besteht. Und in im Sinne dieses christlichen Selbstverständnisses, wie es allerdings heute nicht mehr herbeizuzaubern ist, hätten sich der beiden Geschwister als verschiedenartiges Judentum verstehen lassen. Doch auch wenn beim flüchtigen Betrachten von Fernsehbildern heutiger orthodoxer Juden mit langen Bärten der Eindruck von Irrationalität erweckt wird.  Wer sich mit dem ursprünglichen Judentum, wie dem der Zeit Jesus auseinandersetzt, dem muss klar werden: Die Hypothese von einem verherrlichten oder als herrlich gesehen Heilsprediger, der dann auf apologetische Weise philosophisch eingefärbt, hellenistisch zum Logos oder schöpferischen Wort erhoben wurde, ist völlig unhaltbar.

1.     Rationaler Bruder und mystisch-geheimnisvolle Schwester

Wie aber nicht neue mystische Konzepte, sondern die auch als philosophisches Judentum bekannten vernünftig-philosophische Weltlehren (Logos), die wie die Stoa die Menschen sinnvoll als selbstverantwortliche Teile des kreativen große Ganze sahen und so natur- und zeitgemäße Verhaltenslehren entwickelten, in natürlicher Kulturentwicklung zu einer Erneuerung des Judentums führten, liegt auf der Hand.

3.     Kabbala, eine mystische-jüdische Tradition

Schon die Bezeichnung „Kabbala“ die auf den Wortstamm „Übernahme, Überlieferung, Weiterleitung“ zurückgeführt wird zeigt: Auch wenn die kabbalistischen Kulttexte erst jüngeren Datums sind. Die jüdische Schwester des Christentums begründet sich in der Offenbarung der Tora an Moses am Sinai, der sie auf mystische Weise geheimnisvoll treu bleibt, statt in gegenwärtiger Vernunft.

Wie das Christentum wird die Kabbala zumindest seit dem 15. Jahrhundert auch in nichtjüdischen Kreisen fortgeführt. Auch in der Kabbala gibt es viele verschiedene Strömungen, weisen die schriftlichen Überlieferungen gleiche Spuren. Diese führen nicht nur ins frühe prophetische Judentum, sondern zeigen auch bei der Kabbala gnostische und neuplatonische Elemente, damit Erkenntnislehren, die dort geheimnisvoll bleiben, auch wenn sie ebenso als christliche Elemente gelten.

Weit weniger als im heutigen Christentum wird bei der Kabbala nicht vom Wille eines Gott genannten Designers gesprochen, der dann von Astronauten im Himmel gesucht wird, sondern der Entsprechung Oben und Unten. Der anthropomorph gedachte schöpferische Ursprung (Gott), der Kosmos, wie menschliche Kultur mit einschließt, ergibt ein Weltbild, das in seiner geheimnisvoll-mystischen Tradition zwar nicht mit Ökologie vergleichbar ist, aber die Ausrichtung des menschlichen Mikro- am Makrokosmos deutlich macht. Jeder Mensch ist ein mitverantwortliches Teil des großen Ganzen, ein Universum im Kleinen.

Während die hellenistisch-philosophischen Juden den Weltbaum und so das auch für das menschliche Verhalten und Miteinander maßgebende schöpferische Wort in Vernunftlehren der Zeit (Logos) verstanden, blieb die mystische Traditionslehre bei schöpferischen Urpotenzen, die alles durchdringen.  Wo die frühe Naturwissenschaft und damit auch die philosophischen Juden von universalen Prinzipien sprachen, die heute nur etwas wissenschaftlicher formuliert und empirischer belegt sind, galt und gilt ein mystisch-kosmologisches Universalsystem. Denn dass der Mensch unter dem ganzheitlichen Einfluss universaler Kräfte steht, die er aber seinerseits beeinflusst, ist keine Wortmagie mehr, sondern selbst Hausmeister Kraus bekannt, der die Wetterveränderungen auf die ungebremste Gier des ungebremsten menschlichen Konsums zurückführt. Der letztlich erst mit der nur naturwissenschaftlichen, damit Halbaufklärung zur Leitkultur geworden ist.

Und wie  menschliche Worte und deren Verständnis  eine unmittelbare Einflussnahme auch auf das Verhalten haben, ist auch keine Magie mehr. So wenig wie die Notwendigkeit der Überwindung des gewohnten Alltags-Ich, das sich dem kreativen großen Ganzen (Ökologie) zu entsprechen hat, ein Geheimnis ist, das durch Ekstase  in All-Einheit herbeizuführen wäre.

Die Stufen der Weisheitsleiter, die ins Paradies, damit in eine Versöhnung mit der Natur und dem so gegebenen Sinn führt und von der nach Kabbala nur der im 2. Jahrhundert der mystischen Tradition treu bleibende Rabbi Akikba (in dessen Namen das Kultbuch Sohar geschrieben wurde) zurückkehrte, haben im Christentum und im modernen Verständnis nur andere Bezeichnungen.

Nicht nur im 12. Jahrhundert, bei die alten, bisher mündlich weitergeführten und bis auf Adam, Abraham oder Moses zurückgeführten Traditionen in Südfrankreich von Katharer- und Albigenserbewegungen in Abgrenzung zur Kirchenlehre aufgezeichnet wurden, lassen sich viele Parallelen zum Christentum erkennen. Auch wenn möglicherweise die Einflüsse des neuplatonischen Weltbildes unbewusst geschahen. Die der Tradition treu bleibende jüdische Mystik lässt erkennen, wie in der sog. Zeit Jesus die jüdische Vernunftlehre als schöpferisch maßgebendes Wort von der mystischen-Tradition verworfen worden sein muss. Opposition zum Christentum, nicht nur durch ein dualistisches Weltbild, sondern der Bewahrung und Vertiefung traditionstreuer jüdischer Mystik in kosmologischer Welterklärung und damit Kultur war schon früh die treibende Kraft.

Die Kabbala, wie die anfängliche christliche Lehre entspringen der Bildung, lassen Gelehrsamkeit und Tiefsinn erkennen, wenn sie beschreiben, wie das kosmisch-kreative Geschehen für Menschen Sinn macht und als schöpferische Bestimmung maßgebend ist. In diesem Sinne ist sicher auch bei Philo, damit dem philosophischen Judentums, dem die Kirche folgte, viel von dem zu lesen, was auch Thema der Kabbala ist. Doch während die Überlieferung, Tradition (Kabbala) in Geheimlehren auf die uralt-orientalischen Gedanken setzt, die zu alter Zeit an den Wasserläufen Babylons oder in Ägypten und von den Hebräern im bildlos-prophetischen Kult weitergedacht wurden, gründete das philosophische Judentum, wie die Lehre der Kirche auf die gegenwärtige, damit offenbare, lebendige Vernunftlehre (Logos), wie wir sie von den Griechen kennen.

Das Weltprinzip in grandiosen Systemen, in das die menschliche Weisheit, der Verstand, Erkenntnis/Wissen, Größe oder Stärke auf monistische Weise eingebunden sind, sich beschränken muss, begeisterte viele neuzeitliche Denker wie Giordano Bruno. Auf den sich heute die naturwissenschaftlichen „Neuen Atheisten“ berufen. Doch bei allen Parallelen zum christlichen Platonismus oder Philo von Alexandrien, der für das philosophische Judentum als Vorläufer der Kirche steht, ist nicht zu übersehen: Wie die Vordenker der Kirche die geheimnisvollen Erkenntnislehren mit ihren mystischen Modellen als falsche Gnosis/Erkenntnis ablehnte, so ist die Unterscheidung auch in der weiteren Entwicklung zu beobachten. Wie aber eine Lehre, der ein vernünftiges Weltprinzip (Logos) zugrunde lag und sich darauf im Namen Josua (lat. Jesus) berief, einen jungen Mann diese Namen hellenisiert oder durch Halluzination und psychologisch Erscheinungen nach dessen Hinrichtung ihn zum Logos werden ließ, das ist nicht zu erklären.

Auch die späte, okkult bleibende Philosphie in christlicher Kabbala des 15. Jahrhunderts, die von Historikern lt. Wiki gar als Triebkraft hinter der Renaissance gesehen werden, lassen die anfänglichen Unterschiede erkennen. Die Kabbala griff wie die jüdisch-philosophische, dann christliche Lehre zwar die griechischen Philosophen, von den Vorsokratikern, über Platon bis Aristoteles auf. Doch die Kabbala begründete die weiter maßgebende Überlieferung auf übersinnliche Weise, während das philosophische Judentum die Tradition auf allegorisch aufgeklärte Weise verstand und so die gegenwärtige Vernunftlehre als Wort sah, das sich durch die Tradition bestätigte und dessen Erfüllung war. Mit einem jungen Heilsprediger hat das alles nicht das Geringste zu tun. Und wo wenig wie die Weltgefüge und so menschlich sinnvolles Leben in mystisch-geheimnisvoller Tradtion begründende Schwester eine Glaubensfiktion war, kann es beim Christentum, für das sich dann auch die Römer begeisterten, um ein literarische Fiktion zur Manipulation der Masse gewesen sein, wie im historisch-kritische Kurz-schluss  Glaubensgegner unterstellten.

4.   Sefer Jetzira, das Buch über die dann in Vernunft erklärte Schöpfung

Kultgeschichten, ob bei der traditionsorientierten Schwester oder im Neuen Testament der Kirche, sind keine historischen Beschreibungen. Dies ist der theologisch-geschichtlichen Lehre, die nach den psychologischen Gründen für die literarische Verherrlichung eines Handwerksburschen sucht, längst klar. Die Kritiker des Glaubens freuen sich wie kleine Kinder, wenn sie dann nachweisen, dass alles anders oder gar der historische Jesus nicht war, hier entsprechend der kulturellen Tradition ein schöpferische, damit im menschlichen Kult königliches Wesen als Wanderkyniker gezeichnet wurde. Da im christlichen Kult Luthers die kirchenmissbrauchten philosophischen Lehren im „sola sicriptura“ zum Glaubensgrund machen musste, sind selbst die Kritiker, die dann alles als freies Konstrukt entlarven wollen, zu Fanatikern eines Kulttextes geworden. Egal wer wen mit alten Mythen nachgestellten Texten dann manipulierte.

Auch wenn im jüdisch-geheimnisvollen Traditionskult/Kabballa der anderen Kulttexten, wie dem Neuen Testament entgegengestellte, erst Ende des 13. Jahrhundert verfasste  „Sohar“ gilt. „Sefer Jetzira“ die kosmologische Abhandlung über die Weltentstehung in 10 Urziffern (Sephiroth) und den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets, die keinerlei religiöse-theologischen Aussagen macht, wird ebenso wichtiges und ältestes Werk der Kabbala betrachtet.

Die zehn Sephiroth sind Sinnbilder der dialogischen Struktur (z.B. Männliches-Weibliches, Vorher-Nacher) der Welt, wie sie die griechischen Philosophen dann in sinnmachender Logik und heute in Evolution erklärt werden, Wissenschaftslehre (moderner Logos) geworden ist. Ebenso wie die vier angenommenen Himmelsrichtungen.

Dass die in Ziffern und Buchstaben (kreatives Wort) beschriebene Weltentstehung von der biblischen Genesis abweicht ist klar. Dies sollte jedoch nur deutlich machen, dass die Wahrheit der Bibel nicht auf bisherige Weise zu suchen ist, wo selbst angebliche Aufklärungsorgane wie der Spiegel beim Fund eines Holzstückes der Arche (Anfang, Urprinzip, wie es auch Sefer Jetzira beschreibt) titelt „Hat die Bibel doch Recht“. Denn dass auch dort in den Geschichten um Sinnbilder geht, die allegorisch zu verstehen, kein sprechender Designer nach menschlichem Strickmuster zu suche ist, macht die mystische Schwester, die sich auf Abraham oder die Hebräer beruft, Zahlen, Ziffern und Buchstaben deutlicherweise noch in mystischer Tradition begründende Bilder sind, mehr als klar.

Noch klarer sollte allerdings werden, dass die kosmische Ordnung, wie sie heute in Evoluiton erklärt, als Ökologie in Wissenschaftslehren (Logos) beschrieben wird, auch beim Bruder, der sich auf den antik formulierten Logos berief, das Vorbild der menschlichen Kultur und kein fiktiver Glaubensmythos oder ein hochgejubelter junger Mann war.

 Auch wenn der Text Abraham als den ersten erwähnt, der den beschriebenen Weg schöpferischer Weisheit gegangen ist, so sind die Gelehrten der jüdischen Mystik mit Sicherheit nicht davon ausgegangen, dass ein vergeblich zu beweisender Mann diesen Namens der Grund oder gar Verfasser war, sondern beziehen sich auf die jüdischen Anfänge.

Selbst wenn die kosmologischen Texte erst im 7. Jahrhundert in Abhängigkeit von islamistischen Traditionen entstanden, wie die neuere Forschung annimmt. Die mündliche Form des geheimnisvoll der mythischen Traditionslehre treu bleibenden Weltsystems in Ziffern lässt sich ähnlich heute bei den heute als urchristlich geltenden Erkenntnislehre in ihren Kosmos-Modellen beobachten. So liegt es auf der Hand, dass die der Tradition treue Schwester mit dem noch mündlich gelehrten Sefer Jetzira eine Antwort auf die Lehren war, die sich auf den Logos (die Lehren früher philosophisch-wissenschaftlicher  Erkenntnis/Gnosis) beriefen. Die aber noch ähnlich verworrene, dualistische, teilweise auch weltverneinende Modele Modelle an den Anfang stellten, von  Vordenkern der Kirche als falsche Gnosis abgelehnt wurde.

Doch wer die heute die als Gnosis (weil von den Lehrern, die sich auf die in ihren Augen wahre Erkenntis/Wissenschaft beriefen abgelehnt) als urchristliche Bewegungen anerkennt, hier gar frühe Paulustexte verortet, dem müsste klar sein, dass weder ein verherrlichter junger Mann, noch ein fiktives Konstrukt des Glaubens oder zur Massenmanipulation, der Grund des christlichen Bruders der traditionstreuen Kosmologie- Grundlage der Kabbala war.

Da im Streit um die Anfänge der Sefer Jetzira Parallel-Theorien in der jüdisch-hellenistischen Philosophie der Zeit Jesus (Philo von Alexandrien) nachgezeichnet werden, liegt nicht nur die Frühdatierung auf der Hand. Vielmehr zeigt sich hier, wie dem die Tradition nicht ablehnenden, sondern dem hellenistischen Judentum, das in Moses bereits eine frühe Philosophielehre sah, jedoch auf die gegenwärtigen Vernunftlehren antiker Aufklärung als Wort, Josua, lat. Jesus setzte, ein mystisch bleibendes System entgegengesetzt wurde. Denn auch wenn sich Parallelen zeigen, die jüdischen Philosophie, die das „Neue“ Testament nicht nur im Text begründete und der die Kirche folge, begründete sich nicht auf mystische Weise in Ziffern und Buchstaben, sondern verstand die frühen Wissenschaftslehren als das vom jüdischen Anfang an geltende Wort.

Die sich vom Wortstamm mit zählen, schreiben, erzählen befassende kosmologische Schrift mit Sinnbildern des für Menschen Sinn machenden Weltgefüges, die nicht nur die Parallelen zu christlicher Erkenntnis oder Philo und damit der Kirchenlehre vom Logos deutlich. Wer sich heute weniger auf die die jüdische Tradition aufgreifenden Tarot-Karten, sondern auf wissenschaftlich ausdiskutierte Ergebnisse und diesen folgenden Lehren (Logos) hält, der hält sich an das, was der historische Grund des christlichen Kultes war. Mit einem jungen Mann oder einem fiktiven Konstrukt ist bei geschichtswissenschaftlicher, statt nur auch von den Kritikern praktizierter schriftgelehrter Buchstabenbetrachtung auf jeden Fall nichts zu machen

5.   Sohar als mystisches Neues Testament

Der Sohar ist ein in Geschichtsform erzählender Kulttext, der wahrscheinlich erst Ende des 13. Jahrhunderts von Kabbalisten, die der jüdischen Mystik treu blieben verfasst und in Konkurrenz zum biblische Neue Testament und anderen jüdischen Kulttexten mit Beginn des Buchdruckes seine Verbreitung fand.

Kulttexte haben die Aufgabe, einen philosophischen Sachverhalt in Kult(ur)gerechter Sprache zu vermitteln, um in der Kultlese bzw. der Kultpraxis auf menschliche Weise über das sprechen zu können, was auf kreative Weise auch für das menschliche Leben wesentlich war und sein wird.

Während die Wahrheit des Neuen Testamentes bis heute nach einem buchstäblichen historischen Sachverhalt beurteilt wird, ist es beim mystischen  Judentum nicht nur weitgehend offensichtlich, dass es hier um Kultgeschichten geht. Vielmehr machen bei der der jüdischen Mystik-Tradition treu bleibenden Schwester kosmologische Abhandlungen wie „Sefer Jetzira“ oder das Wissen um kabbalistische Weltmodelle oder die Erklärung allen Werdens in Ziffern und Buchstaben (Wort) mehr als deutlich, was das Wesen ist, wenn in den Kultgeschichten vom König gesprochen wird.

Konkurrenzfähig war man nur, wenn man die stark im kontextualisierte Botschaft und ihre traditionelle Mythologie für Menschen unterschiedlichen Milieus verständlich machen konnte, mithin durchsichtig für eine große Theorie, die dem Vergleich mit anderen großen Theorien aus Philosophie und Religion standhalten konnte. So Christoph Markschies in „Gnosis und Christentum“, wo er kulturelles Laboratorium der Kaiserzeit beschreibt, aus dem dann auch die christliche Kirche hervorging.

Doch angesichts dessen, was wir bei der Konkurrenz wissen, dem Christentum zu unterstellen, einen jungen Galiläer oder dessen Sekte apologetisch zur interkulturell vermittelbaren Botschaft einer Totaltheorie aufgebaut zu haben, um mithalten zu können, was Voraussetzung ist, um die gelernte und zum Lebenswerk gewordene Hypothese  vom gutherzigen Heilsprediger halten zu können, ist in logischer Kulturentwicklung nicht zu machen .

Was von Christoph Markschies den außerkanonischen Evangelien zugestanden werden muss, weil diese nachweislich die antike Vernunftlehre (Logos)  zum Thema haben, diese in Kultsprache verwandeln, gilt auch für die Kultsprache der mystischen Weltmodelle. Auch dort handeln die Kultgeschichten nicht von Ziffern und Buchstaben eines mystischen Weltmodelles, sondern erzählen emotional ansprechende, altvertraute Geschichten. Vielmehr zeigt die Konkurrenz der Zeitenwende, warum die alten jüdischen Mythen, wie die Geschichten von Göttersöhnen nicht nur in Vernunft erklärt, als erfüllt gesehen, sondern in neuer Form weitergeführt werden mussten. So muss den philosophischen jüdischen Modellen, die jetzt das Werden, die Zusammenhänge der Welt in Vernunftlehren erklärten, zugestanden werden, dass sie den Logos als neuen Josua jetzt in Form eines jüdischen Weisheitslehrers oder Kynikers auftreten ließen, dabei das literarische Erbe der Kaiserevangelien, wie der alten Mythen aufgriffen.

Doch dass bei den christlichen Schwestern um mystische Schöpfungsmodelle in Kultgeschichten ging, die selbst den außerkonischen urchristlichen Evangelien unterstellt werden müssen, dann aber die von Logos-Lehren in den Kanon aufgenommen Texte einen hellenistisch oder durch Halluzination aufgemotzten Handwerksburschen zum Thema haben solle, das ist ein Witz. Denn das ist kulturwissenschaftlich völlig unhaltbar.

6. Der Sohar zwingt, die christliche Geschichte neue zu lesen 

Der Sohar „Buch des Glanzes“ als das bedeutendste Kultlesebuch der Kabbala bleibt auch in seiner Geschichte erzählenden Form ein Spiegel der in der Kabbala auf mystische Weise in Ziffern vermittelten kosmischen Kreativität. Er blickt dabei wie das Neue Testament zurück auf die biblischen Texte bei den Propheten Ezechiel und Daniel und kommentiert die Texte der Thora. Wann die Texte, die in ihrem heute kaum mehr bestrittenen pseudepigraphischen Charakter einen Rabbi des 2. Jahrhunderts als Autor sprechen lassen, ist egal.

Wenn im Sohar das Urbild des Bundes in zweiundvierzig Paarungen von Buchstaben und Zahlen ausgesät wird, um den unaussprechlichen Namen des kreativen Sinngrundes von Allem deutlich zu machen. Dann können wir daraus lernen, dass es auch bei der christlichen Konkurrenz von Anfang an nicht um das gegangen sein kann, was heute als Glaube an ein menschliches Gottesbild oder gar einen jungen Mann als Gott gilt. Wo Himmel und Erde noch in Ziffern und Zeichen erschaffen wurden, hat die Vernunftlehre (Logos) kein Gottesbild verdrängt oder ersetzt, sondern das, was den Alten als Wort schöpferisch wesentlich war, nur neu definiert, offenbart. Genau wie es von Jesus gesagt wird. Nur dass nun nicht mehr die Gestalt von Buchstaben hervortraten und sagten zu ihm, dem Herren der Welt, möge es dir gefallen, die Welt mit mir zu erschaffen. Und wo in Rollen, die Lehrern der ersten Jahrhunderte in schönen Geschichten in den Mund gelegt werden, dabei Buchstaben auf- und dem Grund allen Seins entgegentraten, ging es auch in den Konkurrenzwerken der Kultliteratur nicht um einen menschenartigen Designern oder junge Männer als Gottesbilder, sondern ist deren bildhaft-aufgeklärtes Verständnis der ersten Jahrhunderte gefragt.

Wo in den Geschichten von Abraham oder Moses gesprochen wurde, ging es sichtlich nicht um alte Männer. Auch ein „Aufpasser“, wie das heutige christliche Gottesbild als evolutionäre Tauglichkeit diskutiert wird, kam dort nicht vor, wo das heute nur wissenschaftlich definierte Weltgefüge in Buchstaben bedacht, das Oben auch für Menschen das Maß und im Miteinander bestimmend war. Der Streit um die Sieben Tage, der Zweifel an einem Designer, der zulässt, was wir als katastrophal bezeichnen oder nicht verhindern kann und nach natürlicher Erklärung des Werdens nun als Gott nicht mehr notwendig ist, wäre der Schwester erspart geblieben. Doch noch weniger können diese Vorstellungen, die im Laufe der Jahrhunderte zum christlichen Glauben erwachsenen sind, dem anfänglichen, die Vernunftlehren als Wort verstehenden  christlichen Kult unterstellt werden.

Die Gebote waren weder freie menschliche Erfindungen zur Moralisation der Masse, noch leiteten sie sich aus dem Diktat eines Designers ab, sondern dem noch mystische erklärten kreativen Weltganzen, dessen Fruchtbarkeit gelobt wurde. Und wenn in den Geschichten der konkurrierenden Kulte Gottesnamen genannt, auf menschliche Weise vom wesentlich sein werdenden Grund allen Seins gesprochen wird, so ist das verständlich. Doch gerade die mystische Schwester macht deutlich, dass keine Gottesbilder, sondern das dann nicht mehr in Zahlenmysten, sondern in Vernunftlehren (Logos) erklärte natürliche Werden als Wort am Anfang stand.

Und wo von der Mutter gesprochen wurde, die alles gebar, wäre keiner auf die Idee gekommen, dass es doch eine Hebräerin war, die einen Bangert zur Welt brachte und als „junge Frau“ zur Jungfrau erhoben wurde. Der Sohn des „Nun“ genannten Zeichens, in dem als Nachfolge Moses Josua, die den Menschen gegebene königlich-salomonische Weisheit im Stamme Davids selbst in der Kabbala gesehen wurde, was in der Kirche in lateinischer Ausdrucksweise Geschichte machte, ist mit Blick auf die Schwester mit Sicherheit in keiner Verherrlichung eines Handwerksburschen zu  erforschen.  Den biblisch beschriebenen Stammbaum des als Jesus in die Geschichte eingegangen Josua zu bezweifeln, nicht nur den Christus, sondern Jesus als unhistorisches freies Konstrukt anzunehmen, das von römischen Kaisern oder der Kirche erfunden wurde, fällt ebenso dem Wissen um die mit dem Christentum konkurrierenden Kultformen und natürlicher kultureller Entwicklung zum Opfer.

Die Betrachtung der biblischen Konkurrenz macht deutlich, dass auch dort die Wahrheit nicht aus Buchstaben von biblischen Geschichten besteht. Sondern das Neue Testament in bildhaft- aufgeklärter Weise zu lesen ist, es beispielsweise wenn von Paulus gesprochen wird, um eine pseudepigraphisches Sammlung geht, die kein fiktives Werk ist. Die vielmehr ein Paradigma beschreibt, wo nach dem Wandel vom Mythos zum Logos dieser der neue, damit auch die griechische Traditionsmythen erfüllende Grund eines bildlos-prophetischen Kultes von dem war, was den Vätern schöpferische wesentlich war und sein wird, damit das Alte aufgeklärt offenbarte.

1.   Schwester die hellenistischer Vernunft verwarf

Die mystische Schwester ist der Tradition (Kabbala) verhaftet geblieben. Sie stand in Konkurrenz zu den jüdisch-philosophischen Vernunftlehren, die mit Berufung auf die Vernunft als lebendiges Wort im Namen Josua, lat. Jesus zum Christentum wurden. Doch wer den Fundamentalismus und seinen Aberglaube mit allen Fatalen Folgen bekämpfen will, der muss nach dem wahren Fundament fragen, auf dem jüdische Mystik und Theosophie, wie philosophische Theologie und damit Christentum gründen. Wo das Weltganze, dem der Mensch zu entsprechen hat, noch in Ziffern und Buchstaben mystisch begründet wurde und sich Mystiker auf spirituelle Erkenntnis oder die Tradition beriefen, war man weit von dem entfernt, was heute Ökologie genannt wird. Doch wer den Juden dieser Zeit, die dann die Welt und alles Werden in Vernunftlehren (Logos) erklärten und darin das bereits Moses gegeben und für menschliches Leben maßgebendes Wort verstanden, einen jungen Mann unterstellen will, der schein fern von Gut und Böse.

Auch wenn Sohar und Kabbala sowie die Texte der jüdischen Mystik weit später entstanden, als das Neue Testamente. Beispielsweise der Sohar „Buch des Glanzes“ als bedeutendstes Schriftwerk der Kabbala nicht mehr  Schimon ben Joachai, einem hellenistischen Juden, Rabbiner des zweiten Jahrhunderts zugerechnet wird, wie noch vor wenigen Jahren angenommen. Sondern hier eine pseudepigraphische Schrift vorliegt, die möglicherweise in Konkurrenz zur entstehenden christlichen oder anderen jüdisch-mystischen Literatur erst in einem Prozess der Überlieferung vom Philosophen Mose de Leon oder einer gesamten jüdischen Gelehrtengruppe am Ende des 14. Jahrhunderts verfasst und in Druckerwerkstätten Mantuas entstand. Damit zu einer Zeit, als Renaissance sowie ihre Reformation und Fortschritt der Drucktechnik in Mainz die Gutenbergbibel entstehen ließen. Die mystische Tradition des Judentums, auf die sich die Verfasser zu Recht berufen, ist dort erwachsen, wo der historische Jesus, von dem die Evangelien handeln, erwachsen geworden ist. Nicht nur die Literatur des Neuen Testamentes ist im hellenistischen Judentum einer Zeit entstanden, die von Historikern, die das Ende der römischen Republik und ihres Götterkultes schildern, als die dramatischste Epoche der Menschheitsgeschichte genannt wird. Die mit Blick auf die philosophischen Wissenschaften des Hellenismus gleichzeitig ein Prozess der Aufklärung und damit des kulturellen Umbruches in einer Hochzivilisation gesehen wird. Auch die der Tradition treu bleibende jüdische Mystik hat ihre Wurzeln in dieser Zeit Jesus. Sie begründet sich nicht nur dann und dort, wo auch der christliche Glaube seine Legitimation hat. Sie handelt auf mystische Weise auch von dem, der den Jüngern jüdischer Vernunftlehre (Logos) Josua war, lat. Jesus ist.