Heutige Kritik,

wie Hochschul-Hypothese

greifen zu kurz

Die im "Grunde" buchstäblich bleibende, weil von einem Wanderprediger ausgehende Kritik, die so logischerweise nicht nur den Christus, sondern Jesus in Frage stellt und dessen gesamte Lebensgeschichte, von Geburt bis Tod oder Auferstehung in Göttersagen und sämtliche biblischen Texte in jüdischen Mythen nachweist, greift zu kurz. Vielmehr ist bewusst, wie die alten Kultbilder in Vernunft erklärt und ersetzt wurden, erfüllt waren. Auch warum die Ausdrucksweise im Erbe der Vorbilder, incl. der Kaiserevangelien die Voraussetzung war, die Vernunft im prophetischen Sinne als Wort kulturbestimmend zu machen, ist hier Thema. Für die Ablösung der Götter durch den neu-jüdischen Kult, die entstandene Menge an Kulttexten über ein neues schöpferisches Wesen, wie die Entstehung des christlichen Staatskultes, muss es einen Grund gegeben haben. Für den allerdings auch die heutige Heilsprediger-Hypothese der Hochschullehre viel zu kurz greift. Denn mit dem jungen Mann, der logischer Weise noch übrig bleibt, ist das, was das neue Weltjudentum und seine Texte ausmachte, ebenso wenig zu machen, wie mit dem von der Kritik unterstellen rein fiktiven Literaturkonstrukt als Glaubensmythos.

Wo nur vergeblich im Sand in von Palästina oder historischen Berichte nach einem Heilsprediger gesucht wird, bleibt die historische Realität außen vor. Wie die Göttersöhne ihre Autorität verloren, die von philosophischen Juden als bildlose Bestimmung (Wort) verstandene Vernunft an Stelle der Kaiser das Maß der Gesetzgebung, schöpferischer Mittler und daher der wahre Messias war, wird nicht bedacht. So wenig, wie dann in Synthese der jüdischen Wurzeln mit griechischer Kulturaufklärung eine neue Staatsform im Dienst dessen entstehen sollte, was wir heute Weltvernunft nennen.  

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Mit einem jungen Guru oder Mythos ist kein neues Testament zu machen: Dieses Hirngespinst der Halbaufkärung ist wissenschaftlich nicht haltbar 

Die heutige Hochschullehre schiebt die Kritik beiseite. Und die Radikalkritik vergangener Jahrhunderte, bei der Neutestamentler bereits nachwiesen, wie der hellenistisch-philosophische Logos im Namen Josua/Jesus das Thema der Evangelien des Neuen Testamentes war, kommt nicht vor. Heutige Forschung tut weiter so, wie wenn ein hingerichteter Heilsprediger als "Historischer Jesus" einziger wissenschaftlicher Fakt wäre. Auch wenn so nur noch ein junger Mann vermittelt werden kann, der all das alles gar nicht war und wollte, was aus ihm gemacht wurde, biblisch bebildert ist und bisher Grund christlicher Lehre war. Der heute übrig bleibende asketische Weisheitslehrer ist auch mit den synoptischen Evangelien, die die Geschichte der Vernunft in menschlicher Person (Rolle/königlichen Aufgabe) beschreiben, aber gegen besseres Wissen als der noch einzige Bezugspunkt für die Heilsprediger-Hypothese herhalten müssen, nicht zu machen. So ist aus dem anfänglichen christlichen Vernunftgrund oder dem noch für unsere Großväter bestimmenden Christus ein Hirngespinst der Halbaufklärung geworden: Einer von vielen antiken Predigern, der der heutigen Welt weit weniger zu sagen hätte, als jeder moderne Freiheitskämpfer oder Humanist. 

Aus der Weltvernunft, wie man sie selbst dem Johannesevangelium unterstellt, ohne das jedoch richtig ernst zu nehmen und in heutige Begrifflichkeit zu übertragen, ist so ein wanderpredigender Angeber geworden. Der nach dem schrecklichen Tod von seinen Anhängers als Herrlichkeit gesehen wurde und in der Hochschullehre oder auch der Theologie eigentlich nichts verloren hätte. Was den Stein vor dem leeren Grab ins Rollen bringen, in aufgeklärter Weise nach dem einzig möglichen und wahren geschichtlichen Wesen des christlichen Glaubens fragen lassen muss.  

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Der weltgültige prophetische Bund ist nur in Vernunft zu begründen

Denn bei dem heute "buchstäblich" vorausgesetzten charismatischen Sektengründer, mit dem selbst die Theologie der synoptischen Evangelien nicht zu begründen ist, findet in Wirklichkeit keine historische Wissenschaft statt. Es wird nicht nach dem kulturellen Wandel durch einen jetzt weltgültigen gottesbildlosen, in Kreativität/Schöpfung des Weltganzen begründeten bildlosen Bund/Kult gefragt, wie er im philosophisch-hellenistischen Judentum der Zeit Jesus hervorgebracht wurde. Was das Neue Testament und die dabei entstandenen, weit über den Kanon hinausgehenden Texte  ausmacht, spielt damit keine Rolle. Auch die Frage nach der "anfänglichen" Begründung des bildlosen prophetischen, von der Kreativität der gesamten Welt ausgehenden namen- und bildlosen Kultes im Weiterdenken ägyptischer Kosmologie oder persischer Philosophie (Zarathustra), findet bei der buchstäblichen Forschung nicht statt. Die Vielzahl der anfänglichen Bewegungen, die sich bekämpften oder in Konkurrenz zum Christentum der Kirche standen, eindeutig von hellenistischer Vernunftlehre (Logos) ausgingen, kommen so beim "historischen Jesus" nicht vor.

Wer heute weiß, dass es bei Moses nicht um einen zweibeinigen Volksbefreier und Vielschreiber ging, sondern bereits von hellenistischen Juden, damit den Verfassern der neutestamentlichen Texte eine frühe Vernunft-Philosophie gesehen wurde, der kann unmöglich in dem, der diesen Denkern mehr als Moses war, einen jungen Mann oder Mythos sehen wollen. Auch dass Moses heute als eine Erinnerungsgestalt des aus Ägypten kommenden bildlosen prophetischen Kultes gilt, der sich in Weltkreativität/Schöpfung begründete und von menschlichen Gottheiten befreite, wirft Licht auf den in Natur/Schöpfung begründeten Logos/die Vernunft als das nun christliches Wesen. Und wo immer klarer wird, wie letztlich in sog. Exilzeit, wenige Jahrhunderte vor der Zeitenwende, im Weiterdenken persischer Philosophie (Zarathustra) himmels-/naturbeobachtende Hebräer, die Schöpfung in Schrift fassten, der prophetische Bund entstand. Da muss es schon als Geschichts-, wie Fälschung der biblischen Geschichten gesehen werden, einen jungen Mann oder Christusmythos an den Anfang stellen zu wollen.

Die Heilsprediger-Hypothese, von der die heutigen Hochschullehrer auch dann nicht abrücken wollen, wenn entsprechend der Bultmann-Schule der angebliche junge Mann keine Rolle mehr spielt, blockiert das Denken. Wer im frühen Studium von einem jungen Galiläer gelernt, möglicherweise in Palästina nach dessen Spuren gesucht und darauf seine Lehre und sein Lebenswerk, letztlich auch seinen Glauben gebaut hat, dem ist kaum zuzumuten, in der bisher als Gegner des Glaubens gesehene Vernunft das geschichtliche christliche Wesen sehen zu wollen.

So wird vergeblich im Sand von Bethlehem gegraben, statt die damals als Wort geltende Vernunft, nach der das Weltganze nun erklärt wurde, zu bedenken. Von einem jungen Mann ausgehend ist nicht deutlich zu machen, wie die in natürlicher/vernünftiger Schöpfung begründete Weisheit im Stamme Davids der wahre König war, auf die sich auch die Basileia der synoptischen Geschichten, Gleichnisse und Wunder beziehen. Wie der prophetische Bund in Vernunft im Namen Josua, lat. Jesus auf neue Beine gestellt werden musste, weltgültig wurde, ist im buchstäblichen Verständnis kein Thema. Und gleichwohl der außerbiblischen Evangelien-Literatur zugebilligt werden muss, antike Vernunftlehren/Philosophie in Kult-/Volksgeschichte zu vermitteln, wie dies auch der Platonismus tat. Die synoptischen Evangelien, deren Literaturstil mit im Kaiserevangelium begründet wird, unterstellt die Hochschullehre weitere einen heilspredigenden Handwerksburschen, der versehentlich verherrlicht wurde. 

Der philosophische Monotheismus, wie er die Stoa begründete und auch im hellenistischen Judentum galt, kann bei der Heilsprediger-Hypothese nicht mit dem Neuen Bund/Testament in Verbindung gebracht werden. So wird der christliche Glauben zu einem leeren Konstrukt, das einem angeblich historischen Heilsprediger aufgesetzt wurde. Doch die alles wachsende Wissen verweigernde Heilsprediger-Hypothese erweist sich nicht nur schlimmer als jede Bücherverbrennung. Das Wissen, dass es hellenistischen Juden, wie den Vordenkern der Kirche oder deren Einheit zum Staatskult ausbauenden spätantiken Kaisern und in der gesamten kirchlichen Lehre bis zum Mittelalter um das ging, was wir gegenseitig als Weltvernunft so vergeblich fordern, wird durch die Heilsprediger-Hypothese als reine Verherrlichungsrede abgetan oder ausgeblendet. Ein Bedenken, dass den verschiedenen monotheistischen Geschwistern am Anfang genau das maßgebend war und zum Kult(ur)gut wurde, was heute auf Weltkonferenzen so vergebliche Predigt ist, wird verhindert. 

Selbst den noch christlichen Kalifen und Verfassern der Worte des Propheten, die vom gleichen Logos ausgingen, wie hellenistischen Juden der Zeit Josua/Jesus, im Koran zeitgemäße Vernunft Geschichte werden ließen, wird so eher unterstellt, einen jüdischen Wanderkyniker zu Mohammed umgemünzt zu haben, als nach der gemeinsamen Vernunft zu fragen.